Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1893)
- Date
- 1893-06-30
- Page
- Seite 305 (sequence 5)
- Language
- German
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305 als gute efähr drei fernt, anmisationsonie Clara Lie bilden x Kolonie tsam und lgt haben.; Häuser, aber zwei 250 Meter irten und Nonigotes oelcher sie Iben nicht Satte waren. Die tisten an, ter Ernte, rtre Rios, ie Selbstevor dies rsgestattet ühe, zwei ergeräthe. , was am i Verlauf eben sind, chten der her Theil tmte Anerst dattn isirt sein und das v. Hirsch ank aller i für die en ihrer ieutenant hast der Festmahl zlied Sir rikanische - Juden Kennan. als so laubensner Unv. Hirsch n ihnen nen nach können. Glaubensmuth Von Rabbiner Dr. Ludwig Pick. „Was du errebt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." Viel Herrliches haben wir aus nnserm jüdischen Alterthnm geerbt, unvergängliche Denkmäler menschlicher Ordnung und edler Gesittung, glänzende Zeugnisse ernsten, religiösen und geistigen Schaffens, ehrfurchtgebteteude Beweise wiffenschaftlicher Pflege uitd Förderung einer erhabenen Welt- und Lebensanschauung. Wir haben die Bibel, wir haben den Talmud, wir haben die reiche nachtalmndische jüdische Litteratur, die sich über alle Gebiete menschlichen Wissens, gelehrter Forschung und fördernder Bestrebungen erstreckt. Hat die Bibel das Jtidenthnm mit dem Priestermantel umhüllt, seine Stirn mit dem priesterlichen Diadem „Heilig dem Ewigen" gekrönt, seine Brust mit dem Schild „Licht und Recht" geschmückt, so hat der Talmud ihm den Priester!icheir Oberinantel zum Schutz gegen die Stürme der Zeiten gleichsam mit goldenen Spangen auf die Schultern befestigt, das „Heilig dem Ewigen" zum klaren Bewußtsein gebracht, das „Licht und Recht" ihm ins Herz vertieft, so hat ihm die spätere, reichhaltige jüdische Litteratur, wie früher schon die glänzenden jüdisch-alexandrinischen Schöpftmgen, die Welttvege geöffnet, den Verkehr und Gedankenaustausch mit den Völkern der Erde vermittelt. I» der Bibel liegt die Wurzel, (im Talmud erhebt sich der Stamm, in der spätcru Littcrattir breiten sich die weitragende» Aeste, wölbt sich die Krone am Lebeusbaum des Judenthums. Wo giebt es ein schöneres, ein edleres Erbe, als dieses! Das Hervorragendste und Kostbarste au diesem reichen, geistigen Erbe ist aber der Glaubensmuth, jenes unerschütterliche Vertrauen in Gottes Leitung der menschlichen Geschicke, in die von Gott gezeichnete Stellung des Judenthums unter beit Völkern der Erde, in die religiöse und sittliche Weltniission Israels, in die „Ausbreilimg der Gvttes- und Lebenserkenutniß über die ganze Erde, wie Wasser den Meercsgrtmd bedecken." Dieser unentwegte Glaubensmuth zieht sich ivie ein rother Faden von dem ersten Stammvater Abraham durch unsere mehrtattseudjährige Geschichte hindurch. Der Elanbensmuth, er hat Abraham beseelt und um Moses Scheitel den göttlichen Glanz der prophetischen Weltschau gewoben; er hat die Stirn der auf der Warte der Zeiten stehenden Propheten wie „Demant, härter als Felsen" gemacht, um ohne Furcht und Zagen den Verirrungen der Geschlcchter cntgegenzntreten, um selbst in den Zeiten des tiefsten Elends ohne Furcht und Zagen vor Spott und Verbitterung den Trost der Zukunft zu verheißen. Der Glaubensmuth, er klingt in mächtigen, heiligen Akkorden durch die Psalinen: „Gott ist Zuflucht uns und Macht, läßt gern sich finden als Hilf' in Nöthen — darum fürchten wir nicht, wenn die Erde sich wandelt, wenn wanken die Berge im Herzen der Meere" (Psalm 46). Der Glaubensmuth, er brandet mit Macht im Herzen der lorbeerbekränzten Makkabäer; er wogt mit majestätischem Wellengang durch den Talmud, er verklärt die unabsehbaren Reihen der jüdischen Märtyrer des finstern Mittelalters; er adelt und krönt auch das Martyrium des Judenthums der Neuzeit. In früheru Zeiten, da die Religion im öffentlichen Leben noch im Vordergründe aller Interessen stand, da sie über alle Herzen und Geister die unumschränkte Herrschaft ausgeübt, hat jede widrige Zumuthung, jede Verlockung, jeder Druck, der auf die Bekenner des Judenthums ausgeübt wurde, den Widerstand derselben nur um so zäher gemacht, den Glaubensmuth