Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1893)
- Date
- 1893-06-09
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
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275 der reden 1' fgeregt. ch. völlig ihrc>^ tert cndlicii! irmein, T»i s? Freilich! ich so dünn» hren Auge» ui», so br-1 it zu müsse» lcken zurii l tzt weiß i» n Arm de» loph, wen» im Mund Zähne „»» nicht nach» nrst's schon eben!" >the Lippen!)ci. Dann i, der noch en schlägii in das er ie drinnen f Minuten le! Inn» zusanimei n Worten Leben an aber die iß r: „Röslc, in Stund! Und Du :t sich und m augein verständige mg folgt.) Me Jüdin und ihr Kind. Frei nach Henry Grvville von Eduard Münz. i JJn einem kleinen Städtchen am Guadalquivir Lebt eine Jüdin einst — ihres Geschlechtes Zier — 7chön war sie, doch blutarm; ein Haus war und ein Garten ^hr einziger Besitz; selbst that sie dessen warten schwer mußte sie sich müh'n, mußt waschen, näh'n und spinnen, | Um nur ihr täglich Brod, in Ehren, zu gewinnen. ^pät legt' sie sich zur Ruh', erhob sich mit der Sonne, :ie hatte keinen Freund, sie kannte keine Wonne, 13((§ ihres Kindes Lieb'! Die war ihr Glück, ihr Trost allein — 7 er Seide glich des Knaben Haar, die Wangen Elfenbein. 7o lebt' sie ruhig, friedlich eine lange Zeit; — | Es fragten nicht im Ort die wackern Nachbarsleut' 7'ach ihrer Religion. — Sie hatten blos vernommen, | 7s wäre eines Tag's in ihre Stadt gekommen Den Knaben auf dem Arm — die aller Hilf' Beraubte — Und Niemand forschte nach, ob sie an Christum glaubte. Roch blutete ihr Herz, gedachte sie des Gatten, 7 m des Ofsicinms Schergen ihr entrissen hatten. 7 ie Teufelsmütze auf dem Haupt — Zielscheibe rohen Spottes —! 1:L) ward auf Burgos' Marktplatz er verbrannt (zur größern Ehre Gottes!) -ie aber griff zum Stab, verließ ihr Heimathland '7ach jenem unheilvollen Tag, daß nicht die Hand 7 es Glaubensrichters, des Gewaltigen, sie finde Und sich vergreif' an i)rem letzten Tröste, ihrem Kinde. Fünf Jahre waren schon seit ihrer Flucht vergangeu. 7ie glaubte sich geborgen. — Der Inquisition »st aber noch so leicht kein Opfer je entgangen. ("in heimlich Tribunal schlug seinen grausen Thron 7.in Orte auf; Geruch von Ketzern spürte in der Stadt Usbald das schreckliche Ofsiz, die heil'ge Hermandad, Und zögerte nicht lang. Bald sandten seine Lenker Ranch' frommen Eif'rer hin, manch tugendfesten Henker. Die Stadt war gläubig — fromm und unfreiwillig ruh'n 'Rußt' lange das Gericht. Nichts gab es hier zu thuu. Ein Schmied ward eingesteckt, der nicht die Messt besuchte. Ein armes Bäuerlein, der e nem Pfaffen fluchte. Ein lust'ger Geiger gar, der mußt' es bitter büßen. Daß er es unterließ, Sanct-Nicolas zu grüßen. Doch das war nicht genug. Mit seinem Zorne dräute Das heilige Offiz, es heischte fett're Beute. — Dang' ward umsonst gesucht, ja man verzweifelt schon 'ln dem Erfolg, da merkte mau, daß ihren Sohn Die Jüdin Samstags stets nach Wald und Flur entsendet Und daß sie Freitags Nachts — wenn sie ihr Werk beendet — Ein Lämpchen anzustecken und zu beten pflegte. stvar feiert' sie der Christen Nuh'tag auch Und hielt ihn heilig, nach des Landes Brauch. Ruf daß bei keinem Menschen ein Verdacht sich regte. Die Sorge um ihr Kind macht ihr dies unerläßlich. — )wei Nuh'tag nacheinand'! Wie unchristlich! Wie gräßlich! Genehm war dem Gericht die Botschaft. Seine Sendung