Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1893)
- Date
- 1893-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228005--49771-3271352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Markus Reinach, der Freiheitstrommler von 1848, ist an einem der denkwürdigsten Tage, am Samstag den 18. März in Homburg, an einem Schlaganfall verstorben. Frisch und gesund begab sich Reinach am Nachmittag in die Sackgasse, wo aus seiner Besitzung Grummet abgeholt werden sollte, es überfiel ihn dort eine Uebelkeit, worauf er sich in die Wohnung des früheren Kutschers Schmidt begab, der lange Jahre bei Reinach in Diensten stand und bei demselben auch verunglückte, so daß er invalid wurde. Hier verlangte Reinach zunächst nach seiner Frau, und als es ihm immer schlechter wurde und bis dahin noch Niemand von seinen Angehörigen erschienen war, brach er in die Worte aus: „Adjes Mordche, jetzt kommste nett mehr haam!" und so war es auch, noch ehe oie Angehörigen erschienen, war Reinach eine Leiche. Dieser letzte Ausspruch kennzeichnete so recht den Humor, den Reinach während seines ganzen Lebens besaß, der ihn auch bis zum letzten Athemzuge nicht verließ. Reinach war ein biederer Charakter und gern gesehener Gesellschafter, der aus den früheren Zeiten so manches heitere Stückchen zu erzählen wußte. Im Jahre 1633 trat Reinach als Trommler bei dem Landgräflich Hessen-Homburgischen Militär ein. In gleicher Eigenschaft war er auch bei der hiesigen Bürgergarde thätig und bei manchen Gelegenheiten ließ er seinen Trommel-Wirbel ertönen; in früheren Jahren auch bei Bränden. Der Schützengilde gehörte Reinach auch an, und die Homburger Schützengesellschaft war es, welche Reinach im Jahre 1888 aus Anlaß seines 60jährigen Schützengilde-Jubiläums (bei den Freiheitsschießen hatte Reinach stets getrommelt) einen Kranz mit folgendem Reim widmete: Fünfzig Jahre unverdrossen Hat Tein Wirbel uns erfreut. Darum Dank von allen Schützen, Welche heute hier vereint. Nimm den Kranz, den ewig grünen. Hin als ein Erinnerungszeichen, Wenn wir Alle nicht mehr schießen Mag das Centrum dann erbleichen! Bei dem 500jährigen Jubiläum der Hamburger Schützengesellschaft am 1. September 1890, wurde Herr Reinach sehr geehrt und an seinem Hause prangte ein Kranz mit Widmung und seine Trommel. Am 1. November 1890 beging Reinach mit seiner Frau in vollster Rüstigkeit das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Er erreichte ein Alter von 83 Jahren. .Ehre seinem Andenken!? ----- Eine Erinnerung aus dem Jahre 1840. Ein vor vielen Jahren erschienenes Buch, „So sprach der König" betitelt, enthält die Reden, Proklamationen, Toaste des Königs Friedrich Wilhelm IV. Unter den vielen Deputationen, welche der König nach seiner Thronbesteigung empfing, erschien auch am 17. Juli 1840 eine Deputation des Vorstandes der jüdischen Gemeinde von Berlin. Auf deren Ansprache erwiederte der König» „Mit Vergnügen habe Ich die schönen Worte vernommen, die Sie, meine Herren, eben an mich gerichtet. Sie sollen bei mir gut aufgehoben sein. Bei dem Patriotismus, den die jüdischen Gemeinden Meines Staates und besonders die Berliner zeigen, läßt sich schon weiterbauen, und es soll, verlassen Sie sich darauf, weiter gebaut werden. Wenn der selige König das Werk, das er begonnen, nicht vollendete, wenn in einzelnen Provinzen die bürgerlichen Verhältnisse der jüdischen Unterthanen, wie z.B. in Posen, noch zurückstehen, so lag dies in Umständen, die man, ohne ungerecht zu sein, nicht beseitigen konnte. Doch freut es Mich, daß, wie Ich höre, auch dort die Juden sich immer mehr der bürgerlichen Gleichstellung würdig machen. Meine Herren: Ich bin, glauben Sie es Mir, kein Anhänger der blinden V orurtheile früherer Jahrhunderte!" — Die Nr. 18 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Ahlwardt in der Reichstagssitzung vom 25. April. - Zur Charakteristik Ahlwardts. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Sitzung des Reichstags vom 25. April 1893. Heiraths-Offerte. Für eine mit allen körperlichen und geistigen Vorzügen begabte, hochgebildete häuslich erzog, jg. Dame, Jsr., in der Nähe Berlins, wo sie respektable Familienverbindungen besitzt. wird eine passende Partie gleicher Konfession gesucht. Junge Herren in gesicherter Stellung, welche auf diese streng reeue Offerte reslektiren. belieben ihre Anträge, womöglich unter Beifügung der Photographie, unter J. 8. 9337 an die Expedition dieser Zeitung zu senden. Mitgift neb. fein. Ausstatt. 