Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1893)
- Date
- 1893-05-05
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 f auf 50 Ml. ste. Schwer älung, welche kündige. - als Beisitzer er Herr den schrieben hat Synagogen I rvorragenden j e r b a n d e rden. Diese n und Land s wert he Ge iv Gemeinde v. bezwecken nstände trit n Interessen,;en Stellung rl-Verbandenx Mittwoe! tel Rubens offnung an d Lehrer d^ tdullgen un. ten, welchen st zu hoffen und Lehrer n, damit du z vollzöget llz aufuwrk urenvereins'' Närz) durc! »erschiedenen;u beklagen lagen, sein, — Privat Mitglied dec rde allseitig Sache auf tiger Weist md nimmer ungen vor! den Mit >n den Get Gedanken, ität verein! ihre Dankerstand er liede, um Zusammen Hoheit der uenvereins. iben, worin »rübergehen eßliche und gkeit lange es dem lim war viele khätigkeits noch eine! sein edles nter zahl- Beerdigung der ein inklich von Er stand Tüchtigkeit vor vier Jahren anläßlich des 25 jährigen Amtsjubiläums gebührend umrdigte, und widmete Rabbiner Dr. Stößel dem Verblichenen einen ivarmen Nachruf. Fabrikant Meyer legte Namens des Vereins „Bikur ckholim" einen Lorbeerkranz aufs Grab — Mit dem erhebenden Liede „Verlaß mich nicht!" von Greef beschloß der Synagogengesangverein die ergreifende Trauerfeier. — Am verflossenen Sonntag feierte Bankier <). Sontheimer hier sein 25jähriges Kirchenvorsteher-Jubiläum. Rabbiner Dr. Stößel überreichte und verlas eine kalligraphisch auseeführte Adresse des israelitischen Kirchenvorsteheramts (in Prachteinband), m welcher der Verdienste des Jubilars um die israelitische Gemeinde mb um die Wohlthätigkeitsanstalten derselben in rühmlichster Weise gedacht 'wurde. Vorstand Ellinger vom Krankenunterstützungsverein und der Sekretär des Familienvereins Herr Gottschalk hatten sich ebenfalls mit Deputationen eingefunden und gratulirten in herzlichen Ansprachen ihrem langjährigen verdienten Ausschußmitglied. Der israelitische Lehrerunterützungsverein und eine größere Anzahl von Bekannten und Freunden alten briefliche Glückwünsche übersandt. Am Mittwoch Abend fand Atens des Kirchenvorsteheramts ein kleineres Bankett als Nachfeier im wtel Degginger statt. Oesterreich- Ungarn. * Prag, 30. April. Die hiesige Staatsanwaltschaft gelangte vor niger Zeit zur Kenntniß, daß in dem Auslagefenster der Steinhauserchen Buchhandlung ein Exemplar des im Jahre 1883 konfiszirten Werkes on Prof. Rohling „Das Menschenopfer des Rabbinismus" zur Ansicht ausgestellt sei und daß diese Buchhandlung auch Exemplare des n Oesterreich wegen Aufreizung gegen eine Religions-Genossenschaft »erbotenen Buches verkauft habe. Die Buchhandlung leite der erst 1 Jahre alte Buchhalter Rudolph Ondracek, weshalb die Staatsanwalt- Haft Prag gegen ihn die Amtshandlung wegen Vergehens nach § 24 V. G. einleitete. Die erhobene Anklage lautete dahin, der Angeklagte habe :ch des Vergehens nach § 24 des Preßgesetzes sowohl durch den Verkauf 4s auch dadurch, daß er das Buch in den Schaukasten stellte, schuldig emacht. Er habe in der Untersuchung angegeben daß ihm von dem Vereger, der St. Bonifaeius-Buchdruckerei in Paderborn, zehn Exemplare »es Werkes geschickt worden waren; acht Exemplare habe er dem Vereger retournirt, eines in die Auslage gestellt und nur ein einziges vertrust. Der Käufer dieses einzigen Exemplares sei jedoch