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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-12 · Heft 19 (12.5.1893) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 19 (12.5.1893)
Date
1893-05-12
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 der Leitung seines Sohnes florirendes Tuchgeschäft etablirte. Während unser Jubilar mit rastlosein Weiße, stets geleitet von den reellsten Prinzipien, für Geschäft und Familie thätig war, fand er doch noch Zeit, sich dem allgemeinen Wohle mit uneigennützigem Eifer zu widmen. Seit mehr als 40 Jahren Mitglied der jüdischen Armen - Kommission, gehört er auch seit 23 Jahren der städtischen Armen - Direktion an, in deren Legaten - Kommission er — als erster Jude — gewählt wurde. Ebenso ist er als Senior des Repräsentanten-Kollegiums, als Vorsteher der Waisenanstalt und vor Allem auch seit 25 Jahren in dem mühevollen Amte eines Pflegevaters der „Gesellschaft der Freunde" für,deren Kranken, Wittwen und Waisen unermüdlich thätig. So wurden ihm denn auch an seinem Ehrentage von allen ©eiten die wärmsten Ovationen dargebracht, während er die Freude hatte, seine sämmtlichen Kinder, Enkel und Urenkel um sich vereint zn sehen. Möge es dem ehrwürdigen Greise vergönnt sein, noch viele Jahre für das Wohlergehen seiner nothleidenden Mitmenschen thätig zu sein. X. Hannover, 8. Mai. Die hiesige Lehrer-Bildungsanstalt ist durch ihre Verbindung mit dem „Verein zur Förderung des Gartenbau- und Handfertigkeits Unterrichts" in der jüdischen Volksschule die erste Anstalt dieser Art, welche diese beiden Fächer dauernd in ihren Unterricht mit aufgenomuren hat. So wurden im abgelaufenen Semester 11 Seminaristen und 14 Schüler mit Holzarbeiten und 12 Präparanden und 14 Schüler mit Papparbeiten beschäftigt Am Gartenunterrieht nahmen 17 Seminaristen, 15 Präparanden und 15 Schüler Theil: nach dem Urtheile Sachverständiger waren die Leistungen durchaus befriedigend und standen denen der christlichen Knabenhorte in nichts nach. Der Gartenbau dürfte demnächst besonders aufblühen, da nun beschlossen ist, das große Grundstück neben dem neuen Seminargebäude für denselben einzurichten und als Gartenland umzuschaffen. Man beabsichtigt, dort Gemüse zu bauen, Sommerblumen zu ziehen, Rosen, Obstbäume und Gewüchshauspflanzen zu kultiviren, dabei werden besondere Nebungsfelder für Seminaristen, Präparanden und Schüler, sowie eine besondere Baumschule eingerichtet werden. Die Vermögensverhältnisse des Vereins stellten sich im abgelaufenen Geschäftsjahre recht günstig, sodaß nach Abzug aller Ausgaben noch ein Ueberschuß von 15,541 Mk. 72 Pf. für das nächste Jahr eingestellt werden konnte. — Der vor .Kurzem erschienene Bericht des Komitees für Ferienkolonien armer kränklicher Schulkinder zeigt wiederum, daß zu diesem Liebeswerke von allen Seite): ohne Unterschied der Konfession mitgewirkt wird, wie denn auch christliche wie jüdische Kinder die Wohlthaten des Vereins zugute kommen. Wir entnehmen dem Berichte, daß der verstorbene Rentier Louis Samson den Fond durch ein Legat von 300 Mk. verstärkt hat, und daß der Geheime Kommerzienrath Herr Louis E. Meyer auf Bitte des Vorstandes das Schatzmeisteramt übernommen hat. — Dem Anträge des Herrn Landrabbiners Dr. Gronemann auf Entsendung von 28 israelitischen Kindern (1891 — 27) wurde ebenfalls Folge gegeben, wennschon die Zahl der israelitischen Freiquartiere von 0 auf 2 zurückgegangen war; dementsprechend hatte das Komitee im Vergleiche zum Jahre 1801 die Mehrkosten für 8 Kinder zu tragen. Es wäre sehr zu wünschen, wenn gut situirte, auf dem Lande wohnende israelitische Familien der Bitte des Landrabbiners entgegenkämen und sich zur Aufnahme eines Kindes während der Sommerferien bereit erklärten, wie es von christlichen Familien geschieht. c. .Köln. Unsere ganze Stadt stand in dieser Woche unter dem; Zeichen der Kardinalfe ier. Der Erzbischof der Kölner Diözese feierte! in diesen Tagen sein 50jähriges Priester- und 25jähriges Bischofsjubij läum. Die ganze fast ausschließlich katholische Bevölkerung hat dieses! seltene Fest in großartigster Weise gefeiert, aber auch die jüdische Be-! völkerung schloß sich nicht allein von der Ausschmückung und Beleuch-! umg der Häuser nicht aus, sondern bethätigte auch noch in anderer j Weise ihre Theilnahme an diesem einem allgemein hochverehrten Kirchenj fürsten bereiteten Fest. Unter den Deputationen, die derselbe am 4. Mai! empfing, waren auch der Rabbiner Dr. Frank und oer Vorstand der! Synagogengemeinde Um 10 Uhr Vormittags erschienen der Vorsitzende j des Vorstandes. Herr I. de Jonge und die Herren M. Rosenthal, j Stadtverordneter Liebman, Rechtsanwalt Eltzbacher und der Rabbiner! zur feierlichen 'Audienz. Der Kardinal in offizieller Erscheinung, Pur-! purmantel und Purpurbarett, empfing die Deputation. Herr de Jonge! trat