7000 M. Strengste Diskretion wird mgesichert u. verlangt. Reisebegleitern!. Jntellig. Dame. Jsr., heiter, gew. im Vorlesen u. Korresp., w. eine Fam. od. leidende Dame auf d. Reise z. begl. Gehalt w. nicht beauspr. Off. u. R. M. 1875 be,. Rudolf Mosse, Sagan i. Schles. Bitte, bitte um Hilfe! Eine arme, achtbare Privatlehrerwittwe, deren Mann nach langem Lungenleideu verstorben ist und seine Frau mit 6 noch unerzogenen Kindern in großer Noth zurückgelassen, bittet edeldenkende, wohltbätige Mitmenschen, ihr in ihrer großen Noth und Mittellosigkeit durch Einsendung von Gabcn zu Helsen, damit es ihr möglich. würde, ein kleines Geschäft anznfangen, das sie und ihre armen Km der, wenn auch nur kärglich, nährt, da sie im anderen Falle ihrem und der arm?n Kinder Untergange preisgegebm sein würde. Herr Hr. Van gehr, Tilsit, Hohe Straße Nr. 11, wird so gütig sein und Gaben in Emv'ang nehmen. Herzlichsteii Dank im Voraus._ Ein Schallspieler (Jude), seit 2 Jahren ohne Existenz, der krankheitshalber der Bühne Valet sagen mußte, ist der bittersten Nolh anhenngefallen. Selbiger möchte sich gerne zur Erlangung seiner Gesundheit einer Kur unterwerfen, doch fehlen ihm hierzll die Mittel. Edeldenkenden Menschen wird hier Gelegeilheit geboten, einem wahrhaft Unglücklichen gegenüber ihren Wohlthätigkeitssinn zu bekunden. Beiträge nimint Hr. Dr. Gustav Karpeles, WM Winterfeldstr. 33. entgegen. Aachener und Münchener Feuer - Verficherungs - Gesellschaft. Ter Geschäftsstand der Gesellschaft ergibt sich alls dem nachstehenden Auszug aus dem Rechnungsabschluß für das Jahr 1892: Grundkapital.M. 9,000,000. — Prämien-Einnahme für 1892 .. 9,181,572. 90 Zinsen-Einnahme für 1892 .. 642,734. 50 Prämien-Ueberträge.,, 5,844,407. 10 Uebertrag zur Deckung außergewöhnlicher Bedürfnisse einschließlich des gesetzlichen Reservefonds von M. 900,000. ... . . ._„ 4,900,000. — M. 29,568,714. 50 Versicherungen in Kraft am Schlüsse des Jahres 1592 Nt. 5,842,060,28t. — Die Gesellschaft übernimmt die Versicherung von Anus-und gewerblichem Mobiliar, landmirlhschaftlichen Objekten» Maaren und Maschinen aller Art und Gebäude-Uerstchernngen, letztere in der Stadt Berlin nur für Rohbauten. Berlin, den 1. Mai 1893. General-Agentur Snreau: SW. Krausenstr. 37, am Dönhofsptatz. vberkemüen-Reparatur-Rlerkstslt * Rosenstr. I reparirt sauber und schnell. Halspriese 30 Pf., Paar Handpriesen 30 Pf.» Leinen- Einsatz mit Einsetzen 55 Pf. Besonders preiswerth: Oberhemden nach Maas; mit prima Leilleu-Einsatz a 3 M. Stoffe werden zur Anfertigung s. Wäsche angenomnien. Ein im Amte bewährter, tüchtiger, gepr. Neligionslehrer K*T)p der im Besitze vorzügl. Atteste von Gemeinden und Behörden, verheirathet und Familienvater von vier Kindern ist. wünscht in einer braven Geineinde. verbesserungshalber dauernde Stellung. Referenzen: Sr. Ehrw. Herr Rabb. Dr. Bäck, Lissa (Posen). Gefäll. Offerten befördert die Exped. dieses Blattes unter J. K. 9055. 600 Mark gesucht v. ein. Reichsbeamten gegen hohe Zinsen u. Mobiliarsicherheit auf viertellährliche Abzahlung von 100 M. Offert, u. 3. JO. 9433 an die Exped. d. Zeitung. i-L.L Eodenhüt© ... * von Cylinderhiite Ein geh. J. Mädchen, 26 Jahre, (Isr.), aus feiner Familie, von heiterem, angenehmen Wes., musikal., i. Haush. u. Handarb. erf., sucht Stellung: als Gesellschafterin od. Stütze der Hausfrau. Offerten unter H. V. 3894 an Rudolf Mosse, Hamburg. Aampf- Reinigung für Betten nach bestem anerkannten System (ärztlich empsoblen), Preis für ein Belt nur 5 M. T. M Retzlaff, Berlin, Betlsedern-Spezialgeschäst. Brütten st raste 6 (Jannowißbrncke). Edle Herren werden gebeten, sich eines Journalisten, der seit drei Jahren trank und gelähmt darniederliegt und mit seiner alls vier Köpfen bestehenden Familie bitterste Noth leibet, zu erbarmen. Milde Gaben — auch in Briefmarken — wolle man gütigst an Kaufmann YV. Mohr in Gelsenkirchen gelang n lassen. Alleinstehende junge Frau, ans achtbarer jüdischer Familie, wünscht Stellung zur Pflege uitb Gesellschaft bei älterer Dame oder Herrn. Gefl. Offerten bei Loeser, Marknsstr. 33, II. Zur Beschaffung von Capitalien siir önt §m uou geantlrmili gieinJjaljnen erbietet sich eine mit dem Eisenbahnbau genau vertraute Persönlichkeit, der vorzügliche Verbindungen in englischen Capitaliften- und Ilnternehmerkreisen zur Seite stehen. Dieselbe ist bereit, sich mit soliden Privatunternehmern und Localbehörden, welche sich für specielle Strecken inieressiren. ins Einvernehmen zu fetzen und neben der Zuführung von Kapitalien sich auch persönlich bei den bezüglichen Unternehmungen zu bethätigen. Offerten unter 3. M. 9335 befördert Rudolf Mosse, Rerlin SW.