Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1893)
- Date
- 1893-06-09
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 mb Kantor, itens aller issen, seine iner Herrn, geschildert, in beredten feit. Ehre n Jahres ehrnen wir bezügliche Bruchtheil der Sehn ) und alle Während \ Verlassen ,ungen zur nten Hälfte Äscher Emi rsten Aus indem die ellt wurde. Thätigkeü ühen über uns trotz canten, die eförderunn Bedingung erten Aus nach der igedeuteten ■ genöthigt, Personen, ieder nach ere Mitte! genommen Zrund der ) verlassen ire Unter sich wieder t sich vw' Erhebungen t, jmtt bis lewilligteu hts dieser lensbrüder rsten Auf ßt wordeir bedrängte nwärtigen Darum em tiefen, ude Bitte, Vermögen rken. In Wcht der Kaiserin!8. v. M. r Anstalt nhausmit gswarter, )r. Vogler reter der oldschmidt zigjährige twährende Hinkunst den wachsenden Anforoerungen werde Genüge geleistet werden können. Allein es wird dies versucht werden und hoffentlich auch gelingen trotz lener verwerflichen Strömung, welche bedauerlicher Weise in Wien platzbegriffen hat. Nach warmen Dankesworten für die Unterstützung der 3tadt Wien, der Schulbehörden, der israelitischen Kultusgemeinde rc. schloß der Redner mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Kaiserin als Protektorin. Stadtrath Dr. Vogler sprach den Erhaltern der Anstalt den Dank der Gemeinde aus, und deren Benüihungen inx Interesse der Volksbildung wurden auch von einem Vertreter der Schul- Ahörde anerkannt. Nach einer Ansprache des Predigers Dr. Güdemann lüib einem vom Direktor Albert S. Fischer vorgetragenen Abriß der beschichte des Vereins zur Erhaltung der Kinderbewahranstalt schloß dann die Feier mit der Absingung der Volkshynme. 1893 Nr. 1828 erlassen, fordere ich Sie hiermit auf, Ihren jetzigen Wohnplatz, zusammen mit ihrer Familie und ihren Dienern, zu verlassen, und nach einer Stadt zu gehen, welche sie sich nicht später als bis zum 24. Februar 1893 auswählen können. Sollten Sie diesem Befehle nicht Folge leisten, so werden Maßregeln ergriffen werden, um sie zwangsweise dorthin zu senden." — Die Person, an die dieser Befehl gerichtet war, ist ein sehr fähiger, thätiger junger Jude, Namens Glouskine, der im Militär gedient und den ungewöhnlichen Rang eines Unteroffiziers erlangt hat. Einige der vertriebenen polnischen Juden sind bereits in London auf ihrem Wege nach Amerika oder dem Cap eingetroffen. Sie sind meistens wohlerzogen und viele von ihnen sind im Besitze bedeutender Geldsummen." Rumänien. Rußland. 4. F. Petersburg, 1. Juni. Der „Odesk Nowosti" schreibt ihr Korrespondent ausBalta(Südrußland): „Jüngst hatte ich ein tragikomisches! Interview. Auf dem Heimwege begriffen, gewahrte ich plötzlich eine Menge armer Juden. Ich trat näher und vor mir stand eine Reihe von, den Zigeunerwagen ähnlichen, Gefährten, auf welchen bunt durcheinander eine stattliche Anzahl von Frauen, Männern und Kindern süßen. Aus dem Munde der gaffenden Menge, die das seltsame Lager!'wundernd umstand, hörte ich nur die Worte: „Baron Hirsch . . und „Argentinien . . ." Ich fragte, was hier vorginge und hörte zu meinem üvößtenErstäunen, daß sämmtliche Familien aus Dörfern des Gouvernements Fherson seien und die Absicht hätten, mit Hilfe