Professor August Rohling selbst gewesen Das Landgericht Prag fand den Angeklagten n beiden Fakten schuldig, verurtheilte ihn jedoch mit Rücksicht auf den 4 instand, daß kein Schaden entstanden, indem das eine verkaufte Exemlar nur in die Hände des Autors gelangt ist, nur zu einer Geldstrafe. Gegen dieses Urtheil hatten sowohl der Angeklagte wie auch sein Vater die Aullitäts-Beschwerde ergriffen, welche heute Dr. P att ai vor dem Kassaionshofe in Wien vertrat. Er hob unter Anderm hervor, daß für den Angeklagten die Verurtheilung verhängnißvolle Folgen nach sich ziehe, denn r könne, wenn es bestätigt würde, keine Buchhandlungs-Konzession mehr rlangen Zur Zeit, als das Gericht dieses Rohling'sche Werk konfiszirt mbe, sei der Angeklagte noch minorenn gewesen Man könne ihn heute mch nicht verantwortlich machen. Der Oberste Gerichtshof verwarf edoch die Beschwerde des Angeklagten als unbegründet und bestätigte ras erstrichterliche Urtheil. Holland. A Amsterdam, 28 April. Am 7. Tage des Passahfestes hielt oer Oberrabbiner von Amsterdam, Dr. Dünner eine Predigt, deren Thema der Zusammenhang zwischen Gottesglauben und Loyalität gegen das Herrscherhaus bildete. Der Herausgeber des „Centraal Blad voor Israeliten" sandle einen prachtvoll ausgestatteten Abdruck dieser Rede an oie Königin-Regentin, welche eben mit der jungen Königin ihren alljährlichen offiziellen Besuch in Amsterdam abstattete. Die Königin- Regentin nahm diesen Abruck huldvoüst entgegen und bemerkte, daß es ihr ein besonderes Vergnügen mache, bei vielen Gelegenheiten erfahren ]\\ haben, wie treu und loyal die Juden der Niederlande gegen sie und die Königin gesinnt seien. Rußland. M. E St. Petersburg, 30. April. Herr Ahron Kaufmann, der an der Spitze unserer jüdischen Gemeinde stand, ist inx Alter von oo Jahren verstorben. Kaufmann erwarb sich durch hohe Bildung und Wohlthätigkeit, wie auch durch sein großes Vermögen ein hohes Ansehen! I und wurde von Juden wie Christen geehrt. Besonderen Dank sind wir ihm schuldig für seine langjährigen Bemühungen um die neue prachtvolle Synagoge, für welche er weder Zeit noch Geld geschont hat. Seine hinterlassene Bibliothek ist sehr reichhaltig und enthält sehr werthvolle Werke. — In der Kunstakademie ist der Schüler Jakob Kazenbeugen mit einer silbernen Medaille dekorirt worden. Auch auf der Universität in Kasan sind zwei silberne Medaillen den jüdischen Studenten Gran unb Damski zugefallen. — Mit der Ankunft des Frühlings mehren sich die traurigen Nachrichten aus den verschiedenen Gegenden, daß viele, meist von Juden bewohnte Städte, die fast alle aus Holz gebaut sind, in Feuer aufgingen. Die Städte Akim, Somel, beide im Gouvernement Kowno, liegen jetzt fast gänzlich eingeäschert da; in der letzten Stadt sind dazu sechs Menschen zum Brandopfer gefallen. Beim plötzlichen Entstehen des Feuers war es den Unglücklichen unmöglich gewesen, ihr Hab und Gut zu retten, so daß sie jetzt bettelarm dastehen. Der Kaiser selbst hat 40,000 M. (20,000 Rubel) zur Unterstützung der Niedergebrannten in Mosir und Borisow, Gouvernement Minsk, gespendet, die unlängst durch den Gouverneur Trubezkoj vertheilt wurden. — Auch die Emigration nimmt mit dem Frühling von Tag zu Tag zu. Durch Wilna reisen fast 300 Personen täglich, um nach Nordamerika gu gehen; die meisten sind bemittelt und