Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-09 · Heft 23 (9.6.1893) · p. Seite 271

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 23 (9.6.1893)
Date
1893-06-09
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3228010--49866-3271452
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

271 icht bei du t all feilten toir, womu :te dir ein; i überzeug!, hier!" Uns nicht Rotbestandtheii; ausmachen; beuste Fesu traue» am' esänge und t und Bcem reichsten ährend de; 'halte», sie Mittelalters, alle wahr > mit Bei maler Ab achten ihr; ientalischei. weit ent erichte zu uf wenig; nerkannten ^hrensteller i. ct, solang; n, die fick;e, die ein Geschichte blick. Sie kaiserlichem m länder tischen Ge Aephanten ager Karl, verzeichnet agen, wi. en Bisch;'' iriositäten ltsamkeiten verschlossen und boi rschiedenen enes Thier rd Silber, Neer, wo ' so kleine; 10 Pfund ivlle nicht, >er Bischof ohne ihn > seideues nschaftliche auf sein überließ. Das brachte der Jude triumphirend zu Kaiser Karl. Der ließ es in der nächsten Rathsversammlung herbeibringen, erzählte den Vorgang und knüpfte daran eine ernste Strafpredigt gegen die Geistlichen, die der Eitelkeit und dem leeren Schein so Vieles opfern, den Armen und dem Herrn so wenig. Der Bischof fiel dem Kaiser zu ,düßen und gelobte Besserung. Karls Nachfolger, Ludwig der Fromme, war den Juden nicht minder freundlich gesinnt als sein Vater. An manchen Orten verlegte er mit Rücksicht auf den jüdischen Sabbath die Wochenmärkte auf einen andern Tag und erlaubte den Juden, auch christliche Diener zu halten, was ihnen bisher nicht gestattet war. Als der Bischof Agobard von Lyon in seiner Diöcese allen Verkehr mit den Juden »erbot, erklärten die kaiserlichen Kommissarien diese Verfügung für nichtig. Die Vorwürfe, die der Bischof gegen die Inden ohne Unterschied erhebe, seien nicht zutreffend; es gebe manche unter ihnen, die den Christen an Sittlichkeit überlegen seien. Und in der Thal, wo immer den Juden die bürgerliche Gleichberechtigung mit den übrigen Landesbewohnern gewährt wurde, da 'landen sie hinter diesen in keiner Weise zurück. Den glänzendsten Beweis dafür geben die Juden in Spanien während der Bliithezeit »er maurischen Herrschaft. Die Omejaden gehörte» zu jenen weisen Ztaatsmäimern, die Jeden nach seiner Fa?on selig werden lassen, wofern er nur seinen bürgerlichen Pflichten treulich nachkommt. Unter ihrem milden und gerechten Szepter erlebte das Judenthum eine neue schöne Bluthezeit. Während ringsum in den Ländern Europas ein blinder Autoritätsglaube herrschte, sammelten und erhielten die Juden in Spanien, was bis dahin von den hellsten Köpfen zur Aufklärung des Menschengeistes erarbeitet war. Mochten sie in der Naturwissenschaft nicht ganz auf der Höhe der maurischen Gelehrten stehen, so übertrafen sie diese um so mehr in der Philosophie und Poesie. Chasdai, der jüdische Leibarzt Mderrahmans III., „des schönsten und geistreichsten und liebenswürdigsten Regenten, welchen die Geschichte kennt" (H. Leo, Geschichte des Mittelalters), war der Mäcenas dieses zweiten goldenen Zeitalters der jüdischen Litteratur. Von ihm rühmt Charisi in seinen Makamen: Wohin Chasdats Stimme erklang Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, Da sammelten stch die ersten Geister In edlem Wettstreit um diesen Meister, Und er weckte Gedanken, die »och schliefen In des Herzens unergründlichen Tiefen; Er gab der Dichtung die reichste Nahrung, Daß sie werde der Gottheit Offenbarung, Unter den glänzenden Sternen am Himmel dieser neuen Dichterschule ist neben Gabirol, in desien klangvollen Rhythmen die höchsten Probleme des Menschengeistes ihren poetischen Ausdruck finden, vor Allen Juda Ha-Levi zu nennen, der Sangesfürst, der das Verlangen nach dem Reich der Ideale so innig zu verschmelzen wußte mit der Sehnsucht nach Jerusalem, der hochgebauten Stadt seiner Väter. Auch der geistvolle und pikante Schrifterklärer Aben Esra hat sich einen glänzenden Namen gemacht. Weltgeschichtliche Bedeutung aber hat vor Allen Maimonides. Ein vielbeschäftigter Arzt, strebte er zugleich mit wahrem Heißhunger nach philosophischer Erkeimtniß und suchte Glauben und Wissen, Moses