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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-05 · Heft 18 (5.5.1893) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 18 (5.5.1893)
Date
1893-05-05
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
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213 werden wir ag noch im über diesen >es Schuld- . Rotenhcm -1538) unb rreicht hat. l. 30. April, ^en Schriftöesern bei nten Brief- Schreibe!' >m Schrift . März 9o t giebt mii ) Leserinnen ihnen alleii nigermaßei n stehe aln r sein, dessen s zu lehren eigener Er Forschung Menschen zenüber dechte. Aber g als Vor ihnen nicht »bewußtseii an spricht, gen strafft. verschiede!', daß Jeden, n muß. so reichem it wie Jhrtrieb, de. mde Well hnen durclj Sie eine s ionssystem Glauben in ichbegabteu Wesens er mder. sie wirke' nschen und so?" Ick lären soll, ne ich mi E. B Beziehung wird, hm lpril 189. >. lge meinernselben ini Namen „zweifelnder Mitschwestern jüdischen und christlichen Glaubens" eine Reihe von Fragen an mich richten und „Klarheit und Einsicht" verlangen über die Beweggründe zu meinem Interesse und Wirken für das Judenthum. Sie schicken voraus, das Sie die Gattin eines Mannes sind, dessen Beruf es ist, Geschichte und Litteratur des jüdischen Volkes zu lehren. Haben Sie sich auch gründlich damit beschäftigt? Ich vermuthe nein, den dann hätten Sie sich kaum zur Wortführerin der Zweiflerinnen machen können. Sie hätten nämlich dann mein Streben vollkommen verstanden. — Statt dessen nennen Sie mich ein „Räthsel", ein „Wunder", eine „Auserwählte meines Geschlechts". — Ein Räthsel —? Was that ich denn? Ich erwarb mir durch Studium Kenntnisse. Das kann Jeder. Ein Wunder —? Weil ich von dem Gegenstände meines Studiums ergriffen war? Das würde Jeder. Eine Auserwählte —? Weil ich meiner Ergriffenheit Worte verleihe, um auch Andere zu begeistern? Es ist ein Tribut dankbarer Wahrheitsliebe. Das sollte Jeder. Steht denn „Ernst der Arbeit", „Mühe der Forschung" nicht Jedem frei? — Das verdient weiter keine „staunende Bewunderung". Die Befriedigung der Wißbegierde ist etwas ganz Natürliches, und die einfache Pflicht gebietet, ernste Dinge nicht oberflächlich zu streifen, sondern sie zu ergründen, soweit die Kraft reicht. Wozu hat denn Gott dem Menschen Fähigkeiten verliehen? Also — lernen können Andere auch, — aber sie wollen es nicht. — Sie selbst erwähnen die „allgemeine Unkenntniß und Mißachtung der jüdischen Geschichte". — Wie charakteristisch, daß hier „Unkenntniß" und „Mißachtung" in einem Athemzuge ausgesprochen wird! Man steckt voller Unkenntniß, aber man wagt es, zu mißachten, was man nicht kennt!! — Man ist ein Ignorant, aber man „verzeiht" es „mitleidig" den jüdischen Gelehrten als „Voreingenommenheit", daß sie sich ihrerseits erwärmen und begeistern! — Kein Wort ist scharf, genug um diese Erscheinung zu kennzeichnen. Aber ich will einen Milderungsgrund für das jüdische Publikum, besonders das weibliche, auführen: die Erzeugnisse der jüdischen Litteratur sind nicht anziehend, nicht anreizend, nicht prickelnd und frivol genug . . . böten sie einen Sinnenkitzel wie französische Romane, dann würde die jüdische Frauenwelt eher ein Verhältniß zu ihnen suchen und finden,-aber die Frauen vertragen im Allgemeinen nur leichtere Leckereien, nahrhafte geistige Kost ist ihnen zu schwer, und das ist der Fehler, den sie gemeinsam mit allen Geschlechtsgenossinnen tragen, weil er aus der gemeinsamen Wurzel fader Verflachung und Verwöhnung des weiblichen Geschlechts entstammt. Genössen viele Jüdinnen, wie früher, eine religiösjüdische Erziehung, lebten sie im sorgsam umfriedeten, streng behüteten Hause, in dem die Bibel und nicht Zola gelesen wird, — dann würden sie fähig und kräftig genug sein, die großartige Geschichte ihres Volkes gründlich zu erfassen und in ihrem Studium zu edeldenkenden, warmfühlenden Menschen heranzuwachsen. — Jetzt aber, von Kraft meist keine Spur, nur von Kühnheit, oder besser gesagt: Keckheit, welche Andere „mißachtet, die sich in den Besitz des köstlichen Gutes setzen, das ihnen vermöge ihrer Faulheit ein Buch mit sieben Siegeln bleibt, die, weil sie selbst nichts verstehen, alle nach Verständniß Ringenden „unverständlich" finden und „je nach Charakter und Gesinnung" sich anmaßen, jene zu beurtheilen, ja anzweifeln zu wollen. Nur deshalb ist leider Gottes solch ein Abstand zwischen mir und den „Zweiflerinnen jüdischen und christlichen Glaubens" fühlbar, weil sie in Unkenntniß und deshalb in Gleichgiltigkeit verharren gegenüber der Geschichte und Religion des eigenen Volkes. Hätten insbesondere die Jüdinnen die Geschichte ihres Volkes kennen und lieben gelernt, sie würden es durchaus verständlich finden, daß ein theilnahmvoller Mensch, gleichviel welcher Konfession, beim Kennenleruen derselben von Bewunderung erfaßt wird, denn die Weltgeschichte bietet kein zweites so fesselndes und rührendes Schauspiel dar, als in der Geschichte der Leiden und Religionstreue Israels, des einzigen Volkes, das den Glauben an den Einzig-Ei neu Gott, allein, aufrecht hielt und bewahrte.