Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1893)
- Date
- 1893-06-23
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228012--49914-3271502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
57. Jahrgang. Nr. 25. Gerlin, 23. Juni 1893. Der Gemeiri-ebote. WeiLcrge zur „Allgemeinen Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. LL Berlin, 20. Juni. In der am Sonntag beu 18. er. unter Vorsitz des Herrn Hermann Landsberger stattgehabten Sitzung der Repr äsen tauten-Versammlung wurde Mittheilung gemacht von einer Schenkung der Frau Nauru) Böhm von 10,000 M. zu Grinsten der Nanny und Julius Böhm-Stiftung. Zum Mitgliede des Vorstandes der ^Qtcii Synagoge wird sodann Herr Michael Fiegel gewählt. Es wird hierauf beschlossen, den durch Abbruch des alten Verwaltungsgebäudes auf dem Friedhose Schönhauser Allee frei werdenden Platz zu Erbbegräbnissen einzurichten und mit Rücksicht auf die durch die Verlegung der betreffenden Baulichkeiten! entstandenen Kosten den Platz für jede Grabstätte auf 1500 M. zu normireu. Nachdem noch der Rechnungsabschluß der Waisenkommission - Minderverbrauch 2107 M., — sowie der Rechnungsabschluß der Hauptkasse, der pro 1892 mit einein Ueberschuß von 82,559 M. 65 Pf. abschließt, genehmigt worden, wird der Kassenverwaltung Decharge er« heilt. Ein weiterer Beschluß betraf die Errichtung eines Anbaues an die Alterversorgungsanstalt in der Hamburgerstraße, worauf die geheime Sitzung eröffnet wurde. — Berlin, 18. Juli, lieber die Berufswahl der Ostern 1891 abgegangenen jüdischen Abiturienten veröffentlichen die „Mittheilungen aus dem Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus" folgende Zahlen: Tie Zahl der daselbst angeführten Abiturienten betrug 8619, wovon 269 (7*/.2 pCt.) jüdischer Konfession waren. Nach der Volkszählung vorn 1. Dezember 1890 lebten in Preußen 64,4 pCt. Evangelische, 84,4 pEt. Katholiken und 1,2 pCt. Juden, mithin stellten die Juden 6,8 pEt. mehr Abiturienten, als ihnen der Bevölkerungsziffer nach znkommen müßte. Diese Abiturienten haben sich folgenden Berufszweigen zugewandt: 1. Berufszweige, die den Juden offen sind: Theologie. Evangelische . . 475 Katholiken 358 Juden 4 Medizin. . . 487 162 120 Jura und Cameralia . . . . . 492 107 74 Baufach. . . 66 20 7 Klassische Philologe . . . . . 69 16 4 Kaufmaunsstand. 49 8 0 Ingenieur- und Technikerfach . . 42 7 9 Bankfach. . . 45 6 5 Berg- und Hüttenfach . . . . . 28 10 2 Naturwissenschaften .... . . 21 4 7 Maschinenbaufach .... . . 21 7 1 Chemie. . . 28 2 3 Geschichte. . . 17 8 8 Elektrotechnik. . . 9 6 5 Mathematik. . . 11 4 8 Neuere Sprachen. . . 10 1 1 Germanistik. . . 8 0 1 Nationalökonomie .... . . 8 0 3 Landwirthschaft. 7 0 Sa. 1911 783 261 H. Berufszweige, die den Juden verschlossen sind: Theologie und Philologie, Militär und Marine, Postfach, Steuerfach, Beamtenlaufbahn, Forstfach. Die jüdischen Abiturienten bilden 7pEt aller Abiturienten. Da ihnen nun die oben angegebenen 6 Bernfszweige verschlossen sind, so ergreift die Zahl, die der Statistik nach in diesen Zweigen Unterkunft finden müßte, also 7^2 pCt. von 468 4- 108, d. h. 48 Juden, die übrigen Berufe. Auch dieser Grund muß berücksichtigt werden, wenn man sich über die hohen Ziffern wundert, welche die Juden z. B. bei Jura und Medizin aufweiseu. 0a. Aus Schlesien, 16. Juni. Nachdem die Gemeindevertretung in Oppeln sich endgiltig für einen Synagogen-Neubau entschieden eitung öes Iuöenthurns". hatte, wurde als Bauplatz für das neue Gotteshaus das zur Ehristoph'schen Konkursmasse gehörige Gerbereigrnndstück am Mühlgraben in Aussicht genommen. Die Kaufsverhandlungen sollen jedoch au der zu hohen Forderung des Massenverwalters gescheitert sein. Es wäre dies insofern zu bedauern, als für die neue Synagoge ein geeigneterer Bauplatz kaum mehr gefunden werden dürfte — Wie wir hören, siedelt der aus Myslowitz entstammende, in Königshütte ansässige