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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-04-21 · Heft 16 (21.4.1893) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 16 (21.4.1893)
Date
1893-04-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 lichcu Leistungen zu befähigen, sondern dieselben auch mit weitgehenden instrumentellen Fertigkeiten auszustatten, die den Leitern unseres Gottesdienstes zur materiellen und sozialen Hebung immer unentbehrlicher wird. Möge es der Anstalt vergönnt sein, die Fiele, die sie sich gestellt hat, zu erreichen. -gib Memel, 13. April. Daß unsere gute Stadt, obgleich ein großer Prozentsatz der Bevölkerung jüdischen Glaubens ist, nichts von konfessionellem Hader weiß, das hat das zwanzigste S tif tungsfest des hiesigen .Kriegervereins, welches dieser Tage gefeiert wurde, auf das Schönste bewiesen. Als einen Beweis hierfür können wir den Beifall betrachten, mit welchen! die erhebenden Worte ausgenommen wurden, die auf dein oben erwähnten Fest des hiesigen Krieger-Vereins, dessen zahlreiche Mitgliederschaft sich aus Angehörigen aller Stände und Klassen der Bevölkerung zusammensetzt, gefallen sind. An der Spitze dieses Vereins steht seit einer Reihe von Jahren ein Jude, der Premierlieutenant und Landgerichtsrath Meyer, welcher auch dem Vorstand des ostpreußischen Provinzialverbandes des deutschen Kriegerbundes angehört. Wir können uns zmn Schlüsse nicht versagen, aus der Festrede des genannten Herrn folgende mit allgemeiner Genugthuung hingenommene Stellen, welche den Gefühlen unserer gesummten jüdischen Bevölkerung beredten Ausdruck verleihen, wortgetreu hierherzusehen: „Wir wollen bestrebt sein, unfern Ehrenschild, wie bisher, rein und makellos zu erhalten und darüber zu wachen, daß Jeder den! Anderen mit jener freudigen Achtung begegnet, auf der die Kameradschaft beruht, die wahre Kameradschaft, wie sie im Heere gelehrt und geübt wird und wie sie bei uns stets eine würdige Pflegestätte finden soll. Möge auch fernerhin Jeder von uns nach seinen Kräften zur Wahrung unserer Grundsätze beitragen, damit wir in sittlichem Ernst der hohen Aufgabe eingedenk bleiben, die an uns herantritt, wenn das Vaterland in Gefahr ist und des Kaisers Ruf an seine ölten Soldaten ergehen sollte. Dann laßt die Feinde drohen, woher und wie viele ihrer auch kommen mögen! Dann wollen wir ihnen auch zeigen, daß uns ein Band verknüpft, das allen Stürmen Trotz bietet, das Band der Königs treue, der Vaterlandsliebe, der Kameradschaft! Was auch die Zukunft bringt: Mit Gott für König und Reich! Das ist allezeit unser ehrenhafter Wahlspruch gewesen und er soll es auch bleiben. Erfüllt von ihm, richten wir in dieser festlichen Stunde unsere Augen und Herzen auf unseren allverehrten Kaiser und Kriegsherrn mit dem feierlichen Gelöbniß unwandelbarer Liebe und Treue, die in unseren Herzen feststeht, wie der Fels im deutschen Meere!" 1). Breslau, 14. April. Die unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. P. Neustadt stehende hebräische Unterrichtsanstalt „Ez chajim" wurde im verflossenen Schuljahre von 110 Zöglingen besucht. Seit ihrer staatlichen Anerkennung durch Erlaß vom 7. Februar vorigen Jahres steht die Anstalt unter direkter Aussicht der königlichen Regierung. Neben dern pensengemäßen Unterricht legt die Anstalt auch Werth darauf, die Schüler mit der praktischen Ausübung der gottesdienstlichen Funktionen vertraut zu machen und unterhält zu diesem Zwecke einen eignen Gottesdienst in einer besonderen Synagoge. Die Mittel zur Erhaltung der Anstalt werden theils durch Zuschüsse der hiesigen und 13 auswärtigen Gemeinden und Korporationen, theils durch Jahresbeiträge von 737 Mitgliedern aufgebracht. Auch sonst hat sie bei verschiedenen Anlässen Zuwendungen erfahren, welche auch der Schulbibliothek zu Gute kamen. - Am 31. v. Mts feierte der frühere Kaufmann, jetzige Parti-; kulier, Herr Louis Hermann Breslauer Hierselbst, sein fünfzig-! jähriges Bürgerjubiläum. Der Jubilar ist trotz seiner 73 Jahre; noch körperlich und geistig gesund und rege. Die Beglückwünschung! seitens der Stadtverordneten-Versaunnlung fand durch eine Deputation! statt. — Am selben Tage beging der Lotterieeinnehmer und Armen- > direktor, Herr Salomon Weigert in körperlicher und geistiger Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Wohl gegen 500 Gratulanten erschienen persönlich zur Beglückwünschung Von Seiten der städtischen Armendirektion und der Legatkommission gratulirte eine vom Stadtrath Petersen geführte Deputation. Ferner brachten die Vertreter zahlreicher Körperschaften und Vereine ihre Glückwünsche dar. Die „Gesellschaft der Freunde" veranstaltete zu Ehren ihres Pflegevaters am jiingsten! Sonntag eine Nachfeier. Wie uns mitgetheilt wird, ist der Post-! assistent Schulze, welcher wiederholt als