Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1893)
- Date
- 1893-06-30
- Page
- Seite 307 (sequence 7)
- Language
- German
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307 m jüdischen rechtfertigt, doch Schuldes Fried- Beweis für ibbiMoscheh Hanakdan; elssohn'scher on Ewald; em Talmlid ieit es den n. Er war für jüdische s, wie diese chlen. Das ringen aus 1808) entsebuche für uld späterer dlage nicht achtet, das; rubte schon, >en. Sollte Als ob die res airdereu Sittengutcs tigung verr darstellen. Verneinung ind, liefern hwächliches, wir denn 5 die paar cht genireu che Schulen dafür beden Geist mm sollten Schulbücher en Schulen chtung und trägt leicht ler. Diese der Wellie Dichtung ihre besten i'er wären hnheit des n zurückr. Sollte sebuch für ngs sind? übten Ausrnagel von r Verfasser rohe Ehelichen Darstellung. Und ich muß mich entschieden dagegen wenden, daß der Verfasser eines Lesebuches einer größeren Anzahl von Stücken das Gewand seiner Sprache, die Form seiner Jdeenverbindungen anziehe! Aber da läßt sich Rath finden. Man wähle die zur Ausnahme in die Lesebücher geeigneten Stoffe aus; der Gemeindebund setze Preise aus für die beste Darstellung, und es werden sich genug berufene Zedern finden. Ich zweifle nicht, daß der hochgeschätzte Redakteur dieses Blattes und ein Professor Steinthal es nicht verschmähen iverden, zur Ausgestaltung eines wirklich jüdischen Lesebuches beirutragen. Wie könnten sie auch in wirksamerer Weise ihr Jnteresie für die Zukunft des Judenthums bekunden! — Noch einen anderen Zweig der Lehrdichtung müssen wir hier herausheben: den Spruch, die Vereinigung aller Richtungen einer volksthümlichen Philosophie. Mit Recht haben daher seit Wackernagel die Herausgeber aller besseren Lesebücher dem Spruche seinen gebührenden Platz eingeräumt. Zn einem Lesebuche für jüdische Schulen soll der deutsche Spruch nicht fehlen; aber der jüdische soll daneben stehen. Wiederum muß darauf verwiesen werden, daß die Spruchdichtung deutscher Nation vielfach jüdischer Herkunft sich erfreut, oder wenigstens einen unvertennbar semitischen Typus aufweist. Vieles lehnt sich an die Bibel : Mischleh) an, Anderes entstammt — horribile dietu — rabbinischen Duellen. Die vornehmste Lehrdichtung des Mittelalters, die Beicheideuheit des Freidank, hat gleichmäßig aus beiden Quellen geschöpft. Darf man es uns da verdenken, wenn wir auf den Ursprung;urückgreifen? Eine Anzahl der erlesensten Sprüche aus Bibel und Talmud, die alle Bezüge des sittlichen Lebens spiegeln, gehören unbedingt in ein Lesebuch für jüdische Schulen, werden ihm zur Zierde gereichen und seine erziehliche Wirkung stärken. Was die Dichtung uns in Worten malt, das haben die Helden der Geschichte in ihrem Verhalten, in ihren Thaten verkörpert. Es genügt nicht, diese Gestalten im gesprochenen Worte, in dem Knochengerüst des Leitfadens vor die kindliche Seele zu stellen: in glanzvoller, harmonischer Darstellung sollen sie immer wieder dem Sehnen des Jugendgemüthes erreichbar sein. Sie sollen mit dessen Denken und Fühlen so ganz und für immer verwachsen, wie das nur in diesem Alter möglich ist. — Wenn wir zu den Charakterbildern aus der jüdischen Geschichte noch kulturhistorische Schilderungen besonders wichtiger Einrichtungen und Zeitabschnitte hinzurechnen, endlich noch vorzügliche lyrische Erzeugnisse hinzudenken, dann haben wir Alles zusammen, was einem Lesebuche jüdischen Geist einverleibt, ihm einen wahrhaft jüdischen Stempel aufprägt; daß ich dabei nicht an ein Realienbuch Hästerscher Art denke, mag so nebenbei erwähnt werden. Aber einen Vorzug hatte das genannte Lesebuch: die Fülle von Stoffen. Und ein Lesebuch für jüdische Volksschulen muß reichhaltig sein und darf schon höhere Anforderungen an die Form stellen. Die jüdischen Schulen sind zumeist von geringer Kinderschaar besucht. Es kann darin erheblich mehr geleistet werden, als in überfüllten Dorf- und Stadtschulklassen, und erfahrungsgemäß wird auch mehr geleistet. Dieser Umstand darf nicht außer Acht gelassen werden. — Ob cs nach den aufgestellten Forderungen sich nicht empfehlen würde, wenn der D. I. G. B. die Herstellung eines einheitlichen Lesebuches für israelitische Schulen