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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-23 · Heft 25 (23.6.1893) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 25 (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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299 (Schluß.) ich; er lies; §r gab mir Da nahm Orient, um >§, Libanon Arkadiens, Per armes rpellen des te ich alles zu finden, nit Steinpfing man hatte nur r bei den anziskaner, damit ich Hinz», Sie ,'anm verjre Ahnen Sie beten Aber Gott aft ist zn st die Anrschiedenen und mein Narghileh rechten auf die fernen mgeheuren rn funkelte mir den r Zelle gefurcht vor der allein sich, daß ganz leise rerior der anzösischen Ephraim rgenlande, h zu sich " Er vere meinen n nehmen, verlassen, ngeheuren fröhliches : zu auf ährend ich in wenig die mich zannen zn ester und eine von Sie mit, es ist gar nicht weit von hier, in einer sehr alten Kapelle. Sie wissen, daß wir die Hagia Sophia verloren haben?" „Es ist viel mehr als hundert Jahre her," unterbrach der andere kleine Pope. „Der Patriarch", begann der erste wieder, „hat! nur noch arme Kirchen. Aber was wir heute zu sehen bekommen, wird sehr schön sein. Der Hochwürdigste ertheilt einem Diakouus die Weihen, einem einzigen, seinem Lieblings Mönch Johannes, der sicherlich der Ruhin der Kirche, der unsrigen, Herr, der wahren, sein wird.! Er. "wird Archimandrit, dann Bischof, Erzbischof und vielleicht sogar Patriarch werden. Wir glauben Alle, daß er in die Hagia Sophia zurückkommen tvird mit dem Bischosskreuze in der Hand. Er erklärt das Evangelium auf eine ganz besondere Weise, von der ich nicht viel; verstehe. Er muß Geheimnisse wissen, die der Herr Jesus ihm enthüllt hat." Wir eilten also über Stock und Stein der Kapelle zu,; deren Glocke leise läutete. Das Jkonastasium war noch geschlossen, der Klerus leierte mit näselnder Stimme im Sanktuarium seinen Sing-Sang ab. Ich stützte mich auf die Lehne eines wurmstichigen ' Sitzes; meine zwei Popen thaten dasselbe neben mir und begannen , eifrig zu beten. Die Zuhörerschaft war spärlich. Vier bis fünf Schiffer, j trotzige Gestalten mit ungepflegten Haaren, einige jener orientalischen j Mönche, die uns unwillkürlich an Gendarmen erinnern. Mit! einem Male verstummten die Priester und das Chor öffnete sich! langsam. Es wurde feierlich still. Wen erwartete diese versammelte j Priesterschaft, die Augen auf das Tabernakel heftend? Plötzlich! schritten zwei Gestalten, deren Erscheinung ich niemals vergessen werde,! dem Eingang des Sanktuariums zu. Der Patriarch, in einen Chorl uiantel aus Goldbrokat gehüllt, unter dem die Purpurschuhe hervorj traten, setzte sich vor den Altar. Seine Stirn war mit einem! königlichen Diadem geschmückt, in der linken Hand hielt er den! goldenen Bischofsstab, die Rechte war erhoben, Daumen gegen Zeige-! nuger gerichtet. So segnete er den Klerus und die Gläubigen. Zu gleicher j Zeit stieg ein sehr junger Mönch in die Kirche hinab. Er blieb zunächst! einige Augenblicke stehen, wie verwirrt durch einen Sonnenstrahl, der! durch ein hohes Fenster schief zwischen den Porphyrpfeilcrn hereinfiel. Dann machte er einige Schritte und nahm eine feste Haltung an mit gekreuzten Armen und geöffneten Händen. Zwei Priester gingen! zu ihm und träufelten in seine Kinderhände, auf seine reine Stirn! und seine Lippen das heilige Salböl. Das war kein Grieche. Die sehr feine Nase verrieih durch ihre leichte Krümmung einen arabischen oder jüdischen Ursprung. Sein mattweißer Teint war der eines Asketen, der im kalten Schatten des Klosters aufgewachsen ist. Sein prächtiges goldrothes Haar wallte in starken Locken bis auf den Gürtel herab. Die sehr sanften, aber wie durch Fieberglnth getrübten Augen hatten eine seltsame Farbe, das grünliche Blau des Meeres oder tiefer Seen. Der junge Mann blickte in der Kirche umher, als ob er einen Abwesenden suchte. Die Kirchendiener gaben ihm ein Zeichen, worauf er auf de» Patriarchen zuschritt und mit gesenktem Haupte vor diesem stehen blieb. Der Bischof erhob sich, befestigte an des Jünglings! rechte Schulter die lange und breite byzantinische Purpurstola, hüllte! ihn mit väterlicher Güte in die weite, weißseidene und mit goldenen! Asphodclosblumen dnrchwirkte Dalmatica, die bis zu den Füßen! hinabging. Nachdem er ihn so mit den heiligen Insignien bekleidet