deutsch-sozialer Redner aufj getreten war und hier zuerst die Ahlwardt-Versammlung leitete, nach! Frankenstein „versetzt" worden. Da beide Thatsachen offenbar in ursächlichem Zusammenhänge stehen und dernnach wohl die Maßregelung eines ans seiner antisemitischen Gesinnung kein Hehl machenden Beamten vorliegt, so erwarten die Gesinnungsgenossen, daß die Angelegenheit zürn Gegenstände einer Reichstagsinterpellation gemacht werden wird. — Am 0. d. Mts. verschied hier der als Wohlthäter durch seine Humanität und Nächstenliebe bekannte Ehrenvorsitzende des hiesigen Unterstützungsvereins „Dorsche-Tow", Herr Henry Schaps, welcher dem genannten Vereine seit seiner Begründung im Jahre 1867 als Vorstandsmitglied und fast für die ganze Dauer dieser Zeit als Vorsitzender desselben angehört und durch seine herrliche Munifizenz viel zur segensreichen Wirksamkeit des Vereins beigetragen hat. Seit dem Jahre 1876 gehörte der Verblichene der hiesigen „Gesellschaft der Brüder" an. h. Breslau, 18. April. Soeben ist ein Verzeichniß der im hiesigen israelitischen (Fränkel'schen) Hospital im Jahre 1892 aufgenommenen nnd verpflegten Kranken erschienen. Nach dieser Zusammensetzung fanden 290 Personen in der Anstalt Aufnahme. Es wurden als geheilt 175, als erleichtert 66, als ungeheilt 4 Personen entlassen. Gestorben sind 25 Insassen, in der Kur 20 Personen verblieben. Außerdem wurden in der P o l iklin i k 1495 Patienten behandelt. Im Laufe des Jahres wurden u. a. 2 Staar-, 2 Nachstaaroperationen und 2 Jridektomien ausgeführt. Die Augen-Operationen wurden von Herrn Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Förster, die chirurgischen von Herrn Prof. Dr Partsch vorgenommen. — In der Gemeinde-Unterrichts-Anstalt, welche Herr Rabbiner Dr. Guttmann leitet, wirken nach dem 50., vom Dirigenten verfaßten Jahresbericht außer diesem noch 5 Lehrkräfte. Im Ganzen wurden 505 Schüler und Schülerinnen während des abgelaufenen Schuljahres unterrichtet. — Nach dem vom Vorstande erstatteten Jahresberichte besteht die Industrie schule für (unbemittelte) israelitische Mädchen 92 Jahre. In einer am 7. Februar d. I. abgehaltenen Sitzung konstituirte sich der Vorstand neu. Vorsitzender ist Herr Seminardozent Dr. David Rosin. Die Schule wies ani Ende des Schuljahres eine Schülerinnenzahl von 157 Mädchen auf. Am 27. d. Mts veranstaltete der Vorstand eine Ausstellung der von Schülerinnen gefertigten Handarbeiten im Cafo Restaurant. 0a. Aus Schlesien, 14. April. Wie jetzt aus Schweidnitz gemeldet wird, hat der frühere Besitzer der dortigen nlechanischen Weberei, Herr I. Rosenthal, gegenwärtig in Berlin wohnhaft, dem Magistrat seines bisherigen Wohnortes anläßlich seiner am 18. Januar dieses Jahres stattgefundeneu goldenen Hochzeit ein Kapital von 3000 Mark mit der Bestimmung überwiesen, daß alljährlich am 18. Januar die Zinsen dieses Kapitals an die bedürftigen Weber-Waisenkinder, deren Väter in der Fabrik gearbeitet haben, zur Vertheitung kommen. - Von einem anderen Akte edlen Wohlthätigkeitssinnes wird aus Züllichau berichtet. Den Armen dieses Ortes hat nämlich in diesen Tagen aus Anlaß des 25jährigen Bestehens seines Bankgeschäfts der Bankier Herr Sigismund Born in Berlin 3000 Mark geschenkt und der jüdischen Gemeinde desselben Ortes eine gleiche Summe für Arme überwiesen. Ferner hat derselbe der Dorfgemeinde Radligar, dem früheren Wohnorte seines Vaters und seinem Geburtsort, 1500 Mark, der Stadt Bentschen, dem Geburtsorte seiner Mutter, und ebenso der Stadt Bomst, dem Geburtsorte seines Vaters, je 3000 Mark für die Armen überwiesen. Am 7. d. M. feierte in Leobschütz Herr Kommerzienrath Moritz Teichmann, der Vorsitzende des dortigen jüdischen Gemeindevorstandes, sein 50 jähriges Bürgerjubiläum. Der Jubilar betreibt seit dem November 1842 am dortigen Platze ein Kurz- und Weißwaarengeschäft. Er begründete 1855 seine Wottwaarenfabrik, die erste und damals die einzigartige Fabrik in Preußen, da nur noch ein Etablissement in Apolda ähnliche Arbeiten herstellte. Nicht nur nach europäischen Ländern, sondern nach allen Welttheilen werden gegenwärtig die Leobschützer Fabrikate versandt Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen verdanken dieser Industrie ihren Unterhalt. Mit der Geschichte der Leobschützer Wollwaarenindustrie wird der Name Teichmanns als Begründer derselben für alle Zeiten verbunden bleiben. Leipzig, 14. April. Am Dienstag fand hier die Prozeßverhandlung gegen die Redakteure der antisemitischen „Neuen Deutschen Zeitung" Dr. Erwin Bauer und Schroot wegen eines verschiedene Gerichtsbehörden beleidigenden Artikels über den kanten er Busch Hofs- Prozeß statt. Der Angeklagte Bauer machte bei seiner Vernehmung folgende Mittheilung: „Selbst habe ich die Artikel nicht verfaßt — auf

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