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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-02 · Heft 22 (2.6.1893) · p. Seite 260

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 22 (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
Seite 260 (sequence 8)
Language
German
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260 Der Segen des Landes, die Quelle seiner Fruchtbarkeit, der Nil, vertrocknet. Dan» gicbt es nicht Aussaat und nicht Ernte. Dennoch wird Aegypten nicht, wie die anderen Länder und Völker, über die das Massa ergeht, dem Untergänge geweiht. Die Ursache dieser Schonung besteht, wie es genügend angedeutet wird, in der Toleranz, die es gegen die Bekenner Jahve's übt. Denn ein Altar des Ewigen erhebt sich im Lande Mizraim. Am Tage des Strafgerichtes erkennt Mizraim Gott. „Gott straft Mizraim, verwundet und heilt es. Es kehrt znm Ewigen zurück, er läßt sich erbitten und sie sind geheilt" (Kap. 19,22.) Es schließt mit Israel und Assur ein Bündniß. Israel, Aegypten, Assur bilden einen Dreibund, in welchem Israel freilich der schwächste Theil ist, wirkt aber mit „zum Segen inmitten der Erde" (V. 24). Auch Tyrus wird nicht ganz seine Existenz verlieren. Zwar wird es seinen Glanz, wie seine gebietende Stellung nie wieder erlange», sich aber siebenzig Jahre nach seinem Falle wieder erheben, wenn auch nicht mehr zur Höhe seiner früheren Macht. Andere, im Buche Jesaia mit Massa bezeichnete Prophetieeu, wie die über Duniah (wahrscheinlich Edom) und über Arab (Arabien) sind so knrz und bruchstückartig, ihr Schicksal in Folge desien im Dunkel gelassen, daß man sie weder der einen, noch der andern Art unterordnm kann. Zacharja hat zwei Massivs, das eine (Kap. 9) ergeht über verschiedene kleine Völkerschaften. Ein schweres Strafgericht wird über alle verhängt. Ihr Schicksal scheint verschieden zu sein. So schwindet aus Asah der König, läßt aber die Möglichkeit zu, daß das Volk weiter bestehen wird. Askalon wird nicht bewohnt. Die Einwohner desselben sind also entweder getödtet oder in Gefangenschaft geführt worden. Jedenfalls ist die Selbstständigkeit verloren gegangen, das Voltsthum hat aufgehört. Dieses Massa kann man mit Recht der oben bczeichnetcn ersten Art, die völligen Untergang verkündet, beiordnen. Das zweite Massa des Zacharja (Kap. 12) wie die des Propheten Maleachi, ist nach der Ueberschrist „an Israel" gerichtet. Hierzu gehört auch Jesaia Kap. 30. 31. Sind Massa’s an Israel gerichtet, so würde das unsere ganze Ausstellung Umstürzen. Das ist aber nicht der Fall. Hier zeigt sich eben die Unzuverlässigkeit der Ueberschriften. Die Massa’s als solche sind nicht an Israel gerichtet, sondern wie eine Prüfung des Inhaltes ergiebt, au verschiedene, manchmal genannte, manchmal ungenannte Völkerschaften. Beginnen wir mit Jesaia Kap. 30. Da ist es vor Allem die Ueberschrist selber, die die meisten Schwierigkeiten macht. Sie lautet: 2^2 nüro und giebt absolut keinen Sinn?) Wir wollen den Versuch nicht machen, die zum Massa hinzugefügten Worte zu verbessern, da uns vorerst der Inhalt interessirt. Die Prophetie beginnt mit Israel. Ihm wird sein schweres Vergehen vorgehalten. Es ist ein widerspenstig Volk, giebt sich absichtlich der Täuschung hin (V. 9), heißt die Propheten schweigen, die ihm ungeschminkte Wahrheit künden. Zumeist aber wird getadelt, daß Israel auswärts Hilfe sucht, den politischen Fehler begeht, von Aegypten Beistand zu erwarten. „Mizraim aber ist ein schwankes Rohr, wer sich darauf stützt, verwundet sich." „Wehe denen, die hinabziehen nach Mizraim um Hilfe, auf Rosse sich stützen und auf Wagen vertrauen" (Kap. 31, 1). Nachdem aber Israel sein Fehl mit ernsten, strengen Worten vorgehalten, die Strafe, der es nicht entgehen wird, angedroht wird, tritt das Trosteswort ein. Du bist nicht verloren, Israel! „Gott harret, dich zu begnadigen, er macht sich auf, sich dein zu erbarmen. So er die Stimme (deines Gebetes) hört, erhört er dich." Wird so in verschiedenen Wendungen dargethan, daß Israels Trauer