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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-05 · Heft 18 (5.5.1893) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 18 (5.5.1893)
Date
1893-05-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 selben einen der renounnirtesten Advokaten als Vertheidiger auszustellen. Es sei daran erinnert, daß auch in Krakau ein ähnlicher Fall zur Verhandlung kam (die Familie Ritter) und daß. Dank der Weisheit des obersten Gerichtshofes in Wien, die Schuldlosigkeit der moralisch und physisch gemarterten Familien sich ergab. Hier dürste der Beweis der Nichtschuld um so leichter zu erbringen sein. — Schließlich sei noch verzeichnet, daß sich die Sophiaer spagnolische Gemeinde zum Empfange des herrschenden Neuvermählten Fürsten richtet. Dem Fürstenpaare wird eine Huldigungsadresse überreicht. Als Text liefert ein hiesiger Ehacham ein hebräisches Akrostichon, welches bulgarisch und in französischer Uebersetznng die Huldigung der Juden enthält. Amerika. * C hicago, 16. April. Wie die „Deborah" berichtet, hat nunmehr das Komitee der Eentral-Konferenz amerikanischer Rabbiner, der Union der amerikanisch-hebräischen Gemeinden, mit den Lokalbeamten in Chicago die vom Generalkomitee der Weltausstellung für das Judenthum bestimmte Stelle im Kongreß aller Religionen in Anspruch genommen und sie werden daselbst das Judenthum aller Welt gegenüber in dessen Prinzipien darstellen und erörtern. Obwohl die Konferenz schon im Juli 1892 ihre Absicht verkündete, die Religion und die Geschichte Israels bei dem großen Kongresse zu vertreten und im Dezember 1892 in der Generalversammlung der Union dieses Unternehmen gutgeheißen und ein Durchführungs-Komitee ernannt wurde, das aus zehn hervorragenden Männern aus allen Theilen des Landes besteht, wartete man doch bis zum 24. März. Am 24. und 25. März tagten die vereinigten Komitees in Chicago unter Vorsitz des Herrn B. Bettmann aus Cincinnati, Rabbiner Joseph Stolz aus Chicago als Schriftführer, und belegten offiziell die für das Judenthum bestimmte Stelle in dem Kongresse und Parlament. Zeit und Ort 1. für die Versammlung der Central-Konferenz; 2. für den Kongreß unter den Auspizien der Konferenz, und 3. für das Parlament wurden festgestellt. Nachdem die Prinzipien für die Herren Schriftführer und Redner festgestellt waren, u. z. nach der Anleitung der Generalkommission, daß jede Polemik nach innen und außen ausgeschlossen bleibt, wurden siebzehn Herren für die schriftliche und mündliche Darstellung des Judenthums und dessen Geschichte, Ansprüche und Ideale ernannt. Unter diesen befinden sich die außerhalb der genannten Konferenz stehenden Herren: Professor Dr. Steinthal in Berlin, Herr Zangwill in London, die DDr. Gottheil und Kohut in New- Aork und Emil G. H irsch in Chicago. Ueberdies wurde ein Fünferkomitee ernannt, dem das Recht eingeräumt wurde, noch andere Schriftsteller und Redner zu ernennen. Alle sind im Cirkular offiziell eingeladen. Wer mitzuwirken beabsichtigt, wolle gefälligst mit dem Sekretär des Komitees, Rabbiner Joseph Stolz in Chicago, oder mit dem Sekretär der Central-Konferenz, Rabbiner Charles Levi in Cincinnati, sich in briefliche Verbindung setzen. Uon Nah und Fern. Die zur Zeit von der Königl. Regierung eingeforderten jüdischen Religionsbücher sind in diesen Tagen den betreffenden Lehrern zurückgestellt worden. Wann wird das Resultat der Prüfung mitgetheilt werdend — In den Lehrkörper der Berliner Universität sind neuerdings als Privatdozenten der Heilkunde Dr. Paul Heymann und Dr. Hugo Neumann eingetreten. — Herr Dr. A. Berliner feierte am Sonnabend den 29. April seinen 60. Geburtstag. Ter vortreffliche Gelehrte ist soeben wieder von einer Forschungsreise aus Italien heimgekehrt. — Der Geheime Kommerzienrath Julius Leopold Schwabach ist zum englischen Generalkonsul in Berlin ernannt worden. — Die Antisemiten beabsichtigen, in zwölf brandenburgischen Wahlkreis en eigene Reichstagskandidaten aufzustellen. Die meisten Hoffnungen machen sie sich auf Teltow-Beeskow-Charlottenburg und Niederbarnim. In Teltow-Beeskow ist Dr. Paul Förster aufgestellt. Für Sorau ist Wackerbarth ausersehen. Hertwig soll in Westhavelland kandidiren. Den Hauptschlag beabsichtigen die Antisemiten im vierten Berliner Wahlkreise gegen den Abg. Singer auszuführen, dem sie einen antisemitischen Arbeiter gegenüberstellen wollen. Im ganzen Kreise wollen die Antisemiten 45 Kandidaten aufstellen. — Der bisherige Geschäftsleiter des Antisemitenbundes und des Agitationsverbandes der antisemitischen Partei Norddeutschlands, Karl Giebeler in Berlin, erklärt öffentlich, daß er seine Thätigkeit für obige beiden Körperschaften eingestellt habe und keinerlei Beziehungen