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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-26 · Heft 21 (26.5.1893) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 21 (26.5.1893)
Date
1893-05-26
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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249 imb ist die wörtliche Uebersetzung des „Massa“, im Sinne von: Last, las zweite -NebiuilLa Prophetie, ist bei Jesaja »nd Habakuk mir dem Motal als Erklärung beigefügt. In Jeremia 23, 33 ff. iiub in Mischt«; 30. 31 ist es die direkte Uebersetzung des Massa.1) Die Septuaginta übersetzen verschieden. Ihnen ist Massa theils oder <’>»a/u:, was Gesicht, Vision bedeutet, entsprechend dem iWräischen sin, oder auch Wort, Ausspruch. Die Vulgata hat burchgehenbs mms Last, und dieser Ueber- >aaing folgt Luther. Die neueren Uebcrsetzer schwanken zwischen 'Weissagung", „Orakel", „Vortrag", „Aussprnch", „Hochspruch". i>:>cr, wie gesagt, die Ethpmologie des Wortes bietet keine Schwierig-!>.!, doch kommt viel darauf an, wie es übersetzt wird. Mit der II Versetzung soll ja nicht blos der Ursprung des Wortes angegeben, < soll auch der Begriff wenigstens angedeutet werden, der hier i:>ü dem Worte verbunden wird. Wenn sich dies jeder Ueberhücr bei jedem beliebigen Satze, den er aus einer Sprache in die . acre übertrügt, vor Augen halten muß, so ist dies bei Ucber- Wciften um fv dringender geboten. Diese solle» ja in einem kurzen Sitze oder einem Worte den Gedankcninhalt des folgenden Kapitels; anschaulichen, sie sind die Aushängeschilder dessen, was der Inhalt sich birgt. Wir müssen uns also, um einigermaßen zu einem Resultate zu äugen, den Inhalt jener prophetischen Reden ansehen, die das '•assa zur Ueberschrift haben. Bor Allem muß hervorgehoben werden, daß, mit wenigen Ausi; chmen, die Ueberschrift selber uns schon belehrt, daß das Massa, <:■: prophetische Schau, sich gegen fremde Völker richtet. Obgleich die!' berschriften nicht klar sind, so sagen uns doch die meiste» kurz und udig, daß der Inhalt der Prophetie ein Mas«, über Babel, die : illister, Aegypten, Moab, Tyrus, Damaskus u. s. w. sei. Wir haben a w in der Ueberschrift selber ein Merkmal des Massa. Dieses Merkmal wird, obwohl von manchen Forschern bestritten, dennoch von o,»> Inhalte der Prophetie vollständig bestätigt. Werfen wir einen Blick in eine dieser prophetischen Reden, so e uingt sich uns, was bereits von anderen Auslegern bemerkt wurde, .i zweites Merkmal unwiderleglich auf. Die mit Massa bezeichneten Reden sind strenge Strafreden.') Wese zerfallen in zwei Theile. In solche, die dem Volke, gegen das gerichtet sind, völligen Untergang prophezeien, und in solche, — w die bilden Ausnahmen — die nur einem strengen Strafgericht tgegen gehen, bei denen aber nach der Epilirung eine Rückkehr nid ein Wiedererstehen des Volksthums zu erhoffen ist. Zwischen j ’-'H „Massas" begegnen wir auch einzelnen Sätzen, auch kleineren j ') Tie weiteren Zusätze in der Ueberschrift des Targum sind nicht I ' itlärungen des Mas^a oder des M(e)tal, sandern deuten entweder den I schalt der Nachfolgen en Rede an, oder wollen die an sich nnverständ-! üüjc Ueberschrift deutlicher machen. So wird Jesaja 13,1 „Massa über ,'äbcl" übersetzt: „Ein Massa. Becher des Fluches, Babel zmn Trinken" , argereicht). Ebenso die folgenden. Als willkommene Erklärung dürfen I 1 »zeichnet werden die Zusätze zur Ueberschrift Jesaja 21 und 22. xtt’C “nia wird übersetzt : xiz“iaa jTlXl pira Pa Ein; über die Heere, die von der Wüste kommen. :ppz kwa : xmp Pi' snx'a; Pa XiPTD iOITl Ein Massa, Prophezeiung ’ i'cidie Stadt, die im Thale (Sandfläche) liegt. l 0 Daß auch die Alten das Massa als strenge Strafreden, Unterj ang, Verderben genommen haben, bezeugen Midrasch Jalkut Abschn.!!'i* "jP p ebenso Gen. Rab. Schlagwort 2NP2X Pi< '1 12P irrt i Micibe ventiliren die Frage, welches von den zehn Worten, die für I Prophezeien üblich waren, als das schwerste, härteste anzusehen sei. Darj auf antworten die Rabbanim, daß es ,,Massa" sei und führen als ' '^eleg an a»a 1122' “122 S1T22! und größeren Abschnitte», die von Israel handeln. Auf welchen Punkt wir noch zurlickkommen. Sehen wir uns, um das Gesagte zu erhärte», einzelne der bezeichneten prophetischen Reden an. Ta ist das erste und in der Reihenfolge in Jefaia das 5. Massa gegen Babel gerichtet. (Jes. Kap. 13, 14. 