-Meine christliche Herkunst und Erziehung machte mich nicht blind gegen das Ergebniß meines Studiums, mein Glaube hat sich desto selbständiger entwickelt, je mehr mein vergleichendes Wissen zunahm. Ich gerathe dabei nicht in einen „Konflikt", denn nie sind mir „Dogmen", also Meinungen fehlbarer Menschen, „heilig" gewesen; dergleichen habe ich stets kritisch geprüft, angenommen oder nicht, nach Auswahl und Ueberzeugung. Sie sehen, bei Alledem ist nichts Wunderbares und Räthselhaftes, sondern einfache Wirkung unbefangener Selbstbelehrung und der natürliche i Wunsch, das Gelernte, besonders da es so Schönes und Gutes betrifft,! Anderen mitzutheilen; ja dies erscheint mir als Pflicht bei der Erl kenntniß, daß der so tiefbetrübende künstlich geschürte Rassenhaß nur bei! der allgemeinen blinden Unwissenheit möglich ist. Doch was speziell Juden und Jüdinnen betrifft, so muß umgekehrt ich sagen: sie sind mir ein Wunder, sie sind mir ein Räthsel! Staunend stehe ich inmitten der Töchter Israels, und wenn sie mir regelmäßig mit der Ausrede kommen: „man habe zum Lernen keine Zeit", so kann ich nur wehmüthig lächeln, denn wenn Stunden übrig sind für Romane, | Klavierspiel und allerhand sonstige Dilettanterei, für Konzerte, Theater, 1 Schneiderin und Putzmacherin, Besuchemachen und Vergnügungsreisen u.s.w., u. s. w.! — da ist auch die Zeit, um durch Studium wahre Geistesnahrung und Weltanschauung zu gewinnen. Wahrhaftig, und wenn man mich obendrein dann noch mit Fragen und Zweifel heimsucht, kann ich nur mitleidig die Achseln zucken . . . Jedesmal, wenn man immer wieder fragt, wie ich dazu komme, mich fürs Judenthum zu interessiren, empfinde ich als eine Beleidigung — die der Fragende sich selbst zufügt. — Leben Sie wohl, geehrte Frau, und lassen Sie uns hoffen, das; eine Zeit kommen wird, in der ein Lernbegieriger nicht gleich als ein „Wunder angestaunt" und zur Rede gestellt wird, der sich für die Geschichte des; Volkes interessirt, dem er die Bibel und den wahren Gottesglauben verdankt.! Hochachtungsvoll Nahida Remy. U FEUILLETON ■*&- Kagar. Eine schwäbische Dorfgeschichte von E. Vely. i (Fortsetzung.) I „Nun muß i aber erst ein Extraschoppen trinken," ruft der junge Christoph, „und den Musikanten auch einen, dom rothcn!" befiehlt er dem Schänkmädel. „Und dem Jungferle einen extraschönen Tan,;, was?" fragt der Flötenspieler und blickt Dörtle au. „Geigerle, auf, ein Hopserlc! Der Schwaderer, der schaut seiner Dirn' zu — und i kenn mi aus,! der giebt auch noch eins d'rein." j Die Tänzer und ihre Mädel finden sich wieder zusammen, es; wird über den Vorfall nicht einmal viel geschwatzt. Nur der Peter Aigle fehlt zuletzt noch. „Der giebt ihm wohl's Geleit?" fragen Einige höhnisch.! Nur die Babett hat Thränen in den kleinen grauen Augen.! „Hätt i das gewußt, daß es solch ein End' nehmen thät," sagt! sie, „i hätt's nit gethan und war' mit ihm angetreten." j „Guck," erwiederte Dörtle, „Du bist so Eine, die will immer > etwas voraus haben. Was bist so stolz und hoffährtig. Ob der! Peter noch was von Dir wissen will, mußt abwarten! Was hast! auch mit solchem Tanzelesjuden zu schaffen?" Und dann beginnt eine so lustige Weise, wie sie die Musikanten den ganzen Tag über noch nicht gespielt haben, und bald dreht sich Alles wieder im Kreise.! Der Adlerwirth stellt ein Windlicht unter die Linde, das ist Erleuchtung genug. Als es völlig dunkel geworden, ist auch Peter j Aigle wieder da und schwenkt Babett Höschele herum, als wäre gar i nichts vorgefallen. Die Ausgelassensten sind Dörtle und Peter, einmal! tanzen auch sie mit einander. Wie sie in der Näh' des Lichts sind, > sagt Dörtle mit plötzlichem Schauder: „Was hast da auch für rothe Flecke auf Deiner Hand?" „O nichts," antwortet er. „Mag ein Weiutropfen sein."! Dörtle hat's wie Blut gedüucht, was es doch für ein Thor ist! > Vom Tanzen muß das sein, daß es so allerlei Aufgeregtes denkt.

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