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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-02 · Heft 22 (2.6.1893) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 22 (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
Seite 263 (sequence 11)
Language
German
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263 ii wenig bin. 'ad nit bui f thut Ein. idem sie dut hat, nie)! gelt?" fi: : i Augenblnk lt mit du on gehst wn) j so, Dört!) I )at mich nn> jukunft gu! ihm tooM dem Zittern iß in sciin uders Au- >n auch zcu n überfäl i Kouiino, i gebracht? i und hör Wange im s ist gewiss n Eine w: das einmal r bist, dem uen mögen cQnal annun lache! .'N blonden Uebergann neiden Dir „Und bcv nninen ist Du dnmi: sie »ich!, m elenden >lle? Weis iclcher den mir durch sein Bliü weiß, was t hat fic's I soll er's über die del dabei, Sünderin on und senkt den Kopf und hat die blauen Augen flehend zu ihm mifgeschlagen und die Hände auf die Brust gefaltet. Bartel hat sie träumerisch betrachtet, sie ist gar zu rührend und lieblich anzuschauen in ihrer tiefen Bekümmerniß; ihm kommen allerlei vergleiche in den Sinn, er muß au Bilder denken, welche er gesehen mt — und wie sie nun nicht mehr spricht, erwacht er langsam aus einer Versunkenheit und sagt weiter gar nichts, als: „Dörtle, ach Jörtle!" Das ist ihr aber nicht genug, sie streckt die Arme flehend aus: „Sag's nur Alles! Mach's schnell — 's ist ja Alles eins! Aber mir ist nit so zu Muth gewesen, als i zum ersten Mal beichten gerangen bin — o Bartel — sag's nur, daß, wenn i mi auch d'rum!>ab und spreiz, daß i da auf dem Schwadererhof die Einzigst bin, arg nur, daß i nit wcrth bin, daß die Sau über mich her geht." Aber der schwarzäugige Bartel ist mit den Verwünschungen nicht io eilig. Er hebt seine Hände und faßt die vom Dörtle und sieht ihr ins Gesicht. „Also so beichten thust. Das Alles hast da auf Deinem Genüssen gehabt?" Und dann schweigt er wieder ein Weilchen, ohne die Finger der Dirne freizugeben. Sie wartet auf ihren Richtspruch, sie fühlt es wohl. Schlimmer lann einem armen Sünder, der vom Leben zum Tode gebracht werden soll, nicht zu Muth sein. Ein eigenthümliches Licht blickt aus den Augen des jungen Mannes. „Dörtle, Dörtle," sagt er wieder, „so arg Hassenswerth bi» i Dir gewesen, daß Du all das angestiftet hast?" Es ist gut, daß er sic »och so hält, denn wenn das nicht wäre, so wäre sie wohl ans die Knie niedergesunken und hätte dagelegcn, ivic drüben i» der Stadt die Katholischen vor den bunten Heiligenbildern — wie sie das denkt, da kommt's ihr in den Sinn, daß der Bartel mit seinem Bart ei» Gesicht hat, wie der Herr Christus in der Peter- und Paulkirche dort, und das macht sie erst vollends konfus. „Vergeben kannst's freilich uit," stammelte sie, „aber wenn Du nur sagen köunt'st, daß all die grausigen Flüch' kein Macht haben über mich —" „Nein, Dörtle, Flüche kommen nicht über Dich!" „Zur Sühn, Bartel, da wollt i ja auch Alles thun! Sühnen muß i's freilich —" „Freilich!" sagt er leise. „Nächtens," flüstert sie, „da Hab i denken müssen, i wollt einmal nit freien und wenn i dann stirb, sollt das Gut da für die Armen sein — Aber schau, wiederum Hab i denken müssen, daß es ein langes Leben sein könnt." „O Du Kind, Du," spricht Bartel und ist doch selber nicht gar so viel älter als die blonde Dirn. Dörtle hat nun auch ihre Hände leise frei gemacht und sich über die Augen und Haare gewischt, und kümmerlich sagt sie jetzt: „Leicht hast mir's nit gemacht, Bartel!" „Meinst?" Sie kennt sich nicht aus in ihm, eine neue Angst kommt über sic: „Wenn Du spotten thust," — will sie erst auffahren und dann setzt sie kleinlaut hinzu: „Kannst und darfst freilich Alles, was Du willst." Jetzt wird's ihm heiß, so