mit Reisekosten versehen. Aus Jagur, Gouvernement Podolien, wird verschiedenen Zeitungen gemeldet, daß viele jüdische Familien die Stadt zu verlassen beschlossen haben, um nach Amerika zu übersiedeln Ihr einziges Ziel ist, dort mit Ackerbau sich zu beschäftigen, und zu diesem Zwecke haben sie einen tüchtigen Landwirth nach Amerika geschickt, damit er Land zur Anlegung einer Kolonie ankaufe. — Eine kurze interessante Statistik bietet uns der „Kraj". Im Gouvernement Kowno befinden sich 1,612,600 Seelen, darunter 313,417 Juden. In diesem Gouvernement befinden sich fünf jüdische Hospitäler. Unter den vielen Aerzten, die meistens Juden sind, sind auch vier jüdische Aerztinnen. Die Zahl der jiidischen Schüler, die die allgemeinen Schulen besuchen, steigt bis 2280. — In Borisow, Gouvernement Minsk, ist jetzt eine Schwefelfabrik durch die Herren Salomon u. Hirschmann eröffnet worden, in welcher 900 Arbeiter, sämmtlich Juden, beschäftigt sind. Bulgarien. r. Sofia, 30. April, lieber die Wahl des Großrabbiners kann ich Ihnen berichten, daß es nun ernst wird mit der Besetzung der schon über ein Jahr erledigten Stelle. Entgegen dem bisherigen Brauch hat man diesmal den Weg der Oeffentlichkeit beschritten, zugleich aber läuft die stille rastlose Thätigkeit Einzelner fort. Bis jetzt haben sich etwa 28 Rabbiner gemeldet. Nun kommt erst das Schwierigste: die Auswahl! Der Herr Referent machte die Sache ganz einfach, er entwarf eine Liste von 18 Rabbinern unter den 28 und übermittelte dieselbe an maßgebende Persönlichkeiten und Korporationen. Nebenbei wird über jeden der Herren Kandidaten genaue Umfrage gehalten, das so gesammelte Material wird nun gesichtet und aus demselben drei Kandidaten in Vorschlag gebracht. Allein die Gemeinde in Sofia will nicht die Verantwortlichkeit für die Auswahl auf sich nehmen, weshalb dieselbe eine Delegirtenversammlung aller Gemeinden nach Sofia einberufen hat. Dieselbe soll am 23. d. M. tagen. Dieser wird nun das ganze Material mitgetheilt werden, die drei Herren Rabbiner werden zur Probepredigt hierher berufen werden und die hiesige Gemeinde wird nun endgiltig zu entscheiden haben. Neben'dieser hochwichtigen Angelegenheit werden noch manche interne doch 2—3 Tage die Delegirten beschäftigen, unter denen die so leidige Wrazza-Affaire — der Blutlüge Wie bekannt, wurden die beschuldigten 6 Juden gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt, überdies wurden 3 als unschuldig enthaftet. Allein nach einigen Monaten und zwar zu Peßach wurden 3 Angeklagte wieder verhaftet, und siehe da, die Anklage hat es heraus gebracht, diese seien die Mörder des Mädchens. Die Motivirung der Anklageschrift soll des Tragikomischen nicht entbehren. Der scharfsinnige Staatsanwalt weiß ganz genau, daß es eine Stelle im Talmud giebt, in der es heißt, daß das Tödten eines Christen einem Opfer vor dem Herrn gleiche!! Ohne diesen Behelf scheint es der Staatsanwaltschaft schwer geworden zu sein, den Schnldbeweis zu erbringen und ihr Gewissen damit abzufinden, daß sie drei unschuldige Menschen zum Tode durch den Strang verurtheilte. Unsere spagnolischen Brüder, welche von dieser stupenden Talmudgelehrtheit des Wrazzaer Staatsanwaltes überrascht wurden, sahen sich bemüßigt, ihren unschuldigen Stammesgenossen nach Möglichkeit zu Hilfe zu eilen und beschlossen, den-