hatte, breitete er die Arme aus, zog das Haupt des Jünglings an! seine Brust, gab ihm den Friedenskuß auf die Stirn und setzte sich! ivieder majestätisch auf seinen Thron. Zwei Chorknaben reichten darauf dem neuen Diakouus das qualmende Weihrauchfaß. Johannes! schwang es dreimal gegen den Patriarchen, indem er diesen begrüßte,! dann gegen das Portal und die Gläubigen rechts und links. Der duftende Rauch stieg in gelinden Azurwindungen zur sonnigen Kuppel hinauf bis zur linken Seite des griechischen Kreuzes. Wie der junge Mönch so dastand in seiner weißen Dalmatica mit dem goldigen Haar, in dem die Sonnenstrahlen glitzerten, und den meerblauen, von der Ekstase strahlenden Augen, mitten unter den blutrothen Pfeilern und halbverdeckt von dem. Weihrauchnebel, schien er im Begriff, gen Himmel zu fliegen, in der mystischen Verzückung der Heiligen, getragen von einer leuchtenden Wolke und vom Glorienschein gekrönt. Er hatte nur noch einen Gebrauch zu erfüllen, das Amt, welches am eigentlichsten zu seiner neuen Würde gehörte, nämlich das Vorlesen des Evangeliums vor dem Volke. Die Chorknaben schlugen das Evangelium auf. Es lag auf einem am Eingänge zum Jkonostasium stehenden, mit weißem Tuche bedeckten Pulte. Johannes ging auf das Buch zu, aus dem er, das Angesicht den: Volke zugewandt, das erste Kapitel Johannis lesen sollte. In dem Augenblick, als er die Einleitungszeile des Apostels mit einer Art schinerzlicher Zärtlichkeit küßie, hallte ein feierlicher Schritt auf dem Pflaster des Hofes wieder. Der Diakonus schien zu beben. Er ergriff mit zitternder Hand das Räncherfaß und schwenkte es über das Evangelium. Plötzlich schloß er halb die Augen, um sich zu sammeln oder zn bete». Jemand den man keineswegs zu dem Feste geladen hatte, trat in die kleine Kirche ein, der, den der junge Mann soeben mit seinem Blick suchte, der unglückliche Vater, dessen Liebe er verrathen hatte, David, der Rabbi von Nicäa. David trug sein Trauerkleid, wie in jener Nacht, als er vor Ariams Hanse erschienen war. Sein graues Haupthaar wurde eng von einer leinenen Binde umschlossen, ähnlich dem Kopfschmuck des Ezechiel von Michelangelo. Sein Gesicht war starr wie Stein; er ging vorwärts, nur Ephraim sehend, mit der fürchterlichen Ruhe eines Visionärs. Der Diakonus hatte, todtenbleich seine Hände bittend gefaltet und las: „Hier beginnt das Evangelium Johannis." David lehnte sich an den nächsten Pfeiler, sich dem Blicke seines Sohnes entziehend. Dieser hielt einige Sekunden an und begann wieder: „Im Anfänge war das Wort, und das Wort war Gott." „Du lügst!" sagte der alte Rabbi halblaut in griechischer Sprache. Die Schiffer mit den wilden Gesichtern und funkelnden Augen spähten unruhig aus, von welchem Munde die Gotteslästerung gekommen sei; der Patriarch, der nichts vernommen hatte, bewahrte seine priesterliche Ruhe. Ephraim senkte die Stirn und fetzte mit verzweifelter Stimme fort: „Es war das wahrhafte Licht, das alle Menschen erleuchtet, so es zur Welt kommt. Es war in der Welt und die Welt war für dasselbe geschaffen; aber die Welt hat es nicht erkannt. Er ist in sein Haus gekommen und die Seinen haben ihn nicht aufgenommen." „Du lügst!" sagte David von Neuem, sich dem Diakonus nähernd. Der Erzbischof erhob stolz das Haupt, und die Mönche gingen drohend einen Schritt auf ihn zu. Er blickte sie so furchtbar an, das; sie zurückwichen. Ephraim wankte, und rezitirte schreiend wie ein Sterbender den dreimalheiligen Vers des Evangelisten: „Und das Wort ist Fleisch geworden, und es hat unter uns gewohnt, voll Lieblichkeit und Wahrheit, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen die Herrlichkeit des einzigen Sohnes, den der Vater gesandt hat." „Du lügst!" rief David mit Donnerstimme. Ein Blitz zuckte in seiner Rechten auf und der arme Ephraim, der Enkel Judas, der Königssprosse, sank, von einem Dolche an der Kehle durchbohrt, zu Boden, das Evangelium Johannis in seinem Sturze mit sich reißend. Ein Blutstrahl verwandelte das Schneeweiß der Dalmatica in Purpur, und das schöne Haupt, bleicher als die Lilie von Galiläa, ruhte auf dem Worte des Täufers, das der Apostel wieder ausgenommen hatte: „Hier ist das Lamm Gottes." Das Sanktuarium schloß sich plötzlich hinter dem Patriarchen und den Priestern; David war in Verzweiflung aus der Kirche

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