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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-30 · Heft 26 (30.6.1893) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 26 (30.6.1893)
Date
1893-06-30
Page
Seite 311 (sequence 11)
Language
German
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311 dem Bartel, t Luft innen chaft gepaßt tgehen sehen, h beschleichen jt ein Stuhl, m. Sie seht Lädle könin wenn er fie denn nun htsinnig. wlc - alte Sarah Gesicht von >lz und ihr in der Grün sehen, ob er >b er heben segnet hat! dumpf ruf! cher!" 'ätt' gewußi illt' ich, der >en, als ich l warst ein itt, laß mir st Du jetz: ngt auf der e Freud - st schon ouf reitet Sohn wiiber zieh! )as blond' t, die Ver das Allen sch gestützt, hen Worte Herz fasse» ltet und er »roßen und;r geduldig lle um ihn hat er oft »einah vergewandert, ^geschlossen it bangem - blühende, Christoph Menschenlich! Seit der Stunde, wo das Mädchen mit Thränen ihn gebeten, ihr zu verfitzen, ist ihr Bild nicht von ihm gewichen, und seit er sie neulich hat auf die Lippen küssen müssen — müssen, das war's, da wogt's »ad wallt's in seinem Herzen. Und zur Stunde wird sie einem nubern Mann zugesprochen. Und wenn das nicht wäre? Er hat den Kopf schütteln müssen i '.'inner Bartel, welchen sie den Tanzelesjud geschimpft haben, Du weißt «ohl, die blonde, frische Bauerndirn ist weiter von Dir entfernt, wie eine Prinzessin in einem stolzen Schloß! — Als die Mutter gegangen ist in ihrem schönsten Gewand, dem itavarzen Seidenkleid, dem Hut, der zehn Moden überdauert hat, i>at sie gar feierlich geblickt und ihm die Hand auf den Kopf gelegt. „Baruchleben, mein Stolz, meine Freud! Sehn sollst, was Deine aite Mutter vermag! Bleib getrost, Du bist das Licht meiner Augen." Er hat ihre welken Hände an seine Lippen gedrückt und dabei Hauken müssen, wie die Dörtle's rothen Mund berührt haben — und i;ie Rede ist an ihm vorbeigeklungen wie leere Laute. Geräuschlos ist Lea ab- und zugegangen, nach dem Bruder zu -hauen, zu forschen, ob er irgend etwas wünscht; aber auf seine ..rage, warum denn die Mutter heut so geheimnißvoll eine Reise angetreten und wohin, hat sie auf ihrem bleichen Gesicht nur ein »iillcs Lächeln gehabt und ein inniger Blick hat ihn gestreift. Bor einer Stunde ist Frau Sarah dann zurückgekehrt, Stolz aufgerichtet hat sie den Kopf mit dem seltsamen Hute getragen, das weiße Haar hat gar ehrwürdig d'runter hervorgeschim inert, ihr Ge- -and hat gerauscht und ist nicht ängstlich von ihr gehütet worden vor der Berührung mit dem Straßenstaub; es hat etwas in der Haltung der alten Frau gelegen, das besagt, sie habe nicht nöthig, scheu und sparsam zu thuu. Und Bartel hat denken müssen, daß sie »ich einmal jung war und frisch, wie das Dörtle auf dem 3chwaderer-Gut. „Kommt Kinder!" hat Frau Sarah dann gerufen und ist feierlich m den Lade» getreten und hat an jede Hand eins genommen. „Lea, Du hast mich noch nie gekränkt," hat sie gesprochen, „es muß Dir gut gehen im Leben — und Du, Baruch, Du bist mein Stolz. Wie Ihr Beiden kleine Kinder gewesen seid, haben einmal die Leut gesagt: „Da geht die Sarah mit ihrem Glück." Hat auch teilte stolzere Mutter gegeben, als mich — und biu's noch heut und erst recht zur Stund." Wie eine alte Prophetin ist dem Bartel die weißhaarige Frau erschienen, und die schüchterne Lea hat mit stiller Bewunderung auf die Mutter geschaut. „Baruch, mein Sohn," hat Sarah weiter gesprochen, „sollst nicht rathen, woher i komm! Kännst's nicht rathen — aber ich sag Dir, ich komm von einem Ort, wo ist beschlossen worden Dein Glück." Mit einem schweren Atheinzuge hat der Sohn gefragt: „Sag's deutlicher, Mutter — ich versteh's nicht." Die schwarzen Augen der alten Frau haben geleuchtet. „Aus Weil der Stadt komm ich und dort ist ein Haus, das ist gar stattlich, das kann sich messen dreist mit all den Häusern, welche haben die reichen Leut, das ist dem Rüben Löw seins. Hat ein