Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1893)
- Date
- 1893-06-23
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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295 Bortes ober ietznng tmner Kapitel ug gebracki Laune bc-> ibcrn wohl r ähnliche wenig b>^ lr ein End et werdei» cohung zu alte, dam» Es ist die auf dieser 4)l aus der oder jenc-.- dieses Voll Folge, dir nd dadurch augedroh! als fraglicl etwas von überhaupt Israeliten e ergangen. aes iV1a88n ine Kuudt ht gerettet aorerst die jede anbestimmte aanke und eine Urniß weder das bei vie Phaubjekt, ohne ad thätig, affene, so : Herrscher : Wirkung a getödtet für de», war laicht; sie iuks Objekt, i von der ißten und en Worte Borte der auchendeu Phantasie. > Absicht, schwerlich : sie doch auf dem einen oder anderen Wege Israel mitgetheilt. Dieses sollte aus der Geschichte und den Geschicken Anderer lernen. Die Propheten teigen sich da nicht nur als gediegene Redner, sondern auch als echte Moralprediger. Es würde zu weit führen, wollten wir all jene Momente aufzählen, die sie mit dem Hinweis auf fremde Völker im Auge gehabt haben. Nur Einiges mag hervorgehoben werden. Vor Allem sollte Israel im Glauben an Jahve gekräftigt werden. Es geschah dies unter dem Hinweis auf die Götzen, die die Völker vom Untergang nicht retten können. Israel sollte vor Hochmuth gewarnt > iverden. Der Prophet wies hin auf das schmähliche Ende des hochj -uüthigen Babel, Moab, Tyrus. Es sollte die Frage beantwortet lverden, warum es dem ruchlosen Edom gut, dem noch treu gebliebenen Israel schlecht ergehe. Der Prophet antwortet, daß das Glück Edoms ein vergängliches sei; bald fällt sein Staat in Trümmer. Hauptsächlich aber sollte gerade mit den iVlassa's der den Propheten geläufige und bis zum heutigen Tage sich als wahr bewährte Gedanke >on der ewigen Dauer Israels ausgesprochen werden. Der Grundton »er Nassa's bleibt doch: Die Israel feindlichen Völker gehen zu Grunde, Israel besteht. Den Zweck der Nassa ins Auge fassend, kommen wir zu dem Schlüsse: Die Nnssie's sind Strafgerichte über fremde Völker, an Israel gerichtet. Als Moralpredigten fordern sie Israel indirekt auf zur Bescheidenheit, Selbstveredelung, vor Allem Vertrauen zu sich selbst und auf seinen Gott zu haben. Die Frage, warum indirekte Moralpredigten halten, warum dem Volke nicht geradezu sagen: seid so und so — ist eine müßige.! Erstens weil in der That die Propheten direkte Strafreden genug gehalten haben, und dann dürfte es auch für den Homiletiker noch unentschieden sein, ob direkte oder indirekte Strafreden wirksamer sind. Es hängt das immer von der Beschaffenheit des Publikums! ab, zu dem man spricht. Im Allgemeinen darf angenommen werden, s daß ein gebildetes Publikum es bald satt haben wird, sich die Fehler; vorrechnen und mit Rathschlügen versehen zu lasten. Dagegen wird ein Hinweis auf geschichtliche Ereignisse, aus denen, wenn auch indirekt, sich die Lehre von selbst ergiebt, williger hingenommen werden. Das Letztere thaten die Propheten in den Massa’s. Es waren Hinweise auf zu geschehende Ereignifle, für deren Eintreffen die Persönlichkeit des Propheten die volle Glaubwürdigkeit in Anspruch nahm, Geschehnisse, aus denen Israel lernen, auf sich selbst die Anwendung machen sollte. Bei manchen Nassa's kommt der Prophet dein Denken des Zuhörers zu Hilfe und niacht selbst die Anwendung, besonders in der Gegenüberstellung der Geschicke Israels und der der Völker. Daß es die Propheten der Na88a's mit einem gebildeten, ja hochgebildeten Publikum zu thun hatten, muß vorausgesetzt werden. Einem ungebildeten oder halbgebildeten Publikum hätte man es nicht wagen dürfen, Reden dieser Art zu halten. Selbst bei der Annahine, daß diese Reden nicht vorgetragen, sondern schriftlich verbreitet wurden, der Leser also über Wort und Gedanken nachzustnnen Zeit hatte, muß für diese Reden ein hoher Grad von Bildung und eine nicht geringe Reife des Urtheils vorausgesetzt werden. Wir haben doch in den meisten > prophetischen Reden das echt klassische Alterthum mindestens in demselben Grade, wie irgend ein klassisches Werk der Griechen und Römer, und — auch diese zu lesen