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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-05 · Heft 18 (5.5.1893) · p. Seite 206

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 18 (5.5.1893)
Date
1893-05-05
Page
Seite 206 (sequence 2)
Language
German
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I06 Vir erste bayerische Uabbiner-Konferenzl Etwa vor Jahresfrist hat Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer aus Zweibrückeu eine Anregung zum Zusammenschluß der bayerischen Rabbiner gegeben, über welche dann fast sänimtliche Kollegen sich sympathisch geäußert haben. Diese Erörterungen haben erreicht, was schon früher Herr Distriktsrabbiner Dr. Neubürger in Fürth und Herr Distriktsrabbiner Wittelshöfec in Floß erstrebt haben, und so tagte am 23. und 24. d. M. die erste bayerische Rabbiner-Konferenz in der alten Gemeinde Fürth. Es giebt in Bayern 24 Rabbiner und einen Rabbiuatssubstituten. Bon diesen waren z» der Konferenz erschienen: Adler, Kitzingen. Bamberger, Kissingen. Cohn, Jchenhausen. Cohn, Blirgkundstadt. Eckstein, Bamberg. Kußnitzky, Bayreuth. Meyer, Regensburg. Neubürger, Fürth. Perles, München. Wittelshöfer, Floß. Ziemlich, Nürnberg. Außerdem waren durch Vollmacht vertreten: Groß, Augsburg (vertreten durch Perles), Grünbaum, Ansbach (v. d. Neubürger), Löwenmeyer, Sulzburg (v. d. Meyer), Mayer, Zweibrücken (v. d. Ziemlich), Salvendi, Dürkheim (v. d. Cohn, Jchenhausen), Werner, Burgebrach (v. d. Eckstein), so daß im Ganzen 17 Rabbiner vertreten waren. Die Uebrigen, fast alle mit der Tendenz der Versammlung einverstanden, waren wegen Amtshandlungen oder anderweitig verhindert und hatten sich entschuldigt. Als Ehrengäste waren anwesend: Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Fürth, nämlich die Herren Büchenbacher, Justizrath Gunzenhäuser, Hermann, I. Holzinger, Löffler, und der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Herr Jnstizrath Josephthal, am 2. Tage der Versammlung auch Dr. Königshöfer, Fürth. Als Vertreter des israelitischen Lehrervereins für Bayern, dessen Interessen von einigen Punkten der Tagesordnung berührt lvurdeu, war der Vorstand desselben, Herr Lehrer Goldstein aus Maßbach, zugezogen worden. Der Alterspräsident Rabbiner Wittelshöfer-Floß «öffnete die Versammlung mit einer Huldigung für den Prinz-Regenten, wobei sich die ganze Versammlung von ihren Sitzen erhob und mit Begeisterung in das dreifache Hoch einstimmte. Wittelshöfer wurde zum Ehrenprüsidenteu und Neubürger, da Perles noch nicht anwesend war, zum stellvertretenden, Bamberger zum zweiten Präsidenten, Eckstein und Meyer zu Schriftführern geivählt. Herr Justizrath Gunzenhäuser begrüßte hierauf mit warmen Worte» die Versammelten Namens der Kultusgemeinde Fürth. Hierauf "wurde in die Verhandlungen eingetreten, wobei auch Herr Justizrath Josephthal und Herr Holzinger wiederholt in beredte», von Liebe und Interesse für das Judenthnm durchglühten Worten sich an der Debatte betheiligten, die sich über verschiedene Punkte von allgemeinem jüdischen Interesse, über Fragen der Schule und des Religionsunterrichtes, Altersversorgung der Rabbiner und Religionslehrer und andere wichtige Fragen erstreckte. Am andern Tage wurden die Erörterungen unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Perles fortgesetzt und zu Ende geführt. Es würde zu weit führe», in diesem kurzen Berichte auf die Verhandlungen im Einzelnen, manche bedeutungsvolle Anträge und Anregungen und die gefaßten Beschlüsse schon jetzt cinzugehen. Doch kommen wir bestinunt aus dieselben ausführlicher zurück. So viel aber soll schon hier bemerkt werden: Die Verhandlungen nahmen einen hocherfreulichen Verlauf, sänimtliche Beschlüffe