Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1893)
- Date
- 1893-05-19
- Page
- Seite 235 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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235 giebt. SBir iter gerecht-1 Förderin,, Nnth t)o6i, er strengen >e, Zeitvew so manche, s Anspruch ) besser der e Zeit nichklingende, i. i Jnkognii, Alterthum bcn. Ihr m Name, des gute, tger Juden lden, untci ankengang, ache», aber Litteratm -chrift in-, it in Nach berühmten doppelte, w dem erie rechnen n vor der e Verfasser lität fehlen » Namen hre später wr Titn-: begonnein i Ländern, s, wie an i innigste Besen, die wn einem t wurden, lg, iildem hten. Wie aottete, es? Sie bedrinische» ngcn beiter. Die Anstand, »mtheiten, römischen steasbrief, l Bücher, id. Wir schicken dies voraus, um zu zeigen, welche Ursachen und Illmstände schon im grauen Alterthum bei Abfassung und Verlöpentlichung von Büchern mitgewirkt haben, wie da immer den ^Verhältnissen, in erster Reihe der Noth der Zeit Rechnung genigen wurde. Versetzen wir uns in die Zeit, da unser heiliges Schriftthum lg sammelt wurde, und, wenn auch nicht ganz,*) so doch ungefähr die 'testalt erhalten hat, in der es uns heute vorliegt. Es war das eine schwierige Arbeit. Denn es galt da nicht nur io,is Heilige von dem Profanen oder dem minder Heiligen zu trennen, wildern auch dem, was seinem Inhalte nach als heilig anerkannt Iwurde, den richtigen Platz anzuweisen. Das heilige Schriftthum, wie i! uns vorliegt, ist nicht in dem und jenem Jahre, auch nicht in einem Jahrzehnt in die Erscheinung getreten. Es hat mindestens, das darf man wohl annehmen, eines Jahrtausends bedurft, von der .seit an, da das erste Gotteswort an Israel erging, bis zur letzten Prophezeiung, die unsere Väter aus dem Munde des Propheten Maleachi hörten. Als man nun, wir wollen die Zeit nicht festsetzen, teranging, das zu sammeln, was als reines, unverfälschtes Golteswort galt, hatte man eine schwierige Aufgabe zu bewältigen. Das ahrtausend, in dem diese Litteratur entstand, hatte wenige ruhige rage gesehen. Die meisten, zumal die prophetischen Hervorbringungen, waren in Zeiten des Sturmes und Dranges entstanden und berankten diesen ihr Entstehen. Hierzu kam noch, was wieder von den Propheten gilt, daß es zweifelhaft ist, ob sie ihre Reden selbst niederchrieben, oder ob diese von den Hörern und Schülern aufgezeichnet and so der Nachwelt überliefert wurden. Das dürfen wir mit größter Wahrscheinlichkeit annehmen, daß licht jedes Wort, das >ms von Dichtern und Denkern überliefert ist, ind nicht jede Rede, deren der Prophet und Seher gewürdigt worden, ofort niedergeschrieben wurde. Oft geschah dies gar nicht, oft erst rach langer Zeit. Zumal bei den Propheten kam dies mehr, als es uns lieb ist, vor. Die sprachen ja aus der Zeit und in erster Reihe für ihre Zeit. Ihnen kam es doch darauf an, zu warnen, Schäden heilen. Sie stehen uns viel zu hoch, als daß wir voraussetzen Dürften, daß sie ihre Manuskripte des dauernden Ruhmes wegen ivohlverwahrten. Vielmehr läßt sich, bei dem heiligen Ernst, der sie erfüllte, voraussetzen, daß so Mancher, wenn er seine Rede überhaupt uiedcrgeschrieben, dieselbe, nachdem sie gehalten war, also ihre Schuldigkeit gethan hatte, gleichgiltig bei Seite legte oder der Vernichtung preisgab. Aufgezeichnet und für die Nachwelt erhalten sollte ja nur werden, was dauernden Werth hatte und als Gesetz und Lehre Richtschnur für die Zukunft sein sollte. Jene Männer sprachen, wenn sie straften und rügten, ihre ganze Entrüstung mit voller Ueberzeugung aus, aber sie waren zu bescheiden, um von dem hohen Wertste des Gesprochenen so erfüllt zu sein — es wäre denn, daß sie es als unmittelbaren Auftrag Gottes mittheilten — daß sie es würdig gefunden hätten, es auch der Nachwelt zu überliefern. Daß das Schreiben nicht allgemein Sitte war, belehrt uns die Ermahnung an die Propheten, daß sie, bei besonderen Anlässen, das Niederschreiben ja nicht unterlassen mögen. So wird dem Propheten Jesaja (Kap. 8) aufgetragen: „Nimm eine große Tafel und schreibe darauf mit dem Griffel des Mannes." Zum Aufzeichnen