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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-05 · Heft 18 (5.5.1893) · p. Seite 209

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 18 (5.5.1893)
Date
1893-05-05
Page
Seite 209 (sequence 5)
Language
German
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209 Geist der Kraft, der Weisen und gleichgiltig ärtige Zeit Zeiger der zurück, bei Zeit einig ligung der i entgegen : gebildeter nsgenossen zeknechtetei lten gegen Interessen Weissagung deine Zer auch dar cbauer" - isende alt des Juden und krön ei rs. „Lehr werden. (Schluß, sie ist di: chste Szen Zon Allen Lessing si esonderheii e Rede is, zen. Abc: notenpuiri anfen alt. w. Dur, mit den ittahs In- Endes fit: nnde, um zusammen dem web' Seist, dur, > lacht ist e-> ir negatin lbe Thm der Bat,: ffsiugs Er nd daruin rwältigend t hier und er! Abc: tet — in hier stellt m der ihn bedroht, der ihm etwas anhaben will — die Begegnung ist zweideutig und kritisch. Er hat zu verhandeln als der Jude mit dem Sultan. Erst im Verlauf des Gesprächs tritt die Wendung mit der ganzen Macht des Umschlages ein. Dem Freunde öffnet er jetzt das Schatzhaus seiner Seele. Aber immer spricht er wie zu einem andern Menschen, im weltlichen Verkehr des Tages, nach menschlicher Absicht und Ziveck, wenn auch der edelsten und reinsten; spricht immer in de» Grenzen eines eben erst erworbene» Vertrauens und der maßhaltenden Vorsicht desselben. Das Innerste seiner Seele, sein verwahrtestes Kleinod, thut sich nicht hier, sondern in einer andern Szene auf; im Gespräche mit dem Klosterbruder. Erst zu diesem, und nur zu diesem, spricht er, wie er zu Gott spricht! Da erst vernehmen wir die Stimme seines Gebetes, und seiner Andacht, den Ton seiner höchsten Roth und seiner höchsten Lust, sein geheimstes Bekeuntniß. Und darum liegt dort, — also völlig außerhalb jeder Berührung mit der Novelle — dort, wo von Tendenz und Theorie keine Rede ist, gerade in Nathan selbst nicht, sondern allein vom lebendigen Dasein und von der wirklichen Gegenwart des Heiles — dort das Ccntrum des Charakters und des Stückes, dort der wahre Quell, aus dem das Gedicht entsprungen ist. — Doch zurück zu unsrer Szene! Nach der Seite des Gehaltes hin brauch' ich kaum noch ein Wort zu sagen; was da im Gegensatz zur Novelle, vom Dichter gethan ist, ist zu offenbar. Der Nerv in dieser Hinsicht ist: daß Nathan sich an die Fabel und an die Ringe hält, so lang' er sich in der Negative halten will — nur um die Frage nicht theoretisch zu entscheiden, sagt er: ich getrau' mir nicht, die Ringe zu lmterscheiden und daß, so ivie er ins Positive übergeht und doch entscheivct, praktisch entscheidet, — die Fabel als momentaner Anknüpfungspunkt und die Ringe als Dinge dahinfalleu, und die Sache selbst zur Sprache kommt, sie allein, der Mensch und sein religiöses Thun. Auch die „Gründe", die Nathan dem Sultan entgegenhält, sind ja nicht das Wesentliche. Die lassen sich bestreiten, vielleicht gar mit Glück widerlegen; — was aber nicht zu widerlegen ist, und was über aller Theorie und aller Controverse steht: das ist die Praxis der Liebe! Und hier liegt jener höhere Sinn, dein gemäß der Vater selbst die Ringe nicht zu unterscheiden vermag. Denn das, um was es in diesem Falle sich handelt, das Höchste, das kann nicht nur äußerlich gegeben und nur passiv empfangen werden — sondern an beit Söhnen ist es, durch ihr eignes freies selbständiges Thun den Unterschied zu offenbaren. Nur Ein Ring ist der echte! Die wahre Religion hat ihren Beweis an der ihr innewohnenden Wunderkraft; und wer diese Kraft an sich zu bewähren und aus sich zu üben vermag, der hat den echten Ring! Und vermöchten's Alle, so Hütten ihn auch Alle. Welcher Art aber diese Bewährung, das Thun des gottergebenen Menschen, im Sinne Lessings ist: davon giebt er uns das Beispiel in dem, was Nathan selbst vollbracht hat, und was er, im geheimsten Bekenntniß, dem Klosterbruder, dem allein, der fromnien Einfalt allein, weil die jenes Thun am reinsten versteht, vertraut. Und darum eben ist dieses Gespräch der schöpferische Mittelpunkt des Werkes — dort die eigentliche Heimath der Seele und des Geistes, aus denen es geboren. Aber — so wichtig in Bezug