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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-04-28 · Heft 17 (28.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 17 (28.4.1893)
Date
1893-04-28
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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57. Jahrgang. Nr. 17. Berlin, 28. April 1893. Der GerneLndebole. Werkage zur „ALkgemeinen Zeitung öes Zuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 24. April. In der am Freitag den 23. er. stattgehabten Sitzung der Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde wurde Herr Arnold Budwig vom Vorsitzenden des Vorstands, Herrn Justizrath Meyer, durch Handschlag vereidigt, daß er das am 1. April durch das Vertrauen der Gemeinde ihm übertragene Amt beim Gemeindesekretariat mit der Hingabe, dem Pflichteifer und der Verschwiegenheit verwalten werde, welche ein so wichtiger Posten unbedingt erfordere. Sodann macht der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, Mittheilung von einer Zuwendung des Herrn Siegmund Born in Höhe von 15,000 M. von denen, laut Zustimmung des Gebers, 10,000 M. der Armenkommission und 5000 M. der Altersversorgung zu überweisen sind. Bei Punkt drei der Tagesordnung: Subventionen an Religionsschulen, werden auf Antrag des Referenten Herrn Leonh. Sachs bewilligt: der Religionsschule der Oranienburger Vorstadt statt der bisherigen 600 M. pro 1893/94 700 M., und der Religionsschule Bet Zion für 1893 300 M. Dieselbe Summe für die gleiche Zeit wird auf Antrag des Referenten Herrn Jsaae der Religionsschule der Bet Jacob - Gemeinde bewilligt. Bei Feststellung der Zahl der in das Waisenhaus aufzunehmenden Zöglinge, Punkt vier der Tagesordnung, wird der Antrag des Referenten Jsaae, zwei Mädchen und zwei Knaben mehr in vem Reichenheünschen Waisenhause unterzubringen, genehmigt. Alsdann werden zur Errichtung einer Blumenhalle auf dem Kirchhofe zu Weißeusee, Referent Herr Heilmann, 13,500 M. bewilligt. Herr Leonh. Sachs giebt darauf bei Punkt sechs der Tagesordnung eine spezialisirte 'Aufstellung der für Reparaturen an Gemeindegrundstücken nothwendig gewordenen Ausgaben, deren Gesammtsumme auf 15,929 M. sich stellt. Abstriche hat die Finanzkomwission bei den Forderungen der Knabenschule, die an der Turnhalle größere Veränderungen beabsichtigte, und bei der Altersversorgungsanstalt vorgenonnnen. Schließlich werden eine Reihe von Rechnungsabschlüssen vorgelegt. Herr Geh.-Rath Boas berichtet über den Abschluß der Quellbad-Verwaltung, Herr Ruß über den Abschluß der Altersversorgungsanstalt, Herr Simon über den Abschluß des Reichenheimschen Waisenhauses. Alle diese Verwaltungen haben die ihnen etatsmäßig ausgesetzten Beträge nicht voll verbraucht. Ein besonderes Interesse dürfte der Bericht der Armenkonnnission erheischen, über welche Herr Leichtentritt u. A. mittheilt, daß der Fonds zur Unterstützung durchreisender Israeliten im vergangenen Jahre von 1397 Russen und 289 Oesterreichern in Anspruch genonnnen worden ist. Der Zeiten Ungmlst hat sich selbstverständlich auch im letzten Jahre bei der Armenkommission fühlbar gemacht, indem sie diesmal 4484 Gesuche gegen 4193 Bittschriften im Jahre 1891 zu erledigen gehabt hat. Der Zuschuß der Gemeinde betrug 54,000 M. Berlin, 25. April. Soeben ist der 11. Bericht über die „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums" in Berlin erschienen. Demselben gehen eine gelehrte Arbeit des Herrn Dr. Joel Müller über die Responseu des R. Meschullam b. Kalonymus und die warm empfundene Trauerrede, die Herr Rabbiner Dr. Map bäum an der Bahre des verewigten Dr. David Cassel gehalten, voran, zwei überaus werthvolle Beigaben, die sicher weite Kreise interessiren werden. Der Bericht selbst giebt Kunde von der wachsenden Blüthe der Anstalt, die nunmehr auch ihr neues Heim in dem Vorderhause der Lindenstraße- Synagoge bezogen und dort ihre 10,000 Bände umfassende Bibliothek zweckmäßig ausgestellt hat. Der eiserne Fond hat in diesem Jahre eine Vermehrung von 4120 M. zu verzeichnen. Die Zahl der Hörer betrug im Sommer - Semester 41; sämmtliche Hörer waren Maturi. Das Rabbinats-Examen haben bestanden die Herren Dr. L. Bardowicz, der nach Mödling, Dr. E. italischer, der nach Kopenhagen berufen wurde, und Dr. A. Kaminka, der provisorisch in Frankfurt a. O. als Rabbiner wirkt. Die beiden im Vorjahre gestellten