Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-12 · Heft 19 (12.5.1893) · p. Seite 227

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 19 (12.5.1893)
Date
1893-05-12
Page
Seite 227 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3228006--49786-3271368
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

227 >er Windlcc einen Stvl; iroft, wenn rad nit arg itsche Hebeln efteflt wird sagen? im Windli die Mahn?err Doktoc Doktor nni'!" neu feineren Willei hicken kan» m und Iö|; :t sich, wa: vorhin i> der Doktw Von eine»' ) geht, »>>' : Kuh, bi: ge, ob bei nach Weil auf, „bii ie sich jefü i Spreueu und ruft:!or koiniin »er wiedei ttor, denn Hausleut. ewöhut." Besicht, erspiel willst . daß Du hinzu und die Reihe .eid! Für äcken und en Worte Von der anderen Seite aber kommt der Bauer und hat den siopf in der Luft, und weit Binele nun gerad nicht auf ihn Acht siebt und aus dem Wege kann, reimt der Schwaderer gegen den Zpreuerkorb, so daß er und das Binele zugleich in eine Wolke von siruchthülsen und Staub eingehüllt sind. „Himmelherrgottsakerment!" brüllt der Gabriel und schnauft und chnappt ordentlich nach Luft. „Alte Hex, was giebst nit Acht, wenn "ins daher kommt." Und ein kräftiges Schimpfwort folgte noch nach. Wie sich die alte Magd auf's Neue nach ihrem Unglückskorb l lickt und zwischen den Zahnen murmelt: „Ja, ja, so ist's! Binele, Alles auf der Welt thut sich einmal ändern," da hört sie Dörtle's : ettc Stimme schadenfroh lachen und schüttelt halbvergnüigt selber eit Kopf dazu und spricht: „'s hat ein Spaß d'ran und eine Freud und zürnen kann ihmKeins!" Als nach einer ziemlich langen Zeit der Doktor in das Hofthor mbiegt, ruft Dörtle nach der Bäuerin und ist dann eben so schnell ■•ie die in dem Zimmer und hat sich dazu ein Geschäft gemacht; es ringt eine Flasche Kirschgeist und schenkt davon ein. „Ei," sagt der Doktor, nachdem er geduldig angehört, wo's dem löste reißt und zwickt, wo's hebt und druckt, und daß des Nachts er Alp kommt und allerlei beängstigende Träume, für die sie nichts cchts zu deuten weiß; „ei, Schwaderin, bleibt getrost! Mit all' dem umpenzeug könnt Ihr brav alt werden und Enkel erleben und groß ''erden seh'n all' Eure Grabblümle, das bringt Euch das Dörtle inmal ledig wieder, habt' nur Acht." Die Bäurin macht zu dem Spaß und Trost ein gar ernstes Besicht und sagt: „Hab mir grad den Tod noch nit gewünscht, ans cm Schwaderer-Gütle läßt sich schon hausen. Und nehmt auch inen Kirschgeist von dem Dörtle da!" Der Doktor nickt und gießt ein. „Gerad Euer Ebenbild ist die Dirn nit, Schwaderin, aber auch eine Wüste, was, Eichkätzle?" Der Doktor hat das Wort auch behalten, obtvohl sie nun ei» rwachsenes Mädel ist — o, der Zorn! Und hastig sagt sie darauf, cnn der, welcher es ihr angehängt hat, soll büßen: „Was ist denn auch herüber, da mit dem Tanzelesjud V Der alte Doktor macht plötzlich ein ernstes Gesicht. „O, das ist grad' kein Spaß! Traurig ist's, daß so was auch ii unsre Gegend kommen muß, wo Alles so friedlich gelebt hat, daß siner sagen könnt, Juden und Christen und Heiden und Türken oben sich mit einander vertragen. Und wer ist dran Schuld, wie ie Zeitungen! Da kommt's hierhin und dorthin, und weil die Menschen ibhaftig sind wie die Affen, so wollen's halt überall ihren Krawall haben." Weder die Bäurin noch das Dörtle verstehen den Sinn von cs Doktors Worten, das