Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1893)
- Date
- 1893-05-12
- Page
- Seite 219 (sequence 3)
- Language
- German
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219 n sie nicht etrauen zu ln drohen, ßen Theils sere heilige silich hoch- Zolle wohl drohende eilten, im inzutreten; zu halte» e auch die rientalische und ver- Verkappte >rung mit lvrheit, in tcken. Die nüthigung c Selbstftehen uns Mißstände srkenntniß »eimlichen, gefährlich, t die Zn- )iejenigen, lin zu verzu nütze!» en Herren irechenden > Grunde, lben, mit genügend licht aus, n. Ganz Wahrung in einer rletzende» Grenzen gen, auf : auf die, und relibesuche». die durch ienste gech wären, rotz ihrer chten, die i in einer nen Zeit die Bericht ver- Berufslegebeneu ithen, in ttelbaren Bedürfnissen und Anforderungen den letzteren zum Siege verhilft. Die Vernachlässigung der religiösen Neigung wird dadurch allmählich;»r Gewohnheit, die zuletzt so sehr erstarkt, daß ein religiöses Besürfniß überhaupt nicht mehr empfunden wird. Hiccin sollte man Bändel schaffen. Wenn die verehrten Herren Rabbinen durch allwöchentliche, am Vormittag der Sonntage zu haltende Borträge über Religion und Judenthum, über unseren Glaubensinhalt und unsere Geschichte, in populärer und nackender, aber nicht homiletischer Form unter gleichzeitiger Berücküchtigung der Zeitumstäude und Hervorhebung aller gegen ungerechte Angriffe empfehlenswerthen Vertheidigungsarteu den beleuchtete» Mißitänden Rechnung tragen würden, so versprächen wir uns von dieser Einrichtung einen nicht zu unterschätzenden Nutzen. Die religiöse Znteresseulosigkcit und Gleichgiltigkeit gegen das Judeuihum und der daraus entstehende Verlust der Selbstachtung beruht ja in erster Linie auch auf der Thatsache, daß der reiche und erhabene Inhalt unserer Aeligion für so Viele Geheimniß ist. Der Religionsunterricht, der aer Jugend ertheilt wird, reicht — gesetzt auch, er würde allen billigen Anforderungen entsprechen und nicht vielmehr an schweren Schäden eiben, wovon ein anderes Mal — für die religiöse Erziehung und Bildung bei Weitem nicht aus. Mit dem Abgänge aus der Reli- ,ionsschule verwischen sich im Leben gar bald die Eindrücke, die das finb in derselben gewonnen; soll die Religion einen nennenswerthen Eindruck auf das Gemüth und das Leben ausüben, so muß die Seele mit der Religion in beständigem Zusammenhänge erhalten werden; >em im Berufsleben nur all zu leicht ersterbenden ideal-religiösen Dinne muß zeitlebens immer und immer wieder Nahrung zugeführt, Be reichen Quellen unserer Lehre müssen ihm immer und immer nieder dargereicht iverden. Die Erschließung de? Judenthums mit seinem reichen Inhalte auf obige Art würde unserer festen Uebertengung nach von heilsamem Einflüsse auf das jüdische Selbstbewußtseiu 'ein; denn das Judenthum kennen, heißt das Judenthnm lieben; die stenutniß unserer Lehre und Geschichte würde, wenn sie in weiteren Preisen in obiger Weise geweckt wird, am kräftigsten der Jntereffenosigkeit steuern und manchen Israeliten davor schützen, vor Andersüäubigen, die ihn verhöhnen, zu kriechen und sich seines Glaubens u schämen. Den sittlichen Halt gegenüber der Geringschätzung, Be ihm von so vielen Seiten begegnet, würde ihm die Ueberzengnng 'Oii der unerreichten Erhabenheit des Judenthums gewähren, die er n'iinen und schätzen gelernt hat. Möge diese Anregung nicht ungehört verhallen! U Nie Handwerkerfrage. Von Wilhelm Tasch. Es scheint in unseren Kreisen noch vielfach llnkenntniß darüber »i herrschen, was nöthig ist, um ein guter Handwerksmann zu sein und zu werden. Wenn ich nun als praktischer Handwerker durch ein paar Worte ,ur Aufklärung beitragen könnte, wäre es wohl im Interesse der Dache gewiß recht ersprießlich. Meine Betrachtung möchte ich in zwei Hälften eintheilen: 1. warum werden immer noch so wenig Juden Handwerker? 