jener berühmten Rolle, die Jojakim verbrannt hat (Jeremia Kap. 36), mußte Jeremia aufgefordert werden. Bedenkt mau, daß diese Rolle wohl die meisten prophetischen Reden enthielt, die Jeremia gehalten hat — sie sollte doch in sich aufnehmen die Prophezeiungen über die Reiche Israel, Juda und alle Völker, über die er seit dem Tage i) Der Talmud hat eine andere Eintheilung, als wir sie jetzt haben. Josijahu's geweissagt — und daß ihm hierzu erst der Auftrag werden mußte, so ist wohl der Schluß erlaubt, daß Jeremia ursprünglich seine Reden nicht aufzeichnete. So trugen die fast stets stürmischen Zcitverhältnisse, in denen unser Schriftthum entstand, wie die persönlichen Neigungen, Anschauungen und Verhältnisse der Denker und Dichter dazu bei, daß wohl so manches Geisteserzeugniß unwiederbringlich verloren ging. Anderes wurde, wie gesagt, von Schülern und Hörern abgeschrieben. Diese besaßen aber nicht immer jene Pietät, oder hatten nicht das geschichtlich-litterarische Verständniß, um auch den Namen des Verfassers, Redners, Dichters oder Denkers aufzuzeichnen. So gingen Reden und Prophezeiungen, Dichtungen verschiedenen Inhalts und verschiedener Art, Sentenzen, Weisheitssprüche von Mund zu Munde, oder, wenn ausgezeichnet, von Hand zu Hand, deren Verfasser man nie gekannt, oder deren Namen im Laufe der Jahrhunderte vergessen waren. Als, nun nach Verlauf von etwa tausend Jahren, die Sammler darangingen, die im Umlauf befindlichen tiefen Gedanken und ewigen Wahrheiten der Vergessenheit zu entreißen, als sie damit auch das Bestreben verbanden, das zu Erhaltende nicht namenlos in die Welt zu setzen, waren sie in nicht geringer Verlegenheit, wem sie dieses oder jenes Erzcuguiß zueignen sollten. Man war im Besitze von Schätzen, die man reichlich genießen konnte, deren Genuß man auch der Nachwelt sichern wollte, die ursprünglichen Eigenthümer aber waren unbekannt. Das lebende Geschlecht konnte selbstverständlich das Autorrecht nicht beanspruchen, die eigentlichen Verfasser waren längst todt; sie hatten ihre Namen verschwiegen, oder sie waren verschollen. So gab cs Geisteskinder, deren Väter unbekannt waren, obgleich sich diese der Kinder nicht zu schämen hatten. Die Sammler suchten sich zu helfen so gut sie eben konnten, sie priiften Form und Inhalt, Sprache und Gedankengang der Geisteserzeuguisse, fügten Aehnlichcs dem Aehulichen bei, oder verbanden, soweit cs vorhanden war, Gleiches mit Gleichem. Den bekannten Schriften berühmter Autoren wenden Schriften ähnlichen Gedankengauges und Inhaltes beigefügt. Daß dieses Beifügen und Verbinden nicht immer eine innige Verschmelzung sein konnte, ist selbstverständlich. So begegnen wir hier zum dritten Male Zueignungen von Schriften an solche, die das Eigenthumsrecht nie in Anspruch genommen haben. Die eine Erscheinung trat uns entgegen, als Juden ihren berühmten Glaubensbrüdern Schriften znsprachen, die sie selbst verfaßten, die andere, als sie berühmten Heiden lmd selbst mythischen Gestalten Gedanken tind Worte in den Mund legten, die, wenn die Verfasser sich als solche bekannt hätten, wirkungslos gewesen wären. Der dritten Erscheinung begegnen wir bei der Sammlung des Kanons. Hier sind es nicht die eigene» Verfasser, die für ihre Gcistcskinder den Vater suchen, sondern fremde Menschen nehmen sich der Verlorenen an und weisen ihnen den Vater zu, den sie mit Vorbedacht und genauer Prüfung ansgewählt haben. Deir Namen dieses Vaters sollen die Kinder tragen, unter seinem Schutze sollten sie sich sicher fühleit. Als Beleg hierfür möge auf das wunderbare, unübertroffene Buch, auf die Psalmen, verwiesen werden; daß es ein Samntelwerk ist, zeigt sich auf den ersten Blick und wurde auch i» alten Zeiten nicht bestritten. Midrasch rabba Schir Haschirim und anderswo werden zehn Männer aufgezählt, die den Psalter verfaßt haben. In dem Psalmbuch, oder bester, da es nach dem Vorbilde des Pentateuch in fünf Bücher getheilt wurde, in den Psalmbüchern, haben ohne Zweifel poetische Erzeugnisse verschiedener Art aus den ältesten Zeiten israelitischen Volkslebens Aufnahme gefunden. Wird doch, nach der