Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1893)
- Date
- 1893-04-21
- Page
- Seite 187 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Größen bc= >audel unb — obgleich chlerhaftes. ntisemiteujusammen- »nd dem ist ege ttern mein in Elsaßdaß von t und verirde. Bon ine Pflicht, nd das Ernserer Anerbesseruug ndig, und i erreichend rsten diesen Rede sein wird un^ daß w'u Denen, daß chm Reiche mter ihren ff die Beindlich rein > gesagt ist, überhaupt. Lothringen immte faß oder söge uze Allzahl hillreichen, n. Dahel ettelei ihrc ettelei eil; g erachten on in ver also nicht en Hilft m Frau! tel ist eil! nt worden Verwalter, ettelei imricmn, Ge- Verarmung Mein ich ziehe es doch vor, mich an die Autorität der eben angeführten Schriften zu halten und nach wie vor der Meinung zu bleiben, daß die Wanderbettelei allerdings ein Uebelstand ist, dem nach Kräften gesteuert werden muß. Schwieriger jedoch ist ein zweiter gegen mich erhobener Einwand zu widerlegen, nämlich der, daß die meisten hier zu beobachtenden Wanderbettler nicht Einheimische, sondern Ausländer seien. Denn um diese Frage definitiv zu entscheiden, müßte man über ein ausgiebiges statistisches Material verfügen tonnen, welches aber bei der jetzigen Lage der Dinge nur sehr schwer oder überhaupt nicht zu erlangen ist. Ich muß mich also darauf beschränken, die Zahl derjenigen Wanderbettler anzugeben, welche in ben einzelnen Monaten des vorigen Jahres die Unterstützungst'asse in Gebweiler in Anspruch nahmen, und will dabei bemerken, daß ich diese Angaben dem Herrn Borsänger Wolf, Schriftführer der dortigen Unterstützungskasse, verdanke. Ich bin mir sehr wohl bewllßt, daß das, was für Gebweiler, nicht nothwendigermaßen für ganz Elsaß-Lothringen Geltung haben nmß. Denn es ist sehr wohl möglich, daß viele Ausländer wohl nach dem Elsaß, aber nicht nach Gebweiler kommen. Demgegenüber ist jedoch auch zu bedenken, daß Gebweiler, weil es schon etwas abgelegen ist, auch von einer großen Anzahl von elsässischen Wanderbettlern nicht aufgesucht wird, so daß sich also die Sache schließlich doch wieder ausgleicht. Ferner darf nicht vergessen werden, daß von den Einheimischen weitaus die meisten in jedem Monat wiederkehren, was bei den Fremden keineswegs der Fall ist. Jene sind also gewohnheitsmäßige Schnorrer, diese dagegen zumeist nur durch irgend einen Zufall zum Betteln gezwungene Leute, welche mit Leichtigkeit wieder zu ehrlicher Arbeit veranlaßt werden könnten. Ich lasse nun hier die erwähnte Liste folgen: Monat Einheimische Fremde Januar . . . 24 21 Februar . . . 28 17 März .... 43 12 'April .... 21 19 Mai .... 39 28 Juni .... 32 16 Juli .... 42 16 August . . . 50 36 September . . 28 21 Oktober . . . 24 13 November . . 31 19 Dezember . . 28 5 Man sieht also, daß in jedem einzelnen Monate die Zahl der Einheimischen die der Fremden bei Weitem übertrifft. Aber selbst wenn das Berhültniß ein umgekehrtes wäre, so würde das noch lange nicht die Nothwendigkeit einer Verbesserung der jetzt herrschenden Zustände ausschließen. Denn auch ich huldige dem Grundsätze, der unlängst von gewisser Seite gegen mich ins Feld geführt wurde, daß man nicht erst eine Untersuchung anstellen solle mit dem, der uns um ein Almosen bittet. Sei es ein Elsässer oder ein Russe, ein Ungar oder Galizier, sei es ein Christ oder Heide, der sich in Noth befindet, wir wollen ihm unsere Hilfe nicht verweigern. Aber, und das muß eben für jeden wahren Menschenfreund das Wichtigste sein - es soll diese Hilfe nicht blos zu einer momentanen, sondern zu einer wirksamen und dauernden werden. So kommen wir denn fast wie von selbst zur Beantwortung unserer zweiten Frage: Wie ist eine Verbesserung der jiidischen Armenpflege in Elsaß-Lothringen zu bewerkstelligen? Der Zweck einer jeden Organisation der Armenpflege, und so auch der von uns geplanten, muß ein doppelter sein; sie hat einerseits