Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1893)
- Date
- 1893-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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57. Jahrgang. Ar. 18. Gerlin, 5. Mai 1893. rlpril 1893. von Stif te Unter m Verzeich; stellen; icb iahrhunderer jüdische, fahren nu n Königin jährlichen n M. 400- * othstand tu )echend eine oeranlasscr, ) es kamen t Bankier s jüdisch st es ebens der Gift B.( lische Aue t allgemei! geschätzte; ner Anzal chen Wohl heute niän! lebhaftest betreffende u ldet werden , der Bris riet, daß -Le Pflege oon ß sich wolu daß Leben lte mir bi: rnd sie an Mädchen ü i legerin er der kinder vor Allen Nachtwachen l sorgliche chergestell:., ilusbildun - l) denselben w in Bezv i , - Nach glaube in, ien sowohl zu dienen, rber inner, lmeldunge - tprüfunn vermittele. che Herzen r Kranker »rstehendein aba b. io, Gott mul) Herzfeld. .in. Der Gemerndebote. Weitage zuv „Allgemeinen Korrespondenzen und Nachrichten.! Deutschland.! ztz Berlin, 30. April. Die von M. Halle gestiftete Gesell-! -chaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen hielt am 25. April er. ihre 48. Generalversammlung ab. Hierbei konnte konstatirt werden, daß die Erfolge auch für das verflossene Jahr rühmenswerth gewesen sind, da nicht nur die Anzahl der Mitglieder in steter Zunahme begriffen ist, sondern auch die verschiedenen! Stiftungen zu Gunsten der Mitglieder sich einer Reihe von namhaften j Zuwendungen zu erfreuen hatten. Die am Schluffe vorgenommenen! Wahlen ergaben Wiederwahl des Vorstandes. Berlin, 1. Mai. Am Donnerstag den 20. April d. I. ist! Herr Dr. L. Blum enthal, Hörer an der Lehranstalt für die Wissen- ) schaft des Judenthums, nach Beendigung der schriftlichen und mündlichen! Prüfung vom Lehrerkollegium als Rabbiner feierlich entlassen worden. Berlin, 3. Mai. Soeben ist Nr. 36 der „Mitheilungen ’ vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" erschienen. Die-; selbe enthält den Kassenbericht über den Vermögensstand des Bundes, . der sich auf 188,501 Mark beläuft, den Rechnungsbericht für das laufende j Jahr, der 75,339 Mark an Einnahmen und 56,896 Mark an Ausgaben aufwies, ferner die nothwendigen Erläuterungen zürn Rechenschaftsbericht, das Verzeichniß der Bundesgemeinden, der persönlichen Mitglieder, der Beamten und schließlich einen beherzigenswerthen Artikel: „Die Allg. Versicherungs-Aktiengesellschaft „Viktoria" zu Berlin und der D.-J. G.-B.", den wir der Lektüre angelegentlichst empfehlen. * Berlin, 2. Mai. Die „Kreuzzeitung" hat in einer Reihe von Artikeln die angebliche Verjudung der Berliner Justiz besprochen und den Justizministern von Friedberg und von Schelling vorgeworfen, bei Versetzungen von Richtern nach Berlin Juden aus Gründen, oie nicht in der Sache liegen, besonders begünstigt haben. Diese Anschuldigungen haben eine eingehende Widerlegung gefunden. In Nr. 195 veröffentlichte das konservative Blatt einen neuerlichen Artikel über das Judenthum in der Rechtspflege, der die sattsam gekennzeichneten Behauptungen wiederholt, als „geeignete Illustration" eine von ihr aufgestellte Statistik der — Berliner Rechtsanwälte giebt, obwohl sie weiß, daß weder die Krone noch der Justizminister Rechtsanwälte zu ernennen hat. Die „Kreuzzeitung" hatte behauptet, daß schon Strafverhandlungen stattgesunden haben, bei denen nur der Angeklagte und der Gerichtsbüttel Christen waren. Dem gegenüber hatte die „B. Z." erklärt, daß! sich unter den Staatsanwälten und Amtsanwälten Berlins kein Jude,! unter den Strafrichtern aber nur ein einziger Jude finde. Darauf er-! wiederte die „Kreuzzeitung", es genüge, zu bemerken, daß ein bis dahin! bei der Staatsanwaltschaft in Berlin beschäftigter Assessor Mendels- ) sohn im September v. I. zum Staatsanwalt in Potsdam ernannt j worden sei. Am folgenden Tage sah sich die „Kreuzzeitung" zu der j Berichtigung genöthigt, daß der Assessor Mendelssohn nicht in Berlin,! sondern in Potsdam beschäftigt war; außerdem ist Herr Mendelssohn! Protestant und als Protestant geboren. Demnächst erklärte die „Kreuz-; zeitung", daß aber dem Landgericht II — dessen Bezirk nicht die Stadt! Berlin ist — drei jüdische Strafrichter in nur zwei Kammern thätig seien, nämlich die Landrichter Meyer, Engelmann und Altsmann, j In ihrer neuesten Nummer schreibt dieselbe „Kreuzzeitung": „Aus befreundeten richterlichen Kreisen wird uns versichert, daß die in unserem ’ Artikel über das Judenthum in der Justiz benannten Herren Engelmann j und