ihrer schwachen halbverhungerten Pferde „nach Paris zum Baron Hirsch" zu fahren, se inen von der sonneverbrannten jungen Menschen, neben welchem eine üünze Schaar von. Kindern saß, fragte ich: „Wohin fahren Sie?" — 'Aach Paris, zum Baron Hirsch!" antwortete er mir ernst und trocken.; „ Glauben Sie denn, mit dieser Fuhre nach Paris zu gelangen?" fragte! ich erstaunt. „Gewiß! Warum nicht?" erwiederte er verblüfft über mein! Marinen. — Unsere Unterhaltung wurde dadurch, daß sich der erste! Wagen in Bewegung setzte und ihm die andern in langer Reihe folgten,! unterbrochen. Von den Lippen der Umstehenden hörte man jetzt nur Abschiedsworte und Segensausdrücke. So zogen sie vor meinen Augen vorüber, die armen bemitleidenswerthen Geschöpfe, auf erbärmlichen, vrbrechlichen Gefährten, vor welchen die denkbar schlechtesten Pferde spannt waren, den direkten Weg entlang nach Paris. — Hier in Petersburg hat man unter dem Vorsitze des Barons Ginzburg das " entral-Komitee für jüdische Auswanderer wieder eröffnet. Das Komitee! eabsichtigt die Gründung von Zweig-Komitees in Süd- und Westrußland. - Warschau hat der Polizeipräsident, nachdem bekanntlich das Verbot j d 's jüdischen Unterrichtertheilens für einen Jeden, der einen Er- I mbnißschein erlangt, aufgehoben worden, verordnet, daß der jüdische Achrer an den griechisch - katholischen Feiertagen keinen Unterricht erteilen darf. * Warschau, 2. Juni. In der Juni-Nummer der Monatsschrift „Darkest Russia" (Das dunkelste Rußland) lesen wir: „Im Dezember 1692 l 'nachrichtigle uns unser Spezialkorrespondent, daß die Ausdehnung der Mai-Gesetze auf die polnischen Provinzen bevorstände. Früher n ar es den Juden in Polen erlaubt, sich niederzulassen, wo sie wollten. Mtzt sollen sie unbarmherzig aus den Dörfern in die Städte getrieben u erden. Diese Austreibungsbefehle sind peremptorisch und gewähren in cungen Fällen nur eure vierzehntägige Frist, während welcher die unglück-! chen Familien ihre Vorbereitungen machen müssen, bevor sie ihr altes Heim verlassen Die Redaktion des „Darkest Russia" hat die folgende -Rittheilung ans Selpisk in der Provinz Radom erhalten: „Die Verreibung der Juden aus den Dörfern und vom Lande hat in Polen begonnen. In unserem Distrikte sind die darauf bezüglichen Befehle vielen vunderten von jüdischen Familien zugegangen. In einem einzigen Dorfe, Loukhodnieva, sind zweihundertfünfzig Familien in dieser Weise behandelt worden. In dem Distrikte Ronda-Gonzowska, an der Warschau-Wiener Eisenbahnlinie, haben 480 Familien den Befehl erhalten, ihre Heimath Mi verlassen. Alle diese Familien sind im Handel engagirt und müssen das von ihnen erworbene Eigenthum im Stiche lassen. Hier folgt der genaue Text eines solchen Ausweisungsbefehles. Derselbe wurde einem Juden in dem Dorse Kamienny zugesandt: „In Gemäßheit des Befehles, welchen der Chef der Polizei im Distrikte Konst unter dem 13. Februar * Bukarest, 4. Juni Der „Rumänische Lloyd" berichtet: Wie die Ausweisungsbefehle gegen die Juden in den Dörfern, namentlich in der oberen Moldau ausgeführt werden, läßt sich aus folgenden Beispielen deutlich erkennen. Einem Juden aus Borac wurde die ganze Habe auf einen Karren geladen und bis zur Moldaubrücke