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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-09 · Heft 23 (9.6.1893) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 23 (9.6.1893)
Date
1893-06-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Dr. Karl Eggers. Professor Ludwig Geiger. Professor Glogau, Kiel. Paul Heyse. Th. Nöldeke. Hermann Paul, München. H. Siebeck, Gießen. Prof. Dr. H. Ziemer, Colberg. Prof. Dr. Otto Willmann, Prag. Prof. Guggenheim, Zürich. Dr. Fr. Müller, Prof. a. d. Universität Wien. Dr. L. Tobler, Prof. a. d. Universität Zürich. Prof. Dr. Abel, Wiesbaden Prof. R. Falckenberg, Erlangen. Georg Brandes, Kopenhagen. Prof. Dr. Franz Misteli, Basel. Herbert Bayn, London. Prof. Dr. L. Weis, Darmstadt. Richard Avenarius, Zürich. Daniel Sanders, Altstrelitz. Dr. Ludwig Stein, Bern. Prof. Dr. G. Hirschfeld, Königsberg i. Pr. Professor Dr. B. Erdmann, Halle Hugo Schuchardt, Graz. Professor Freudenthal, Breslau. * Stettin, 5. Juni. Der jüngst erschienene Jahresbericht des hiesigen Israelitischen Waisenhauses konstatirt. daß sich das Vermögen der Anstalt im letzten Verwaltungsjahr wieder — Dank den verschiedenen ansehnlichen Schenkungen — um ca. 4000 Mk. vermehrt hat. Es beträgt jetzt Mk. 136,663 50 In der Anstalt befanden sich am Schlüsse des Jahres 10 Knaben, wovon jetzt einer die Anstalt verließ, um sich dem Lehrerstande zu widmen; außerdem wurden für 2 Kinder Erziehungsbeitrüge gezahlt. Die Einnahmen des Jahres beliefen sich auf Mk. 9595.76; die Ausgaben dagegen auf Mk. 9643.01, so daß Mk. 47.25 dem Reservefond entnommen werden mußten; es kostet mithin ein Kind pro Jahr nach Abzug der Ausgaben für Handfertigkeits- Unterricht und der Erziehungsgelder 900 Mk. Von den laufenden Beiträgen kamen ein in Stettin Mk. 2240.75; aus Berlin Mk. 555; aus Stargard i. Pom. Mk. 144 und aus verschiedenen anderen Orten Mk. 126 von zusammen 314 Wohlthätern. Reu gewonnen wurden 7, während 6 starben, die Sterbetage derselben werden alljährlich durch Kaddisch-Jahrzeits-Lichte im Waisenhause feierlich begangen werden. — Möge die segensreiche Anstalt auch fernerhin viele Freunde und Gönner finden! s. Hannover, 1. Juni. Die schon im vorigen Jahrhundert von Georg UI., König von England und Kurfürsten von Hannover begründete Ob stba um planta ge in Herren hausen, die älteste, berühmteste und das größte Obstsortiment Deutschlands enthaltende Obstbaumschule, soll in Folge verschiedener Umstände aufgegeben werden. Die Königliche Verwaltungskommifsion hat in entgegenkommender Weise und in Anbetracht des guten Zweckes die in der Plantage befindlichen Obstbäume, ein-, zwei- und dreijährige Veredlungen, mehr als 20,000 Stück, dem Herrn A. M. Simon für die von demselben begründete Erziehungsanstalt in Ahlem beim Limmerbrunnen unweit Hannover zu einem außergewöhnlich niedrigen Preise überlassen. Diese durch die hervorragendsten Pomologen als die besten anerkannten Obstsorten sollen in der mit der Erziehungsanstalt verbundenen Obstbaumschule weiter gezogen und durch, sowohl in Deutschland als auch im Auslande auftauchende neue Sorten ergänzt resp. vermehrt werden. Alsdann wird beabsichtigt, außer diesen zum Verkauf geeigneten Obstbaumsorten auch das im Interesse der ponwlogischen Wissenschaft zu Herrenhausen befindliche Obstsortiment — wie oben angedeutet, das reichhaltigste in Deutschland — in der neuen Baumschule in Ahlem weiterzuführen, sowohl im allgemeinen Interesse des deutschen Obstbaues, sowie auch zum besten der jungen Leute, welche sich in der neuen Anstalt in der Obstkultur ausbilden wollen. Nicht nur einige tüchtige, unter Leitung eines Ober-Anstaltsgärtners stehende Anstaltsgärtner, sondern auch mehrere der hervorragendsten Pomologen haben in zuvorkommender Weise ihre Mitwirkung zugesagt, um durch dieses neue Institut die Königliche Obstplantage soweit wie thunlich zu ersetzen. Wie auf diesem Gebiete, so wird Herr A. M. Simon, der Gründer der Anstalt, auch bestrebt sein, auf anderen Gebieten der Gärtnerei Hervorragendes zu leisten. Bei den ihm zur Seite stehenden tüchtigen Gärtnern, seinen reichen Erfahrungen, seinen Erfolgen in verschiedenen Zweigen der Gärtnerei ist nicht daran zu zweifeln, daß dieses Ziel erreicht wird. Jungen Leuten, welche sich in der Gärtnerei ausbtlden wollen, ist wohl selten Gelegenheit geboten, in allen Zweigen dieses Faches so gründlich unterrichtet zu werden, wie in dieser Anstalt. t. Pforzheim, 4. Juni. Am 3. d. Mts. verschied nach nur sechstägiger Krankheit in Folge einer Herzlähmung unser seit 1875 in hiesiger Gemeinde als Kantor und an der hiesigen Realschule als Lehrer wirkende Herr Emil Bloch, Reallehrer, im 59. Lebensjahre. Die israelitische Gemeinde verliert an dem