Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1893)
- Date
- 1893-06-02
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
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261 l) das harte Hand Gottce nsatz zwischen choben. „Der rgen, schonen U, 5 und 8.,;t Propheten Ueberschrifl: nrtheile über j, daß Jsrac schont wird, ch das Strni- 12. Kapitet^ über Israel". . Denn hier kein einzigen ach dem eii: le Jerusalem »tet, daß Denn «Gon : Jerusaleni:- , wird ein- Völker, witt> lvundet sich. :eses Kapitet lölkerschciftei: kengange de eile zerlegen : Das Won erbesserungen srr über des letzten Verbesscn Wort Gotten Trotzdem cd von Edom das ruchloic meint daher. und Edoni gegen. „Jet:?dom (Esain ist ein do rr wird l'ni) ird vergeblich d ihr wertebiet." . Das eine der Jnhatl engen Stra: in Ezechiel': ilt, weit wir . Ez. 12. 1"! cschrift Mass*.1 Kapitels tc c allgemeinen j en zu viirsc». >stup. 12. 10) wahrnehmbar. „Den Fürsten in Jerusalem gilt dieses Massa und dem ganzen Hause Israels. Ins Exil, in Gel.nigenschast werde» stc gehen." Zwar ist letzteres kein Endurtheil, aber auf Israel wird doch das Massa augewcudet. Diese zwei zlnLLa's bilden eben Ausnahmen, erschüttern aber unsere Aufstellung über das Massa nicht. Hiermit haben wir übersichtlich den Hauptinhalt der prophetischen itn88a'8 dargclegt. Wir wiederholen das bisherige Ecgebniß: Dic Na88a'8 sind Strafreden, gehalten über fremde I älter. Das muß, trotz so mancher gegentheiligen Meinung neuerer lregeten, festgehalten werden. Da, wo die Ueberschrift lautet: „lieber Israel", muß sie gedanklich ergänzt werden mit: Massa über die Aölker im Allgemeinen, oder: über dieses und jenes Volk. Das Massa ist ferner ein Strafgericht. Das Volk, an das es gerichtet ist, kt entweder ganz dem Untergänge geweiht, wird aus der Reihe der Jölter gestrichen — oder*es wird nur schwer heimgesucht, durch das lluglück geläutert, sammelt und erhebt sich wieder zu neuer Macht. Münze der Massa’s sind, wie bereits hervorgehoben, ihres bruchstiickutigen Charakters wegen, unerklärlich und lassen sich weder der einen, nach der anderen Gattung unterorduen. Wir haben auch gesehen, in welcher Weise Israel in die Prophe- :eiungen über die Völker hineingezogen wird. Hier scheiden sich in Jezug auf Auffassung und Tonart die früheren Propheten von den pätereu. Jene lassen es nicht an Ermahnungen, ernste» Strafnuorohungen fehlen, schließen aber stets mit einem Trostesworte, mit Der Versicherung, Israel werde zu bestehen nicht aufhören. Die Mieren Propheten, wie Zacharja und Maleachi, die Israel bereits in Noth und Druck sahen, sahen die Nothwendigkeit ein, es aus seinem stummer zu erhebe», ihm Hoffnung und Muth für die Zukunft einzuüößen. Daher tritt bei diesen Propheten in Ton und Ausdrucksweise Dev Gegensatz zwischen den Geschicken Israels und denen heidnischer Völker stärker hervor. Diese werden dem Untergange geweiht, Israel bleibt, es ist von Gott geliebt. Wenn uns nun Inhalt und Charakter der Massa bekannt ist, haben wir noch immer die Hauptfrage nicht gelöst. Sie besteht einfach darin: warum hat der Prophet oder, wenn er es selber nicht war, warum hat der Sammler diesen so gearteten Prophezeiungen die Ueberschrift „Massa“ gegeben, und wie übersetzen wir das Wort? Sollte die Ueberschrift bloßer Zufall sein? Hier spielt der Zufall keine Rolle. Obgleich wir den Ueberschriften sonst nicht trauen, hier muß sie, eben weil sie eigengeartet ist, mit Vorbedacht gewählt sein. Ja gerade der Umstand, daß sie, wohl bei wenigen, aber doch bei mehr oder minder gleich gearteten Prophezeiungen angewandt wird, belehrt uns, daß da nicht Zufall und nicht Laune, auch nicht Gedankenlosigkeit, sondern Absicht obgewaltet habe. Wie wir es bereits bemerkten, sollte uns dieses Wort in das Leben und Weben der Propheten, wie in ihre Geisteswerkstätte, einen Einblick thun lassen. (Fortsetzung folgt.) U Zufall oder Absicht? Von Dr. M. Stern. Bei Gelehrten wie Laien ist es eine fast wie ein Dogma feststehende