vor und hielt eine kurze Ansprache, worauf er die kunstvoll aus- * gestattete mit Emblemen des „Davidsschilds" und der Kölner Synagoge ausgeführte Adresse verlas. Ihren: Korrespondenten liegt der Wortlam derselben nicht vor; dieselbe begann mit dem Glückwunsch zudem seltenen Feste des Doppeljubiläums und bestätigt dann, daß schon bei dem jüngsten Anlaß der Kardinalserhebung und der glücklichen Heimkehr von der Romreise die Israeliten Kölns mit allen Kreisen der Bevölkerung von hoher Freude erfüllt gewesen, daß sie sich nunmehr bei dem gegenwärtigen Anlaß wiederum mit ihren Mitbürgern in dem Wunsche und der Hoffnung vereinigen, daß Se. Eminenz durch Gottes gnädigen Beistand noch lange Jahre seinen hohen Würden erhalten bleiben und wie bisher auch fernerhin als sicherer Hort des Friedens für alle Bekenntnisse walten n:öge. - Hierauf trat Rabbiner Dr. Frank vor und überreichte eine in biblisch-prophetisch-hebräischer Sprache abgefaßte Adresse, die iu den Kardinals- und Bischofsfarben, Roth r:nd Lila, ausgestattet, deui hiesigen Buchdrucker und Lithographen M. Kohn zur besonderen Empfehlung gereicht. Dabei hielt der Rabbiner folgende Ansprache: „Ew. Eminenz gestatten mir, dem religiösen Führer der hiesigen Synagogen - Gemeinde, dem Lehrer des Judenthums, zu der hohen kirchlichen Doppelfeier, die Ew. Ern. begehen, meine aufrichtigsten Glückwünsche darbringen zu dürfen. Was ich in: Namen des Judenthums wünsche und empfinde, habe ich in dieser Adresse, die in der altehrwürdigen hebräischen Sprache abgefaßt ist, niedergelegt. Ew. Eminenz! Wir Israeliten nennen die hebräische Sprache die heilige Sprache, weil in ihr Gott auf dem Berge Sinai die Zehngebote, die die religiös-sittliche Grundlage sowohl des Christenthums wie des Judenthums sind, verkündet hat, weil die altbiblischen Schriften, ein Gemeingut aller Konfessionen, in dieser Sprache uns überliefert sind. In dieser heiligen Sprache sollte daher auch das heilige Amt und der heilige Beruf gefeiert werden, iu welchen: Ew. Eminenz fünfzig Jahre als Hirt und fünfundzwanzig Jahre als Hirt der Hirten zum Segen uu:s Heil der Menschheit gewirkt haben. Ich muß es mir versagen, die Adresse den: Wortlaute nach vorzulesen, bitte aber Ew. Eminenz, ihr in einer Mußestunde einige Aufmerksamkeit widmen zu wollen. Es sei mir aber erlaubt, hervorzuheben, daß ich in ihr hingewiesen habe auf die hohe Weisheit, die echte und rechte Menschenliebe, die Gerechtigkeit, die Herzensgute, die versöhnliche Milde, die Ew. Eminenz auf der langen Bahn eines halbhundertjährigeu priesterlichen Wirkens begleitet haben, es ist in dieser Adresse betont, daß Ew. Eminenz der erste Hohepriester des alten Israels, der Hohepriester Aron, der iu unser:: Traditionen als Friedenspriester fortlebt, stets in Ihrem heiligen Amte vorschwebte. Haben doch Ew. Eminenz selbst in einer im Jahre 1865 verfaßten Schrift: „Israel, ein Vorbild der Kirche", bewiesen, daß die Geschichte Israels, ihre Erforschung und Ergründung zu Ihren ernsten Studien zählt. Zum Schluß sei es mir gestattet, den Schlußsatz der Adresse, der dem großen Propheten Jesaias (Kap. 58, 11) entnommen ist, zu erwähnen, der da lautet: „Und leiten wird dich der Ewige beständig und deine Seele sättigen und deinen Leib stärken, und du wirst sein wie ein getränkter Garten und wie ein Wasserquell, dessen Wasser nie versiegen " Das walte Gott! Amen." Sichtlich ergriffen erwiederte der Kardinal, daß er sich außerordentlich freue, neben den vielen Ehrungen, die ihm, wie er sich bescheiden ansdrückte, unverdienter Weise erwiesen werden, auch eine solche seitens der Israeliten zu erhalten; er dankte aufrichtig für die Glückwünsche und werde gewiß im Sinne der heiligen Schrift und der Evangelien in versöhnlicher Milde seines Amtes walte)) und niemals die Freiheit der religiösen Ueberzeugung Anderer antasten; er hoffe, daß der gütige Gott uns Allen ein gnädiger Gott sein möge, und wir Alle dermaleinst der unsterblichen Seligkeit theilhaftig werde)) mögen. Nach dem offiziellen Empfang unterhielt sich der Kardinal noch in leutseligster Weise mit der Deputation und reichte jedem Mitglied derselben die Hand zum Abschied. Wir schließen unfern Bericht mit der Hoffnung, daß nunmehr auch die katholischen Blätter, die doch sonst nichts übersehen, an das sie eine für das Judenthum unfreundliche Bemerkung anschließen können, von obiger Ehrung seitens des Judenthums gegenüber einem hohen Kirchenfürsten Notiz nehmen und auch iu diesem Fall einmal verallgemeinern möchten. X. Z. Frankfurt a. M., 5. Mai. Aus der in Nr. 16 d. Bl. enthaltenen Mittheilung könnte leicht der irrige Schluß gezoger: werden, als hätte es erst des übrigens sehr verdienstvollen und anerkennenswerthe): Artikels von Hulda Bergel bedurft, um in hiesiger Stadt die Gründung

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