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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-16 · Heft 24 (16.6.1893) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 sebuches fin s der vor eingehender eer Debatte Herausgabe rdert. Di, schuß seitens hlen. Den Berathuna uftrage des e bereits in ib nunrneh: )cr Entwurs e, daß seine ftem Brave aß auch die in den ver Gebetbücher klegnng des ^ere Debatte ber die zur enden Wege in seinem des Verben müsse, nterstützung dneten Re Gemeinden linden über gionsunter- ^wecken ge Verbandes anerkannt, sofort die an; andere ese freudige c wünschen, )et. Nachntliche Ge tzenden gean welchen! Stinunung rnitätsrath der Reihe hirschlandl Nachbarn Ausdruck An das :ll erntete. :rde ebenso mfen. So ndes einen aran, daß >en Früchte fanden am ihung derer Festzng raelitischen se gebracht. aus Köln »r Bürgerlst unüberder neuen Dr. Frank sammelten, instündiger Mitwirkung age wurde Ehrengäste vollzählig theilnahmen. Nach Schluß desselben beglückwünschte der Herr Dechant aus Gladbach die israelitische Gemeinde zu dem neuen Gotteshaus. Oesterreich-Ungarn. * Wien, 12. Juni. Bekanntlich hat vor einiger Zeit der Weinhauser Pfarrer Dr. Joseph Deckert im „Vaterland" ein an ihn gerichtetes schreiben des derzeit über Requisition des k. Landgerichts in Leipzig in Haft befindlichen Paulus Meyer zur Veröffentlichung gebracht, in welchem der Letztere die Behauptung aufstellte, daß er im Jahre 1875 zu Ostrom im russischen Gouvernement Lublin Zeuge eines vom dortigen ^abbi Josuah aus Lentschna im Vereine mit mehreren Orthodoxen versacken Ritualmordes gewesen sei. Dieses Schreiben Paulus Meyers ist durch die Presse auch in Warschau und im Gouvernement Lublin bekannt a worden, wo die Tochter jenes Rabbi Josuah und mehrere der durch Paulus Meyer beschuldigten Personen noch am Leben sind. Den in so smnählicher Weise Verleumdeten liegt selbstverständlich Alles daran, die lügnerische Anklage Paulus Meyers zu entkräften, und ebenso erachtet e die Tochter des verewigten Rabbi Josuah als ihre Kindespflicht, das Andenken des Vaters vor solcher Verunglimpfung zu schützen. Die ermähnten Personen haben sich daher an den hiesigen Rechtsanwalt Reichs- : ckhs-Abgeordneten Dr. Joseph Kopp gewendet und denselben mittelst Igalisirter Vollmacht beauftragt, die Ehrenbeleidigungs-Klage gegen Paulus Meyer und Pfarrer Dr. Deckert vor dem Wiener Schwurgerichte v! erheben. Wie wir erfahren, hat Dr. Joseph Kopp die Vertretung u diesem Prozesse übernommen und im Laufe des gestrigen Tages bereits d e Anklage beim Landesgerichte iiberreicht. Die Auslieferung des Paulus 'Neyer an die sächsischen Behörden dürfte angesichts der erhobenen Klage voraussichtlich bis nach Beendigung dieses Prozesses verzögert werden. tc Vertretung des Angeklagten Meyer hat Dr. Porzer übernommen. — xi Ue berichtet wird, ist die wider Paulus Meyer und den Pfarrer Deckert! i dem hiesigen Landesgerichte erhobene Ehrenbeleidigungs-Klage auch ggen den verantwortlichen Redakteur des „Vaterland" gerichtet, in v elchem die Zuschrift Meyers abgedruckt war. (Vgl. die Korr. Warschau.) * Prag, 13. Juni. Die medizinische Fakultät der czechischen Universität gab über Aufforderung des Kuttenberger Kreisgerichtes evn Gutachten ab, daß die Dienstmagd Havlin, deren Leichenauffindung den bekannten Koliner Judenexzeß hervorrief, den