Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1893)
- Date
- 1893-06-09
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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268 „Der Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen begrüßt die vom Verein jüdischer Lehrer der Provinz Hannover ausgegangene Anregung, alle jiidischen Lehrervereine des deutschen Reiches bezw. Preußens zu einen) allgemeinen Lehrerbunde zu vereinigen, mit Freude und erklärt sich bereit, an der Berathung über die Art, wie eine solche Organisation unter Wahrung der Selbständigkeit der bestehenden Einzelvereine ins Leben zu rufen sei, theilzunehmen." Die Versannnlung erklärt sich mit dem Wortlaute einverstanden und beauftragt den Vorstand, das Weitere zu veranlassen. Dr. Samuels ohn bringt den gestern gestellten Antrag auf Abhalten einer Lehrprobe zur Sprache. Alexander-Breslau erklärt sich bereit, für diesen Zweck eine Schülerklasse zur Stelle zu bringen. Hierauf wird zur Vorbereitung und weiteren Verfolgung der Angelegenheit eine Kommission, bestehend aus den Herren Alexander-Breslau, Herb st - Lissa und Dr. Kn oller - Breslau gewählt. Kollege Blumenfeld- Steinau erbietet sich zur Abhaltung einer Probelektion. lieber Zeit und Ort der nächstjährigen Generalversannnlung entspinnt sich eine lebhafte Debatte, da die eine Seite wünscht, einen andern Ort als Breslau zum Vorort zu bestimmen, während von der andern Seite darauf hingewiesen wird, daß kein anderer Ort wie Breslau zmn Versammlungsort geeignet sei, vermöge seiner centralen Lage wie auch wegen anderer Eigenschaften. Die Abstimmung ergiebt, daß Breslau Vorort bleibt. Es wird beantragt, die Abendsitzung ausfallen zu lassen, da zu dieser erfahruugsmäßig nur wenig Teilnehmer sich einsinden. Die Sitzungen sollen in zwei Theilen, die eine am Vor-, die andere am Nachmittag abgehalten werden, in der Zwischenpause soll ein einfaches, gemeinsames Mittagessen stattfinden. Die Versammlung beschließt, daß künftighin so verfahren werden soll. Es folgt nun der Vortrag des Herrn Dr. Freudenthal-Breslau: „Romantik und Judenthum". Der fesselnde Vortrag wurde mit stürmischem Beifall belohnt. Derselbe wird binnen Kurzem im Druck erscheinen. Daher soll hier eine Wiedergabe im Auszuge, die doch mangelhaft ausfallen könnte, unterbleiben. Ich verweise daher diejenigen, die sich dafür interessiren, auf das in einigen Tagen schon erscheinende Merkchen. Tie Versannnlung tritt nunmehr in den letzten Punkt der Tagesordnung: „Anträge aus der Mitte der Versammlung " Dr. Wreschner- Samter bringt zur Sprache, daß der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Samter bei der fonignd)en Regierung zu Posen beantragt habe, auch den hebräischen Unterricht für die schulpflichtigen jüdischen Kinder obligatorisch zu erklären. Hierauf habe die Regierung verfügt, daß sie solchem Anträge nur nnchgeben könne, wenn fortan die Zahl der hebräischen Unterrichtsstunden so eingeschränkt werde, daß die Schulkinder ihren Pflichten in der Volksschule auch ganz genügen könnten. Er findet hierin eine Beeinträchtigung unb beantragt eine dahingehende Resolution. Herr Dr. Wreschner will nicht von Volksschulen, sondern von höheren Schulen und nicht von der Einführung des hebräischen als obligatorischen Unterrichts gesprochen haben, sondern davon, daß die Negierung ihn gewähren lassen möge, wenn er an seiner Religionsschule neben dem obligatorischen Religionsunterricht an höheren Schulen den jüdischen Schillern 4 Stunden wöchentlich hebräischen Unterricht ertheile, weil dieser Unterricht in dieser Ausdehnung eine nothwendige Vorbedingung für die verständnißvolle Theilnahme :c. sei. Von einigen Volksschullehrern der Provinz Posen wird betont, daß dieser hebräische Unterricht durchaus nicht, wie das so häufig geschehe, mit dem Religionsunterricht verwechselt werden dürfe. Namentlich hebt H erbst-Lissa hervor, daß in den jüdischen Volksschulen der Provinz Posen nach den „Allgemeinen Bestimmungen" unterrichtet und genau wie in ben christlichen Volksschulen in wöchentlich 4 Stunden Religionsimterricht, nämlich im Katechismus und in der biblischen Geschichte, ertheilt werde. Ueber die in den allgemeinen Bestilnnlungen festgesetzte Stundenzahl hinaus werde auch die Regierung Zwang nicht ausüben können. Die Annahme der vorgeschlagenen Resolution könlie nichts schaden; sie werde aber zur Erreichung des vom Antragsteller verfolgtell Zieles wenig Nutzen stiften. Die Versammlung beschließt hierauf folgende Resolution: „Wir erachten es für unerläßlich, daß die schulpflichtige jüdische Jugend wöchentlich etwa 4 Stunden lang hebräischen Unterricht erhalte. Dieser Unterricht ist nothwendig zur religiösen Vorbildung und zum Verständnis; des öffentlichen und häuslichen Gottesdienstes." 