Deutschlands in die Hand nehmen würde, das möchte ich hiermit der pädagogischen Erörterung anheimgeben. Es war dies ein Problem, das ich (siehe den Versammlungsbericht vom vorigen Jahre) der hessischen Lehrerkonferenz zugedacht. Seitdem gehöre ich dem Verbände nicht mehr an und bin ihm räumlich ferngerückt. So ergriff ich denn gern die Gelegenheit, meinen Auseinandersetzungen auf diesem Wege Gehör zu verschaffen — im Interesse der Schule! U Araber und Kabilen. Von Dr. Eduard Glaser. Mein jahrelanger Umgang mit Kabilen, Beduinen und städtischen Arabern hat in mir ein Gefühl des Unmuthes erzeugt über die verkehrten Anschauungen, welche in Europa hinsichtlich dieses besonders für die Juden so interessanten Volkes gehegt werden. Insbesondere ärgere ich mich über das fortgesetzte Unrecht, das man den Kabilen und Beduinen zufügt, indem man sie mit den städtischen Arabern in einen Topf wirft. Ja man stellt sie sogar noch tiefer als diese, als ob sie wirklich nichts weiter wären, als ein gemeines Raubgesindel, nicht der Rede werth. Das kommt mir gerade so vor, als wenn Jemand nur die lammfrommen Kaufleute und sonstigen braven Steuerzahler unserer Städte und Dörfer, dann die Schulmeister, Straßenpflasterer und Hühnerzüchter als die Elite der europäischen Gesellschaft hinstellen würde im Gegensatz zur Hefe der Bevölkerung, die das Gros der Aristokratie, Diplomatie, Generale und ähnliche Individuen in sich schließt. Nach amerikanischer Auffassung mag das zutreffen. Aber von Amerika trennt uns ein Ozean, der stellenweise Tausende von Metern tief ist, und noch tiefer ist die Kluft, die zwischen unserem strikegesegneten Erdtheil und Arabien gähnt, Arabien, dem Lande der Kasten, das es in dieser Hinsicht getrost mit Indien aufnehmen kann. Wie kann man es da mit seinem Gewissen vereinbaren, Arabien nach europäischer Schablone zu beurtheilen! Thäte man das, dann müßte man die Geldheroen, wie Wechsler, Bankiers, Fleischhauer und Bäcker, als die imponirendsten Erscheimmgen der arabischen Gesellschaft betrachten, und da käme man schon in den Städten, wie beispielshalber San n, 'Inan, Sa'da, Ebhü, Mekka schön an; denn kein Araber von echtem Schrot und Korn wird die genannten Erwerbsklassen anders als von oben herab anschauen. Und wie viel schlimmer erst sieht es in dieser Hinsicht bei den stabile» und Beduinen, also bei den Stammesarabern aus! Für diese ist Alles Paria, was seinen Stammbaum nicht wenigstens bis z» des seligen Noahs Zeiten Nachweisen kann und nicht obendrein effektiv einem Stammesverbande angehört. Was ist in den Augen eines Kabilen ein Gelehrter, und >väre dieser auch vom Range eines Newton, was ein nicht einem Stamme entsprossener Araber, auch wenn dieser Vor- und Zunamen, Stand und Charakter jedes seiner Ahnen bis ins zwanzigste Geschlecht zurück nachzuweisen vermöchte! Die stolzen Namen eines Schwarzenberg, Liechtenstein, Coburg u. s. w. wären für den Stammaraber noch lange nicht so viel wie ein Hnrisch ibe Mur'l, ibe Rökan, ibe Tu'aimün, ibe 'Askar, ibe Seif, ibe Zimölön und so fort bis auf Noah, selbst wenn besagter Hörisch und die Gesammtheit seiner Vorfahren niemals einen Heller Geldes besessen und niemals gewußt Hütten, daß es anßer einem Fetzen um die Lenden auch noch andere Kleidungsstücke gebe. So habe ich es denn auch für meine Person meinen beduinischen und kabilischen Freunden gegenüber niemals für gerathen erachtet, einfach und bieder die Wahrheit zu sagen, wie etwa jener Heine'sche Araber, der der Königstochter beim Brunnen schlankweg antwortet: Ich heiße Mohammed und bin aus Jemen. Dieser konnte es thun, denn er durfte stolz hinzufügen: Mein Stamm sind jene Asra, welche sterben, wenn sie lieben. Was aber wäre mein Stamm, wenn ich der Wahrheit gemäß sagen würde: Ich bin Eduard Glaser, ja selbst der Doktor Eduard Glaser. Etwa die Benü Glaser, die niemals eine Ghazwa (Razzia) gegen andere Stämme ausgeführt, ja die vielleicht noch uni die Mitte des vorigen Jahrhunderts na inenlos waren? Nein, mundus vult decipi, ergo decipiatur, und das Jeder nach seiner Art! Darum ziehe ich es vor, auch von kabilisch-beduinischer Abstammung zu sein. Ich mache meinen braven jüdischen Vater, der solche Präten-