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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-04-28 · Heft 17 (28.4.1893) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 17 (28.4.1893)
Date
1893-04-28
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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1S6 Es ist das eine Metamorphose, in der ein Beispiel von poetisch verwandelnder und idealisirender Kraft vorliegt, wie wir sie nur an Shakespeare in der Behandlung seiner Fabeln und des ihm von außen her gebotenen Stoffes gewohnt sind. Eben dies Umbildende in einem Dichter; das, wozu er eine Fabel oder einen Stoff umbildet, ist das wahrhaft Erste und Ursprüngliche in ihm, der auf seinem Stamm gewachsene Keim, der ans Licht will. Die Novelle lautet folgendermaßen: Der Sultan, dessen hoher Werth so groß war, daß er ihn nicht allein von einem unbedeutenden Manne zum Sultan von Babylon machte, sondern ihn auch mehrere Siege über sarazenische und christliche Könige erringen ließ, hatte in verschiedenen Kriegen und bei seiner großen Prachtliebe, seinen ganzen Schatz verschwendet; durch irgend einen ihm zngestoßenen Zufall aber hatte er eine bedeutende Summe Geldes nöthig, von der er gar nicht einsah, woher er sie so schnell, als er sie bedurfte, nehmen sollte. Da kam ihm ein reicher Jude, Namens Melchisedek, ins Gcdächtniß, der in Alexandrien auf Zinsen lieh, und er dachte, der wäre im Stande, ihm zu helfen, wenn er nur wollte. Allein der war so geizig, daß er es aus gutem Willen nie gethan hätte, und Gewalt wollte er ihm doch'auch eben nicht anthun; indeffen, da ihn die Noth sehr drängte, sann er alles Ernstes darauf, irgend ein Mittel zu finden, daß der Jude ihm dienen müsse, und da kam er auf die Idee, ihm, unter einem scheinbaren Vorwände, eine Gewalt anzuthnn. Er ließ ihn daher zu sich rufen, empfing ihn sehr freundschaftlich, hieß ihn sich bei sich niedersetzen und sagte dann zu ihm: Guter Freund, ich habe von vielen Leuten gehört, daß Du, als ein sehr kluger Mann, in göttlichen Dingen sehr weit sähest, und darum möchte ich gern von Dir wiffen, welche von den drei Religionen Du wohl für die wahre hieltest, die jüdische, die sarazenische oder die christliche? Der Jude, der wirklich ein gescheiter Mann war, merkte nur zu gut, daß der Sultan darauf ausginge, ihn in den Worten zu fangen, um mit ihm irgend einen Streit anzuzetteln, und dachte, er dürfe von diesen dreien keine einzige mehr als die andere loben, damit der Sultan nicht seine Absicht erreichte. Daher nahm er seinen Verstand zusammen, weil er einer Antwort nöthig hatte, durch welche er nicht gefangen werde» könnte, und es kam ihm auch schnell ein, was er antworten sollte, und er sagte: Mein Herr, die Frage, die Sie mir vorlegen, ist vortrefflich, und um Ihnen zu sagen, was ich darüber denke, muß ich Ihnen eine Novelle erzählen, wie Sie sie gleich höhren sollen. Wenn ich nicht irre, so erinnere ich mich, oftmals gehört zu haben, daß einst ein großer und reicher Mann gewesen sein soll, der unter andern sehr thcuren Edelsteinen, die sich in seinem Schatze befanden, auch einen sehr schönen und kostbaren Ring hatte, den er seines Werthes und seiner Schönheit wegen gern in Ehren halten und auf ewige Zeiten bei seinen Nachkommen zurücklassen wollte: daher befahl er, derjenige von seinen Söhnen, bei dem dieser Ring so gefunden würde, als er ihm von ihm hinterlassen, derjenige sollte, wie es sich dann von selbst versiände, sein Erbe sein, und von allen andern, als der Aelteste, geehrt und geachtet werden. Der, dem dieser Ring von dem Ersten war hinterlassen worden, hielt eine ähnliche Ordnung unter seinen Nachkommen, und machte es so, wie es sein Vorgänger gemacht hatte. So ging dieser Ring in kurzer Zeit von Hand zu Hand unter vielen Nachfolgern; endlich kam er in die Hände Eines, der drei schöne und tugendhafte Söhne hatte, die auch ihrem Vater sehr gehorsam waren, weshalb er sie auch alle Drei gleich liebte. Von den Jünglingen aber, die den Gebrauch des Ringes kannten, bat ein Jeder für