Die reifte jetzt entgegen würdiger Vollendung. Man überstürzt' sich nicht, inan schürte still das Feuer Und um der Jüdin Hütte wob Verrath den Schleier. Der Späher merkte bald, daß sie des öftern leise Gebete flüstr' und Sprüch' in fremder Sprach' und Weise Daß eines Tag's sie gar all ihr Geräth gescheuert Und Brode sich geformt — zum Feste — ungesänert. Gott! Ungesäu'rte Brode! Welche Ketzerei! Nun war es aber mit der Schändlichen vorbei! Auf frischer That ertappt das ketz'rische Gelichter —! Man schleppt sie im Triumph mit ihrem Kind zuin Richter. Der weidet lächelnd sich an der Gefang'nen Qualen Und denkt: „Des Suchens lange Zeit, Ihr sollt sie zahlen!" Ein echtes Judenweib! Welch' ein superber Fang! Ohn' alle Nahrung ließ man sie, drei Tage lang, In einem dumpfen Kerker. Schweigend blickt das Kind Auf seine arme Mutter; klagt nicht, seufzt nur lind. Als früge es, weshalb es Speis' und Trank entbehre. Da doch die zärtlichste der Mütter bei ihm wäre. Verzweifelnd sah das Weib auf's Kind und rang die Hände: „O Gott! Wär's möglich denn, daß sich ein Wesen fände. So aller Menschlichkeit und jedes Mitleid's baar, Den Knaben hinzuopfern auf des Wahns Altars" Die Arme wußt' es wohl, daß diesen Grundsatz hat. Seit jeher das Gericht, die heil'ge Hermandad, Unschuldige nach Dutzenden zu schlachten, ehe Der Schuld'gen Einer nur gerechter Straf' entgehe. Ihr Herz zernagt die Pein; sie weiß, ihr droht das Grab Und zwingt dem Antlitz doch ein friedlich Lächeln ab. „O fürchte nichts, mein Kind!" sagt sie — umflort den Blick — „Man führt in Bälde uns nach Hause ja zurück!" Der Kleine glaubt es nicht. Er schauet ganz verstört Zu seiner Mutter auf. Der sinkt der Muth. Sie spricht: „O leise! Still, mein Kind, der böse Späher hört Ein jedes Wort!" — Der Knab' begriff's und rührt sich nicht. Die Jüdin zog es vor, das Schweigen nicht zu brechen, "Als daß sie lügen sollt' und ihm von Hoffnung sprechen. Gefesselt führet man sie hin vor's Tribunal, Jndeß den Familiären viele Müh' und Qual Das Sammeln der Indizien hat bereitet Selbstredend, daß man gleich zur Folter schreitet. Vielleicht bequemt sie sich, der Ketzer mehr zn nennend Es ist ja später Zeit, die Schuld'ge zu verbrennen. Gefoltert ward das Weib. Es war das Staunen groß, Als man sie fand geständig. Eines wünscht' sie blos: Dem Knaben, dem geliebteil, Freiheit zu erwerben. Das Leben ihres Kinds zu retten — Dann zu sterben Den Leidenstod des Vaters und des Gatten Mild Gestand sie ihre Zweifel ein. Doch nicht gewillt Schien sie zn widerrufen. „Nein!" — rief sie - „Seit jeher Lebt' mein Geschlecht und starb im Glauben der Hebräer! Blutzeugen ihres Gottes, sielen meine Ahnrn! — Es ziemt sich nicht für nuch, zu wandeln and're Bahnen!" Der Richter war ein prakt'scher Mann. Er sprach: „Geschwind Verbrennt Beide mir, die Wölfin und ihr Kind!" Denn besser ist es, daß sein Werk der Henker thut Mit einem Male und vernicht' die ganze Brut Mit Stumpf und Stiel, eh' daß — er rief's mit häßlicher Geberde Der Bube hier zum Stammherrn einer Judenbaude werde!" Der Vorschlag, der gefiel. Und bebend blickt das Weib Auf sein unschuldig Kind, deß zarter, reiner Leib, Das jugendschöne, nicht der Richter Herz erweichte — Da war's, als ob ein Strahl vom Himmel es erleuchte; Denn ein Gedanke ward ihm plötzlich eingegeben. Ein Weg, zu retten seines Kindes kostbar Leben.