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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-26 · Heft 21 (26.5.1893) · p. Seite 247

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 21 (26.5.1893)
Date
1893-05-26
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 selben ihnen h. die Juden Sympathien ine gedrückte Bewegung in ich erst durch es Interesse Eine lange eignisse flößt : ein, welchcufsmäßigen förmlich al-e wirthschafb Iden, deren che Erfolge die öffentchen, ist die oelche jeder llksthümlich ehbar. Die n entgegen cht recht an ehörige der sie nehmen;reu großen gestraft der »tastbar ernmg gegen als Zeichen usies ange Kreise in anders hoä! in welcher h an selbst ütter ungc wie Hand bei solchen nweghelfe». durch diesn, darüber .'gt werden Meinungen r vermögen ingedämmr allen Be semitismu-r Gefahr sich fest; allein is sie dies. rls sich in ißigen und ihrung zu- »zelte Vorungenschaft rochen fein. Verhalten lesen wäre, mgescheheu machen; für die Zukunft wird man gewiß aus den gemachten Erfahrungen eine Lehre ziehen. Kleinmuth, Uneinigkeit, Mangel au Interesse für die ihnen freundlich gesinnten Blätter haben das Nebel vielfach verschlimmert. Was die Juden zu dem Unheil beigetragen haben, ist jedenfalls aber sehr gering im Verhältniß zu den Dingen, die sie nicht verschuldeten. Dieses Bewußtsein wird ihnen die Kraft verleihen, im Vertrauen auf Gott muthig auszuharren, bis zum Siege der Aufklärung und der allgemeinen Menschenliebe! L. F. * Vre Situation in Oesterreich. Die Koliner Judenhetze, die Wiener Gemeinderaths-Ergänzungswahlen, die Affaire Paulus Meyer — bezeichnen die gegenwärtige Situation der Juden in Oesterreich. Mit dem Blutmärchen beginnt sie und zum Blutmürchen kehrt sie zurück. Das will soviel sagen, als: Die antisemitische Bewegung kann immer wieder nur die mittelalterlichsten Fornien annehmen, sie mag auch die modernsten Motive haben. Denn das ist klar: Die Koliner Exzesse sind kein Ausfluß des religiösen Antisemitismus, trotzdem der Verdacht eines Ritualmordes den Anstoß gab. Die Hetzer, welche die im Volke schlummernden Instinkte weckten, hatten ganz andere als religiöse Beweggründe; und auch oer Wiener Mechaniker Schneider, der sich in Kolm zu schaffen machte, scheint hier nur Neben- und Nachhetzer gewesen zu sein. Die eigentlichen Anzettler waren die jungczechischen nationalen Agitatoren. Die Juden sind den Jungczechen zu deutsch gesinnt, und wo das doch nicht mehr der Fäll ist, so doch zu altczechisch, zu wenig jungczechische Heißsporne. In der That haben die Juden aus leicht begreiflichen Gründen eine Scheu davor, zu den radikalen Nationalen zu gehen, welche nolens volens stets etwas antisemitische Allüren haben müffen. Dagegen haben sie sogar ein wenig unvermittelt der czechischen Präponderanz von jetzt Rechnung getragen und man findet sehr viele czechisch, wenn auch nicht jungczechisch gesinnte Juden in Böhmen. Und wirklich wissen die antisemitischen Deutschen dieses Landes den Juden den analogen Vorwurf wie die Jungczechen zu machen. So befindet sich der Jude in Böhmen zwischen zwei Feuern, und was für Böhmen gilt, gilt auch so ziemlich für andere Kronländer der Monarchie. Die nationale Frage übt auf die Lage der österreichischen Juden einen unheilvollen Einfluß. Halten sie es mit den Einen, so hetzen sie die Anderen auf sich; die Ersteren sind aber gewöhnlich auch nicht die dankbaren und bezahlen die Gefolgschaft mit schnödem Lohn. Es hat fast den Anschein, als ob den österreichischen Juden in solchen Fällen nichts Besseres übrig bliebe, als mit Beiden, oder, was dasselbe ist, mit Keinem von Beiden zu gehen und ruhig ihre Pflicht als Staatsbürger zu erfüllen. Manche handeln schon nach diesem Grundsatz. Die Wiener Gemeinderaths-Ergänzungswahlen sind wieder ein Einfluß des wirthschaftlichen Antisemitismus. Zwar sind es Hausherren, welche dieses Jahr zum ersten Mal antisemitische Stimmzettel in die Wahlurne legten, und Hausherren