sich, da Jeder begierig war, der Geehrteste unter den Seinigen zu sein, den Vater, der schon alt war, so sehr er nur wußte und konnte, ihm doch, wenn es mit ihm zum Tode käme, den Ring zu hinterlaffen, Der brave Mann, der sie alle gleich lieb hatte, und auch selbst nicht zu wählen wußte, wem er ihn wohl hinterlaffen wollte, dachte, da er ihn einem Jeden versprochen hatte, sie alle Drei zu befriedigen, und ließ ihn ins Geheim von einem guten Meister zwei andere machen, die dem ersten so ähnlich waren, daß der, der sie hatte machen lassen, kaum selbst erkannte, welcher der wahre wäre. Als es nun mit ihm zum Tode kam, gab er jedem seiner Söhne den seinigen; und da, nach dem Tode des Vaters, Jeder von ihnen die Erbschaft und die Ehre in Besitz nehmen wollte, brachte ein Jeder zum Beweise, daß er es mit Recht könne, seinen Ring hervor. Die Ringe wurden aber, einer dem andern, so ähnlich gefunden, daß man nicht erkennen konnte, welcher wohl der wahre sein möchte, und daher blieb die Frage, welcher wohl der wahre Erbe des Vaters sei, ungewiß, und ist es noch. Und eben das sage ich auch, gnädiger Herr, über die drei von Gott dem Vater den drei Völkern gegebenen Religionen, worüber Sie mir die Frage vorgelegt haben. Jeder glaubt seine Erbschaft, seine wahre Religion und seine Gebote zu haben und zu befolgen, aber wer sie wirklich hat, darüber ist die Frage noch eben so unentschieden, als über die Ringe. Der Sultan sah ein, wie schön Jener aus der Schlinge sich herauszuwickeln gewußt hatte, die er ihn: vor die Füße gelegt, und deshalb beschloß er, ihm sein Anliegen zu eröffnen, um zu sehen, ob er ihm dienen wollte, und das that er denn sogleich, indem er ihm erklärte, was er zu thun im Sinne gehabt, wenn er nicht so klug, wie er es wirklich gethan, geantwortet hätte. Der Jude diente dem Sultan freiwillig mit jeder Summe, di er verlangte, und der Sultan befriedigte ihn nachher vollkommen machte ihm überdieß noch große Geschenke, behielt ihn immer a<- seinen Freund und erhielt ihn in hohem und ehrenvollem Stand bei sich. Das ist die Novelle. Und nun Lessing dagegen! Nur ein Anstoß ist sie ihm gewesen; nur die Situation - eigentlich nur die Aeußerlichkeit ihres Rahmens — und nur ein Partikel Stoff hat er aus ihr entnommen. Der Gehalt, den c hineinbringt, und die Gestaltung, die er ihm giebt, haben nichts ui ihr gemein. In der Novelle wird die Antwort auf die Frage nur abgelehi; lind schuldig geblieben; und der Ring verleiht nur äußeres Ansehen und das Recht der Erbschaft zeitlicher Güter; wer ihn hat, soll dm Geehrteste sein unter den Brüdern. Bei Lessing besitzt er die geheime Kraft, vor Gott und Menschen; angenehm zu machen; und der Richter, indem er nicht entscheide entscheidet doch: sein Rath ist die Entscheidung. Er giebt eine Am wort, und welche! Von allem Hohen, was die Szene im Gedicht enthält, hat d- Novelle nichts — weder von Liebe, noch von Geist ist eine Spur in ih«. Besonders plump ist der Sprlmg — die Applikatiou von den« Vater der Söhne auf den ewigen Vater, auf Gott. An dies« Wendung sieht man recht, wie roh das innere Wesen und die Struktur der Novelle ist. Der sterbliche Vater und der ewige passen nicht zu einander, — es sind zwei völlig disparate Stücke, die hier an eim ander geschoben werden, ohne jeden Uebergang, jede Vermittlung, di, den Vergleich rechtfertigte; ebenso wie die Ringe nur äußerlich« Kleinode sind von gleichem Werth, der eine nur älter als die beiden anderen, aber ohne die innere sittliche Bedeutung, die ihn zum Sinn bild der Religion machen könnte. Nur auf eine Ausrede ist es abgesehen: auf einen Umschweif. Melchisedek antwortet nur: ich wein nicht welche Sulta lassen. Gruni deshal und b von d über s Geiste« hinzu! $5 nächst und v sei. 8 halb 1 Zuhör Und t oder c Mich oerstai r Vater s doö 'lber mßerl mkom ebbst rer M Schaft Löhn« oem h B V N nerhan «inwec Gin D i nd ei > ies E schrlich "imde utt all schuld durch l vi gell i'cbmiti «hrist Mause f diren indische Sollte „Edelst ')

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