auf unsern Dichter das Alles auch ist: für sein Genie und unser Würdigung desselben ist es doch nicht das Hauptsächliche. Nicht, was der Dichter uns giebt, sowohl in der Ringszene, wie in allen übrigen des Werkes — sondern wie er es giebt, das ist das Unsterbliche in seiner Leistung. Nicht der Inhalt als solcher — diese Gedanken oder diese Wahrheit, in ihrer Vernunft und ihrem Gefühl — sondern wie sie an uns! und über uns kommen, aus diesen Gestalten: das ist's! Aus dem j bestimmten Gang des Gesprächs, den besonderen Wendungen desselben i — gerade als diese partikularste Aktion: daß so ein Mensch, wie! dieser Saladin, vor uns steht, und einer, wie Nathan, ihm gegenüber; | — als der Verkehr dieser Geister, dieser vollen frischen Persönlichkeiten i — beide von Kopf zu Fuß, wie sie sind, mit allen Regungen ihrer Lebendigkeit; als die Stimmung, die sie, Jeder durch den Anderen, an sich erfahren; was sie erleben vor uns, sie selbst werden für einander —: dadurch, durch diese Aktion, und nur durch diese, geht das so! ganz in uns über, daß uns zuletzt ist, als wären wir's selber und j als sei uns geschehn, was ihnen! Diese wunderbare, uns ins Leben dringende, und dadurch den Inhalt unsrer Seele für uns selbst hervorschaffende Gewalt des Eindrucks — beim nur von uns erfahren wir ja durch diese Personen,! und tvas sie erleben, erleben sie für uns — das ist der Zauber, der j dem Drama innewohnt und der cs für uns so unentbehrlich macht —; dies das Bildende und Befreiende seiner Wirkung, daß diese Eindrücke, j grade sie, uns den vollen Ausdruck und dadurch den vollkommensten Ausschluß unsres Wesens gewinnen lassen, und zwar für Alle, auch die gej heimsten Nüancen desselben, für die Heilbollen und für die verderblichen, i Daher unsre Lust am Schauspiel! Das ist die tiefe, unausj reißbare Wurzel, die es in der Menschenbrust hat. j Der Trieb, sich selber schauen zu wollen — schauen zu wollen, j was menschlich ist, und was kein Zustand, kein Verhältuiß des Lebens, j kein Verkehr mit der Welt, ihm rein und lauter zeigt — der zieht den Menschen ins Theater — wenn nämlich die Bühne ihrem Zwecke entspricht, was so selten geschieht, weil der Zweck ein so hoher ist—: der Durst nach seiner eignen Quelle: der unwiderstehliche Wahrheitstrieb, unwiderstehlich auch für den, der nicht direkt darnach verlangt oder : der die Wahrheit gar scheut — der Trieb im Menschen, zu hören, was i das eigne Herz ihm sagt und was es ihm verschweigt oder — verbirgt. Wenn irgend ein Drama unserer Litteratur das vor Schiller in seiner energischen Weise für das Kunstwerk aufgestellte Gebot erfiillt — „daß die Form — denn nur von ihrer Macht Hab' ich gesprochen — daß die Form den Stoff vertilgen müsse", so ist es der Nathan. : Der Stoff: also die Fabel — aber nicht nur sie, sondern auch den geistigen Inhalt, als Tendenz, Gedanken, Ideen, Anschauungs- und Gefühlsweise — und daß die Form ihn vertilgt: daß der Genius, der freie Geist der Erfindung ihn verzehrt, ihn verwandelt und umschafst zum Ausdruck ewiger idealer Natur, zu individuellen Gestalten der Wahrheit und Schönheit. Was im Lebendigen das Lebendig-Machende, die Seele ist: das i ist die Form in jedem Stoff. Jeder, auch der höchste, Inhalt, als! solcher, blos als Inhalt,, ist trivial; stumpf und dumpf, so lang' er! nicht entwickelt, organisirt, geformt ist. Ein unentfalteter Inhalt ist! eben der bloße Inhalt. Und wir haben es täglich mit solchem : Inhalt zu thun — unsere ganze Arbeit besteht darin, ihm dies „bloß"! zu nehmen. „Meine ersten Gedanken — sagt Lessing darum — sind gewiß kein Haar besser, als Jedermanns erste Gedanken; und mit Jedermanns Gedanken bleibt man am klügsten zu Hause." Die Behandlung, die Darstellung ist es, die immer erst die Sache j macht und ausmacht. Dies Machen ist die Form — und in seiner höchsten Energie zeigt es sich als Kunst. Die Poesie hat ihren Namen daher — nach diesem Machen heißt sie. Das Genie formt in der eminenten Art — und darum gebraucht Schiller das Wort: vertilgt — daß es dem Stoff, den es um sich her vorfindet, als einen weltlichen und diesseitigen vorsindct, verbraucht für den Zweck, den es mitbringt aus dem Jenseits — das

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