wurden mit Einstimmigkeit gefaßt und zeigten, daß ein reiches Feld genieinsamer Thätigkeit den bayerischen Rabbinern zur Bearbeitung offen liegt. Das Einigungswerk in allgemeinen jüdischen Angelegenheiten, das in der Erklärung der deutschen Rabbiner über die Sittenlehre des Judenthums seinen Ausdruck gefunden, hat nun auch in Bayern in dieser Konferenz sich in erhebender Weise manifestirt. Der wichtigste Beschluß war der, jedes Jahr eine solche Konferenz abzuhalten, an welcher sich für die Folge wohl alle Kollegen betheiligen werden. Zur Geschäftsführung wurde ein Konferenzausschuß, bestehend aus den Herren Perles, Bamberger-Kissingen, Cohn-Jchenhausen, Neubürger und als Stellvertretern Ziemlich und Meyer einstimmig gewühlt. Nach den Danksagungen für das vorbereitende Komitee und den Präsidenten schloß Letzterer die Konferenz, wie sie begonnen: mit einem begeisterten dreifachen Hoch auf den Prinz-Regenten. Die Huldigung wurde alsbald durch das nachstehende Telegramm aus dem königlichen Kabinet beantwortet: „Se. König!. Hoheit der Prinz-Regent haben mich zu beauftragen geruht, den an der gestrigen Konferenz betheiligten Herren für die in treuer Anhänglichkeit dargebrachte Kundgebung Allerhöchstihren huldvollsten Dank auszusprechen. Frhr. v. Zoller, Generalniajor, Generaladjntant. An Herrn Rabbiner Dr. Perles in Fürth." U Me Gemeindesteuer. Berlin, 30. April. Mit Bezug auf den Artikel in Nr. 17 geht uns von dem Herr» Einsender desselben noch die folgende Replik zu: Sehr geehrter Herr Redakteur! In Ihrer Nummer vom 7. April brachte der „Gemeiudebote" einen Bericht über die Sitzung der Repräsentanten-Versammlung, in welcher über die Besteuerung der Gemeinde und im Zusammenhang dami! über das Wahlrecht der Gemeindemitglieder verhandelt wurde. Der Bericht Ihres „Gemeindeboten" gab zu Mißverständnissen Veranlassung, oder zum Mindesten die Möglichkeit, und ich wurde das Opfer eines solchen. Ich nahm nach Ihrem Bericht an, daß Mitglieder, deren Einkommen unter 1200 M. beträgt, keine Steuern zahlen und kein Wahlrecht haben sollten, während es erst eines besonderen Antrages des Gemeindemitgliedes bedarf, um die Steuerpflicht und damit das Wahlrecht aufzugebeik. Damit wurde meine Zuschrift jedenfalls in ihrem Kern und Ausgangspunkte hinfällig. Da ich mich ausdrücklick auf Ihr Referat bezogen hatte, wäre es das Einfachste gewesen, Sü hätten mich privatim auf die Lücken Ihres Berichtes aufmerksam ge macht. Statt deffen zogen Sie es vor, meine Zuschrift zu drucke: und uiich dann aus Ihrer genaueren Kenntnis; des Beschlusses zn widerlegen. Sie thaten das sicherlich in der Erwägung, daß enützlich sei, auf so wichtige Fragen die Aufmerksamkeit der Gemeinde Mitglieder hinzulenken, und daß neben der eigentlichen Stcuerfrag auch andere allgemeine Fragen in meiner Zuschrift angeschnitte: waren, die jedenfalls eine Besprechung verdienen, insbesondere di Frage, wie der Unterschied zwischen Reich und Arm sich geltend mach! Ich habe ihn allerdings nicht konstruirt, sondern nur konstatir! Es wäre geradezu unnatürlich, wenn dieser Zwiespalt, der in unserer Zeit überhaupt von so großer Bedeutung ist, nicht auch in unserer Gemeinschaft vorhanden wäre. Zudem gehört er zur Psychologie aller minder berechtigten religiösen Minderheiten. Ick führe als Beispiel die Zustände unter den Katholiken Irlandin der Mitte des vorigen Jahrhunderts an. Lecky (Essays) schildere sie in folgender Weise (S. 123): „Aber der Beweggrund zum Uebertritte zum Protestantismus l> war nur bei den oberen Klassen vorhanden; und es ist eine höchsi ') Nämlich „Carrwre" und dergleichen Bortheile, die vorher iw Einzelnen geschildert sind.

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