54sinski-Kempen beantragt, daß die Versammlung künftighin aus einen Wochentag anberamnt werde. Diesem Wunsche wird, so wen thunlich, entsprochen werden. Dr. Königsberger -Breslau meldet für die nächste Generalversamm lung einen Vortrag an: „Die Engelslehre im alten Testament." Die Tagesordnung ist erschöpft. Der Vorsitzende dankt den Anwesenden für ihr treues Ausharren bei den Berathungen, theilt noch mil, daß sich heute 3 Herren als Mitglieder angemeldet haben, und schließdie Versammlung. Das im vorigen Jahre beantragte gemeinsame Essen ist nicht zu Stand gekommen, doch begab sich eine größere Anzahl Theilnehmer in die oberen Räume des Restaurants, um beim Mahle und fröhlicher Unterhaltung noch einige Stunden beisammen zu bleiben. Schluß der Sitzung 2*/., Uhr. Der Schriftführer. Herbst. lieber die Israelitische Lehrer-Konferenz für Rheinland und Westfalen geht uns folgender Bericht zu: Als Versannnlungsort für die am 23. und 24. Mai d. Js. statt gehabte Konferenz war Gelsenkirchen gewählt worden. Wie der schöne Verlauf derselben bewies, ist diese Wahl eine überaus glückliche gewesen Der Vorsitzende des Vereins, Herr Blumenfeld-Essen, eröffnen die Sitzung mit Gebet und herzlichen Worten der Begrüßung. Alg Vertreter der Synagogeugemeinde Gelsenkirchen erhielt das Wort der erste Vorsteher, Herr H. Spiegel. Derselbe begrüßte die Versammlung und übermittelte den von der Gemeindevertretung bewilligten Betrag von 150 Mark der Unterstützungskaffe. Auch der Vorsitzende des Schul vorstantzes, Herr N. Wolfs hieß die Versammlung bestens willkommen. Die inzwischen fertiggestellte Präsenzliste weist die Anzahl von 62 Konferenz besuchern auf. Nachdem die Herren Dublon -Dülmen und Stein weg-Dortmund als Schriftführer gewählt worden, erstattete Herr Blumenfeld den Bericht Liber den Stand der Kaffe. Seit dem 1. Januar bis heute siiE eingegangen: an Zinsen 386.15 Mark, an freiwilligen Beiträge)! 2602.20 Mark, an Mitglieder - Beiträgen 261.00 Mark, zusammen 3249.95 Mark, so daß der Kaffenbestand sich auf 75,628.90 Mark be läuft. Der Vorsitzende gedenkt hierauf in ehrenden Worten der verstorbenen Wohlthäterin des Vereins, der sel. Frau Friederike Meyer- Berlin, und bringt ein Schreiben der Frau Dr. Max Weigert-Berlin. Tochter der Vorgenannten, zur Verlesung, wonach diese der Unterstützungs kaffe zmn Andenken an ihre Mutter die Summe von 1000 Mark mit der Bestimmung überweist, daß die Zinsen dieses Kapitals alljährliä im Sinne der Verewigten, d. h. an die Unterstützungsbedürftigsten zur Vertheilung kommen sollen. Ein Schreiben des Vereins der jüdischen Lehrer Südwest-Deutsch lands wird mit Hinweis auf unser Vereins-Statut durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende schließt den Kassenbericht mit der ernsten Mahnung, zur gedeihlichen Entwickelung der Kasse itcuf besten Kräften beizutragen, damit die Anforderungen, welche mit jedem Jahre wachsen, erfüllt werden. Der Deutsch-Israelitische Gemeinde-Bund hat auch in diesem Jahn- ISO Mark als Reiseunterstützung für die Konferenz-Theilnehmer über wiesen. Der Ehrenpräses unseres Vereins, Herr Blumen au, drückt schriftlich sein Bedauern aus, in Folge einer Erkrankung den Verhandlungen nicht beiwohnen zu können. Die Verlagshandlung W. Jakobsohn in Breslau hat der Konferenz mehrere in ihrem Verlage erschienene Schriften zugestellt. Unter diesen Schrifen hebt der Vorsitzende ganz besonders „die Geschichte der Juden re." bearbeitet von Dr. Braun, hervor. Er bespricht ihre Vorzüge und empfiehlt sie nicht nur für die höhere Schule, sondern auch für das Haus. Hr. A. Levin hat eine größere Anzahl von Probenummern seiner Wochenschrift, „Jeschurun" übersandt. Der Vorsitzende vertheilt dieselben mit einigen empfehlenden Worten. Hierauf erhält Herr Rosenbusch-M.-Gladbach das Wort zum Vortrage: „Die Pflege der Ethik in Schule und Synagoge". Da das Referat demnächst im Druck erscheinen wird, enthalten wir uns eines näheren Eingehens auf dasselbe, doch müssen wir kurz bemerken, daß die Arbeit von großem Fleiße und tiefem Sachverständniß zeugte und von der Versammlung beifällig ausgenommen wurde. Nach halbstündiger Pause wurde die Versammlung wieder eröffnet, und verlas der Vorsitzende ein inzwischen eingegangenes Schreiben des