Ertrinkungstod gefunden und keine Spur gewaltthätiger Einwirkung von fremder Hand zu konstatiren mar, weshalb die Frage eines Ritualmordes ad limine abgewiesen werden mußte. Großbritannien. * London, 11. Juni. Die in England existirenden gelehrten Gesells lasten haben soeben einen Zuwachs erhallen. Eine neue historische G esellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden in Eng-! utb ist gebildet worden. Der als Schriftsteller bekannte Lucien Wolf ist nn ersten Präsidenten ernannt worden. Englische Geschichtsschreiber von 'Huf, wie Stubbs, Gardiner, Creighton und der auch so vielen Deutschen : chmlichst bekannte Custos an dem Britischen Museum, Richard Garnett, ljaber: sich der neuen Gesellschaft angeschlossen. — Das Parlamentsmitglied Mr. Samuel Montagu hat den Vorschlag gemacht, daß in London io dem Ostende, dem Viertel der Armen, eine „Rothschild-Halle" rach dem Muster der „Toynbee-Halle" von den reicheren Mitgliedern d-?s jüdischen Glaubens gegründet werden solle. In dieser Halle soll w enigstens ein Dutzend Rabbiner und Laien wohnen, deren Beruf es s in würde, den einwandernden Juden mit Rath und That zur Seite zu stehen und sie zu englisiren. Dieses Projekt ist von den Führern der jüdischen Gemeinde in London mit großem Beifall begrüßt worden. Rußland. * Warschau, 10. Juni, lieber das Märchen von Ostrow schreibt man dem „Freien Blatte" von hier: Das Erste und bis nun das Allerwichtigste bleibt das offiziell bescheinigte Faktum, daß Rabbiner Pehoschua ben Schelomo Leib mi-Lentschna, der 1875 in Ostrow einen .^indesmord zu rituellen Zwecken begangen haben soll, bereits zwei Jahre früher, den 26. April 1873 in Warschau starb, wo er auf dem jüdischen Kirchhof begraben liegt. Er kam einige Wochen früher hierher, um ärztliche Hilfe zu suchen, und erlag hier seinen Leiden. Also in der Osterzckt 1875, wo das Verbrechen geschehen sein soll, war besagter Rabbiner lange nicht mehr unter den Lebenden. Paulus Meyer giebt an, daß er damals 14 Jahre zählte. Wenn er nun auch als das Datum der That das Jahr 1873 annehmen wollte, wo der Rabbiner bereits zur Osterzeit todtkrank darniederlag, so mußte er 11 bis 12 Jahre alt gewesen sein, und es gehörte doch Wahnsinn dazu, Jemanden: einreden zu wollen, daß ein Kind in diesem Alter in Kabbalastudien ein geweiht und zu so einem blutigen Akte, wie der von Meyer beschriebene, zugezogen werden sollte. Das ermordete Kind soll von Lubartow hergebracht worden sein. Der Magistrat dieser Stadt, wo alle Geschehnisse in der Bevölkerung nach den: Gesetze genau verzeichnet werden, bescheinigt offiziell, daß weder im Jahre 1875, noch viele Jahre zuvor ein Kind, weder in der Stadt, noch in der Umgegend auf eine unerklärliche Weise verschwunden sei. Dasselbe bescheinigt in Betreff des ganzen Kreises der Kreishauptmann (Naczelnik powintu). Auch bescheinigen sämmtliche Stadträthe (Lawniki), die aus christlichen unbescholtenen Bürgern bestehen, daß kein christliches Kind in den besagten Jahren in der ganzen Umgegend verloren ging. Eine Tochter des 1873 verstorbenen Rabbi Jehoschua ben Schelomo Leib ist jetzt die Frau des chasfldischen Rabbiners in Bialy (Gouvernement Siedler). Dahier leben auch noch die beiden sogenannten Assistenten und Mithelfer bei dem angeblichen Kindesmorde in Ostrow, Mojsche Baricher und Srul Parzewer. Der Erstere ist