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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-12 · Heft 19 (12.5.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 19 (12.5.1893)
Date
1893-05-12
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Allgemeinen Lhristen eine digen Civil 57. Jahrgang. Ar. 19. {Berlin, 12. Mai 1893. Der Gemein-ebote. Weikage zuv „Akkgemeinen Zeitung öes Iuöenthums ich das Be-.- uden ebenen iligung an die Christi n üng, Betrug ur zu einen, der Ve> fig. Die in Konfessionen wenigsten' ich in Frac, Unterschied ihren. Wiu nen Einflun ch doch vei wirken, da , ästische Bei eit anstelle' ws, desselben mder stellt , , und dam fessionstren -iheit in vn ollten — sie! er Statistik, ilter sich zu katholischen rscheinunge,- chiedenheite m Ausdrue lüt möglich', nen u. s. n hen Reiche katholische-, iralität vor es. (Volks triminalitä > überhaup. Katholike chen Krimi öeleidigune. mit eine md Berkehi rllen." L. F...i i beschäftig, nwissenheil , das nach ,z besonder" theils de, t Unwissen vn tsnnr nach III 7 sollte dabei t Bewenden werde. . Wiener. lin. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. *SS Berlin, 8. Mai. Wir finden in verschiedenen politischen nllättern die folgende Mittheilung, deren Quelle uns allerdings nicht ganz lauter zu sein scheint, die wir aber bisher noch nicht auf ihren Ursprung l aben prüfen können: In jüdischen Kreisen ist seit Jahren wiederholt der Wunsch nach anderweitiger Regelung des jüdischen Elementar- Schulwesens laut geworden. Insbesondere wurde an das Kultusmini-! uerium das Ersuchen gerichtet, daß den politischen Gemeinden durchweg rue Verpflichtung auferlegt werde, dem jüdischen Schulwesen dieselbe Fürwrge wie den anderen Elementarschulen zuzuwenden, unter allen Umranden aber den jüdischen Schulen einen den Beiträgen der jüdischen Irtsangehörigen zur Gemeindekasse entsprechenden Zuschuß zu gewähren, erartige Petitionen hatten aber keinen Erfolg, da nach der Ansicht des llnterrichtsministeriums eine Verpflichtung der politischen Gemeinden zur Unterhaltung der jüdischen Schulen in allen Fällen nicht anerkannt werden könne und die Unterstützung um Unterhaltung jüdischer Schüler ent Ermessen der politischen Gemeinden überlassen werden müsse. Hieran lat die Unterrichtsverwaltung bis in die neueste Zeit fest gehalten und ckirfte eine Aenderung nicht in Aussicht stehen. In den Fällen einer Beschwerde jüdischer Hausväter wegen ihrer Zuweisung zu einer kathoischen oder evangelischen Schule entschied die Unterrichtsverwaltung dahin, aß, dem eventuellen Wunsche der Beschwerdeführer entsprechend, die jüdi-!chen Hausväter unter Errichtung einer öffentlichen jüdischen Schule zu ,ner besonderen Schulsozietüt zu vereinigen sind. ztz Berlin, 7. Mai. Als Nachtrag zu unserm letzten Bericht über das Reichenheimsche Waisenhaus der jüdischen Gemeinde zu Berlin (Weinbergsweg Ile) bemerken wir, daß zur Zeit in der Anstalt 7 Zöglinge verpflegt und erzogen werden, und zwar 45 Knaben und! 12 Mädchen. Die Zöglinge besuchen öffentliche Schulen, die begabteren -öhere Lehranstalten. Doch wird nebenher in der Anstalt den Zöglingen durn- und Gesangunterricht ertheilt, und außerdem besteht seit Jahren iir die größeren Knaben ein Handfertigkeitsunterricht für Holzarbeiten, tus dem Rechnungsabschluß ist ersichtlich, daß die gesammten Ausgaben 6,600 M. betragen, die aus den Zinsen des Stiftungsfonds und einem Zuschuß der Gemeinde — in diesem Jahre 33,300 M. — gedeckt werden. >n statistischen Angaben entnehmen wir, daß die Verpflegung für Kopf Mib Tag 0,51 Vg M. kostete — gegen 0,52110 M im Vorjahre — und laß in den Sommerferien eine größere Anzahl schwächlicher Kinder auf .-losten der Anstalt theils in Bäder geschickt wurden und theils zur 'Kräftigung Landaufenthalt genießen konnten. Das Waisenhaus steht nter der Verwaltung eines Kuratoriums, dessen Vorsitzender seit 18 Jahren der Geheime Kommerzienrath Wilhelm Herz war. An Stelle ieses Herrn, der mit seinen Aerntern in der Verwaltung der jüdischen ' Gemeinde auch den Vorsitz im Kuratorium des Waisenhauses niedergelegt lat, ist Herr Direktor M. Herrmann getreten. ^2 Berlin, 7. Mai Hermann Bahr ist nun auf seinen Jnterview- Aeisen auch bei Professor Adolf Wagner angelangt. Aus der Unter-! altung mit dem Nationalökonomen heben wir folgenden Passus heraus: , Sie gelten immer noch als einer der Führer des Antisemitismus." Das bin ich schon gar nicht. Das war ich eigentlich nie. Ich bin christlich-sozial. Aber den Antisemitismus, wie man ihn heute versteht, labe ich niemals vertreten. Ich halte den Antisemitismus, der die soziale chrage mit der Judenfrage verquickt, für falsch. Eine Lösung der Judenirage würde die soziale Frage durchaus nicht lösen, und sie bliebe