enden und cs Fcstcsfeier begehen werde (V. 29), wendet sich im Verlaufe (> Tie Erklärung dieser Ueberschrist, wie sie das Targum giebt, haben wir in der vorigen Nummer mitgetheilt. desselben und des nächsten Kapitels (Jesaia 30 und 31) das harte Strafgericht gegen Assur, das eine Zuchtruthe in der Hand Gottewar, aber zu unmenschlich grausam gewesen ist. Der Gegensatz zwischen dem Schicksal Israels und Assurs wird wiederholt hervorgehoben. „Ter Etvige Zebaoth wird Jerusalem schützen, wird es hüten, bergen, schonen und retten, Assur aber fällt durch das Schwert." (Kap. 31, 5 und 8., Dieselbe Bewandtniß hat es mit den Massas der Propheten Zacharja und Maleachi. Auch diese beiden haben die Ueberschrist; „lieber Israel". Sie wären also Strafgerichte resp. Endnrtheile über Israel. Ein Blick auf den Inhalt der Kapitel belehrt uns, daß Jsract ivohl sein Fehl vorgehalten, von der Strafe nicht verschont wird, Verderben aber ist nicht sein Loos. Vielmehr vollzieht sich das Straigericht an den besonders Israel feindlichen Völkern. Wir meinen daher, daß in der Ueberschrist des 12.. Kapitel; Zacharja, die da lautet: „Ein Massa, das Wort Gottes über Israel , das Massa von ‘n “Ql deutlich getrennt werden müsse. Denn hier wird an Israel überhaupt keine Strafrede gehalten, kein einzige-- Wort der Drohung kommt vor. Es wird vielmehr, nach dem einleitenden ersten Satze, den verschiedenen Völkern, die alle Jerusalem und Juda zum Gegenstände ihrer Angriffe machen, bedeutet, daß s;e vergebens hier anstürmen, ihre Kraft unnütz vergeuden. Denn „Gon hält sein Auge offen über dem Hause Juda, die Bewohner Jerusalem-- wird er beschützen." (V. 8, 9.) Das Entgegengesetzte dessen, was der Feind erhofft, wird eiutreten. Jerusalem, der Stein des Anstoßes für alle Völker, wird für diese verhängnißvoll werden. „Wer es angreift, verwundet sich, Ein Massa im Sinne eines Strafgerichtes ist also dieses Kapite aber nicht über Israel, sondern über die verschiedenen Völkerschaftei;, die es angreifen. Dian muß demnach, um dem Gedantengange d-;e Prophetie gerecht zu werden, die Ueberschrist in zwei Theile zerlege,; Der erste Theil lautet kurz: Ein Massa. Der zweite: Das Won Gottes an Israel. Liebt man es, deutlich zu sein und Verbesserung,;> vorzunehmen, dann lautete die Ueberschrist: Ein Massa über d Völker, — Das Wort Gottes an Israel. Ungefähr ebenso verhält es sich mit der Weissagung des letzte Propheten, Maleachis. Die Ueberschrist ist ganz dieselbe wie in Zacharja. Verbesscn müßte sie hier lauten: Ein Massa über Edom, — Das Wort Gott, an Israel. Das Massa besteht hier aus 5 Versen. Trotzdem n cs klar und deutlich. Israel, das geht deutlich hervor, wird von Edo,; augefeindet. Israel kann es nicht begreifen, warum das ruchloi, Edom die Macht haben solle, es zu bedrücken. Israel meint daher daß es von Gott nicht mehr geliebt, von ihm verlassen, und Edo;; bevorzugt sei. Dieser Meinung tritt der Prophet entgegen. „Jll liebe euch, ist der Ausspruch des Ewigen." Obgleich Edom (Esau Jakobs Bruder ist, liebe ich Jakob. Das Glück Edoms ist ein vor übergehendes. Sein Staat geht bald in Trümmer. Er wird wohl bemühen, die Trümmer aufzubauen, seine Blühe wird vergebt? sein. „Und eure Augen, Israeliten, werden es sehen und ihr werbt sprechen: Groß ist der Ewige, erhaben über Israels Gebiet." Eine Ausnahme hiervon bilden zwei kurze Massa's. Das ein ist Jes. Kap. 22. Zwar ist die Ueberschrist undeutlich, der Jiihw aber belehrt uns, daß es ein Massa im Sinne des strengen Strw geeichtes über Israel enthält. Noch deutlicher ist dies in Ezechiel' ff Wir haben dieses Massa nicht den andern beigezühlt, weil wi nur jene anfnahmen, die das Massa zur Ueberschrist haben. Ez. 12, beginnt nicht mit einer Prophetie, hat auch nicht die Ueberschrist Mars; Es wird daselbst eine mit dem Anfänge des genannten Kapitels bl ginnende Strafrede fortgesetzt. Doch glauben wir, bei einer allgemeine Erklärung des Massa, auch dieses nicht außer Betracht lassen zu dürfe.

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