Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1893)
- Date
- 1893-05-19
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Unterzeichnete Kommission des „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" in Berlin setzt hierdurch einen Preis von Fünfhundert Mark ms für die beste Erzählung, die Hillel und seine Zeit behandelt, oeren Inhalt und Form dem Verständniß der israelitischen Jugend im Alter von 12 bis 16 Jahren angepaßt sein muß. Als Muster werden sie vaterländischen Volkserzählungen von Ferd. Schmidt empfohlen. Die .Erzählung soll in streng objektiver Darstellung einzig und allein dahin wirken, den religiösen Sinn der Jugend zu kräftigen und für die Helden;mb Lehrer Israels zu begeistern. Der Umfang der Erzählung darf nicht 6 Druckbogen übersteigen. Außerdem wird ein Preis von Zweihundert Mark für die zweitbeste Jugendschrift gleichen Inhalts und gleicher Tendenz ausgesetzt. Die Manuskripte müssen bis 1. Dezember d I., und zwar anonym mit einem Motto und einem verschlossenen Couvert, in dem der Name oes Verfassers enthalten, an den Vorsitzenden des Vereins, Herrn Dr. G. Karpeles, W. Winterfeldtstraße 33, eingesandt werden. Die Prüfung durch die Unterzeichnete Kommission wird bis zum 1. März beendet sein und das Resultat seiner Zeit öffentlich mitgetheilt werden. Das Verlagsrecht der preisgekrönten Erzählung gehört dem „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur", der dem Verfasser einen bestimmten Antheil an dem Reingewinn jeder Auflage zukommen lassen wird. Die mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Arbeit darf innerhalb der nächsten drei Jahre nicht veröffentlicht werden. Nach dieser Frist steht dem Verfasser das volle Verfügungsrecht über dieselbe zu. Berlin, 4. Mai 1893. Rabbiner Dr. A. Rosenzweig. Oberlehrer Dr. M. Schäfer. Prediger Dr. M. Levin. Dr. H. Hildesheimer. Gynmasiallehrer Dr. Lachmann. Berlin, 15. Mai. In der Sitzung der Repräsentanten- Versammlung am 14. Mai wurden zunächst rot. 2200 M. zur Einrichtung von Gasglühlicht-Beleuchtung in der neuen Synagoge bewilligt. Eine Resolution des Herrn Dr. Tiktin, prinzipiell die Nothwendigkeit einer Ergünzungswahl für den Vorstand auszusprechen, wurde von der Mehrheit abgelehnt, da allgemein die Geneigtheit, diese Wahl jetzt vorzunehmen, nicht vorhanden ist. Jedenfalls zeigte aber die Debatte, daß eine völlige Klarheit über diesen Punkt nicht vorhanden. Und so war der Antrag des Herrn R. Mosse sehr berechtigt, bei einer Statutenänderung, die ja ohnedies mit Bezug auf die Steuervorschriften uothwendig geworden, diesen Paragraphen dahin abzuändern, daß bei einer event. Vakanz im Vorstande eine Neuwahl nach dem Ermessen der Repräsentanten-Versammlung vorgenommen werden kann, aber nicht unter allen Umständen vorgenommen werden muß. Ein Antrag des Herrn Dr. Tiktin, dem Plane der Einführung von Fahrstühlen nach den Frauengalerien in den Synagogen näher zu treten, wurde mit 9 gegen 7 Stimmen ebenfalls abgelehnt. — Alsdann wurde von den Herren Leichtentritt, Ruß und Simon über die Abschlüsse mehrerer Spezialverwaltungen pro 1892 berichtet. Fast alle diese Verwaltungen haben die ihnen von der Gemeinde etatsmäßig ausgesetzten Zuschüsse nicht voll verbraucht: so ersparte das Krankenhaus rot. 11,400 M., das Siechenhaus rot. 8000 M , die Verwaltung der Schulen rot. 8600 M. Nur die 1. Religionsschule hat ihren Etat um rot. 700 M. überschritten. — Nachdem noch auf den Bericht des Herrn Manheimer zur Ausführung einer Be- und Entwässerungsanlage auf dem Pankower Erziehungshause 2152 M. bewilligt waren, wurde die öffentliche Sitzung geschlossen, welcher noch eine geheime Sitzung folgte. * Berlin, 16. Mai. Der siebzigste Geburtstag des Herrn Professor Steinthal wurde heute in würdiger Weise gefeiert. Schon im Januar hatte sich zu diesem Zwecke ein Komitee, bestehend aus den Herren Julius Jsaac, Rabbiner Dr. Maybaum, Dr. G. Karpeles, M. S. Meyer, Geheimrath Dr. Marcuse, Kommerzienrath B. Simon, Martin Simon, Dr. Richard M. Meyer und Siegfried Sachs gebildet. Dieses Komitee überreichte heute durch eine Deputation eine künstlerisch ausgestattete Adresse, deren Wortlaut unten folgen mag, und ein ansehnliches Ehrengeschenk, das Freunde und Verehrer des Jubilars aus allen Theilen Deutschlands, ja sogar aus Amerika (namentlich Newyork) dargebracht haben. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde sandte ein Gratulationsschreiben, in dem er dem Jubilar mittheilte, daß die Gemeindebehörden ihm ein jährliches Ehrengehalt anzubieten sich gestatten. Außerdem sandten Adressen: der Deutsch-israelitische Gemeindebund, die jüdische Reformgemeinde, die Gesellschaft für Volkskunde u. A. Persönlich gratulirten Deputationen der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums (das Kuratorium und der Lehrkörper), die sämmtlichen Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur in Deutschland, die einen großen silbernen Pokal überreichten, u. v. A. Eine Adresse der Schüler und gelehrten Freunde Steinthals überbrachten die Herren Professor Dr. Paulsen und Dr. Holzmann. Wissenschaftliche Jubelspenden widmeten I. Derenbourg, M. Holzmann, I. Müller, S. Gelbhaus u. A. Leider konnte Professor Steinthal die Gratulanten nicht selbst empfangen. Aber wir dürfen zur Freude seiner vielen Verehrer mittheilen, daß er sich auf dem Wege stetiger Besserung befindet und s. G. w. bereits in nächster Woche zu verreisen gedenkt. Möge ihm ein langer und schöner Lebensabend beschieden sein! Die Adresse des Komitees hat folgenden Wortlaut: Hochverehrter Herr Professor! An dem Tage, an dem Sie die vom Psalmisten gezogene Altersgrenze überschreiten und in voller Kraft sich anschicken, den von diesen: nur den Geistesstarken zugesicherten Lebensabschnitt zu durchmessen, zieht die ganze Güte Ihres Wesens an uns vorüber und drängt uns. Ihnen zu bekunden, was Ihr Leben uns geworden ist. Denn was Sie auf dem weiten Gefilde wissenschaftlicher Forschung ausgestreut, das ist auch uns, mit denen Sie in Glauben und Wirken innig verbunden geblieben,;u reichem Segen aufgegangen. Als Jüngling wie als Mann haben Sie eine Reihe von Jahren, die Sie zu den gliicklichsten Ihres Lebens zählen, dem Studium Ihres von Ihnen wie von Keinem verstandenen und erklärten Meisters gewidmet. Von diesem Studium aus haben Sie die Höhen der Sprachwissenschaft erstiegen, die Typen des menschlichen Sprachbaues charakterisirt und den Ursprung der Sprache ausgehellt. Zugleich sind Sie in die Tiefe der Seele eingedrungen, haben Sie die Vorgänge der Einzelseele dargelegt und den Regungen der Volksseele gelauscht. Ein solcher Forscher haben Sie die Schärfe Ihres au den schönen und erhabenen Schöpfungen der Kulturvölker genährten Geistes, den Reichthum Ihres an all' Ihrem Forschen betheiligten Gemüthes, die Stärke Ihres von den sittlichen Ideen getragenen Willens in den Dienst auch Ihrer Glaubensgemeinde gestellt. In Hingebung nnd Treue sind Sie ihr ein aufklärender Lehrer, ein zielkundiger Führer, ein weiser Berather, ein eindringlicher Warner geworden und geblieben. Durch solches Denken und Wirken haben Sie sich die Glaubensgenossen zu innigem, zu tiefem, zu nimmer vergehendem Danke verpflichtet. Als ein bescheidenes Zeugnis; dieses Dankes bitten wir die Ehrengabe anzusehen, die Ihnen heute mit dem Wunsche dargebracht wird, daß es uns noch lange beschieden sei, uns Ihres segenspe::denden Lebens zu erfreuen. Im Namen Ihrer zahlreichen Freunde und Verehrer. — Berlin, 15. Mai. Wie wir hören, hat die hiesige jüdische Reformgemeinde den Bechstein-Saal in der Linkstraße auf längere Zeit gemiethet und beabsichtigt, daselbst allwöchentlich und an den Fest-