Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1893)
- Date
- 1893-05-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 tagen Gottesdienst abzuhalten. Ein diesbezüglicher Aufruf an die Mitglieder soll in den nächsten Tagen zur Versendung gelangen. Oa. Aus Schlesien, 5. Mai. Dein im vorigen Jahre in Rybuik, unweit des Bahnhofs erbauten jüdischen Waisenhaus, dessen Verlegung im Laufe dieses Jahres stattfinden soll, sind bedeutende Zuwendungen gemacht worden. So hat Herr Rentier Ferdinand Schlesinger in Berlin der Anstalt ein Geschenk von 10,000 Mark gemacht, Herr Großhändler Salo Schaffer, ebenda, sandte 3 große Kisten Porzellanwaaren. — Der frühere in Kattowitz ansässige „Stadtälteste" Herr Elias Sachs, jetzt in Breslau wohnhaft, hat anläßlich der Verlegung seines Wohnsitzes nach Breslau der Stadtverwaltung seines früheren Aufenthaltsortes eine Schenkung von 5000 Mark mit der Bestimmung überwiesen, daß die Zinsen dieses Kapitals alljährlich unter die Stadtarmen ohne Unterschied des Glaubens vertheilt werden sollen. Die Zuwendung hat nunmehr die landesherrliche Genehmigung erhalten. — Wie aus Myslowitz gemeldet wird, verbietet ein neuerdings erlassener Ukas allen Inden, sofern sie nicht Hausbesitzer sind, ben Aufenthalt in den polnischen Grenzdörfern Sie dürfen demnach nur noch in Städten oder herrschaftlichen Gutsbezirken Wohnung nehmen. Für letztere ist wiederum verordnet worden, daß christliche Hausbesitzer Juden nicht als Miether aufnehmen dürfen. In dem benachbarten, sehr großen Sosuowiee, das bekanntlich seine Erhebung zur Stadt immer noch vergeblich anstrebte, herrscht natürlich infolgedessen eine große Aufregung und Verwirrung. Sämmtliche dort wohnenden Juden müssen binnen 8 Tagen den Ort verlassen und dürfen sich nur noch, wenn sie in der Nähe ihres bisherigen Wohnsitzes verbleiben wollen, im Gutsbezirke Sielce aufhalten. — Der „jüdische Waisen- und Unterstützungsverein" in Ratibor hielt am vergangenen Sonnabend Abend in Bruck's Hotel seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Fabrikbesitzer Moritz Grunwald, eröffnete die Versammlung und konstatirte, daß die Mitglieder ordnungsmäßig geladen und jedem Mitgliede ein Exemplar des Rechenschaftsberichtes eingehändigt worden sei. Mit Rücksicht darauf wurde von der Verlesung des Rechenschaftsberichtes Abstand genommen. Dem Vorstand wurde für das Jahr 1891/2 Decharge ertheilt. Die Herren Adolf Schuck und Louis Wachsner wurden in die Nevisionskonnnission neu- und die Herren Jacob Berg zum Rendanten und Rechtsanwalt Luft zum Schriftführer wiedergewühlt. Nachdem die Versammlung dein Vorstande die Ermächtigung erlheilt hatte, sich nach eignem Ermessen zur Vorbereitung für die im nächsten Jahre stattfindende Feier des 50jährigen Bestehens des Vereins aus den Mitgliedern desselben zu verstärken und Baumeister Höniger dem Vorstande für dessen Thätigkeit den Dank der Versammlung ausgesprochen, wurde dieselbe geschlossen. — Der „israelitische Beerdigungsverein" in Neiße beschloß, in Zukunft auch die Armenunterstützung in den Bereich seiner Thätigkeit zu ziehen. Bei der Vorstandswahl wurden die Herren Benno Bruck zum Vorsitzenden, Ferdinand Grünberger zum stellvertretenden Vorsitzenden, Em. Bruck 311111 Kassirer und Wilhelm Bilschofskp und Simon Steinitz zu Beisitzern gewählt V. Breslau, 14. Mai. Die schlimme Saat des Antisemitismus wird jetzt vielfach auch in die Schulen hineingetragen. Vor kurzer Zeit hat der Zeichenlehrer des hiesigen König-Wilhelms-Gymnasii in der Quarta der genannten Anstalt eine Aeußerung gethan, die für die jüdischen Schüler der Klasse und nicht minder für deren Eltern in hohem Grade verletzend war. Der betreffende Lehrer ermahnte zur Sauberhaltung der Hefte und flocht dabei eine Bemerkung ein, durch welche die jüdischen Schüler in ihrer Gesammtheit gewissermaßen von den christlichen abgesondert und als in geringerem Maße an Sauberkeit gewöhnt gekennzeichnet wurden. Es ist begreiflich, daß eine derartige Aeußerung von sehr schlechtem, deprimirendem Einfluß auf die jüdischen Schüler selbst und auf die friedliche Erhaltung des guten Einvernehmens der Schüler haben kann. — Am 16. v. Mts. verschied der hier in den weitesten Kreisen geachtete Mitbegründer und langjährige Vorsitzende des hiesigen israelitischen Miethehilfsvereins, Herr M. A. Robert Engel. Derselbe hatte es auch übernommen, die auf der Berlinerstraße gelegenen Stiftungshäuser der Kommerzienrath Fränkelschen Stiftung für Personen aller Glaubensbekenntnisse zu verwalten und lag dieser Aufgabe getreulich ob. Edler Charakter, gepaart mit echter Herzensgüte, zeichneten den Verblichenen ganz besonders aus. Ehre