ist ihm auch gleich, er schenkt noch ein Aas Kirschgeist ein, sagt: „Das ist aber ein guter, alter, den find't siner weit und breit nit, wie auf dem Gut hier." Und dann .haut er Dörtle mit seinen forschenden Blicken an und fragt: „Tanzelesjud hast gesagt! Woher thut denn das auch stammen?" Das Mädchen ist glühend roth und schlägt die Augen nieder. „O — sie haben halt gestern ihn so geheißen!" „Und Du red'st nach?" fragt der Doktor. „Mi hat man Eichkatz genannt," sagt Dörtle. „Ist nit geschimpft — aber das Andere schon. Ja, ja, so sind sie Menschen! Und mm gehabt Euch wohl, Schwaderin, und die Lies werd i schon öfter einstellen, denn nach dem da drüben wird's 'chauen heißen." Und hinaus ist er, nimmt rasch dem Knecht die Zügel ab und sihrt aus dem Thor. Dörtle blickt ihm nach. Was hat sic ihm denn zu Leid gethan? Sonst ist er nicht gegangen, ohne ihr freundlich über die Wangen zu streichen. „Ja, was ist denn auch mit denen drüben?" fragt die Schlvaderiu. „O, arg wird's nit sein — verhauen haben sie ihn gestern — den Tanzelesjud." „Hat er Streit begonnen?" fragt Röste. „Der? — nein!" „Und warum denn nur?" Dörtle sinnt nach; warum? — „Ei, Eins muß doch halt da sein, um den's hergeht," sagt es dann keck. Die Bäurin schüttelt den Kops. „Dirn, Dein Freud solltest auch nit am Raufen haben." „Ei — um solch Einen!" spricht das Mädchen verächtlich. Die Schwaderin aber seufzt und denkt, was der Doktor wohl mit den Heiden und Türken gemeint hat, und nach einer Weile sagt sie: „Wenn Du 'nüber gingst zu schauen, ob's denen irgendwo gebricht?" „Ei, solchen!" ruft Dörtle. Die Bäurin hört das nicht, denn sie ist gerade bei der tnarreuden Thür. Dörtle bleibt allein und schaut sich um. Daß ihr heute keine Arbeit einfallen will, Keiner im Hause ihr einen Auftrag giebt! Die dummen Uhren, wie die ticken. Die eine so langsam und schwerfällig, die könnt einen Bauer vorstellen mit seinem Reden; da die raschere, das ist schon mehr ein Franenzimmer mit schnellem Mund — und nun gar die flüchtige? Ei, das könnte sie sein, das Dörtle selber, dem es von den Lippen sprudelt wie ein Wasserfall, wenn es zornig ist. Und sonderbar ist's, wie man da, ohne lang nachzudenken, die Worte findet, 's muß gerad Eingebung sein, -- meint Dörtle. So ist es gestern auf „Tanzelesjud" gekommeu. Eingebung von einem Spottnamen — sie meint, sie fühle plötzlich die klugen Augen von dem Doktor noch auf sich gerichtet; sie hat eine Empfindung gehabt, als könne der in ihrem Innern lesen — und wenn er wieder kommt, nimmt sie sich vor, will sie gewiß ihm nicht so zur Hand sein. (Fortsetzung folgt.) An Professor Ateinthal. (Zum 70. Geburtstage und zugleich zur Wiedergenesung.) Ecor Gottes Thron zwei Geisterschaaren stritten: &W Die lichten Engel, die du droben schweben; Der Guten Schaar, die hier Dich treu umgeben ----- Bei wem Du weilen sollst, in wessen Mitten. Es hört der Herr der Deinen heißes Bitten: Schenkt ihnen wieder Dich zu neuem Leben. Und nun will hohen Preis er ihnen geben, Des Kampfes werth, darin sie Sieg erstritten. Und sie erstehn: Daß Deines Lebens Grenzen, Weit über des Psalmisten Ziel hinaus, Mit heil'gem Glück erfüllen Dir Tein Haus! Daß Dich erfreue noch nach dreißig Lenzen Die Wiederkehr des wonnereichen Mai — Gewährung lächelnd spricht der Herr: „Es sei!" Henriette Hirschberg. U

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.