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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-16 · Heft 24 (16.6.1893) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 daß in der ersten Sitzung der Repräsentanten der bulgarischen Juden bei der Gründung der Hermandad 1800 Fres zusammengeschossen wurden. Die Bildung von Zweigvereinen steht bevor Die Repräsentanz der Hermandad, welche in Sofia domilizirt, tritt mit der Alliance Israelite in Paris in Fühlung, womit auch die ehemaligen Komitees zu neuer Thätigkeit erstehen dürften. Amerika. * Chicago, 30. Mai. Am 26. und 27. v. M. tagte in Chicago ein Komitee jüdisch-amerikanischer Delegaten, um Vorbereitung für die Betheiligung des Judenthums an dem während der Weltausstellung zusammentretenden Parlamente der Religionen zu treffen. Dieses Komitee veröffentlichte folgendes Cirkularschreiben: „An unsere jüdischen Brüder. Wir, die Unterzeichneten Vertreter der Union der jüdischen Genwinden Amerikas, der Centralkonserenz der amerikanischen Rabbiner und eines Chieagoer Lokalkomitees, entbieten den Juden und den Freunden der Juden in allen Ländern unsere herzlichen Grüße Der Weltkongreß, ein Zweig der Columbia Weltausstellung, hat die Bekenner des Judenthums offiziell eingeladen, sich in dem im Kunstpalaste vom 11. bis zum 28. September abzuhaltenden Parlamente der Religionen durch Delegaten vertreten zu lassen. Es ist unsere Pflicht, an diesem Kongreß aller bestehenden geschichtlichen Religionen theilzunehmen, damit kein Glied der Kette fehle und damit, so vollständig wie möglich der Beweis geliefert werde, daß, so vielfältig auch unsere Verdienstansprüche sein mögen, der Glaube, der uns mit der Menschheit verbindet, die Hoffnungen, welche wir hegen, unb die gemeinsamen Ziele, die wir Alle erstreben, wichtiger und wesentlicher sind, als eine jahrhundertlange, tiefgewurzelte Unduldsamkeit vermuthen ließen Ein anderer, nicht minder wichtiger Grund veranlaßt die Juden, sich in geeigneter Weise in dem Kongresse vertreten zu lassen. Obgleich die Geschichte des Judenthums einen Zeitraum von mehr als 3000 Jahren umfaßt, so ist es doch mehr als irgend ein anderes Religionssystem mißverstanden und falsch ausgelegt worden. Irrige Ansichten darüber sind so festgewurzelt, daß wir noch mit Beschämung gewahr werden, wie sogar die erleuchtetsten ^Rationen der Erde nicht nur solchen Meinungen über uns. welche der Fanatismus erfunden hat und die jeder geschichtlichen Unterlage entbehren, Glauben schenken, sondern sogar als Vorwand für die Verfolgung unserer Brüder gelten lassen. Seit dem Bestände unserer Religion wurde dem Juden nie eine solche Gelegenheit gegeben, um sich vor der Welt in das rechte Licht zu setzen. Es wäre verbrecherische Nachlässigkeit, wenn wir diese Gelegenheit nicht benützten, um durch solche Männer, welche durch Wissen, Reife des Urtheils, Charakter und durch ihre Werke auf allgemeine Anerkennung und Aufmerksamkeit Anspruch haben, der Welt laut zu verkünden, was von jeher die Grundlagen unserer Religion, unsere Hoffnungen und Ziele gewesen, was die hauptsächlichsten geistigen Errungenschaften sind, welche uns die Menschheit verdankt, welches unsere Stellung anderen Religionen gegenüber ist, und in welchen Beziehungen das Judenthum der höchsten Civilisation noch unentbehrlich ist. Aus diesen Gründen erlauben wir uns. Sie um Ihre moralische Unterstützung und Ihr herzliches Mitwirken in dieser Vertretung des Judenthums zu ersuchen, für welche uns vom Ceueralkomitee die Albende des 13., 15. und 16. September 1893 anberaumt wurden Von Seiten des Weltkongresses liegt auch der Plan vor, eine sektionelle Konferenz behufs einer vollständigeren und ausgedehnteren Darstellung und Besprechung solcher theoretischen und praktischen Fragen, welche jede einzelne Glaubenssekte angehen, abzuhalten, und laden wir Sie hiermit herzlich ein, an den Sitzungen unseres sektionellen Kongresses theilzunehmen, der unter den Auspizien der Centralkonferenz amerikanischer Rabbiner während der am 28. August 1893 beginnenden Woche stattfinden und einen offiziell anerkannten Theil des religiösen Weltkongresses bilden wird. Anmeldungen zur Betheiligung werden vom Rabbiner Joseph Stolz in Chicago oder vom Sekretär Rabbiner Charles Levi, Hebrew Union College in Cincinnati, entgegengenommen." Von Nah und Fern. — Als Nachtrag zur Wahlbewegung ist erwähnenswerth, daß zwei Führer der konservativen Partei, die Herren v. Puttkamer-Plauth und v. Plettendn rg-Mehrum, sowie zwei Landrät he v. Unruhe- Bomst und v. Löbell sich entschieden gegen die antisemitische