und Aristoteles, zu vereinigen. Er wurde einer der bedeutendsten Lehrer des ganzen Mittelalters, indem er dem westlichen Europa die arabische Wiffenschaft zugänglich machte. Ungern wenden wir uns von diesen Lichtpunkten der jüdischen Geschichte im Mittelalter ab, um nun die Nachtseite derselben ins Auge zu fassen. Erlauben Sie mir, eine allgemeine Bemerkung voranzustellen! Großem Staatsmänner sind, wie schon angedeutet, stets mit Goethes Macchiavell der Meinung, daß es einem Könige anständiger sei, Bürger zweierlei Glaubens zu regieren, als die einen durch die anderen aufzureiben. (Egmont I, 2,) Die Priester der positiven Religionen aber, namentlich der monotheistischen, können gar nicht umhin, die Anwendung von Gewalt gegen Andersgläubige für etwas durchaus Erlaubtes, ja Gebotenes zu halten. Solange allerdings die Religion noch selbst um ihre Existenz ringen muß, — jede der jetzt herrschenden ist ja aus dem Kampf mit einer bereits vorhandenen hervorgegangen — pflegt sie die Fahne der Toleranz hochzuhalten; aber sobald die Geistlichkeit die weltlichen Zügel in die Hand bekommt, ist von Duldsamkeit nicht mehr die Rede. Es liegt das in der Natur, im Begriff der geoffenbarten Religion. Hat die Gottheit sich auf vollkommene Weise nur dem einen Religionsstister geoffenbart, so müssen die Priester als die Minister desselben Jeden für ihren Feind halten, der diese Offenbarung nicht anerkennt oder nicht als die vollkommenste ansieht. Giebt es nur einen Weg zum zeitlichen und ewigen Heil für alle Menschen, welches Mittel könnte da zu scharf sein gegen die, welche die Menschen von diesem einen Wege ablenken wollen? In der Thal lehrt denn auch die Geschichte, daß die Priester aller herrschenden Religionen von Hanse ans intolerant sind, daß ihnen die Toleranz immer erst durch die weltlichen Stande aufgezwungen werden muß. Mit welcher strengen klnerbittlichkeit fordern die Priester und Priesterkönige des alten Testaments die Vernichtung der Götzendiener in Kanaan, und mit welcher naiven Anerkennung sprechen sich die geistlichen Berichterstatter über die unbarmherzigen Grenelthaten des Fanatismus aus, während sie alles menschliche Mitgefühl als ruchlose Schwäche, als Gottlosigkeit verdammen! Mohammed verdankte de» Juden den besten, den idealsten Theil seiner religiösen Schöpfung; sobald diese aber Anstand nahmen, in ihm, dem Araber, den ihnen verheißenen großen Fürsten ans dem Hanse Davids anzuerkennen, wandte er sich mit der Schürfe des Schwerts gegen die Verächter der neuen Offenbarung, und die Juden mußten dem Islam nun auch die materiellen Mittel zu seiner Existenz darbieten, wie sie ihm die Ideen geliefert hatten. Die christlichen Priester vollends standen dem Judenthum von Anfang an feindlich gegenüber, da durch dasielbe der Stifter ihrer Religion ans Kreuz gebracht worden war. 'Wandte man später dagegen ein, daß doch die Kinder nicht die Sünden ihrer Väter zn verantworten hatten, so erwiederten die christlichen Theologen, die fortdauernde Verwerfung des siegreichen Christenthums durch die lebenden Jude» beweise genugsam, daß sie um nichts bester seien als ihre Väter, die einst gerufen: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!" Der Theolog sah im Judenthum nicht wie der Staatsmann eine durch ihr Alter ehrwürdige Religionsform, sondern eine absichtliche Verstocktheit, die um so unverantwortlicher erschien, je sichtbarer das Christenthum sich im Abendland zur Weltreligion emporschwaug. Wo daher immer christliche Theologen Einfluß auf die Staatsregierung gewannen, war's mit der Duldung der Juden zu Ende. Gleich Konstantin, der erste christliche Kaiser, ließ sich durch seine Hostheologen bestimmen, jeden Juden zum Flammentode zu verurtheilen, der nach einem abtrünnigen Stammesgenossen mit Steinen geworfen habe. Ein Jude, der eine Christin heirathete, sollte sein Leben, ein Christ, der Jude wurde, sein Vermögen verlieren. So urtheilten nicht blos einige fanatische Hoftheologen — Hofprediger hätte ich beinahe gesagt — sondern gerade die tüchtigsten, in ihrer Art ehrenwerthesten christlichen Geistlichen. (Fortsetzung folgt.) U

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.