2t.) Dem babylonischen Staate wird völliger Untergang geweisiagt. Mit erschütternden Worten wird das hcrcinbrcchcndc Unglück geschildert. Es ist der Tag des Herrn, der da kommt. Die Sterne am Himmel erstrahlen nicht. Tic Sonne verfinstert sich bei ihrem Aufgang und der Mond zieht sein Licht ein (V. 10.) das Land wird zur Wüste, die Sünder werden vertilgt. Babel, das herrliche der Königreiche, Stolz und Ruhm der Chaldäer, wird werden wie Sodom und Gomorrha. Es bleibt unbewohnt die Geschlechter hindurch. „Der Araber schlägt da sein Zelt nicht ans, der Hirte lasset da nicht weiden. Rahe ist seine Zeit, die Tage säumen nicht," (B. 10. 20.) Hiermit schließt das Kapitel 13 und die Weissagung über Babel. Das folgende, 14. Kapitel enthält zunächst einige Sätze, die an Jakob-Israel gerichtet sind. Dieses wird z» bestehen nicht aufhören, vielmehr nach seinem Niedergänge ein Wiedererstehen feiern. Dann aber wird ein Blaschal (Gleichnißrcde) über Babel angestimmt. Wir wären sehr geneigt, das Mascha! hier mit Leichenrede zu übersetzen, die über Babel gehalten wird, Nur wäre dies eine eigcngcartcte Leichenrede. Neben dem Gedanken der stets waltenden Gerechtigkeit und dem, das Babel sein verdientes Geschick ereilt hat, enthält dieses Gedicht so viel Spott »nd Hohn, eine solch anschauliche Schilderung der Grausamkeiten und Frevelthalen Babels, vor Allem seines Königs, und das Alles in solch erhabener Redeweise und Kraft des Ansdrucks, daß ihm kaum ein zweites in der Welllitteratur an die Seite gesetzt werden dürfte. Dasselbe — den Tag des Herrn, völligen Untergang — lündct das Massa über Peleschet, Damaskus. Auch Moab, ein alter Feind Israels, nürd von schwerem Geschicke heimgesucht. Seine Macht wird ganz gebrochen. Nie erhebt cs sich wieder zu altem Glanze. Doch bleibt ein kleiner Rest, gering, unbedeutend. Hierzu gehört auch die Weissagung des Propheten Nahm» über Niniveh. Das Endurtheil über dasselbe lautet (Kap. l. B. 12.): „Ob sie auch stark und ihrer Biele sind, sie werden hiuweggeschnittcn und cs ist vorbei." Und ferner: „Wer dich sieht, weicht entsetzt zurück und spricht: Zerstört, zerstört ist Niniveh!" (Kap. 3. 7), das Massa schließt: „Deine Wunde vernarbt nicht, dein Schlag ist unheilbar." Das Massa des Propheten Habakuk gehört zu jenen, das das Schicksal des Voltes, über das es ergeht, unbestimmt läßt. Deutlich genug aber ist zu ersehen, daß dem Volke Untergang angedroht wird. Das Massa besteht aus zivei Kapiteln. Das erste ist scheinbar gegen Israel, das zweite gegen die Ehaldäer gerichtet. Das Massa als solches kann aber nur auf die letzteren bezogen werde». Die Chaldäer sind jenes Volk, datz die weite Erde durchzieht, grausam und ungestüm, um zu erobern und zu plündern. Ter gänzliche Untergang wird zwar nicht ausdrücklich hervorgehoben, aber, da auch überes das Maschal, die Glcichnißrede, gesprochen wird, der Rest aller Völker, die cs bedrückt und beraubt hat, sich erhebt, das Wehe! gerufen wird; so wird auch ihm wohl gänzliches Verschwinde» prophezeit. Tie Chaldäer überziehen ja „weite Strecken, erobern fremde Wohnplütze (V. 6), spotten über Könige, treiben ihr Spiel mit Fürsten." Den Chaldäern ist der Krieg ein Spiel, als ginge es auf die Fischjagd . . . „sie ziehen die Völker an der Angel, schleppen sie in ihre Netze, sammeln sie in ihr Garne" (V. 15). Daß dies Alles auf die Chaldäer geht, die sich die Völker wie im Spiele

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