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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-12 · Heft 19 (12.5.1893) · p. Seite 221

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 19 (12.5.1893)
Date
1893-05-12
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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221 let. Ist bir »scheu bem er Führung beit Juben n 17. „ich- Hanbwer! 1 eine Lehr Eltern ftöi ^etit bessereierechtiguiii! i ein foul Briefe unb :nb bebarf, ins Oben lehr weiter gen Hand genießen Hanbwen nb tüchtig ihre burck i auch ben Auslanbec ien Söhn,;es Lernen n, welcher rrben, sich chaftlichen, ch vollen ltnisse bei abt Prag, ational is in bei ein ganz Wort gelbe führt, griff sein, gesammte cher, und tbeit Beebt, wie ilten hat. urch Ab- Führergeorbnete c geringe ZU sehr , um zu eligionsals bies ,»l| ben ersten Blick scheint. Einzelne in einer Stabt ober in einem Dorf versprengte Jnbivibuen, bie um ihr tägliches Brob zu kämiifen haben, sinb schlechte Pioniere ober vielmehr kämpfenbe Nach - üigler einer fernen Nationalität. Unb hart setzt man ben Juben in ihrem Kampfe um bas tägliche Brob zu, wenn sie es wagen, nicht vollkommen in der Umgebung auszugehen. Die ungeheure Zahl non Lokalblättchen Böhmens, bereu in kleinen Stäbten nicht selten nrei erscheinen, vegetiren größten Theils aus bem Dünger, ber burch nie Furcht vor nationaler Denunziation entsteht. Wer von einem nirchreisenben Bekannten beutsch angerebet wirb, muß fürchten, bafür n ber nächsten Nummer bes lokalen Weltblättleins an ben Pranger gestellt zu werben. Wer gar in seiner Familie beutsch spricht, muß burch Abonnement unb Insertion fleißig für Sühnung ber erzürnten Geister in ber Rebaktio» bes Stabtpflänzleins sorgen. Ein Objekt unaufhörlichen Kampfes in ben kleinen Lanbgemeinoen bes geschlossenen czechischen Sprachgebietes sinb baher natürlich oie konfessionellen Volksschulen ber Juben, bie seit ber sorenannten interkonfessionellen Volksschulgesetzgebung ben öffentlichen Charakter verloren haben, von ben Gemeinben jeboch mit Aufwanb oer größten Gelbopfer aus ben in meinem vorigen Briefe auseinanber gesetzten Rücksichten erhalten werben. Diese Schulen sinb auch nicht selten bas Kampfobjekt innerhalb oer Gemeinben. Da sie große Kosten verursachen unb unaufhörlich der Angriffspunkt ber Lokalblättchen gegen bie Juben sinb, so finben sich leicht Gemeinbemitglieber, welche kein persönliches Interesse au ber Erhaltung ber Schule haben, aber burch bie Angriffe gegen bie Gesinnungstüchtigkeit ber Juben in nationaler Beziehung vom geschäftlichen Stanbpunkte aus empsinblich leibe» unb immer unb immer wieber auf bie Aufhebung ber konfessionellen Schulen, bereu Schwerpunkt jeboch in ihrer Zweisprachigkeit liegt, hinarbeiteu. So ist fast in jeber Gemeinbe bes geschlossenen czechischen Sprachgebietes ein Zankapfel, um welchen bann auch aus nicht lauteren Motiven gestritten wirb. Anbers verhält sich bie Sache, wie ich oben sagte, in der Lanbeshauptstabt Prag. Die Kleinlichkeit ber Kämpfer unb ber Kampfesweise kann in den großstäbtischen Verhältnissen nicht so sehr zum Ausbruck kommen, der Zwang ist kein so gewaltiger unb so ist auch heut noch bie weit überwiegende Mehrzahl der Prager Juben beutsch, ja die Juden Prags machen die überwiegende Majorität der deutschen Bevölkerung aus. Wie diese Treue von deutscher Seite belohnt wirb, will ich hier nicht erwähnen, bemerkenswerth ist jeboch der Umstand, baß im böhmischen Landtage kein einziger Jude, von deutscher Seite gewählt, sitzt, während drei hervorragende czechische Parlamentarier in unserer Landstube Juden sinb. Die Herren Bonby, Jnwalb unb Dr. Zalub. Wacker treten diese Herren für die Sache ihrer Glaubensgenossen ein, wenn sich Gelegenheit dazu bietet. Also die jüdische Bevölkerung Prags ist zum größten Theile — aber nicht ausschließlich beutsch. Da ein reformirter ober selbst fortgeschritten liberaler Gottesdienst, in welchem die Landessprache einen nennenswerthen Faktor bildet, in keiner Pragek Synagoge besteht, so kommt, Gottlob, die nationale Frage