Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1893)
- Date
- 1893-04-28
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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203 „Von dem Mädle läßt!" droht Peter. „Und da unter die Lind gehörst nit!" sägt Christoph hinzu. Bartel hat die Hand der Babett freigegeben und tritt ein wenig zurück. „Ist mir nur Eins leid," sagt er, „daß auch hier in das stille Dorf der Streit gedrungen ist von Außen in der Welt." Das verstehen die Burschen nicht, sie schieben sich immer näher heran. Babett duckt sich, ihr wird unheimlich zu Muthe, und wie ein Böglein schlüpft sie seitwärts nach Dörtle hin, als könnte sie da einen Schutz haben. „Kommt einmal Alle daher!" begehrt Peter, dem seine Stimme noch immer zuuimmt an Heiserkeit. „Ein Streit ist's, ha, das ist auch gerad' recht!" rufen die Burschen und sammeln sich allgemach. Der Lotterles-Geiger hat eine Furcht vor wüstem Streit; er ist dabei schon oft mit ins Gedränge gekommen und hat sich in seiner Blindheit nicht zu helfen gewußt. „Blas, Blas!" raunt er seinem Kumpan zn, „spielen wir was Recht's auf." Und hastig kratzt er und bläst der Andere. Es ist die „Wacht am Rhein", auf die sie verfallen sind, aber Niemand hört darauf und Keiner singt mit, wie das sonst geschieht. „Wer hat angesangen?" rufen die Streitlustigen, „Peter, was ist's? Wer soll verschlagen werden?" „Der Tanzelesjud!" schreit Peter. Und nun kommen die Anderen heran, Arme und Fäuste heben sich drohend, Dörtle versteht nicht mehr, was sie reden und schreie», ein Hanfe drängt Bartel zurück, umkreist ihn, unter der Linde wird's leer, einige von den Dirnen eilen nach, die Väter werden neugierig und kommen langsam näher, zu fragen, was es giebt. Der Lärm zieht sich die Dorfstraße hinab. Dörtle steht da mit blitzenden Augen, ihr Busen wogt, sie ist zufrieden; öffentlich beschimpft ist er geworden, wie sie cs gewollt hat „Du auch," sagt Gabril, der mit dem alten Nanz herantritt, „um wen ist's denn Hergängen?" Sie streicht die widerspänstigen Haare aus der Stirn und scheint die Frage ganz zu überhören. „Vater," sagt sie, „daß man mich von Jung auf im Dorf die Eichkatz hat geheißen, schau, das vergrämt nti!" „Närrle Du," antwortet Schwaderec, „ist gar kein übler Nan>' — i mag ihn schon. Schau, das ist was lebig's! Den könnt' man der Babett' gar nit geben; die müßt schon ein Schnecken heißen!" Aber Dörtle beruhigt sich nicht damit, sie blickt erregt Denen entgegen, die wiederkommen. „Ein' Schlägerei ists geworden, eine richtige!" heißt's. „Ei, ohn' die könnt' ja auch kein Tanz sein!" lacht der alte Nanz und schwenkt seine Pfeife. „So ist's zu uns'rer Zeit gewesen." „Der Tanzelesjud' kommt nimmer wieder," sagt Christophle und reibt seine dicken Hände. Dörtle lacht vergnügt und leidet es, daß der Vater ihres Tänzers ihr die Wangen streicht. „Du bist nit so Eine, die furchtsam ist!" sagt er. (Fortsetzung folgt.) «- LECHO DODI. omme, Freund, der Braut entgegen! Laßt uns empfangen Sabkmthsegen! Herrlich' Lied! Wie süß und innig Klinget deine traute Weise, Wenn, den Sabbath zu begrüßen In der frommen Beter Kreise Auf den Flügeln des Gesanges Sich die Seel' aus niedern Sphären Schwingt empor zum Ewig-Einen, Zu dem Hocherhabenen, Hehren. Alle Sorge, Noth und Plage, Alles Leid und alle Schmerzen Schwinden hin bei deinem Klange Aus dem gramerfüllten Herzen. Träufelst Balsam auf die Wunden, Die das Leben uns geschlagen; Lehrest uns, des Schicksals Fügung Still und demuthsvoll ertragen. Bilder längst vergangener Tage Rollst du auf vor unserm Blicke: Meldest uns vom heil'gen Zion Und der Väter hehrem Glücke. Und du lassest froh uns schauen Eine schönere Zeit hienieden. Wo ein ew'ger Sabbathfriede Aller Menschheit ist beschieden. Darum wird in allen Landen Immer deinen Gruß man künden. Wo sich Juda's treue Söhne Zum Gebet zusammenfinden. ~ Von Adolf Pick. Ob andante, ob allegro Du ertönst aus Sängers Munde — Sind verschieden auch die Weisen, Immer ist's die gleiche Kunde — — Und du bleibest treu ergeben Deinem Volk in allen Lagen, Freuest dich mit seiner Freude, Weinst mit ihm an Trauertagen. Weil dereinst in Frühlingstagen Hingerafft in ganzen Schaaren Edle Weisheits-Jünger wurden. Die der Lehre Hüter waren. Trauert Israel alljährlich. Und es tönt die schmerzlich bange, Bitt're Klage um die Brüder Wehmuthsvoll in deinem Sange. Wieder dann in jenen Wochen, Wo am Boden hingekauert, Israel in Sack und Asche Um's verlorne Zion trauert; Wo in dumpfen, ernsten Tönen All' die Zionslieder schallen. Die gesungen Juda's Dichter Um den Tempel, der gefallen — Kannst auch du nicht fröhlich jauchzend Diese Sabbathe begrüßen. Und es zittern durch die Herzen Die ergreifend traurig süßen Klänge die uns mahnend künden. Zu gedenken stets auf's Neue Zion's und Jeruschalajim's, Unsres Tempels voller Treue. 'Aber wenn verstummt die Klage Und die Tröstung folgt dem Leide, Klingt es wieder leclio dodi In dem Jubelsang der Freude. So im Wechsellauf des Jahres Wahrst du Treue deinem Volke, Kündest traute Sabbathruhe, Scheuchst hinweg des Grames Wolke. Doch wie's oft geschieht tut Leben, Mußt auch bu es still ertragen. Daß der Freund, der edle, beste Stets an hohen Feiertagen, Wenn sich Juda's Räume schmücken. Ohne Umschweif wird gebeten, Stillbescheiden vor dem neuen, Selt'nen Gast zurückzutreten Und du trägst es gern und freudig. Weißt du doch, die Herzen schlagen Voller Sehnsucht dir entgegen Nach verrauschten Festestagen. Denn die höchsten Erdengüter, Die dem Juden sind beschieden. Bringest du uns, Leclio dodi - Sabbathruhe, Sabbathfrieden!