Personen, welche der Verarmung nahe oder bereits Dämmt sind, Schutz und Aufhilfe zu gewähren und andererseits die Wander- und Hausbettelei nach Möglichkeit einzuschränken. Nun mag dieser! Doppelzweck in größeren Städten, wo die Besitzlosen gegenüber ben; Besitzenden immer nur einen geringen Prozentsatz ausmachen, schon! durch eine Unterstützungskaffe erreicht werden können. Keineswegs! aber ist dieses in kleineren Gemeinden der Fall. Denn hier erfordert : es schon für die nicht geradezu Verarmten besonders bei den jetzigen! schlechten Zeiten der äußersten Anstrengung, um sich zu ernähren, sodaß eine hinlängliche Unterstützung hilfsbedürftiger Gemeindemitglieder : in den allermeisten Fällen ganz unmöglich ist. Daher bin ich denn | auch jetzt noch der Ansicht, daß dieses Resultat nur durch ein Zusammengehen aller in Elsaß-Lothringen wohnhaften Israeliten zu erj zielen ist. Ein Anfang dazu ist ja bereits gemacht. Die israelitische Gemeinde von Mülhausen versendet allmonatlich in sümmtliche umliegenden Gemeinden eine gewisse Unterstützungssumme. Dasselbe höre ich auch von Basel, und so wird es wahrscheinlich auch noch in; anderen Gemeinden der Fall sein. Man wolle mich nun aber nicht mißverstehen. Es ist nicht ein ' „Centralverband zur Unterstützung durchreisender Armen", den ich im Auge habe, sondern mein Plan ist, wie ich noch einmal kurz hervorj heben will, folgender: Ich betrachte ganz Elsaß-Lothringen als eine große Stadt und die einzelnen Gemeinden als deren Reviere. Nun handelt es sich zunächst darum, die hier ansässigen Dürftigen zu unterstützen. Dazu sind aber zwei Dinge nothwendig: erstens die ' Unterstützungsmittel und zweitens die Bekanntschaft mit denjenigen Personen, welche eine Unterstützung bedürfen. Die Mittel sind aus monatlichen resp. jährlichen Beiträgen zu beschaffen, und zwar können als Beitragende sowohl Einheimische als auch Ausländer ausgenommen werden. Die Verwaltung dieser Gelder füllt zunächst einem hierzu; bestimmten Centralkomitee anheim, außerdem aber ist auch den; einzelnen Lokalkomitees eine gewisse Unterstützungssumme zur Ver-! fügung zu stellen, welche theils aus den einkassirten Lokalbeiträgen, > theils aus Zuschüssen vom Centralkomitee genommen werden kann. : Die zweite Anforderung, die Recherchirung der Hilfsbedürftigen, - kann nur durch die Mitglieder der Lokalkomitees erfüllt werden.! Aber auch das bietet keinerlei Schwierigkeiten. Denn die jüdischen i Gemeinden in Elsaß-Lothringen sind im Allgemeinen so wenig zahli reich, daß deren Mitglieder so wie so über die gegenseitigen Verj mögensverhültnisse genau Bescheid wissen, und in den paar größeren ■ Städten, wo dies weniger der Fall ist, könnte es leicht durch die Eintheilung in mehrere Bezirke mit einem oder mehreren Rechercheuren erreicht werden. Die Aufgabe dieser Lokalkomitees würde also darin; bestehen, 1. die Beiträge der ihnen unterstellten Bezirke einzukassiren, wobei noch zu bemerken ist, daß ein Bezirk sich nicht nothwendig aus eine Gemeinde zu beschränken braucht; 2. die Bedürftigen zu ermitteln und denselben Hilfe zu gewähren, d. h. bereits Verarmten j und Erwerbsunfähigen das m ihrem Lebensunterhalte Nothwendige zu verschaffen, solchen Personen aber, die der Verarmung nahe sind, die zu ihrem Fortkommen nöthigen Mittel als Darlehn zu : gewähren. Das Centralkomitee dagegen hat die ganze Organisation zu überwachen, verfügt über die ihm von den Lokalkomitees zugeheuden Ueberschüsse, nimmt die durch Geschenke oder sonstige Zuwendungen i dem Hilfswerke zufließenden Geldmittel in Empfang und hält, tote übrigens auch die Lokalkomitees, regelmäßig Sitzungen ab. Ich bin nun durchaus nicht der Meinung, daß gleich in der ersten Zeit nach Schaffung einer solchen Einrichtung die Wanderbettelei selbst von seiten der elsässischen Armen aufhören würde, i Soviel aber kann mit Sicherheit behauptet werden, daß dieses Nebel