mehr zur antisemitischen Partei habe: „Nach Lage der Dinge muß ich es auf das Lebhafteste bedauern, auch nur eine Stunde und einen Pfennig für eine solche unfruchtbare uns undankbare Sache geopfert zu haben. Alles Uebrige wird an kompetenter Stelle seine Erledigung finden." — Gegen den antisemitischen Agitator Sch wenn Hagen ist wegen seiner Angriffe auf den Finanzminister Dr. Miguel in den antisemitischen Versammlungen am 27. März bei Bi'ggenhagen und am 6. April in den Germaniasälen das Strafverfahren eröffnet worden — Der Abg. Kunert (Soz.) erzählte jüngt im Reichstag, daß Ahlwardt seiner Zeit seine Thätigkeit der sozialdenu -, kratischen Partei angeboten habe, für den Fall, daß ein bei Herrn Singer! durch seine (Kunerts) Vermittlung versuchter Pump gelänge. In derselben i Sitzung kam es zu einem Rededuell zwischen den Abg. StadthagenI und Lieb er mann v. Sonnenberg und Böckel, das unfern Lesern > aus den Tagesblättern bereits hinlänglich bekannt und auf welches wir! wohl nicht weiter hier einzugehen brauchen. — In Königsberg i. Pr. ist am 26. April nach kurzem Leiden der russische Kollegienrat) S a l o m o n F e i n b e r g im neunundsechzigsten Lebensjahre gestorben. Derselbe gehörte dem Vorstande der jüdischen Gemeinde und vielen Wohlthätigkeitsvereinen als Mitglied an. — Die Herren Gymnasiallehrer Dr. B. Badt in Breslau und Realschullehrer Dr. A. Sulzbach h Frankfurt a. M. sind zu Professoren ernannt worden. — Bei der Einrichtung von neuen Lotterie-Einnehmerstellen wurde eine solche auch beta Bankier Louis Oppler in Pleschen übertragen. — Dem Geheimen Rat) Albert Fürstenheim in Köthen sind vom Herzog von Anhalt die Ritter- Insignien erster Klaffe des Ordens Albrechts des Bären verliehen worden. - Durch die Blätter geht die Nachricht, daß die österreichische Regierung nicht entschlossen ist, dem neuernannten amerikanischen Generalkonsul Mr. Judd das Exequatur zu erthnlen. Es wurde von maßgebender Seite gegenüber dem amerikanischen Gesandten ausdrücklich betont, bai? nicht die jüdische Konfession des Herrn Judd die Ursache seiner NW zulaffung sei, sondern daß man die frühere österreichische Staatsangehörigkeit des Herrn Judd, welcher Judkiewicz hieß, als entscheidend betrachte, weil man prinzipiell nicht Persönlichkeiten auf diplomatische.: Posten sehen will, welche sich expatriirt haben. — Zu den antisemitischen Ausschreitungen in Kolin wird berichtet, daß in Folge eines Winkes des Justizministeriums in Wien vom Oberlandesgerichtspräsidium und der Oberstaatsanwaltschaft in Prag der strenge Auftrag in Kolin eingelangt sei, alle mit den Koliner Unruhen zusammenhängenden Umständ? strengstens zu erheben. Die Gerichtsverhandlung gegen neunzehn, anläßlich der neulichen Judenhetze verhaftete Individuen ist beendet; sechs wurden zu einem bis zehn Monaten schweren Kerker, die Uebrigen -y: Arrest von drei Tagen bis fünf Wochen verurtheilt. Der Prozeß erfährt nächstens eine Fortsetzung. Wegen der Verbreitung der Gerüchte über das „Blutmärchen" findet eine besondere Untersuchung statt. — Dem Prager Großindustriellen Seligmann Elbogen wurde in Anbetracht seiner hervorragenden industriellen Thätigkeit das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. — Die Wittwe des ehem. Mitgliedes der Deputirten-Kammer, Frau Javal in Paris, eine der angesehensten und wohlthätigsten Franc r der jüdischen Gesellschaft, starb hiervor Kurzem. Sie war die Mutter des berühmten Augenarztes Tr. Javal und des Herrn Javal, Ex-Präfekt und gegenwärtig Direktor des Landes-Taubstummen-Jnstituts. — In Rußland tu ein Gesetz promulgirt worden, welches die Lehrthätigkeit der Melammeds (jüdischen Talmudlehrer) von Zeugnissen abhängig macht, welche von der Lokalschulbehörde zu diesem Zweck auf ein Jahr verabfolgt werden. - Das Hochzeitsgeschenk, welches dieJuden in Bulgarien dem Fürsten Ferdinand überreichten, besteht in einer prachtvollen Adresse und Mappe, mit Brillanten und Rubinen besetzt. Sein Werth beträgt 130,000 Gulden. — Es wurd.' bereits gemeldet, daß der Caid der Kasbazu Maroceo, Hady Mo h am es Quida, trotz der Befehle des Sultans vielen Israeliten die Prügelstras' auferlegt hatte. Die Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens legten sich bei der Regierung des Sultans ins Mittel, um den Gran samkeiten des Caid ein Ende gemacht zu sehen. Infolge dieser Intervention ließ der Sultan dem Quida eine Mahnung zugehen und befahl dem Minister, ein direktes Schreiben an die israelitische Gemeinde zu Maroceo zu richten, um dieselbe des vollen Wohlwollens des Sultans für seine jüdischen Unterthanen zu versichern. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion- Mar Bauchwitz in Berlin.

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