2. warum bleiben 'erhältnißmäßig wenige beim Handwerk? Bei Beantwortung der ersten Frage will ich die wichtige historische Seite der Frage ganz bei Seite lassen; es ist schon vielfach von berufener Seite auseinander gesetzt worden, wie wir Juden im Laufe der Jahrhunderte durch den Zwang von außen in Erwcrbsbahnen | gedrängt wurden, welche unserem eigentlichen Charakter, den Geschichts- ' schreibern nach, gar nicht entsprachen. Ich will nur die heutigen Verhältnisse berücksichtigen, so weit sich dieselben mir im Laufe meiner mehr als 25jährigen Thätigkeit im Handwerk vor Angen geführt haben. Man kann diese Verhältnisse mit einem einzigen Satz beantworten. Die meisten Menschen in den Städten (und diese kommen doch für uns am meisten in Betracht) leben über ihre Verhältniffe. Es mag paradox klingen, wenn ich die Frage mit obigem Satze beantworte; der Beweis der Richtigkeit dieser Behauptung dürfte mir aber nicht schwer fallen. Sehen wir uns die heutigen Verhältnisse an, so finden wir, daß nur sehr wenige Familien ihre Kinder vor Erlangung der Berechtigung zum einjährigen Dienst aus der Schule nehmen. Die Fälle, wo dies geschieht, liegen so, daß entweder der Knabe in der Quarta resp. Tertia 15, 16 und mehr Jahre alt wird und absolut nicht zur; Versetzung nach Secunda gelangt, oder wo wirklich alle Hilfsquellen, wohlhabendere Verwandte re. absorbirt sind. Lieber hungern es sich die; Eltern ab — aber der Sohn muß die Berechtigung zum einjährigen Dienst haben. Das Streben, den Kindern gute Schulkenntnisse zu Theil werden zu lassen, ist gewiß sehr lobenswerth, aber nicht immer und überall! angebracht. Ich bitte, mich nicht mißverstehen zu wollen; 1 auch ich halte gute Kenntnisse für die Grundlage eines! tüchtigen Menschen und möchte am liebsten sehen, daß jederHandi werker mit vorzüglicher Bildung gewaffnet sei, aber Knaben, welche ein Handwerk lernen sollen und wollen, gehören am besten mit dem vierzehnten Jahre in eine Werkstatt. Bei einer Lehrzeit von vier Jahren, welche zu einem guten Erfolg nach den Erfahrungen unbedingt nothwendig ist, welche auch nöthig ist, um aus einem Schul-! knaben einen fleißigen, zielbewußten Arbeiter zu machen, der die Arbeit nicht nicht mehr als Spiel handhabt, wird ein älterer Knabe gerade Gehilfe werden, wenn ihm die Soldatenzeit bevorsteht. Eine alte Erfahrung in unseren Handwerkskreisen zeigt nun, daß diejenigen, welche sofort nach Beendigung der Lehrzeit Soldat werden, nach Wiedereintritt in die ursprüngliche Laufbahn schwer bezw. nie wieder; int Gewerbe Fuß fassen. Um nun ein Handwerk zu lernen, genügt die Bildung einer i Gemeindeschule; den Wissensstoff, welchen der gebildete Mensch auf i seinem Lebenswege braucht und welcher ihn befähigt, die Konkurrenz siegreich zu bestehen, kann sich Jeder bei einigermaßen gutem Willen in den Feierabendstunden, an den freien Sonntagen aneignen. Gelegenheit wird den Knaben genug geboten gegen eine geringe peku-! niäre Entschädigung. Ich erinnere nur an die Fortbildungsschule I des Berliner Haudwerkervereins, wo Jeder gegen ein vierteljährliches! Honorar von 2. Mk. wöchentlich 6—8 Stunden in allen wissenswerthen Fächern von gediegenen Lehrkräften erhält, ohne der Vorträge zu vergessen, welche mehrmals wöchentlich für die fernere Entfaltung des Gesichtskreises sorgen. Ich selbst habe seiner Zeit die jüdische Gemeindeschule unter Leitung des unvergessenen Horwitz besucht j und habe meine weitere allgemeine Bildung dem Berliner Handtverkerverein zu danken, dem ich durch meine jetzige Thätigkeit in , demselben das in geringem Maße wiederzugeben versuche, was ich : seinerzeit von ihm empfing.; Knaben, welche aber erst die Berechtigung zum einjährigen Dienst j erworben haben, was heut im Durchschnitt zwischen 16 und 17 Jahren! geschieht, eignen sich selten noch zum Handwerk. Es fehlt ihnen erstens an genügender Ausdauer, um die vier grundlegenden Jahre anszuhalten, zweitens in der Mehrzahl an den Mitteln der Eltern, welche ihre Kinder nun noch länger ohne Verdienst vier Jahre erhalten sollen, nach den schweren Opfern, welche schon für die Kinder A