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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-05 · Heft 18 (5.5.1893) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 18 (5.5.1893)
Date
1893-05-05
Page
Seite 215 (sequence 11)
Language
German
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215 orbcn, cibci die wolle» vermittelt: i als wir!" (eit. lber weißt, h darunter ihnen die zu denen rreist drein, t die Fran kiiniinern, nicht vcrhl gehabt, hat. Und ände von völlig damen thät, und mag chon mehr nniel anck Schau, ie Eichkatz die sind >l so arg m Lippen er. allein da onst nicht us. hin und n kleinen denleuten :r wäscht. Nagd an, ah naß." rg leid," i an den trotz und haben?" mit den ist, aber ewesen?" „Nein, nimmer!" „Hast nie freien wollen?" „Wer hält' mi auch wohl nehmen mögen," cutgegnete Binele. aid nach einer Pause, in welcher sie einen Blick über die schlanke?int vor ihr geworfen hat, setzt sie noch zu: „I bin nimmer sauber gewesen, wie Du, Dörtle." Das gefüllt dem Mädchen, es reckt ein wenig die Arme und mest: „Und Batzen hast auch nit gehabt, sonst wärst nimmer Magd eworde», was?" „Freilich nit!" „Ein' Magd möcht i nit sein und wüst auch nit — ist mir chon lieber, den Schwadererhof zu kriegen!" lacht Dörtle und blickt aolz um sich. „Binele, Alles, was da ist, das wird einmal mein." Die Magd nickt. Nach einer Pause sagt Dörtle: „Und jetzt Hab i doch kein Geld, äe Mutter ist nit gut gestimmt und da Hab i's Fragen vergessen mb ist mir leid, Hab' die blaue Schlupf zahlen wollen drüben im 'adle! Gelt, die war arg schön?" „Arg schön!" bestätigt Binele, reibt gewaltiger auf die Holzbank os, welche nun an die Reihe gekommen ist, und besinnt sich dann ckötzlich. „Wart einmal, Dörtle!" „Ja, was kommt denn Dir an?" fragt das Mädchen, aber mit ineiu Mal ist die Magd fort. Dörtle schaukelt sich, die Hände gegen die Thürpfosteu gestennnt, m, und her, bis Binele wiederkommt. Sie trägt einen blamvolleneu avben Strumpf in der Hand und hält ihn dem Dörtle hin. „Da ist's drin," sagt sie verschämt. „Ja, was denn auch?" „Mein Ersparnis;!" Dörtle schüttelt den Kopf. „Was svll's damit?" „Die Schlupf — weißt?" Ein Lächeln, wie cs das Mädchen nie mf dem fahlen Gesicht der Magd gesehen hat, überzieht dasselbe. „Weißt, Dörtle, arg gern möcht' i's, daß Du's nehmen thätst." „I! — das Geld für die Schlupf von Dir?" Binele hält den alten Strumpf noch immer hoch. „Gute Geldliickc siud's. alte und neumodische! Und i mein, i hält' noch nimmer n der Welt so etwas arg Schönes geschc», als wie Du gestern da >ergcstanden bist! Ach, Mädele, Dörtle! Thu's mir zu lieb!" Soviel hat Binele seit Jahren wohl nicht zusammeugeredet als ctzt, und das Dörtle kommt gar nicht aus dem Berwnndern heraus. Wenn die Alte nicht ein so rührsauies Gesicht gemacht, hätte sie >cher lachen müssen. Nun aber schültelt sie den Kopf. „Willst nit?" fragt Binele angstvoll. Wieder belvegt sich das goldblonde Haupt verneinend. Binele legt die eine Hand betheuernd auf die Brust. „Schau, darfst glauben, Dörtle, i thät es keiner Seel' verrathen! Du und i und der Herrgott droben, weiter kriegt's Keiner zu wissen." Das Dörtle kan» sich doch einer Rührung nicht erwehren. „Ja, Binele," fragt es, „wieso kommst denn auch darauf? Mir >c»kt's just nit, daß i das um Di gcrad' verdient hätt! Bin oft genug wüst gegen Di gewesen." „O, nimmer, nimmer!" sagt die Magd in einem fast schluchzenden Ton, „schau, i Hab' Di immer gemocht, von der Zeit an, wo Du ein so elendiges Würmle gewesen bist." Und die sonst so Fleißige vergißt ihre Arbeit. „Nit wahr ist's," füllt Dörtle ein, „i bin immer wüst gewesen, v Hab Di nit mögen, weiß nit warum. Und sell denket mir auch, gestoßen Hab i Di einmal gegen den Zaun hin, daß Du ein Loch im Kopf gehabt hast. Seitdem lhat i mich fürchten, daß Du's einmal heimgübst!" „Hab' Di doch mögen," sagt Binele in einem trotzige» Ton. „Und nun, da ist's. I brauch kein Geld, i mach mir nix draus. Und für mein Begräbnis; und den Stein drauf, da ist ohnehin