derselben nur um so mehr gesteigert. „Jaah anjutlia l’Jisrael“ sagt daher der Talmud: Die Bedrängniß steht Israel wohl au, weil da seine unentwegte Treue, sein unerschütterlicher Glaubensmuth um so glanzvoller hervortritt. Seitdem aber infolge der realistischen Richtung der Zeiten die Religion ihre ausschließliche Herrschaft im öffentlichen Leben eingebüßt und die weltlichen Angelegenheiten das Uebergewicht über dieselbe gewonnen, erzeugt irgend ein Hemmniß auf der Bahn des praktischen bürgerlichen Fortschritts nicht mehr eine Reaktion aus dem besondern Glaubensbekenntniß, das dabei gar nicht getroffen wird, als vielmehr aus dem allgemeinen moderne» Humanitäts- und Staatsbewußtsein, wonach alle Staatsbürger ohne Unterschied der Konfession nicht blos verfassungsmäßig, sondern auch praktisch wie gleichverpflichtet, so auch gleichberechtigt sind. Wenn bei diesem veränderten Standpunkt der Welt- und Lebensanschauung, der verhältnißmäßig noch zu jung ist, als daß er der menschlichen Gesellschaft schon ganz und gar in Fleisch und Blut übergegangen sein sollte, weshalb der Glaubensfanatismus innerhalb derselben zum Theil noch immer seine Rechnung findet — wenn jetzt noch, wie das gegenwärtig in einigen Fästen vorkommt, Juden ihrer Glaubens¬ und Stammesfahne untreu werden, so bekunden dieselben nicht blos in der Religion, sondern auch in Bezug auf die immer höhere'Entwickelung der Menschheit einen völligen Mangel an Glaubensmuth. Es sind nur dürre, morsche Zweige, die vom Baume des Judenthums absalleu, die auch in dem neuen Boden, in den sie sich eingepflanzt, besser eingerammt, iveder Wurzel schlagen, noch auch Früchte tragen, wohl aber Herlinge bringen „die demjenigen, der sie isset, die Zähne stumpf machen". Das Judenthum, die alte mehrtausendjährige Ceder vom Libanon, steht trotz der Ungeheuern Stürme, die im Laufe der Zeiten über sie hingeweht, noch ungebrochen da. Wenn nun einige dünne Zweige den verhältnißmäßig wenigen Windstößen der Neuzeit nachgeben und brechen, so liegt die Schwäche nur in diesen, nicht aber in dem Stamm, von dem das Prophetenwort gilt: „Gleich der Terebiute und der Eiche, denen beim Blätterfall ein Wurzelstamm zurückbleibt, ist heiliger Same sein Stamm" (Jes. Kap. Ü, 13). Solche Windstöße in der Neuzeit sind die antisemitischen Attentate auf die staatsbürgerlichen Rechte der Juden und auf die Lehre des Judenthums. Es liegt klar am Tage, daß die Angriffe auf die Lehre des Judenthums, die an sich rein und lauter, human und edel, nur einen Vorwand bilden, Spiegelfechtereien sind, zur scheinbaren Begründung ihrer Angriffe auf die staatsbürgerlichen Rechte der Juden. Manche Juden sogar lassen sich von diesen Spiegelfechtereien blenden, was besonders bezüglich des Talmud um so leichter geschieht, als sie selber nicht in der Lage sind, durch eigenen Einblick in denselben und durch ein objektives wissenschaftliches Urtheil von dem gewissenlosen Spiel dieser Bewegung sich zu überzeugen. Der Talmud aber ist ja der natürliche und berufene Ausleger der heiligen Schrift. In seinem scharfen Geistesspiegel erscheint die Thora unseren Augen in ihrem tvahren Farbenreichthum, in der großen Mannigfaltigkeit ihrer religiösen und sittlichen Ideen, in -der Fülle ihrer Erbauung und Tröstung. Man nennt ihn gewöhnlich das „Talmud-Meer", und diesen Namen führt er wegen seiner großen Ausdehnung und Geistestiefe. Wie das Meer, so hat anch der Talmud seine Fluth und seine Ebbe; seine Fluth liegt in der reichen, vollen Entfaltung des Schriftwortes und seine Ebbe in der weisen, starken Selbstbeherrschung, indem er dann, wenn der geistige Sturmdrang in der vielseitigen Auslegung des Schriftwortes ihn mächtig vorlvärts getrieben, sich auch mit großer Anmuth und Geschmeidigkeit auf die ursprünglichen Grenzen des Schriftwortes zurückzuziehen und zu beschränken verstand. Wie das Meer, so hat auch der Talmud seine kostbaren Perlen ewig giltiger Gedanken, Empfindungen und Regungen. Wie das Meer den blauen Himmel und die Gestirne abbildet und dieses herrliche Bild in frischem Strahlenglanz zurückwirft, so spiegelt der Talmud auf dem Grtmde seines Geistes den Sinai und über ihm den Offen-