Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1893)
- Date
- 1893-04-21
- Page
- Seite 189 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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189 Dos klingt hig: man I düsteren lücks, daß durfte, ngen des phnt und jesetz den doch zu ein wenig befunden, ras; alles olkes sei. Ue konnte achten im nschen der Paradies licht enthnt wird, in einem muß es Herrschaft fromme» Märtyrer, ferstehen. hake der scht. In Einige se sei die eich aus ogma in! ergiebt es ganz imuthen. ng, und l jüdische persischen Darlehen Schöpfer nnt sein flich der rstehens. lnähernd hre vor n. Der drückung rter der i Leben, i." Die e seines Gottes,;. Von Gebenden ns nur eben erert von ierdurch Schule, einem metaphysischen Paradies etwa, welches die Langweile fast ebenso unerträglich wie die Hölle gestalten würde? Nein, diese Seelen bleiben am Leben, um mit den Heiligen zu regieren, um den Triumph der Gerechtigkeit zu genießen, den sie mit herbeigeführt, um Theil zu haben an dem Reiche Gottes, im Schooße einer wiedergeborenen Menschheit. Und das ist die Idee, durch welche die Welt bekehrt worden ist. Der Glaube an die Zukunft ist in das Menschengeschlecht gepflanzt worden durch ein Volk, welches ursprünglich am allerwenigsten an die Unsterblichkeit des Individuums geglaubt und welches sich am hartnäckigsten geweigert hatte, die Moral zu ködern durch falsche Wechsel auf ein Leben, das der Realität entbehrt. Das Entstehen einer solchen Idee darf man sich nicht vorstellen als die Verkündung eines durch eine unfehlbare Autorität beschlossenen Dogmas. Lange Zeit noch, oder vielmehr imnier, werden die Israeliten der alten Schule treu bleiben, d. i. den Unsterblichkeitsglauben als einen frommen Glauben ansehen, den man anerkennen, aber auch ablehnen darf. Die Sadduzäer werden unter diesem Gesichtspunkte der alten Ueberlieferung getreulichst anhängen. Israel wird fortfahren, sein Wunder zu leisten, welches darin besieht, ohne Unsterblichkeit vollkommene Weisheit hervorzubringen. Es wird immer Juden geben, die sich genügend entlohnt finden durch Reichthum, Wohlbehagen und Lebensfreuden; aber damals rang die Logik nach Befriedigung. Es war unmöglich, daß gerade dasjenige Volk, welches die ineiste selbstlose Thütigkeit entfaltet und zur Verbreitung des Uusterblichkeitsglaubens das Meiste beigetragen hatte, derjenigen Idee fremd bleibe, welche wir als eines der Lebenspostulate betrachten. Das lange Leben und der Reichthum, welche den; zweiten Jesaias noch als hinreichende Belohnung erscheinen, werden fortab als kindisch gelten. Denn täuschen wir uns nicht, den Menschen leitet einzig und allein der Gedanke an die Zukunft. Ein Volk, welches in Massen jeden Glauben an das, was nach dem Tode ist, abschwören wollte, würde seinen eigenen Niedergang besiegeln. Der Einzelne mag das Größte vollführen, ohne an die Unsterblichkeit zu glauben; aber mau muß an sie glauben für ihn und um ihn herum. In den Bewegungen einer Armee giebt es ja in der That einen persönlichen Math und eine kollektive Tapferkeit. Der Glaube an die Gloire, unsere Strebungen nach dem Ideal, sie sind eine Form des Unsterblichkeitsglaubens; sie lassen eine Menge von Dingen verrichten, deren Preis erst nach dem Tode behoben werden kann; jedes edle Leben ist zum großen Theile auf Grundlagen, die im Jenseits liegen, aufgebaut. Freilich der Glaube an die Gloire ist kompromittirt durch die historische Kurzsichtigkeit, welche in unfern Tagen vorwaltet. Nur wenig Leute richten ihr Thun und Lassen mit Rücksicht ans die Ewigkeit ein. Was mich betrifft, so gestehe ich, daß ich ernste Zweifel hinsichtlich der individuellen Unsterblichkeit hege; und gleichwohl habe ich bei jeder meiner Handlungen fast beständig die jenseits des Erdenlebeus liegenden Zwecke im Auge; ich liebe mein Werk, das hinter mir liegen wird, und mir scheint, als müßte ich daun mehr als jetzt leben. Aber solche Empfindungen werden imnier seltener. Alan will seinen