Verstorbenen einen in jeder Beziehung hochachtbaren, mit großem Wissen begabten Lehrer und Kantor. Die große Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse seitens aller Konfessionen war ein Beweis dafür. Sein vielseitiges Wissen, seine Verdienste als Lehrer, als Kantor rc. wurden von dem Rabbiner Herrn Dr. Sondheimer aus Heidelberg in ergreifenden Worten geschildert. Der Direktor der hiesigen Realschule Herr Stöcker schilderte in beredten Worten seine guten Eigenschaften und seine eifrige Thätigkeit. Ehr. seinem Andenken. Oesterreich - Ungarn. * Wien, 2. Juni. Dem eben ausgegebenen zwanzigsten Jahres berichte der „Israelitischen Allianz zu Wien" entnehmen wir folgende auf die fortdauernden russischen Judenverfolgungen bezüglich,- Stelle: „Die nothwendige Folge davon ist, daß ein größerer Bruchtheil der so unglücklichen jüdischen Bevölkerung vom Streben und der Sehn sucht nach einem neuen, besseren Heimathslande erfaßt wird und all«' Mittel aufbieten, um in überseeische Länder auszuwandern. Während nun einerseits die russische Negierung diese Unglücklichen zum Verlassen der Heimath drängt, werden ihnen andererseits die Bedingungen zur Auswanderung erschwert. Hiezu kommt noch, daß seit der zweiten Hälft, des Jahres 1892 die deutsche Grenze für den Durchzug russischer Emi granten gesperrt ist und daß auch die Schifffahrtsgesellschasten Aus wanderern für die Ueberfahrt schwere Hindernisse bereiten, indem die Beförderung von Zwischendeck-Passagieren so gut wie eingestellt wurde. So war denn unter dem Drucke traurigster Verhältnisse unsere Thätigkeü im Vorjahre nur eine vielfach erschwerte, an Sorgen und Mühen überreiche Fortsetzung der Hilfsaktion von 1891. Wir durften uns trotz alledem nicht abhalten lassen, um zum Mindesten jenen Emigranten, die den strengsten Sichtungsinstruktionen entsprachen und auf Beförderung harrten, und denen eine Rückkehr nach Rußland unter keiner Bedingung gestattet war, eine neue Heimath zu verschaffen. Wir beförderten Auswanderer nach Nordamerika, nach den Balkanländern und nach der Türkei; nach Amerika allein 1984 Personen. Angesichts der angedeuteten erschwerten Möglichkeit, Beförderungen vorzunehmen, waren wir genöthigt, eine ansehnliche Zahl von Emigranten, es waren nahezu 2000 Personen, für unsere Kosten unter Gewährung von Unterstützungen wieder nach Rußland zu repatriiren. In weitgehendem Umfange sind unsere Mitte! von jenen Oesterreichern, namentlich Galiziern, in Anspruch genommen worden, die nach langjährigem Aufenthalte in Rußland auf Grund der gegen die Juden gerichteten Ausweisungsgesetze Rußland plötzlich verlassen mußten. Hier handelt es sich in der Regel um ausgiebigere Unterstützungen, damit die Petenten ehestens in die Lage kornmen, sich wieder eine Existenz in der alten Heimath zu gründen. Es versteht sich vor' selbst, daß wir in jedem einzelnen Falle möglichst eingehende Erhebungen über die Würdigkeit und Bedürftigkeit der Gesuchsteller pflegen, ,um bis zu einem gewissen Grade Bürgschaft dafür zn erlangen, daß die bewilligten Beträge eine zweckentsprechende Verwendung finden. Angesichts dieser Lage und der sich allseitig mehrenden Noth unserer Glaubensbrüder liegt unserem Vereine die Erfüllung seiner heiligsten und hehrsten Auf gäbe ob, die bei dessen Gründung vorsorglich ins Auge gefaßt worden ist, die Aufgabe nachhaltigster Hilfeleistung für schuldlos bedrängt, Glaubensbrüder, um nach Kräften und nach Möglichkeit dem gegenwärtigen Unglücke zu steuern und einem noch größeren vorzubeugen. Darmn richten wir an alle unsere Glaubensbrüder, deren Herz sich dem tiefen, namenlosen Jammer nicht verschließt, die inständige und dringende Bitte, innerhalb ihres Wirkungskreises unermüdlich und nach bestem Vermögen für die Ziele und Zwecke unseres Vereines thatkräftig zu wirken. In dieser Zeit und in diesem Falle ist Opferwilligkeit auch eine Pflicht der Selbsterhaltung." * Wien, 4. Juni. Die unter dem Protektorate der Kaiserin stehende Israelitische Kinderbewahranstalt feierte am 28. v. M. ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Zur Feier im Festsaale der Anstalt hatten sich die Mitglieder des Vorstandes, ferner die Herrenhausmit glieder Dr. Ignaz Edler v. Plener und Freiherr v Königswarter, Reichsrathsabgeordneter Superintendent Dr. Haase, Stadtrath Dr. Vogler- Pfarrer Wenzel Weltswich, Prediger Dr. Güdemann, Vertreter der Schulbehörden sowie die Gemeinderäthe Simon und Ritter v. Goldschmidt eingefunden. Letzterer hielt die Festrede. Er schilderte die fünfzigjährige Thätigkeit der Anstalt und sagte: Allerdings flöße die fortwährende Steigerung der Armuth in der Großstadt Bedenken ein, ob in Hinkunst

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