Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1893)
- Date
- 1893-05-19
- Page
- Seite 233 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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233 - Wo fängt s>er mit bcinl bescheidenstcu!rnt, die ui| iroßen felbit: en, und tvu | irbeit foimic, denn Reiiiieit, Routing und zuinc! neu trerbcnj ig eine in: hles ist; ift | Protzenhas c gelegentliti u reflektireu, iiv einen ln 'e auch nid i t Falle, bm;? nicht An s Jsraelitei Vertretung?' leider von n die Bor Bergangen pellation in die doppcu i Genosicn Deutlichkeit inerkung in da mieden nn gefallen Behörde in wgane) von e Erregnnr ,el an allen richten am nsgenosfcin n wohnend sten, in der irtung de? tliche Rede itig vorgcndtags anach. geordneten edes Fall? en Sektion nn Körper ümerlei Verletzungen zu finden seien, daß vielmehr das Mädchen des Ertrinkungstodes umgekommen sein müsse. Nnn stand diese Autorität, dieser klassische Zeuge der Koliner Niedertracht, zur allgemeinen Verblüffung im Landtage, als man die Aerurtheilung der Exzesse aus deni Munde des Regierungsvertreters gehört hatte, auf und erklärte, an den Koliner Exzessen seien — nur die Juden schuld, denn-sie halten eine deutsche Volksschule! So spricht ein Dr. med. ... ein Mann, der seine ganze Existenz einem edlen Juden verdankt, welcher sich einst des verwaisten sechsi ihrigen Knaben, trotzdem er katholisch getauft war, angenommen und ihn mit Aufwand seiner letzten Spargroschen hatte stndiren lassen! Dank von den Antisemiten! Logik bei den Judenfeinden! iiebrigens steht Dr. Schill — so schrieb er sich einst — mit seiner löhnen Wendung nicht allein. Das klerikale Blatt „Czech", das allgemein als Organ des erzbischöflichen Palais angesehen wird, und in wörtlicher Uebereinstimmung nt ihm das Koliner Lokalblatt „Polaban", welches durch die Verwindung der Juden und durch die freche Lüge, man hätte am Leichnam des aufgefundenen Mädchenleichnams Stichwunden entdeckt, u,e Krawalle eigentlich verschuldet hat, wenden sich gegen eine „Er- : äruug" des Dr. Kisch in Leitartikeln, die hipokritisch augenerdrehend behaupten, es hätte ja nie und Niemand bei uns an as Blutmärchen geglaubt, Rabbiner Kisch verschwende sein Pathos vercblich, wenn er beweise, daß die Juden kein Christenblut tränken, er solle eber dafür sorgen, daß die Juden keinen Christenschweiß trinken u. s. w. Ist es dem Organ des erzbischöflichen Palais, das, charakteristisch einig, den Dr. Kisch auch darüber belehrt, daß seine Behauptung, as Blutmärchen sei gegen das junge Christenthum erfunden worden, oohl wahr sei, aber daß diese Verleumdung gegen das Christenthum ch nur kurze Zeit habe halten können, während dieselbe Beschuldinng gegen das Judenthum nun schon achtzehn Jahrhunderte wieder-?hre; ist es denn dem edlen „Czech", der so thut, als gäbe es im anzen Böhmerland Niemand, der die Blutlüge zu glauben vorgebe, enn nicht bekannt, daß drei Häuser vom erzbischöflichen Palais ein or einem Jahre ernannter Domherr Seiner Eminenz wohnt, der sich Professor Rohling nennt? Es heißt geradezu die Weltgeschichte fälschen und die Logik der ihatsachen leugnen, wenn man die Augen davor verschließt, daß der mnatische Rassenhaß, der den geistlichen Nachwuchs in Böhmen im Gegensätze zur menschenfreundlichen, milden Gesinnung der alten Geistlichen beseelt, eine Frucht ihrer Erziehung und Belehrung an er theologischen Fakultät ist, an welcher ein Rohling aller Wissenichaft und Ehrlichkeit zum Hohne dozirt. Und da ist auch der wunde Punkt in den Versicherungen cs Statthalters. So lange der als Lügner und Meineidiger ebrandmarkte Professor Rohling die zukünstigen katholischen Geistlichen des böhmischen Volkes aus seinem Gifttümpel mit Belehrung über die Juden und deren Litteratur versieht, ist dem praktischen Antisemitismus, wie er sich in Kolin gezeigt hat, die Lebensader nicht unterbunden, und müssen wir ähnlicher Bethätigungen 'er empfangenen Theorien gewärtig sein. Zu meinen Auseinandersetzungen über die Nationalitäten- 'erhättnisse in