Ansicht, daß die althebräische Poesie das bei den griechischen und römischen Dichtern dllrchweg angewandte Metrum nicht gekannt und noch weniger gebraucht hatte; Moses Mendelssohn spricht das sogar in der Einleitung zu seinem Pentateuch-Kommentar ganz entschieden aus und rechnet es den israelitischen Sängern und Propheten selbst als Borzug an, daß sie ihr Augenmerk in ihren Liedern und Reden allein auf den Kern, den Inhalt, gerichtet und nicht auf die Aenßerlichkeit einer abgemessenen Silbenzählung, der zu Liebe oftmals die Hauptsache in den Hintergrund trete, Werth gelegt Hütten. Dagegen unterscheide sich die hebräische Dichtkunst von der prosaischen Redeweise unb verstärke dadurch ungemein ihren Eindruck auf Ohr und Gemüth des Hörers durch gleichmäßige Folge von (2, 3 oder 4) ungefähr gleich langen Worten und den Parallelismus der aneinander gereihten Sätze, die sich theils im Sinn ergänzen, theils diesen durch den Gegensatz desto prägnanter hervortreten lassen. So unbestreitbar nun die letztere Behauptung unseres dritten Moses ist — wie Jeder, der auch nur ein Kapitel eines poetischen Bibeltheils, seien es Propheten, Psalmen oder Sprüche und Hiob, im Texte zu lesen versteht, bekräftigen wird — so unverkennbar ist es doch andererseits für den aufmerksamen Leser, daß bisweilen, namentlich an Stellen, aus die der Antor besonderen Nachdruck legen will, wirklich nietrische, nach Silben abgetheilte Verse Vorkommen, was um so weniger zu verwundern ist, als die hebräischen Dichter es durchaus nicht verschmähen, ihre Worte durch, mitlmter sogar recht augenfällige Assonanzen unb Alliterationen dem Gehör auffallender und dem Geiste eindringlicher zu machen. Und gerade der mustergiltigste unter ihnen, der ältere Jesajah, liebt es am allermeisten; so (K. 5) in der herrlichen Parabel vom „Weinberge des Herrn der Heerschaaren". Er hoffte auf MLsclipat und es ward Mispadi, auf Z’dakah und es kam Z’aakah (coni*. 28, 10. 13: Zaw .. Kaw .. . Seer.. 32, 5—8, B. 19: )>arad, b’redeth, schifla, tiscJipal, 33, 1 durchweg, B. 11: (Ih’sdiadi, Ka^eli, P. 22: Sdioftenu, iWchok'kemi, Malkenu, josdiienu. (Aehnliches bei demselben und auch anderen Propheten ließe sich vielfach finden, doch mehr zu citiren würde zu weit führen.) Wäre es demnach etwas Absonderliches, daß derselbe große Seher auch bisweilen ein ganz regelrechtes Metrum angewendet hätte, wie es mir besonders in einem Falle fast unzweifelhaft erscheint. Es ist dies (K. 24,17) nämlich ein stylgerechter Hexameter: Pädiäd wäfädiäd wafäch älediä jüscbew luuirez. Selbst, wie man sieht, die normale Cäsur inmitten des dritten Fußes mangelt nicht; sollte alles das blos zufällig sein? Ich glaube das um so weniger, als wie hier Daetylen also in allen drei Theilen der h. S. Jamben sechs- und achtsüßig erscheinen. So der in Jes. 12, 2 und Ps. 118, 14 übergegangene Anfangsvers des Hochgesangs am rothen Meere (Exod. 15, 2): Ossi wesiiiirath jah wajlii li lisdiuah.1) — Die Sprüche Salomons, die so oft gegen Trägheit eifern, enthalten sogar zwei Mal mit geringen Variationen (6, 10 f., 24, 33 f.) zwei achtfüßige Jamben, worin jene mit ihren Folgen drastisch illustrirt wird: Neat sdienoth meat t’nuinoth meal diiblnik jadajim lisdikaw. uba Kcmithhalledi resdiedia umadisaidia kdsdi magen.2) — Nach alledem stelle ich es dem Urtheile der besonders fachkundigen geehrten Leser anheim/ob in den angeführten (wie ähnlichen) Fällen nicht mehr Absicht als Zufall obgewaltet, und den hebräischen Dichtern die Metrik des Klassizismus doch nicht, wie gemeinhin angenommen, eine gänzlich unbekannte ®röfee gewesen. Ein I kompetentes Votum zu hören, wäre mir und vielleicht auch Anderen ' erwünscht. 0 Vielleicht ist sogar des Versmaßes wegen in „wesimrath“ das | dahin gehörige 3“ weg gelassen, was den Exegeten viel Kopfzerbrechens j verursacht hat und auf diese Weise sich am besten erklärt.; -) Daß mitunter der Jambus in einen Spondeus verlängert ist, | entspricht bekanntlich ganz den Regeln der Metrik.