Rechtsanwalt Herr Meißler am 1. Juli er. nach Halle über, um sich daselbst als Privatdozent (für Handelsrecht) uiederznlassen. Am 27. v Mts. verschied in Breslau nach langem Leiden Herr Tr. med. I. Horwitz, Ebrennntglied der dortigen israelitischen Krankenverpflegungs- und Beerdigungs-Anstalt. "Als im Jahre 1866 Breslau von einer schweren Epidemie heimgesucht wurde, war der opferbereite Verewigte einer der Ersten, welcher in aufopfernder, uneigennütziger Weise der Anstall seine schätzbaren Kräfte widmete. In Anerkennung dieses seines Wirkens wurde derselbe s. Z. zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannt. F. Lublinitz, im Juni. Dieser Tage st:irb zu Breslau der Königl. Kommerzienrath Bernhard Selten, welcher, voll hier stammend, seinen Geburtsort erst vor zehn Jahren verließ und in Breslau sein Domizil nahm, nicht, ohne manches Verdienst sich geschaffen zu haben. 2o hat er eine Reihe von Jahren hindurch, seinem Eharakter entsprechend in Ruhe und Ordnung, in voller Pietät gegen das Judenthum, als Vorsteher die Gemeinde geleitet. Namentlich aber hat er sich im hiesigen Streife ein Denkmal gesetzt, indem er in Gemeinschaft mit seinem, bereits verstorbenen Bruder ein Krankenhaus gestiftet, welches allen'Armen ohne Unterschied der Konfession zu Statten kommt; wld burd) Solidität und Fleiß, durch Besecheidellheit und Anspruchslosigkeit war es ihm geglückt, ein ansehnliches Vermögen zll sammeln. In welcher Weise er bezüglich desselben testirt hat, ist noch nicht bekannt. Jedenfalls hat er sich burd) seine Eigenschaften lind Handlungen ein bleibendes Denkmal gesetzt. Friede seiner Asche! 8. Hannover, 19. Juni. In die neue Erz ieh un g §all sta lt A h lem bei Hannover sind Anfang dieses Monats die ersten Zöglinge eingezogen. Das außergewöhnlich trockene Wetter dieses Frühjahrs war für völlige Austrocknung des Gebäudes sehr günstig; dahingegen haben die jungen Anpflanzungen gelitten, obgleich durch sorgfältige Pflege die Mehrzahl der Bäume, namentlich die werthvollen, bis jetzt gut erhalten sind. Bis heute befinden sich 11 Zöglinge in der Anstalt, während weitere 8 angemeldet sind und in nächster Zeit eintrcffen. Von den Zöglingen stammt einer aus Posen, einer aus Schlesien, einer vom Rhein, einer von Frankfurt a. Main, einer aus Hannover und 6 aus Leipzig, von den weiter angemeldeten und in den nächsten Sctgeu eintreffenden Zöglingen sind 4 aus der Provinz Hannover und 4 aus Memel. Da die Anstalt für 60 Knaben eingerichtet ist, so bleibt allerdings immer noch Raum für 40 Zöglinge. Die gesannnteu Unterhaltungskosten fiir die 6 Leipziger Knaben trägt Herr Alphons Jacobson aus Leipzig, ein Mann, der infolge seines Wohlthätigkeitssinnes gegen Bekenner aller -.Konfessionen und seines Verständnisses für die richtigen Mittel, die Lage unserer armen Glaubensgenossen dauernd und wirksam zu bessern, allgemein geehrt ist. Dagegen haben außerdem Herrn Kommerzrath Jakob Israel, trotzmehrfacherAusforderung weder die Berliner Gemeinde, noch die Waisenhauskommission, noch sonst Jemand dort bis jetzt die Anstalt durch Geldmittel oder durch Zuweisung von Zöglingen unterstützt, obgleich die Erziehungskosten in dieser Anstalt sich billiger stellen, als die Gemeinde Berlin bisher für die von ihr untergebrachten Kinder zahlt. Allerdings find eine ganze 'Anzahl Gesuche aus Berlin eingelaufen, Zöglinge von dort völlig kostenfrei aufzunehmen. Daß die, nicht wie die altern Institute mit reichen Mitteln ausgestattete junge Anstalt solche Gesuche unberücksichtigt lassen mußte, wird Niemanden in Erstaunen setzen, der sich nur annähernd ein Bild von den K osten des! Baues und der Einrichtung einer solchen Anstalt machen kann Von j Frankfurt a. M., ist die Zusage ertheilt, für 10 Zöglinge zu zahlen, j wovon bis jetzt allerdings erst einer in der Anstalt ist. Die von Herrn! A. Jacobson aus Leipzig ausgewählten 6 Knaben, obgleich von armen