transportirt; da jedoch die Brücke in Folge der Ueberschwemmung gebrochen nnd daher die Ueberschreitung des Flusses unmöglich war, wurden die Sachen aufs Feld geworfen, woselbst sie durch drei Tage dem heftigsten Regen ausgesetzt blieben. Einer Frau, welche kein Geld besaß, uni den Fuhrmann zu bezahlen, rissen die Unholde ein zweijähriges Kind aus der Wiege, und wurde letztere als Entlohnung den Fuhrleuten übergeben. Eine andere Frau schonte man nicht einmal während der Geburtswehen; die Leute drangen ins Haus und warfen Alles zum Fenster hinaus. Mehrere in der Kommune Draguscheni ansässige Juden, denen der Gemeinderath den Aufenthalt im Dorfe gestattet hatte, wurden in den Nachtstunden vertrieben, ohne daß man ihnen Zeit zur Ordnung ihrer Angelegenheiten gelassen hätte. — Dem Jassyer „Evenimentul" wird aus der Kommune Beleeschti, Distrikt Jassy, geschrieben: Sonntag den 14. Mai kam der Primär Chiriac in Begleitung seines Adjunkten mit 25 Soldaten ins Dorf und forderte die jüdischen Einwohner zum sofortigen Verlassen desselben auf. Die Juden protestirlen dagegen mit der Behauptung, daß kein diesbezügliches Gesetz existire. Darauf befahl der Primär den Bauern, die Karren zu bringen, die Habe der Juden darauf zu laden und diese selbst gewaltsam zu vertreiben: dem widersetzten sich aber selbst die Bauern. Donnerstag, am Jspas-Feiertage, zeigte der Primär die Ankunft des Subpräfekten an, worauf die Juden ihre Läden schlossen. In der darauffolgenden Nacht wurden sämmtliche Läden, ohne Jemandes Wissen, ohne vorherige Inventaraufnahme, versiegelt. Der Jude Haber, dessen Frau und Kind wurden von Chiriac arg mißhandelt. Schöne Zustände! Türkei. E. Jerusalem, im Mai. Das Gesetz, welches den Juden in Palästina Land anzukaufen und Häuser anzulegen seit Monaten streng verboten hat, ist jetzt aufgehoben worden. Wie kurz auch dieses Gesetz währte, so hat es doch unfern Glaubensgenossen viel Schaden verursacht. Die meisten jüdischen Handwerker, wie Zimmerleute, Maurer, Dachdecker 3i., haben buchstäblich, indem sie keine Beschäftigung fanden, hungern müssen; viele von ihnen, die keine Aussicht für die Zukunft in ihrer Heimath hatten, haben sich, nachdem sie ihr Hab und Gut für die Hälfte des Preises verkauft, um Reisegeld zu schaffen, nach Amerika gerettet. Auch die Uebrigen sollten ihnen Nachfolgen; nun ist ihnen jetzt durch die Gnade des Sultans geholfen worden. Es ist zu hoffen, daß die durch das Gesetz hervorgerufene Stockung im Handel nunmehr aufhören wird. — Eine neue Ermunterung in der Kolonisationsbewegung hat bei uns die Erscheinung des Baron Edmund Rothschild aus Paris hervorgerufen. An demselben Tage, an dem er vor sechs Jahren das heilige Land betrat, erschien Herr Baron Rothschild in Begleitung des Herrn Desinhof in der jüdischen Kolonie „Sichron- Jakob." Sämmtliche Einwohner kamen ihm entgegen; die Schüler und Schülerinnen der dortigen Schule empfingen ihn mit einem hebräischen Gedicht, das sie gut vortrugen. Der Baron war tief gerührt und begab sich gleich darauf nach der Synagoge, um dort Mincha zu beten. Nach dem Gebete hielt derselbe eine feierliche Rede: er ermunterte die Versammelten, sich fleißig dem Ackerbau zu widmen, legte ihnen besonders ans Herz, die