gesorgt." „Nein, Binele, schau, das thät sich nimmer passen," sagt Dörtle mit gewichtigem Ernst. „Du bist eine arme Magd — und i die Erbtochter vom Schivaderer. Wie könnt i ein Stück Geld von Dir nehmen! Aber für Deinen guten Wille» thu i viel danken." (Fortsetzung folgt.) U Litterarrsche Mittheilungen. * Jugend-Gedanken, aus den Heften eines jungen Mädchens. Von Frau Baronin James v. Rothschild. Frankfurta. M. I. Kauftmann. Die Aristokratie der Geburt sollte immer mit der Aristokratie des Geistes und des Herzens gepaart sein. Die Gegensätze der verschiedenen Gesellschaftsklassen würden dann gewiß weniger schroff sich äußern. Wie ist es nun im Hause Rothschild? Die Zahl der Stiftungen, die den Namen Rothschild tragen, ist Legion: welche Gesinnungen aber haben diese Stiftungen hervorgerufen? Welcher Geist herrscht in der Familie Rothschild? - Das vorliegende Buch giebt uns hierauf authentische Auskunft. Die hochgebildete Fran Baronin James v. Rothschild gewährt uns einen Einblick in die Hefte, in welchen sie als junges Mädchen von 10 bis 18 Jahren ihre Aufsätze niedergeschrieben. Der Geist der Erziehung weht uns ans diesem Buch entgegen, und die Erziehung umfaßt immer zwei Generationen: die Eltern, die erziehen, und die Kinder, die erzogen werden. Welches sind wohl die Themata, über welche ein Freifrüulein v. Rothschild Aufsätze schreibt? Man würde es schwerlich errathen. Man höre: 1. Die Geduld. 2. Ich kann nicht. 8. Zu spät 4. Die Würdigung des Geldes. 5. Was ist wahre Bildung. 6. Gewalt und Milde 7. Bedeutung der Zeit. 8. Der Himmel auf Erden 9. Unter Gottes Schutz. 10. Gott unser Vorbild. 11. Reminiszenzen ans der Schweiz. — Man wird zugebeu, daß scholl die Wahl dieser Themata nach vielen Richtungen interessant ist, besonders aber für den Erzieher, der sicherlich davon Gebrauch machen lvird. Aber auch die Ausführung, die ja, nach Busfons Re style c’est l’homme uns die Seele des Autors eröffnet, zeigt uns gar viele originelle Züge in dein Seelenleben der jungen Baroneß. Die „Geduld" ist ihr „die vorzüglichste aller Eigenschaften" und die Wurzel von sieben Tugenden: der Sanftmuth, der Nachsicht, der Versöhnlichkeit, der Hingebung, der Ausdauer, der Ergebung und der Selbstbeherrschung. „Die Würdigung des Geldes" wird in einer Weise ansgeführt, die wohl kein Mensch an dieser Stelle erwarten würde. Das Freifräulein hat 500 Gulden, frühere süddeutsche Gulden (denn sie ist Frankfurters), von einem Onkel erhalten, und unterhält sich in einem Briefe mit einer Freundin über die Verwendung dieser Summe. „Du kannst Dir denken," schreibt das Freifräulein von Rothschild, „wie freudig überrascht ich durch dieses bedeutende Geschenk wurde, und da es das erste Mal ist, daß ich eine so beträchtliche Summe mein Eigenthum nennen kann-"; ist das nicht rührend? Am wohlthuendsten ist die tiefe Religiosität, die in jeder Zeile sich kund giebt, und gar keine verschwonnnenen Allerweltsphrasen, sondern positiv biblisch-jüdische Religiosität. "Am liebsten lehnt sie ihre bedeutendsten Gedanken an biblische Motive an. Für die sieben Tugenden, die aus der Wurzel der Geduld sprossen, ist ihr-der goldene Leuchter mit den sieben Armen im Heiligthum Israels das Vorbild. Wenn sie von der großen Natur der Schweiz am mächtigsten ergriffen wird, daun sieht sie nur Gottes Größe und Herrlichkeit. Ihr Jndenthum vertritt die Baroneß mit einem wahrhaft bewunderungswürdigen Selbstbewußtsein; sie kennt es! — So ist das Buch eine sehr werthvolle, wahrhaft herz^ erquickender Gabe o, daß es besonders in unserer jüngern Damenwelt viele Leser und viele Beherzigung finden möchte! 0. Der von Dr. Strauß, Rabbiner in Bradford, vor einigen Jahren verfaßte Katechismus für die israelitische Jugend und unter dem Titel „Religion and Morals“ im Buchhandel erschienen, wird nunmehr in vierter Auflage herausgegeben. Das Büchlein, welches eine besonders gute kurzgefaßte Ethik des Judenthums enthält und von der englischen Kritik

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