Preisaufgaben über den zweiten Feiertag und die Orgelfrage sind von den Herren Kaminka und Joseph gelöst worden. Einen besonders reichen Ertrag (2200 M.) hatten in diesem Jahre die beliebten Montagsvorlesungen gebracht. Auch die Bibliothek erfreute sich reicher Zuwendungen. Wir wünschen der Anstalt auch in Zukunft das beste Gedeihen. — Im Anschluß hieran erwähnen wir noch, daß die Predigt, die Herr Dr. May bäum am 7. Tage des Peßachfestes in der neuen Synagoge gehalten hat, von Freunden des Predigers zum Besten der israelitischen Taubstummen-Anstalt in Weißensee veröffentlicht und von dem Rendanten (Löwenthal, G. Hinter der Garnisonkirche 1a) zu beziehen ist. Die Anwendungen, welche in dieser Predigt ans dem Festbericht auf die Gegenwart gemacht werden, sind ebenso geistvoll wie wahr. Die trüben Erscheinungen der Zeit werden mit großem Freimuth besprochen, und ebenso eindringlich werden die Mittel und Wege aufgezeigt, die zur Läuterung und Besserung führen können. Auch die Lektüre dieser Predigt wird sicher einen tiefen Eindruck Hervorbringen. F. Berlin, 24. April. Am Montag, den 17. d. Mts., fand die Gedächtniß fei er für die verstorbenen immerwährenden Mitglieder und Gönner der Baruch Auerbachschen Waisen-Erziehungs- Anstalten im Betsaale des Waisenhauses nach dem hergebrachten Ritual statt. Die Einrichtung dieser Gedächtnisfeier beruht auf den vor nunmehr 60 Jahren von dem Begründer des Waisenhauses, Baruch Auerbach, getroffenen Bestimmungen, daß 1. wenn Jemand durch Umstände verhindert sei, die Jahrzeit seiner Lieben zu begehen, in dem Waisenhause nach Angabe der Notizen über den Todestag der Verklärten, die Jahrzeiten durch Anzünden des Jahrzeitslichts und Verrichtung des Kadischgebets würden begangen werden, 2. für ewige Zeiten in dem Waisenhause gefeiert werden die Jahrzeiten für säunntliche Mitglieder des Vorstandes, Stifter und Wohlthäter. Der Jahresbericht der Waisenanstalten für das abgelaufene Jahr erscheint im Mai. — Bei dieser Gelegenheit sei anläßlich der jüngsten Mittheilnngen über die Stellung Franz Lißts zum Judenthum noch erwähnt, daß der 9. Jahresbericht des Auerbachschen Waisenhauses ein Geschenk von Franz Lißt von 300 Thlr. an die Anstalt erwähnt. ■/V Berlin, 24. April. Seit 23 Jahren besteht Hierselbst, unabhängig von der jüdischen Gemeinde, der Israelitische Miethe-H ilfs- Verein. Derselbe bezweckt, jüdischen Familien, welche noch nicht vollständig verarmt sind und noch wirthschastliche Existenzen repräsentiren, in denjenigen Fällen zu helfen, in welchen durch außergewöhnliche Unglücksfälle sie Gefahr laufen, aus ihrer Wohnung vertrieben zu werden. — Die Vorstandsmitglieder, sowie eine Anzahl Kommissionsmitglieder recherchiren Monat für Monat die Gesuche, welche aus allen Stadtgegenden eingehen. Meistens wohnen die Petenten im Keller oder im Hof 3 oder 4 Treppen hoch. In der Regel sind es mit Kindern gesegnete Familien, deren Ernährer im Krankenhaus liegt, oder durch schleichende Krankheit oder plötzlich über sie gekommene Unglücksfälle verhindert ist, für die Ernährung seiner Familie zu sorgen — Besonders die jüdischen Handwerker, unter diesen wieder in großer Anzahl Tischler und Cigarrenarbeiter, gehören zu der Clientel des Vereins. Durchschnittlich gehen allmonatlich gegen 100 Gesuche ein. Bezüglich derselben wird gewissenhaft recherchirt und nach den Kräften des Vereins geholfen. — Das Bestreben des Vereins ist bisher gewesen, so geräuschlos wie möglich zu arbeiten. Hiermit ist es aber in der jetzigen Zeit allein nicht mehr gethan. Die beschränkte Anzahl der Mitglieder und Spender ist nicht j im Stande, genügende Mittel zu schaffen, um die Zwecke des Vereins! erfüllen zu können. — Es ist deshalb nothwendig, an die Allgemeinheit! zu appelliren, und wir richten hierdurch an alle unsere Mitbürger die! dringende Bitte, daß sie, sei es als Mitglieder, sei es als einmalige i Spender, mithelfen, die wahrhaft edlen Zwecke des Vereins zu erfüllen,! der die wärmste Unterstützung verdient und dieselbe auch bei dem viel-! bewährten Wohltätigkeitssinn in unserer Gemeinde nunmehr auch sicher! in reichem Maße finden wird.! 4 Berlin, 23. April. Der Jahresbericht der Religionsschule der j Synagogengemeinde zu Göttingen stellt zunächst die erfreuliche That- > fache fest, daß nunmehr kein jüdisches Schulkind in Göttingen ohne

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