noch „Scharnes" (Bedienter) dein: Rabbi, der Zweite ist jetzt Privatmann. Bei Lubartow lebt noch in einem Dorfe der sogenannte Kinderlieferer Schmul Tarier, ein armer Kuhpächter, der seinerzeit der rabbinischen Küche in Ostrow Butter und Käse lieferte. Alle die hier genannten Personen bevollmächtigten einen Hof- und Gerichtsadvokaten in Wien, gegen Paulus Meyer die Klage wegen Verleumdung einzureichen. Das ist einstweilen Alles, was wir Ihnen in Bezug auf die sensationelle Affaire mittheilen können. Was die Person des Paulus Meyer betrifft, gelang es uns auch, einige interessante und, wie wir nach allen Einzelheiten glauben, untrügliche Daten zu erlangen. Paulus Meyer, früher David Leib Aschkenazi, ist der Sohn eines jüdischen Thoraschreibers (Sofer) in Brzesc litewski. Von seiner frühesten Kindheit an zeigte er einen so schlechten Sinn in seinen Neigungen und seinem Betragen, daß er von seinen Eltern und Bekannten als Auswurf betrachtet ward. Er war eine Plage für seine früh verwittwete Mutter und seine Angehörigen. In den Knabenjahren nahm ihn ein Oheim in Ostrow zu sich. Dort weilte er einige Zeit, und aus jenen Tagen rührt auch seine Bekanntschaft mit der Oertlichkeit und den Namen des gewesenen Rabbiners und seines Bedienten. Bald lief Paulus Meyer seinen: Onkel davon, und nun führte er ein unstetes, abenteuerliches Leben Man verheirathete ihn später mit einem anständigen, fromm erzogenen Mädchen, er schied sie aber schon nach einigen Monaten und lief wieder davon. So verbrachte er einige Jahre, ein Vagabundenleben führend, bis er sich vor ein paar Jahren nach Berlin verschlug, wo er sich taufen ließ und jene fieberhafte antisemitische Thätigkeit entfaltete, die ihm seither eine so zweifelhafte Berühmtheit verschafft hat. 0«lgarieii. r. Sofia, 9. Juni. Die Unentschlossenheit in dem jeder Grundlage entbehrenden Blutbeschuldigungsprozeß von Wrazza zeigt sich in dem jedesmaligen Hinausschieben der festgesetzten Frist für die Gerichtsverhandlung. Jüdischerseits darf man wohl ohne Bangen diesem Tendenzprozesse entgegensetzen, wenn auch eine Schuldigsprechung der ersten Instanz nicht mit Sicherheit ausgeschlossen ist. Laut hier kursirender Nachrichten soll ein anderes Gericht zur Verhandlung dieser Angelegenheit delegirt werden. Die politischen Ereignisse des Moments, die Abhaltung der großen Sobranje in Gr.-Tirnowo, die Rundreise des Fürsten und dessen Einzug in der Hauptstadt Sofia absorbiren den Minister so, daß diese Wrazza-Affaire noch einen Aufschub erleiden muß. Wie immer es auch sein mag, so viel steht fest, daß die Sache nicht so enden wird, wie die Arrangeure der Blutlüge es ursprünglich geglaubt haben. Wird aber der Prozeß in objektiver Weise durchgeführt werden, dann muß das Versteckenspiel aufhören und die Wahrheit gar bald ans Tageslicht kommen. — Die römische Säule, von welcher ich neulich berichtete, wurde vom Grandrabbin Dr. Grünwald bereits in Augenschein genonnnen. Es erhoben sich aber Stimmen, welche behaupteten, daß dieselbe möglicherweise von den städtischen Behörden hierher transportirt wurde und mit dem Judenthum nichts zu thun habe. Deshalb unterblieb eine weitere Untersuchung dieser Säule und wurde dieselbe dem Stadlmuseum zur Verwahrung überlassen. — Bei dieser Gelegenheit bitte ich zu berichtigen.

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