Geschäft darin, das ist's beste in ganz Weil der Stadt, solch feine Maaren. Sind Einem ordentlich die Augen schwach geworden vom Schauen! Aus dem Haus komm ich, mein Baruchleben." „Hast Einkäufe gemacht, Mutter?" „Einkäufe! Ei, schau doch, heut!" hat die alte Frau gelacht. „Und doch — ja, sollst Recht haben, ich Hab ein Einkauf gemacht — das Glück von meinem Sohn Hab ich gekauft." (Forts, folgt.) U Auch eine Geistergeschichte! Von Nahida Remy. Die Sage läßt, gern Tobte wieder aufleben; nicht etwa blos wie Dornröschen in hundertjährigem Schlummer Erstarrte, sondern wirkliche Todte, ja, geschichtliche Todte. Unter der Schaar längst Verstorbener, welche in der mystischen Volksphantasie noch immer der Auferstehung harren, ragen besonders drei vom Silberschein des Alters umwobene, doch kraftvolle und von einander grundverschiedene Gestalten hervor: der königliche Psalmendichter des Alten Testaments, der Talmudist Simon ben Jocha'i, und Kaiser Friedrich I., der „Rothbart"; interessant ist, daß die Barbarossa-Sage eben im Höhlcnaufenthalt Simon ben Jochar's ihr Vorbild haben soll. (S. Gelbhaus: Die mittelhochdeutsche Dichtung in ihrer Beziehung zur bibl. u. rabbin. Lit.; über S. ben Jochäi's Leben lese man in W. Bacher's „Agada der Tannaiten", 2. Bd., oder Grätz: „Geschichte der Juden", 4. Bd., nach). Alle drei von der Poesie verklärten Einsiedler bergen sich der Sage nach noch in ihren Höhlen und warten. Worauf —? David wartet auf Elias. — Sobald Elijähu, der allezeit willige aber nicht immer bereite Helfer und Tröster der Menschen (er hat eben gar viel zu thun!) zu David kommt und ihm die Hände wäscht, dann erhebt sich der König und tritt seine Regierung wieder an (d. h. kommt als Messias; nach Anderen kommt der Nachkomme Davids: Meschiach ben David). Worauf wartet nun Simon in seiner von mächtigen, unserer deutschen Eiche so ähnlichen Johannesbrodbäumen beschatteten Höhle? — Ich weiß es nicht, aber ich vermuthe, er wartet auf die erste Bedingung eines menschenwürdigen Daseins, das Recht der eigenen Meinung und die Freiheit der Rede! Und Barbarossa —? Noch immer lauert das Volk, daß der alte Kaiser aus seiner Kysfhäuserhöhle heraustreten und goldene Zeiten für Deutschland bringen möge .... aber es träumte ihm kürzlich von einer Romreise und da schüttelte der einst so mächtige Kämpfer gegen päpstliche Anmaßung unmuthig das bärtige Haupt und brummte: Noch nicht! — Einen schönen Uebergaug bildet von diesen älteren Geistersagen zu den neueren Gespenstergeschichten Goethe's Ballade: „Die Braut von Corinth". Freilich hier schon spielt die moderne Sinnlichkeit hinein (man lese das Gedicht selbst nach!), doch bleibt sie trotz allen Wagemuths noch schön, ja züchtig. Aber nun die Modernen! — Die Modernsten!! Möge Einer unter der schier unübersehbaren Menge als Beispiel dienen, dessen Charakterkopf noch ein vornehmes Gepräge bewahrt hat, trotzdem er sich gar oft auf dem Markte zeigt: Paul Heyse. Unlängst war von seinen Gespenstergeschichten die Rede („Rundschau", Dez.-Nr. v. I. u. ff.). Ich las sie — natürlich nicht Blatt für Blatt, dazu fehlte mir die Geduld — aber die kennzeichnenden Stellen. Die lüsterne Kirchhofschöne Abigail, die erst die Nerven des in sie verliebt gewesenen Mannes bis zum Uebermaß reizt und dann im rechten Moment durch die Gitterstübe entschwindet (worüber er sich merkwürdiger Weise gar nicht wundert), — das liebliche Gespenst Blandine, das — alle Achtung! — am hellen lichten Mittag im Garten umherschivebt und die Blumen auriecht, — und die Anderen alle, deren Namen ich vergessen — (ich besitze ein gutes Gedüchtniß, aber dergleichen kann ich mir nicht merken!) — sie erscheinen fast iusgesainmt als Hallueinationen hysterisch Veranlagter, wenn es auch Männer sind, welche sie erleben und erzählen. Selbst das Kind, die Kaninchenhüterin „Lisabethle", bietet nur ein pathologisches Interesse.

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