genau ie nämliche, wenn wir überhaupt keine Juden hätten. Aber die Leute schimpfen auf den Juden und meinen den Kapitalisten. Das hat keinen 3inn. Daß man gegen die Auswüchse des Kapitalismus, gegen den unreellen Erwerb, gegen den Börsenschwindel durch Steuern und Reformen wirken soll — gewiß! Aber was hat das mit den Juden zu thun?" . . . Allenfalls bekennt sich Wagner zu einem „ästhetischen Antisemitismus". Er sagt: „Schauen Sie sich einmal die Jüdinnen auf der Straße an, wie die sich kleiden und benehmen." Die alte Geschichte. Darin besteht eben der Antisemitismus als solcher Der Eine möchte den Kapitalismus, der Andere den Wucher bekämpfen und nennt ihn „Judenthum", anstatt ihn richtig und deutlich als Kapitalismus oder Wucher zu bezeichnen, einen Dritten ärgert irgend eine Geschmacklosigkeit, oder was ihm als solche erscheint, und er nennt sie wieder ohne jede Spur von Grund „Judenthum", anstatt einfach von Geschniacklosigkeit zu reden. Jedem Antisemiten, wofern der 'Antisemitismus nicht sein Geschäft ist, stellt sich unter dem, was er Judenthum nennt, etwas Anderes dar, es mag auch jedesmal etwas wirklich Mißliches oder Bekämpfenswerthes sein, nur hat es gewiß nichts mit dem Judenthum zu thun. M. F. Königsberg, 7. Mai. Fast gleichzeitig hat die russische Judenheit zwei hervorragende Männer verloren, den Staatsrath A. Sack und den Kollegienrath Salomon Feinberg, die Beide außer ihrer hervorragenden Stellung in der Bankwelt noch das Gemeinsame hatten, daß sie als kulturelle Vermittler zwischen den beiden Nachbarländern bezeichnet werden können. Salomon Feinberg, gebürtig aus Georgenburg, dem wenige Meilen von der preußischen Grenze entfernten, größtentheils von Juden bewohnten Grenzstädtchen, war ein allen Glaubensgenossen des Ansiedelungsrapons wohlbekannter Philanthrop. Unter ihm hatte es das bereits von seinem Vater begründete große Export-Getreidegeschäft auf ungefähr 30 Filialen gebracht. Das Hauptkomptoir befindet sich hier. Von hier aus übte auch Feinberg seine allen Glaubensgenossen ohne Unterschied zugewandte Wohlthätigkeit aus, es gab keine wohlthätige Stiftung in Königsberg, die er nicht thatkräftig unterstützte; seinen russischen Brüdern sandte er allein zu Peßach alljährlich etwa 30,000 Rubel, die von Kowno aus zur Vertheilung gelangten. Wenn der Judenheit der nordwestlichen Gouvernements irgend eine Last schwer auf dem Herzen lag, rvandte sie sich an Feinberg, der mit den Spitzen der Behörden in regen Beziehungen stand. In seinem Hause wußte seine Gemahlin, eine geborne Baronesse v. Wertheimstein (Wien) mit erlesenem Takt die litterarischen und kiinstlerischen Kreise der Stadt der reinen Vernunft zu versammeln. Beispielsweise Felix Dahn pflegte freundschaftliche Beziehungen zudem verstorbenen Feinberg, der mit Stolz zu erzählen pflegte, daß er in seiner Jugend einst Heine in Paris in seiner Wohnung, durch Empfehlungen eingeführt, hotte besuchen dürfen. Mit dem Wiener Hause Rothschild, wie mit der Bankwelt Deutschlands, das ihm das Land seiner Bildung und ein zweites Vaterland war, stand Feinberg in geschäftlicher Verbindung; die hierdurch erworbene Position verwandte er in hohem Maße zur Förderung des westrussischen Hilfswerks. Und als die Alliance sich seit einem Dezennium zurückziehen mußte, bestritt Weinberg einen großen Theil der Ausgaben aus seiner Tasche In der Auffindung befähigter Persönlichkeiten, denen er aus der Niedrigkeit der Ghetti des Kownoer Gouvernements zur Ausbildung ihrer Fähigkeiten unv zu ihrer würdigen Stellungen verhalf, hatte er ein besonderes Glück, um nicht zu sagen Talent. Wir kennen einen, jungen Maler, dessen Bilder, trotz seiner Jugend, auf deutschen Kunstausstellungen bereits große Erfolge errungen, den Feinberg von der Kownoer Gasse aus auf die Künigsberger Kunstakademie und dann nach Kassel und Berlin schickte und so ein Talent vor dem Untergang bewahrte Viele jüdische Gelehrte des Ostens wurden von Feinberg, der gut Hebräisch verstand und schrieb, bei der Herausgabe ihrer Werke gefördert. Im Gegensatz zu vielen modernen Börsengrößen lud Feinberg mit Vorliebe hebräische Schriftsteller an seinen Tisch. — Alles stimmte zusammen, um ihn zu einem hervorragenden Repräsentanten echt jüdischen Gerstes und zum Vermittler zwischen deutscher und östlicher Bildung zu machen. Unserer Gemeinde gehörte Feinberg lange Jahre als Vorsteher an. A Breslau, 8. Mai. Der hier allgemein geschätzte Kaufmann H. Salomon Weigert beging am 3l. März c. das Fest des 80. Geburtstages in seltener Frische des Geistes und Körpers. Aus Rosenberg O.-S. gebürtig, erlernte er das Tuchmachergewerbe und kam im Jahre 1830 nach Breslau, wo er einige Zeit darauf ein noch heut unter

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