Bewegung ausgesprochen haben. - In dem Prozeß wegen der „Judenflinten", der seit der Auflösung des Reichstages wieder seinen Fortgang genommen hat, ist den Betheiligten das Urtheil zugestellt worden, das 125 Seiten umfaßt. Da gegen das Urtheil die Revision angemeldet ist, so liegt der Vertheidigung nunmehr ob, diese innerhalb acht Tagen zu begründen. Sonach dürfte, falls nicht durch eine etwaige Wahl Ahlwardts in den Reichstag wieder eine Unterbrechung erfolgt, das Reichsgericht in etwa sechs bis acht Wochen sein Urtheil sprechen. — Im hiesigen Krankeuhause ist nach schweren Leiden der lange Jahre in Schievelbein vortrefflich wirkende Rabbiner H. Rackwitz gestorben, dem seine Gemeinde einen warmen Nachruf spendet. — Der evangelisch? Pastor Gustav Habermann, Pfarrer in Swinge im Harz, hat eine Studie „Christenthum und Staat" veröffentlicht, in der der Antisemitisnms der konservativen Partei einer scharfen Kritik vom konservativen Standpunkte aus unterzogen wird. — Zu der Breslauer Kantorwahl wird mugetheilt, daß der nichtbestätigte Opernsänger Cerini inzwischen das Staatsbürgerrecht erworben und sein Amt als 1. Kantor definitiv übernommen habe. Die Vakanz ist somit endgiltig erledigt. — Der auch als Komponist von Synagogengesängen rühmlichst bekannte Oberkantor der israelitischen Gemeinde zu Braunschweig, H. Goldberg, ist am 12. d. Mts. in hohem Greisenaltcr gestorben. — Der antisemitische Kandidat für Heidelberg, Konsul Köster, hat eine Postkarte folgenden Inhalts erhalten: „Nach Durchsicht der mir zugesandten Flugblätter kann ich Sie nur beglückwünschen, daß deren Ungereimtheit und lächerliche Uebertreibung dieselben einigermaßen schützt vor dem Abscheu, welchen dieselben sonst einflößen müßten. Ich bedauere, daß Ihre achtbare Persönlichkeit sich mit einem so schmutzigen Geschäfte zu befassen für gut findet. Professor Dr. A. Schmidt. Heidelberg, 3 Juni 1893. — Der Privatdozent Dr. Emil Sz anto — Sohn des verewigten Simon Szanto — wurde zum außerordentlichen Professor für griechische Geschichte und Alterthumskunde an der Universität in Wien ernannt. - Die Akademie der Wissenschaften in Krakau hat den Professor Dr. L. Sternbach daselbst zum Mitglied ernannt. — In Holleschau in Mähren wurde Dr E Freimann, in Bisenz Dr. I. Spiro, in Vukovar Dr. I. Diamant zum Rabbiner gewählt. - In Triest starb kürzlich Marco Brunner, ein ausgezeichneter, um das Wohl der Stadt verdienter Bürger. Er stammte aus Hohenems in Vorarlberg. — Der Senator Constans hat in seiner berühmten Programm-Rede in Toulouse u. A Folgendes gesagt: „Wir wollen vor Allem nicht die Freiheit des Einzelnen antasten. Ob ein Bürger Katholik und zur Messe geht, ob er Protestant, ob er als Jude in die Synagoge geht, das sind Gewissensfragen. Sie gehen den Staat nichts an, der mit gleichem Wohlwollen allen Konfessionen gegenüberstehen itno sie alle umso mehr gleich behandeln muß, da die religiösen Streitigkeiten! bereits die Farbe von Rassenkriegen angenommen haben." - In Paris ist am 26. v. M. der Buchhändler Armand Durlacher, der Einzige, der auch einen jüdischen Verlag in Frankreich hatte, gestorben. — In London ist am 27. v. Mts. der bekannte Gelehrte Dr. Israel Michael Rabbinowicz nach langem Leiden gestorben. Derselbe har eine hebräische Schulgrammatik, verschiedene werthvolle Essays, sehr be deutende Werke und Uebersetzungen aus dem Talmud verfaßt. Dir Traktate Kesusoth, Sanhedrin, Makot, Chullin, Baba Mezia, Baba Bathra, Schebuot und Erachin hat er vollständig ins Französische über tragen. Friede seiner Asche! — Die rumänische Regierung hat aus die Beschwerde der jüdischen Reservisten die Präfekten benachrichtigt, daß das Fremdengesetz über den Landaufenthalt auf diejenigen Nichtstaatsbürger, die in der rumänischen Armee gedient haben, nicht anwendbar sei. — Die Beförderung von jüdischen Auswanderern nach Palästina wird einer Meldung der „Pol. Korr." zufolge eingestellt, da die Pforte beschlossen hat, weitere jüdische Ansiedelungen in Palästina nicht zu gestatten. Die jüdischen Auswandererzüge, welche die von Baron Hirsch eingesetzten Komitees im Laufe des Sommers bilden werden, sollen ausschließlich nach Argentinien gelenkt werden. — Kürzlich starb in Viktoria Emanuel Stein selb, ein früheres Mitglied der jüdischen Gemeinde Oberglogau, welcher Deutschland und Europa verlassen hatte, als angesehener Deputirter des Parlaments von Viktoria (Australien). Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin Verantwortlich für bte Redaktion? Mar Bauchwitz in Berlin.

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