im religiösen Leben fast gar nicht zum Ausdruck. Es besteht zwar ein Verein „Or toinib", der ein stark besuchtes von der Prager Kommune subventionirtes Gotteshaus unterhält, in welchem die wenigen Theile des Goltesbienstes, welche in der Landessprache vorgetragen werben, der czechischen Sprache ihr Recht wiebersahren lassen, aber sonst herrscht unter der umsichtigen und gerechten Leitung der Gemeinde, durch de» hochverdienten Präses Dr. Arnold Rosenbacher, überall Friede. Es wirb Niemand in nationaler Hinsicht verkürzt, so braucht Niemand für sein Recht zu kämpfen. Im Gegensätze zu einer nicht fernen Zeit, in welcher das jüdische Rathhaus das Hauptquartier der Kämpfer für das Deutschthum in! Prag war und leider nur zu oft die religiösen Jntereffen den! nationalen hintangesetzt oder gar geopfert wurden, ist jede politische! Agitation und Tendenz aus der Leitung der Jubengemeinde ver-! schwunben. Man trägt den Bedürfnissen aller Theile Rechnung! (wenigstens aller nationalen Theile) unb widmet sich der schwierigen! Aufgabe, bas Jubenthum zu fördern, mit vollem Ernste, i Lobend ist in dieser Hinsicht hervorzuheben, baß die krampf-! haften reaktionären Anstrengungen, die eine kleine aber rege Partei! für ihre Richtung macht, den ruhig konservativen Sinn, der der! Prager Gemeinde burch ihre Vertreter bewahrt wirb, nicht zu wesenti lichen Siegen gelangen können. So hat die Gemeinde der zu gründenden israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien, die ihr Dasein der Hochherzigkeit weniger echt-jüdischer Männer zu verdanke» haben wirb, eine bedeutende jährliche Subvention bewilligt, trotzdem der wahrhaft konservative Sinn dieser Anstalt schon dadurch zum Ausdruck kommt, baß sämmtliche drei gewählte Lehrer der Anstalt — DDr. Schwarz, Kaufmann und Müller — Schüler des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau sinb, die den Geist Z. Frankels in sich tragen unb seine Wege im Lehren unb Wirke» wandeln werben. Ehrend ist es auch für unser Vaterland, baß in dem Kuratorium dieser Stiftung zwei Männer aus Böhmen sitzen, die Herren 1 DDr. Roseubacher und Lichtenstern. Hoffentlich wirb diese Anstalt einen würdigen, gelehrten, ernsten und allen Extremen fernstehenden Rabbinerstanb heranbilben. Das Wort des hochherzigen Baron Königswarter in der letzten Sitzung des Kuratoriums muß bas Losungswort der Anstalt, wie jedes Leiters unb Lehrers im Jubenthum sein, der wirklich zur Ehre der heiligen Sache unb nicht zur persönlichen Selbsterhebung wirkt, bas Wort: „Nil nimis!“ U Fitterarische Streiflichter. Von Rabbiner Dr. M. Eisler in Klausenburg. Ein eigener Stern scheint über Israels Litteratur zu walten. Zum dritten Male nun schon erlebt sie die Periode keimenden unb bann vollen Wachsthums, erst sich schüchtern regender unb bann ungestümer Schaffensfreudigkeit; auf Lenz unb Sommer folgte stets pünktlich der Herbst, der, so oft die aus sich selbst schöpfende Kraft des Geistes zu erlahmen begann, den gewonnenen Ertrag der Blüthezeit burch Sichtung unb Aufarbeitung stets vor Zerstörung zu retten verstanden hat. Unb ob auch mancher eisige Lufthauch über die zuweilen kahl gewordenen Gefilde der jüdischen Litteratur hinwegstrich, einen eigentlichen Winter, eine Periode völligen Stillstandes hat diese Litteratur niemals burchgemacht. : Auf dem Leichenfelbe treibt die Blume ihren herrlichen Blüthen-! schmuck, aus der Verwesung bricht die beste Lebenskraft hervor. In Israels Litteratur war es nicht also. Wenn sich in derselben ein Verjüngungsprozeß vollziehen sollte, mußte» nicht erst die alten Stoffe verwesen, damit die zum Lebensfähigwerben der neuen Gebilde erforderlichen organischen Bestanbttheile ihnen entnommen werben konnten, am kräftigen Stamme der jüdischen Litteratur mußten nicht erst wie in der Natur, die alten Zweige verdorrend unb absterdenb Raum schaffen für die neue», er war kräftig genug, »eben dem alten Geäste auch den jungen Schößlingen Säfte spenden unb sie fürs Leben tauglich machen zu können: aus dem Leben, nicht aus dem

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