Meyer nicht jüdischer Herkunft sind, was wir hiermit berichtigend mitj theilen." — Die Anschuldigungen der „Kreuzzeitung" über die Verjudung der - Berliner Justiz stehen mithin vollkommen auf der Höhe der Bezichtigungen, j die Ahlwardt bei der Berathung des Jnvalidenfonds erhoben hat. g. Berlin, 3. Mai. In der Nacht zum Montag den 1. Mai veri starb hier unser Glaubensgenosse, der Direktor der Petersburger Diskonto-! eitung des Iriöenthrrms". bank, Staatsrath A. Sack. Mit ihm ist einer der wenigen Männer dahingegangen, die nach dem frühen Hinscheiden Koliakofss und Warschawskis noch in der Lage waren, ihren Einfluß in den Kreisen der russischen Regierungswelt zu Gunsten einer Milderung des Elends der russischen Juden, in äußersten Fällen, geltend zu machen. Sack reiste oft im Auftrag der russischen Negierung ins Ausland, wo er Beziehungen zur baute tinanee unterhielt, um seinen Einfluß bei derselben geltend zu machen, sobald Anleihen Rußlands in Sicht waren. Er persönlich erblickte in der Gestaltung besserer Beziehungen zu dem benachbarten Deutschland das Heil für eine günstigere Entwickelung der russischen Finanzen, in diesem Sinne war er unermüdlich thätig, verweilte auf seinen alljährlichen Reisen auch stets einige Tage in Berlin. Dieses Mal war er schon als Schwerkranker nach Berlin gekommen, nach überstandener Operation machte ein Herzschlag dem Leben des 64 jährigen ein Ende. — Sack hinterläßt einen Bruder, der als langjähriger Vertrauensmann des Baron Günzburg vielfach mit jüdischen Gelehrten in Verbindung stand. Vor etwa zehn Jahren ließ derselbe in Leipzig ein größeres Werk über das „alte Israel" erscheinen und hielt sich im Jahre 1888 hier längere Zeit auf, um den zweiten Theil der Arbeit, von der noch ein Schlußband erscheinen soll, in der Dümmlerschen Verlags-Buchhandlung zum Druck zu bringen; er legte dabei Werth darauf, das Manuskript hiesigen jüdischen Gelehrten vorher zur Durchsicht vorzulegen. Der einflußreichere ältere Bruder, der jetzt dahingeschieden ist, besaß den Titel „Exzellenz" und war Inhaber hoher russischer und anderer Orden. Tausende unserer Glaubensgenossen verdanken diesem Hause die Erhaltung ihrer in Rußland mehr als je gefährdeten Existenz. Berlin, 3. Mai. Der eben erschienene Bericht über das Reichenheim'sche Waisenhaus für das Jahr 1892 enthält den Rechnungsabschluß mit 56,678 Mark Einnahmen und ca. 55,678 Mark Ausgaben, das Verzeichniß der Stiftungen und Geschenke, der Spenden für besondere Zwecke, die auch in diesem Jahre sich vermehrt haben, und die Chronik der Anstalt, die unter der Leitung ihres verdienten Direktors, des Herrn D. M. Jutrosinski, immer gedeihlicher sich entfaltet. — Berlin, 2. Mai. Am letzten Sonntag fand die Generalversammlung des Vereins „Esra" zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien, statt. Der Vorsitzende Herr Moritz Dorn erstattete den Bericht, aus dem ein starkes Wachsthum des Vereins hervorging. Die Einnahmen stiegen von 3940 Mark im Jahre 1891 auf 7298 Mark im Jahre 1692. Die Mitgliederzahl von ca. 900 am 1. Januar 1892 vermehrte sich auf 1622 am 1. Januar 1693 und ca. 2000 am 15. April 1893. Die stark besuchte Generalversammlung nahm diese Berichte beifällig auf und sprach in einer Resolution den Wunsch aus, daß das Central-Komitee auf dem so erfolgreich betretenen Weg fortfahren möge. — Die ausscheidenden Mitglieder des Central-Komitees wurden per Acclamation wiedergewählt und außerdem neu in das Central-Komitee Herr Konsul Julius Friedemann und Herr Professor Herrmann Aron entsendet. Eine Reihe weiterer Anträge wurden von der General-Versammlung dem Central-Komitee zur Prüfung und Erledigung überwiesen. * Memel, 28. April. Die behördliche Verfügung, wonach von heute Nachmittag ab für russisch-jüdische Auswanderer gleichzeitig der Eisenbahnschalter und die deutsche Grenze sich schlossen, hat die natürliche Folge gehabt, daß gestern und heute der Zufluß der Auswanderer nach unserer Stadt ganz kolossale Dimensionen annahm. Befördert wurden, der angegebenen Verfügung gemäß, alle diejenigen, welche sich auf der Liste des hiesigen Komitees befanden oder auf Grund von Schiffskarten noch nachträglich die Genehmigung zur Weiterfahrt erhalten hatten. Die Arbeit, die das Komitee zu bewältigen hatte, war außerordentlich schwer, die Aufgabe, alle diese Menschen zu befriedigen, wurde jedoch glücklich gelöst. Mit dem heutigen Frühzug verließen über 200 Auswanderer unsere Stadt, die Kinder, die kein Billet zu lösen hatten, nicht