Böhmen im letzten „Böhmische» Briefe" dürften einige diesbezügliche Daten aus den amtlichen Veröffentlichungen über die letzte Volkszählung (1890) in Oesterreich nicht ohne Interesse sein. Von den 94,479 Juden Böhmens haben 51,822 (54,6 pCt.) die deutsche und 42,657 (45,4 pCt.) die czechische Umgangssprache bekannt. Die meisten Juden wohnten außer in Prag in den »achstehcnden ttädten: Pilsen, Weinberge, Karolinenthal, Teplitz, Saaz, Smichvw, Reichenberg, Kolin, Brüx, Tabor, Chrudim, Juugbuuzlau u. s. w. Merkwürdig ist, daß sich die jüdische Bevölkerung Böhmens in den letzten zehn Jahren um nur 40 Seelen vermehrt hat (von 94,439 im Jahre 1880 auf 94,479 im Jahre 1890). Das ist der bedeutenden Auswanderung, namentlich nach Niederösterreich zuzuschreiben. Die Ausführungsverordnung zum „Gesetze zur Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der Israeliten in Oesterreich", welches für jedes Kronland die Eintheilung nach Kultusgemeindcn bereits seit Monaten gebracht hatte, ist endlich nun auch für Böhmen „herabgelangt", wie hierzulande der amtliche Ausdruck heißt. Es wird durch dieselbe die Anzahl der gesetzlichen Kultusgemeinden auf 155 festgesetzt, eine übergroße Zahl, wenn man bedenkt, daß gesetzlich jede dieser Gemeinden eigentlich verbunden ist, einen Rabbiner anzustcllcu. Die Folge davon ist das niedere Maß von Anforderungen, welches an die nun nöthig werdenden Rabbiner gestellt wird. Eine Herabwürdigung des Rabbinerstandes, wie er nirgends sonst, auch in Oesterreich nicht, möglich ist.? Unter Gottes Schuh. Bon Baronin James von Rothschild?) „In Deine Hcmd befehle ich ineinen Geist, wenn ich einschlafe und wenn ich erwache. — Und mit meinem Geiste auch nieinen reib. — Gatt ist mit mir! — Ich fürchte nichts!" — ,.A<lon—< Ham.“ Wenn wir in einer großen Stadt unbekannt wohnen, von keinem Freunde oder Verwandten umgeben, da fühlen wir uns so vereinsamt, so verlassen und sehen uns wie verlorene Waisen an. Aber ein höherer Freund umschwebt uns; er ist allwissend und nltsehend; und wenn wir uns auch im verborgensten Winkel der Erde befinden, Er wird uns dennoch sehen und beschützen. Er verläßt auch die armen Waisen nicht; Er nimmt sich auch der hilflosen Wittwen an; Er unterstützt sie, wie der Vater sein Kind, denn wir sind Alle Kinder Gottes. Wenn Du allein im Walde umhcrirresi, sei ohne Furcht! Dir kann nichts zu Leide gethan werden, denn Gott ist bei Dir. Er verläßt Dich nicht. Nachts, wenn Alles ringsumher schläft, und vielleicht nur gottlose Menschen uinherschleicheu, um Böses zu thun, so schwebt Gottes Geist über den guten Menschen und beschirmet sie. Nie schließt sich das allsehende Eilige; nie läßt Gott die Welt aus dem Blicke; seine Engel walten um uns und bewahren die guten Menschen vor den bösen. Gott ist mit mir, ich fürchte nichts, was kann ein Mensch mir thun? (Ps. 118, 6.) Und tvenn der Herr Kinder von ihren guten Eltern trennt, sic in das größte Unglück versetzt, so daß sie kaum wissen, ob ihr Haupt noch ein Obdach finden wird, zu dem Vater der Verlassenen sollen sie beten, der seine allwaltende Hand nie von »ns abzieht. In Ihm finden wir stets einen liebevollen Vater, der uns vor allem Unheil beschützt, harte Prüfungen uns nur sendet zu unser»! Heile, und wenn wir nur in ihn unser volles Vertrauen setzen, so tverdcn wir nie Angst und Furcht in uns fühlen, nie verloren und verlassen uns glauben. So lange wir aber im Glücke sind, sollen wir stets Gutes thun, der Verlassenen und Unglücklichen uns annchmcn, damit uns Gott nicht verlasse, und auch nur uns nicht allein fühlen, wenn die Nacht des Unglücks uns umgiebt. Und wenn die Nacht des Todes hcranrückt, und tvir von der Erde und Allem, was uns lieb ist, uns trennen sollen, und wenn wir vorher auch mit Krankheit und Schmerzen i) Wir haben in Nr, >8 bereits eine Besprechung des Bnches der Frau Baronin James von Rothschild: „Jugend-Gedanken, aus den Heften eines jungen Mädchens" gebracht, dein wir obige, alle unsere Leser gewiß gleichinteressirende Ansprache entnehmen. Die Red.