Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1893)
- Date
- 1893-05-05
- Page
- Seite 216 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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216 allgemein belobt wurde, hat seinen Weg nach Amerika, Spanien und Indien gefunden und ist in die dortigen jüdischen Schulen angeführtworden. Zu dem Zwecke ist es sowohl in die spanische als auch in die Mahratti-Sprache übersetzt worden. ---Im Reiche des Geistes. Jllustrirte Geschichte der Wissenschaften, anschaulich dargestellt von K. Faulmann, k. k. Professor... Mit 13 Tafeln, 30 Beilagen und 200 Textabbildungen. (Wien, A. Hartlebens Verlag.) Alles, was seit zweitausend Jahren die Gelehrten beschäftigte: Unterricht und Sprache, Naturgeschichte, Laudwirthschaft, Chemie und Physik, Mathematik und Geometrie, Geographie und Geschichte, Kriegswissenschaft, Theologie und Philosophie, Volkswirthschaft und Recht, Gesundheitslehre und Medizin, in seiner geschichtlichen Entwickelung im Mittelalter und von Jahrhundert zu Jahrhundert bis zur Neuzeit, übersichtlich und gemeinverständlich zu schildern, hat sich das vorliegende, reich ausgestattete, in 30 Lieferungen erscheinende und auf 60 Bogen berechnete Werk zur Aufgabe gestellt. Eine werthvolle Bereicherung seines Inhaltes bilden die zahlreichen photographisch kopirten Abbildungen von Holzschnitten und Kupferstichen seltener und kostbarer wissenschaftlicher Werke. Für das allgemeine Verständniß der heutigen wissenschaftlichen und wirthschaftlichen Fragen, denen sich kein Gebildeter ganz entziehen kann, bietet dieses Buch die geeignetste Vermittlung, und deshalb wird sich dasselbe in allen Kreisen Freunde erwerben. Das Maiheft der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" (Breslau, S. Schottländer) hat folgenden Inhalt: M. Güdemann, Neutestamentliche Studien. (Fortsetz.) — I. Perles, Beitrüge zur rabbinischen Sprach- und Alterthumskunde. (Fortsetz.) — David Kaufmann, Der Stammbaum des R. Eleasar Fleckeles, eine Ahnenprobe Moritz Hartmanns. — Notizen von Halberstam und Lewy. 9 Spvechsaal. Löbliche Redaktion! Wenn ich heute nochmal auf den Aufsatz von Herrn Rabbiner Dr. Ginsburger in Sulz zurückkomme, so ist es nur, um nochmals zu wiederholen, wie sehr nöthig eine solche Armenpflege nicht? nur in Elsaß-Lothringen, sondern in ganz Deutschland wäre: aber ganz besonders freilich in Elsaß- Lothringen. Da ich aber den Beweis habe, daß Diejenigen, die sich der Sache annehmen sollten, gleichgiltig zur selben stehen und nichts unternehmen wollen, hätte ich mich nicht nochmal bemüht; ich wollte aber den verehrten Lesern dieser Zeitung auf Veranlassung des Artikels von Herrn Dr. Ginsburger wenigstens sagen, daß ich heute mehr denn je überzeugt bin, daß, wenn nur ein wenig guter Wille bei denen, die diese Sache in die Hand nehmen sollten, vorhanden wäre, so müßte es gelingen, Ordnung zu machen, damit wenigstens nicht Arme und Kranke sich selbst überlassen blieben, wie es schon immer war und ganz besonders in diesem letzten harten Winter, so daß sich das Ausland um sie bekümmerte. Dabei ist ganz besonders die jüdische Gemeinde von Basel zu nennen, die für naheliegende Dörfer in Elsaß viel thut, was im eigenen Land geschehen müßte. Es ist hierüber so Vieles zu sagen, daß ich dies hier nicht ausführen kann, denn außer Herrn Dr. Ginsburger und einer Elsässerin in Metz hat Niemand was für die gute Sache unternommen, außer einem Herrn, der dieser Sache entgegentrat. Trotz alledem gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß es nicht mehr so sehr lange dauern kann, daß eine allgemeine Armenpflege ju Stande kommen muß. Zum Schluß wollte ich noch den 'Aufsatz von Herrn Dr. Ginsburger in der „Allg. Ztg. d. Judenth " vom 22. Januar 1892, überschrieben „Der Kampf gegen den Jndifferentisnms in Elsaß-Lothringen", erwähnen, denn in diesem Aufsatz liegt gleichfalls jo viel Wichtiges, daß ich wünschen kann, der Inhalt möchte nicht so ganz im Sande verlaufen, wie die früheren Artikel vom 7. Oktober, 11. November, 25. November und 23. Dezember 1892 über Armenpflege im Elsaß. Ich hege die feste Zuversicht, daß, wenn auch mein heutiger Appell wie gewöhnlich an den maßgebenden Stellen mißachtet wird, Herrn Dr. Ginsburgers und mein Plan sich doch Bahn brechen wird; ich möchte es nur noch erleben, wenn auch nur den kleinsten Erfolg zu sehen. Mit