daß er schwer Athem holen muß. „Darf ich?" fragt er, und dann neigt er sich so weit wieder herüber, als cs ihm seine Kräfte eben erlauben wollen, und ist der Dirn so nah, daß er ihren Hauch an seiner Wange spürt. „Wenn ich .dürfte —" nein, er beißt sich hastig in seine Lippen, läßt sich zurückfallen und sagt dann: „Dörtle, wein' nicht mehr. Was da gewesen ist, denk nicht mehr dran, i trag Dirs nimmer nach." Ein Lächeln liegt auf seinem Gesicht, das ihr gar zu schön däucht. „Wie soll i's auch danken?" fragt sic dcmüthig wie ein Kind. Sie hat eine Art Scheu vor ihm; daß er so milde ist, hebt ihn hoch vor ihren Augen empor. Er macht eine ablehnende Bewegung mit der Hand, sie darf ja nicht wissen, was ihm den Mund schließt, und sie glaubt, er ist nur müde und will allein sein. „I geh schon! und weißt, Bartel, beten will i heut wie immer — und wenn Du auch nit mit uns in eine Kirch' gehst, i mein', es ist doch gar kein Unterschied." Er antwortet nicht und siebt aus dem Fenster. „Bis morgen," sagt sie leise und geht nach der Thür. Dort steht sie still, sie meint, sie hört ihn qualvoll seufzen; ja, Schmerzen mag er noch haben an seiner Wunde. Daun ist es auch, als spricht er leise vor sich hin. Freilich gleicht er dem Christusbilde, das ihr einmal so gut gefallen — wo hat sie nur früher ihre Augen gehabt? Jetzt wendet Bartel den Kopf und sieht, daß sie noch da ist. „Dörtle, hast was zu fragen vergessen?" ruft er herüber. Da kommt sie auf den Zehenspitzen zurückgetrippelt, steht vor ihm, lächelt und streckt das blonde Köpfchen herüber. „Eine Liebe sollst mir thun, Bartel, sag noch einmal zu mir wie früher: Du Eichkatz, Du!" Er schaut sic mit einem sonderbaren Blick an, darauf spricht er die zwei Worte, sie lacht wie befreit auf und ist dann hinausgehuscht. (Fortsetzung folgt.» U Moses im Himmel? Aus dem Legendenschatz der Haggada. Von Albert Katz. Als Moses in den Himmel gestiegen war, um das Gesetz zu empfangen, kamen die Engel entsetzt vor Gottes Thron und sprachen: „Allmächtiger Gott! ein Menschenkind, das noch Leben athmet, besitzt die Kühnheit, bis zu uns vorzudringen und unsere Reinheit durch seine Atmosphäre zu trüben!" „Seid unbesorgt." beschwichtigte sie der Ewige, „dieses Menschenkind ist nur in den Himmel gekommen, um ans meinen Händen die Lehre zu empfangen und sie nachher auf der Erde zu verkünden." „Was!" riefen die Engel wirr durcheinander, „Deine Lehre, dieses kostbare Kleinod, das schon zweiJahrtausende vor derSchöpfung der Welt Dein Stolz und Deine Freude war, willst Du einem Staubgeborenen, einem Wesen von Fleisch und Blut anvertraue».? Was ist der Mensch, daß Du an i hn denkst! Erhalte doch Dein Licht dem Himmel!" Da wendete sich Gott zu Moses und sprach: „Antworte Du ihnen!" Moses aber erwiderte: „Allgütigcr Gott, ich fürchte, sie werden mich mit ihrem feurigen Odem verbrennen." „So stütze Dich," sprach Gott, „auf meiuen Thron und antworte ihnen ohne Zagen!" Da fühlte sich Moses plötzlich von dem Abglanz der Herrlichkeit Gottes umstrahlt, und mit Muth und Unerschrockenheit umgürtet, begann er also zu sprechen: „Das Gesetz, das Du, o Gott, mir geben willst, enthält Erinnerungen au den Auszug aus Aegypten; es gebietet, nach sechstägiger Arbeit am siebenten Tage zu ruhen; es befiehlt, Vater und Mutter zu ehren; es untersagt den Götzendienst, das Stehlen, Morden und Gelüsten nach fremdem Gute. So saget an, ihr heiligen Geister: Seid ihr von Götzendienern umgeben? thcilt ihr das Loos des Menschen, der zur Arbeit und Mühe geboren ist? Kennt ihr Neid und Begierde? Wozu braucht ihr ein Gesetz, das nur für Sterbliche geschrieben, nur für den Menschen bestimmt ist?" 0 Sabbath 881t, 8»a; Menachoth 29 b.

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