Ruhm genießen; man verspeist ihn halmweise zu Lebzeiten und man wird ihn nicht in Garben einheimsen nach dein Tode. In meiner Geschichte des Ursprungs des Christenthums habe ich zu erklären versucht, wie der jüdische Auferstehungsglaube sich im H. und Hl. Jahrhundert des Christenthums mit dem platonischen Unsterblichkeitsdogma in einer Weise kombinirt hat, welche immer nur einen losen Zusammenhang ju bewirken vermochte. In der That ist es das platonische Dogma, was im Glauben eines Christen und eines sogenannten Spiritualisteu vorherrscht; die Auferstehung des Leibes ist nur mehr eine Verlegenheit, die man abschüticlt, wie ein! unnützes Kleidungsstück. Ich habe zu wiederholten Malen zu zeigen versucht, daß, wenn unsere aprioristischen Ideen über die Gerechtigkeit überhaupt einen Werth haben, die jüdischen Ideen bezüglich der Auferstehrmg mehr Wahrscheinlichkeit besitzen als die platonischen; Ideen, welche ans dem Jrrthum der Trennbarkeit der Seele beruhe». Hier ist nicht der Ort, um darauf näher einzugehen. Die jüdische Konzeption hat immerhin eine Seite, die sehr philosophisch ist; sie setzt voraus, daß der Mensch nicht unsterblich durch sich selbst ist, daß die Unsterblichkeit, wenn sie ihm beschieden, nicht von seiner wesentlich sterblichen Natur herrührt, sondern allein von der göttlichen Gnade, welche es als Ehrensache ansieht, gerecht zu sein. Es muß hier eben ein göttliches Wunder geschehen auf Kosten des Gesetzes, wonach Alles, was einen Anfang hatte, enden müsse. Wenn das Universum, nach Milliarden von Jahrhunderten zur Vollreife g langt, sich vornimmt, gerecht zu sein gegen jene unzählbaren Wesen, die bis dahin gelebt haben, so können wir uns die Wiederbelebung der Individuen nur auf analogem Wege vorstellen; und da der Traum einer Milliarde von Jahrhunderten nicht länger ist als der Traum einer Stunde, so würde das als in der Stunde des Todes selbst geschehen erscheinen, ln momento, in ictu oeuli. Indessen würden uns diese Träume zu weit führen. Und so kehren wir denn zu den heldenmüthigen Israeliten zurück, die sich knechten lassen für ein Gesetz, dessen einzige Entlohnung in einem langen Leben besteht. Nie wirv man es genau ermessen, wie furchtbar diese düster» Tage waren, da Antiochus Epiphanes der Rolle Nero's Vorgriff und die Religion, die er verfolgen wollte, unwillkürlich und unbewußt konsolodirte. Alles, was entsteht, entsteht in Krisen; was latent war und hervorzubrechen strebte, kann sich nur unter dem Drucke äußerster Nothwendigkeit entfalten. Der Jsraelitismus, starr festhaltend an der alten Doktrin, wonach der unglückliche Mensch ein Sünder sein müsse, kann nicht umhin zurückzuweichen und das Wort auszusprechen, das er seit Jahrhunderten auszusprecheu sich sträubte: „Das Leben ist ewig!" Der Messianismus, der Apokalyptismus, bis jetzt in ihrem Wachsthum zurückgehalten, werden fortab mit Riesenschritten vvrwärtseileu. Der Gräuel der Verwüstung hat den Zorn auf den Gipfelpunkt getrieben. Hoch die Exzesse! Dreimal hoch die Märtyrer! Sie sind es, lvelche die Menschheit aus ihren Sackgassen führen, die Idee aufstellen, wenn sic sich aus ihren Zweifeln nicht losznringen vermag, und die da lehren das wahre Wort des Lebens, das Streben »ach abstrakten Zielen, die wirkliche Ursache der Unsterblichkeit. FEUILLETON Kagar. Eine schwäbische Dorfgeschichte von E. Be ly. (Fortsetzung.) „Bartel," jagt Lea und blickt schüchtern zu dem Bruder auf, „da, hier in dem Lödle, das ist nimmer gut für Dich!" Er hört das aber nicht, denn das graue Papier macht ihm zu schaffen, er nestelt allerhand daraus hervor, Kleiderstoff für Mutter und Schwester, eine seidene Schürze und graue, zwirueue Handschuh, wie er selber welche vorhin verlangt hat. „Baruchlebeu," sagt die Mutter, „bist eingroßer Mann geworden drinnen in der Stadt? Schau, zu glit ist's für uns, viel zu gut!" lind dann sitzt der Heinigekehrte an der Seite von Frau Sarah auf demselbigen Hockerle nieder, das er als Kind benutzt hat, und