vorzüglicher Hochachtung Berlin, 3. Mai. " Marc. Bloch. $ Berlin, 16. April 1893. Geehrter Herr Redakteur! In Nr. 15 Ihrer Zeitung finden wir ein Verzeichniß von Stis tungen, von Juden herrührend, welche ihre Wohlthaten ohne Untere schied des Glaubens vertheilen Es wäre interessant, diesem Verzeich niß ein ähnliches von nichtjüdischen Wohlthätern gegenüber zu stellen; ich fürchte, es wird nicht zu lang werden. Seit einem Vierteljahrhunderverfolge ich die Jahresberichte der Alter-Versorgungs-Anstalt der jüdische) Gemeinde und konnte unter den Wohlthätern derselben in 25 Jahren nu eine Christinendecken, und diese war: die hochselige Kaiserin Königin Augusta, welche dieser Anstalt nicht nur einen namhaften jährlicheil Beitrag spendete, sondern dieselbe auch mit einem Legat von M. 400» bedachte. Als es vor einigen Jahren Mode war, den kirchlichen Nothstand in Berlin zu beklagen, berief der verstorbene Bankpräsident von Dechend eine Versammlung von Bankiers und Bankdirektoren, um sie zu veranlassen, zum Bau von Kirchen namhafte Summen beizusteuern, und es kamen recht hübsche Summen zusammen, zu denen die jüdischen Bankier nicht die kleinsten Beiträge spendeten. Aber darüber schweigt der Antisemitismus. Wenn das jüdisch Geld für spezifisch nichtjüdische Zwecke verwandt wird, dann ist es ebenst rein und ebenso redlich erworben wie das germanische, und der Gift bäum der Börse liefert dann nur süße Früchte! A. B. c. Sehr geehrter Herr Doktor! Der Aufsatz, mit welchem Frl. Hulda Bergel die systematische Aus bildung jüdischer Krankenpflegerinnen so warm befürwortet, hat allgemei n Beifall und Anerkennung gefunden, wie solches auch in Ihrem geschätzte; Blatte wiederholt zum Abdruck gebracht worden ist. Vor einer Anzab Wochen sprach ich mit einer Dame, welche mitten in den jüdischen Wohl thätigkeitsbestrebungen steht, deren Namen zu nennen ich jedoch heute mcO berufen bin, über diese Angelegenheit und fand auch dort das lebhaftest Interesse dafür; nur auf meine Meinungsäußerung, daß die betreffende weiblichen Personen zugleich auch alsWochenpslegerinnen ausgebildet werden sollten — des alsdann gerade führerlosen religiösen Haushalts, der Brie uiilah wegen und aus allgemeinen Gründen — wurde mir entgegnet, daß di? Aerzte die Verwendung eigentlicher Krankenwärterinnen zur Pflege üoh | Wöchnerinnen grundsätzlich ablehnten. Trotzdem glaube ich, daß sich wol-l 'j Mittel finden ließen, beide Berufszweige zu verbinden, ohne daß Leben I und Gesundheit gefährdet werden. — In diesen Tagen theilte mir di?! betreffende Dame mit, daß ein jüdischer Verein, dessen Vorstand sie an > gehört, beschlossen habe, ein junges, kräftiges, unbescholtenes Mädchen in! Alter von 17 bis 20 Jahren zur Kranken- oder Wochenpflegerin ei | ziehen zu lassen; sie selbst habe zwar den älteren Mädchen oder kinder j losen Wittwen das Wort geredet, ärztlicherseits aber werde vor Alle) j auf die ungeschmälerte Kraft der Jugend — schon der Nachtwache;; | halber — Werth gelegt Bei Erfüllung der Berufspflichten in sorgliche! und gewissenhafter Weise sei die Zukunft der Betreffenden sichergestelll,! vom 40. Lebensjahre an träte Pensionsberechtigung ein. Die Ausbildur i 1 in sechsmonatlichen, eventuell längeren Kursen geschähe nach denselben! Regeln wie in den Diakonissen-Anstalten, auch die Vorschriften in Bezri I auf Tracht, Subordination u. s. w. glichen den dort üblichen. — Nach! dem Ihr wertstes Blatt die Angelegenheit ausgenommen hat, glaube io! nun, durch Einsendung dieser Zeilen für den Sprechsaal desselben sowol!! dem bezeichneten Verein wie irgend einer Glaubensgenossin zu dienei, I die Neigung, Ernst und Willenskraft hat, sich dem schweren, aber inner?! Befriedigung versprechenden Beruf zu widmen, und werde ich Anmeldunge i | — natürlich nur von solchen, welche nach reiflicher Selbstprüfum! die Anwartschaft auf die zu vergebende Stelle erheben — gern vermitteln! Möchte die Verfasserin des Artikels, welcher in so manche Herzen! freudig eingeschlagen und die Frage der Ausbildung jüdischer Kranker Pflegerinnen zu einer brennenden gemacht hat, auch in vorstehendem Hinweise die Bestätigung des talmudischen Ausspruches (Baba b. 19 > finden: „Wer danach strebt, wohlthätig zu sein, dem gewährt Gott ciud) | die Mittel dazu." Ihr ganz ergebener j Hannover, 30. April 1893. Felix Herzfeld. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.