pflegen nicht besonders stark unter dem wirthschaftlichen Drucke der gegenwärtigen Verhältniffe zu seufzen. Doch das thut nichts; etwas weniger angenehm ist ihre Lage dennoch geworden und, halbgebildet, wie diese Klaffe zu sein pflegt, läßt sie sich von den antisemitischen Vogelstellern einreden, daß die Juden daran schuld sind. Vielleicht mag auch etwas Angst vor der zum Theil von jüdische» Führern geleiteten Sozialdemokratie mitspielen. Wider diese lohnt es sich auch, zu dem durchaus anarchistischen Antisemitismus sich zu bekennen und vereint mit dem verarmenden Mittelstände Judenhetze zu betreiben. Die Paulus Meyer-Affaire! Da haben wir wieder den reinsten religiösen Antisemitismus. Das „Vaterland" und Konsorten rücken zur Volksverdummung aus. Sie haben sich einen Abenteurer ärgster Sorte von jüdischer Abstammung verschrieben. Der Mann erklärt öffentlich in einem Brief an den Pfarrer Dr. Deckert hier, das; er einen Ritualmord mit eigenen Augen mitangesehen. Das muß wirken. Ein bischen Judenhetze verroht das Volk soweit, daß es für die Beglückungen der schwarzen Schaar reif ist. Warum arbeiten auch die nationalen und wirthschaftlichen Antisemiten so langsam? Die Leute sind den Klerikalen zu gründlich, der Scheiterhaufen muß früher flackern. Es ist eigentlich gleichgiltig, wer darauf geopfert wird, aber die Juden sind die erreichbarsten Opfer, also hurtig. Die anderen Antisemiten lassen sich aber gerne überholen und helfen auch hin und wieder mit. Sie wollen die Klerikalen als Sturmbock benützen. Jeder will vom Andern profitiren, und, Gott sei's geklagt, sie profitircn auch beide von einander. Religiöser, sozialer und nationaler Fanatismus verflechten sich zu einer ungeheuer starken Kette, welche den Juden angelegt wird, und an welcher mau ihn zurück ins Ghetto zerren möchte. Weis; der Himmel, wie das enden wird! Vienuansis.? Ungarn und Deutschland. Bon Dr. L. Pick. In Nummer 18 dieser geschützten Blatter hat der verehrte Herr Redakteur aus den jetzt so glücklich gestalteten konfessionellen und bürgerlichen Verhältniffen der Juden in Ungarn auf die gegenwärtigen Zustände der Juden in Deutschland Helle Streiflichter fallen lassen. Er beklagt den Mangel an festem Zusammenschluß und an jener ausdauernden Thatkraft, die ihr Hochziel unverwandt im Auge behält, um es zu verwirklichen. Thatkraft und Erfolg stehen zwar nicht immer in geradem Verhältniß zu einander. Das hat schon der alte Koheleth erkannt: „Ich wandte mich und sah unter der Sonne, daß nicht immer den Leichten der Lauf gehört und nicht den Starken der Kriegserfolg; auch trifft sich's oft, das; die Weisen kein Brod haben, die Einsichtigen nicht Reichthum erwerben, und die Kenntnißreichen keine Gunst finden, denn Zeit und Verhältniß bringt Alles." Wo die äußeren oder inneren Bedingungen des Erfolges fehlen, da erschöpft sich die Thatkraft in nutzlosen Anstrengungen. Das trifft aber auf Deutschland nicht zu. Denn Deutschlands hochentwickelte, reich gesegnete Kultur ist ein dankbares Feld, ein fruchtbarer Boden und bietet allen guten Bestrebungen einen weiten Raum zu ihrer gedeihlichen Entfaltung. Aber es kommt doch darauf an, wie die Sache in Angriff genommen wird. Nun ist es zwar nicht zu verkennen, daß den Bestrebungen der Glaubensgenossen in Ungarn der seit dem 67er Ausgleich in der ungarischen Politik herrschende liberale Geist zu statten kam. Die Ungarn zeichnet überhaupt eine seltene politische Reife und slaatsmännische Weisheit aus. Sie schätzen schon seit langer Zeit in dem Juden einen treuen, zuverlässigen Patrioten, einen Bürger von unauslöschlicher Dankbarkeit für die Wohlthaten der Gerechtigkeit, einen Mehrer der ungarischen Ehre durch seine volle, fördernde Theilnahme an allen öffentlichen Interessen, ein Mitglied der Nation, das wie jeder christliche Ungar von unverfälschter nationaler Begeisterung erfüllt ist. Kein Zweifel, daß die Juden in Deutschland alle

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