seinem Andenken! — Die Herren Gebrüder Dr. jur. Caro Hierselbst und Ingenieur Oscar Caro in G lei witz haben zur Beschaffung billiger und gesunder Wohnungen für Bedürftige mit in der Reichstraße Hierselbst gelegenen Grundstücken und Wohngebäuden, sowie einem Kapital von 30,000 Mark unter dem Namen „Robert und Hermine Caro-Stiftung" eine Stiftung errichtet, welclc nunmehr unter Anerkennung derselben als juristische Person die zuständü c Genehmigung erhalten hat. L Posen, 12 Mai. Auf Anregung der Herren Dr. Friedländer Hierselbst und M. Herzseld in Jnowrazlaw war für Sonntag den 2;; v. Mts, Nachmittags 5 Uhr, nach dem Gesellschaftssaal von Keiler eine Versammlung der Delegirten der jüdischen Gemeinden der Provin; Posen einberufen behufs Gründung eines Verbandes sämmtlicher israelitischer Vereine, welche die Ausübung der Krankenpflege into Leichenbestattung zur Ausgabe haben. Die Ziele des Verbandes sollen zunächst darin bestehen, jüdische Krankenwärter und Krankenwärterinnen in der geeigneten Weise ausbilden zu lassen und ihre Existenz mögliche sicher zu stellen. Ob und wieweit es wünschenswerth ist, andere Am gaben der Krankenpflege in den Bereich der Thätigkeit eines solchen Verbandes aufzunehmen, kann ebenfalls Gegenstand der Verhandlun sein, und es sollen etwaige Wünsche und Vorschläge in dieser Richtung eingehend erwogen werden. * Altona, 14. Mai. Der vor einigen Tagen zum Oberrabbinc der hiesigen Jsraelitengemeinde gewühlte Rabbiner Dr. Deutsch in Burgreppach (Baieru) hat die Erklärung abgegeben, daß er die Wal; nicht annehmen könne. Die Gründe sind nicht bekannt. Unter den Gc meindemitgliedern war übrigens schon ein Protest gegen die Wahl in Vorbereitung, da bei derselben allerlei ungesetzliche Beeinflussungen stall gesunden haben. Dr. Deutsch war der Kandidat der Orthodoxen, währenseitens der Gegenpartei Alles aufgeboten war, den übrigens ebensall orthodoxen Rabbiner Dr. Cohn in Basel durchzubringen. Letzterer ii. mit reichlich 30 Stimmen Minorität unterlegen Die Ablehnun Dr. Deutschs hat in der Gemeinde lebhafte Bewegung hervorgerufen. * Dortmund, 12. Mai. Vor der hiesigen Strafkammer wurde ei- Nachspiel zum Prozeß Buschhoff verhandelt. Die hiesige anll semitische „Reform" brachte am 10. Juli 1892 während der Verhandlum des Prozesses in Kleve zwei Artikel, durch die der Vorsitzende de Schwurgerichts Landgerichtsdirektor Kluth und der Erste Staatsanwai Baumgardt sich beleidigt fühlten. Die Artikel wurden damals den Ge schworenen in Kleve, den Richtern, Staatsanwälten und Vertheidiger übersandt; es folgte bald die polizeiliche Beschlagnahme des Blaltee Vom Staatsanwalt Baumgardt war gesagt: „Er ist derselbe, der ii; Prozeß Junkermann sich so eindringlich für Buschhoffs Unschuld verbürg hat. Und nun soll er wider Buschhoff die Anklage auf Mord vertreten Von vornherein tritt er in einer für den Angeklagten alles andere alunfreundlichen Weise auf. Mehrfach wurden seine Ausführungen, di besser der Vertheidigung überlassen gewesen wären, vom Publikum dura. Murren begleitet. . . . Hat man es je erlebt, daß 48 Stunden nach Be ginn des Prozesses die Anklage immer noch durch keine Silbe von bcr beiden Vertretern der Staatsanwaltschaft zur Geltung gebracht wurde, daß gerade diese Herren mit den drei Rechtsanwälten, welche die all mächtige Alliance israelite dem Angeklagten hilfreich verschrieben hat, ii seiner Vertheidigung und Entlastung wetteifern, anstatt ihn durch scharfe- Jnquisitorium, durch nachhaltigen Schutz der Belastungszeugen im Sinn' der auf Mord lautender! Anklage zu behandelnd" Dem Landgerichtsdirektm Kluth war der Vorwurf gemacht, er habe den Buschhoff zu freundlich und zuvorkommend behandelt, ihn in einen Polsterstuhl vor den Richter tisch komplimentirt u. s. w., auch war die ganze Verhandlung eine Justiz komvdie genannt und indirekt ausgedrückt, der Vorsitzende habe es nich verstanden, die Würde der Verhandlung zu wahren. Wegen dieser Artike wurde gegen den damaligen verantwortlichen Redakteur der „ Reform" den Schriftsetzer Eugen Michel, Anklage erhoben, der erklärte, dic Artikel entstammen der „Neuen Deutsch Ztg." in Leipzig. Das Urtheil lautete auf einen Monat Gefängniß. e Frankfurt a. M., 12. Mai. Nicht nur Herr Dr. Sulzbach von der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft erhielt, wie Sie in letzter Nummer mittheilten, den Titel Professor, sondern gleichzeitig die Herren Oberlehrer Wert heim, Dr Epstein und Dr. Fer w er von der Realschule der Israelitischen Gemeinde (Philanthropin). Außerdem erhielten diese vier Herren, sowie die Direktoren Dr. Bärwald vom Philanthropin und Dr. Hirsch von der Realschule der Israelitischen