und zu verstehen ist nicht Jedermanns Sache. VI. Das Massa hat, wie so viele Begriffe und Worte, im Laufe der Zeit manche Veränderung und Umdeutung erfahren, nicht selten ist es auch mißverstanden und absichtlich mißbraucht worden. Auch diesem Worte erging es wie so manch anderem. Man vergaß die ursprüngliche Bedeutung, hauptsächlich, daß es zumeist völligen Untergang und Sicherheben durch Musik bedeutet. Wie es so oft im Sprachgebrauch zu geschehen pflegt, daß man dem Mittel den Namen dessen beilegt, zu dessen Erreichung es dient, so wurde aus Massa, das Erhebung zum Prophezeien ist — Prophezeiung selbst. Dann nahm mau es einfach für Strafrede, Zurechtweisung, auch Verhängniß. Als letzteres wird es im II. B. Kön. 9, 25 gebraucht. Dort ist es Jehu, der sich empört, den König Jorani tödtlich verwundet. Jehu spricht zu seinem Wagenlenker: Wirf ihn auf das Feld des Naboth . . . denn Gott hat über ihn „dieses Massa verhängt". So zu sterben ist sein Verhängniß. Der Prophet hat ihm diese Todesart vorausgesagt. Auch zwei Kapitel in den Sprüchen Salomos (Mischlö Kap. 30 und 31) haben zur Ueberschrift Massa. Hier wird das lVIa88a zur einfachen Zurechtweisung. Kapitel 30 ist eine Zurechtweisung, gerichtet gegen den Eigendünkel und die Selbstüberhebung. Beschränkt, das ist der Inhalt, ist menschliches Wissen und Können. „Wer stieg gen Himmel und kam hernieder? wer sammelt Wind in seinen Schooß? ... Weißt du es?" Wolle du die Vorsehung nicht verbessern. Vielmehr magst du bete», daß Lüge und Falschheit dir fern bleiben, du Kraft zur Wahrheit habest. Bete, daß du nicht verarmst und deine Ehrlichkeit nicht auf die Probe gestellt werde. Nicht um Reichthmu bete, du könntest sonst übermüthig und gottvergessen werde». Bete: „Gieb mir, Gott, das tägliche Brod." Hierauf geißelt der Dichter das sich weise düukende Geschlecht. Es ist ein Geschlecht, das dem Vater flucht, die Mutter nicht segnet, sich rein dünkt in seinen Augen, und ist so unrein, so unlauter. „Ein Geschlecht, das stolz blickt .. . dessen Zähne Schwerter, dessen Gebisse Messer sind, um zu zerfleischen die Armen im Lande, die Dürftigen unter den Menschen." Das Massa als Zurechtweisung kann nur bis hierher gehen. Der Spruch Alukas ist ein Erfahrungssatz. Höchstens könnte mau noch Vers 17 zum Massa rechnen, der die Strafe für unwürdige Behandlung der Eltern ausspricht. Das Ma83a Kapitel 31 erklärt sich selbst in der Ueberschrift als Zurechtweisung. Die Königin-Mutter weist ihren Sohn zurecht, sie thut cs so schonend als inöglich. Darauf deuten die Worte hin: „Mein Sohn, «teiiteS Herzens Kind!" Trotz dieser Liebenswürdigkeit bezeichnet der Dichter die ermahnende Rede mit Recht als „Last". Freilich weniger als Last für die redende Mutter, als für den Prinzen oder den vielleicht schon regierenden König. Das Massa geht hier nur bis Vers 10. Ein interessantes Beispiel, wie das Mussa mißverstanden, oder absichtlich mißbraucht wurde, bietet uns Jeremia Kap. 23, V. 33—40. In diesen Versen ist von den falschen Propheten und von dem, durch diese irre geleiteten Volke die Rede. Um deutlich zu sein, müssen wir uns diese Sätze ansehen, die wir in möglichst treuer Uebersetzung wiedergebeu. Sie lauten: Wenn dich dieses Volk oder ein Priester oder ein Prophet fragt und spricht: was ist das Massa des Ewigen? sage ihnen, was das Massa sei?) Ich verstoße euch, sprich der Ewige. Und der Prophet, der Priester und das Volk, das sprechen wird: Massa des Ewigen! Ich ahnde an diesem Manne und an seinem Hause. So spreche der Freund zum Freunde, der Bruder zum Bruder: Was hat der Ewige erwiedert, was hat der Ewige gesprochen? Massa des Ewigen sollt ihr nicht erwähnen, denn Massa ’) Septuaginta, Vulgata und Raschi lesen statt KtPEH Hü HS — XITört DflX „Ihr seid die Last", und bildet nach ihnen dies schon die Antwort auf die Frage, was Massa sei. „Ich verstoße euch" ist n»r die Folge. Wir lesen: xrttH na und lassen nur das nx fort. Sage ihnen, was Massa. sei (bedeutet). Es bedeutet: Ich verstoße euch. Selbst wenn man Dnx liest, kann es doch nicht als Erklärung des Massa, sondern nur als treffliches Wortspiel gelten, wie das P. 39 ein Wortspiel ist. i