Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1893)
- Date
- 1893-04-21
- Page
- Seite 185 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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185 ,'lbstständig i flav nicht bzuändern. geschlossen, ie sich für r Verfasser Gemeinde- Mitglieder tet, welche haben und Kraft und Zemeindeich einmal lionen. cschienene» Welche» daß unser, en kaufen werdiente» ie Beweis st, habe» isemitischtl ein Artike n Staats : Aufmerk n Schrif schaftliche, )ie Schrift Verfasse Antisenn >aß er al nalstatisti temerkung deutsche» >er beide» :n wäre» zuforsche» deutschen >er wird e.- der nid); >ert habe», nach Kon : auf di leisen will, ngen redi! t sei, wie senschafteu Ergebnisse. Zahlen z» Aber so ganz richtig ist es nicht. Selbst in der unbelebten Natur trifft es nicht zu. Wenn Sie heute in Ihrer Zeitung lesen, daß die Temperatur so und so viel Grad unter der „Normaltemperatur" war, so ist diese Normaltemperatnr nur der Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Ist dieser Durchschnitt aber eine Norm? Wenn es schon schwierig ist, die Normaltemperatur festzustellen, so können sich Ihre Leser denken, daß es noch bei Weitem schwieriger ist, den Normalinenscheii zu fassen. Etwas Unbelebtes läßt sich zur Noth als Zahl denken, der Mensch ist schließlich keine bloße Nummer. Menschen als Gegenstand der Statistik zu behandeln, heißt aber sie wie Nummern, wie Zahleneinheiten behandeln. Bis zu einem gewissen Grade ist es wahr, daß die Mensche» gewissermaßen Nummern sind, daß sie unter ähnlichen Verhältnissen gewisse Aehnlichkeiten in ihren Neigungen und Handlungen, und deshalb auch in ihren strafbaren Handlungen anfweisen. Und die Kunst des Stastikers besteht darin, die Eigenschaften zu ermitteln, durch die eine Anzahl Menschen in einer bestimmten Gattung von Handlungen oder Zuständen Aehnlichkeiten aufweise». Der .Kriminalstatistiker hat also die Aufgabe, festzustellen, in wie fern die Verbred)eu mit den Eigenschaften bestimmter Klassen von Menschen Zusammenhängen. Um mich nicht zu lange in dem verschwommenen Gebiet der Abstraktionen zu bewegen, greife id) ein paar Beispiele heraus. Nach den Angaben unserer Kriminalstatistik sind die Katholiken in größerer Zahl an Vcrbredien betheiligt als die Protestanten. Es waren zum Beispiel nach der amtlichen Statistik in Deutschland bestraft von je >00,000 im Jahre Katholiken Protestanten 1882 873 075 1883 787 668 1884 834 689 1885 83ü 070 1886 838 090 Es faßen in Preußen am 1. Dezember 1885 im Zuchthaus Katholiken Protestanten 7783 12,038 Vom ersten Dezember 1885 bis 1. Dezember 1880 ivaren in Preußen im Zuchthaus Katholiken Protestanten 11,833 17,075 dagegen verhielt sid) die Zahl der katholischen Einwohner zu den protestantischen 1885 wie 340 : 644. Danach waren die Katholiken sowohl nach der Zahl als nach oer Schwere der Verbrechen stärker betheiligt als die Protestanten. Ich habe wohl nicht nöthig, «uszuführe», daß im Osten unserer Monarchie, welcher ärmer und weniger entwickelt ist als die übrigen Lheile unseres Vaterlandes, mehr Verbrechen begangen werden, und daß in diesem Osten die Zahl der Katholiken zufällig groß ist. Der rheinische Katholik neigt durchaus nicht mehr zu Vergehen als der protestantische Schlesier. Während also scheinbar die Neigung zu Verbrechen nach der Religion bei Protestanten und Katholiken ehr verschieden ist, hat das mit der Religion gar nichts zr> thuü, ümdern mit der örtlichen Verthei tung. Hieraus kann man schon Zweierlei sehen: Einmal negativ: wie ehr die Religion als Spitzmarke täuschen kann. Zweitens positiv: daß der Wohnsitz einen höchst bedeutenden Einfluß auf die Kriminalität hat. Dieser Satz ist gewissermaßen das A B C der Kriminalstatistik. Der Verfasser jenes antisemitischen Pamphlets weiß aber von der Bedeutung des Thatorts niä)ts, weuigsteus ist in seiner Lchrift dieser wichtige Punkt nidji berührt. Gerade die Verschiedenheit des Wohnsitzes muß aber bei den Juden Neigung zu anderen Verbrechen Hervorrufen, als den durchschnittlich von der Bevölkerung bevorzugten. Die Vertheilung der Provinzen spielt hierbei weniger mit, obgleich es natürlich nicht ganz bedeutungslos ist, daß im „gemüthlichen Sachsen" im Verhältniß weniger Juden wohnen als in der Provinz Posen. Sehr bedeutungsvoll ist aber, daß die ganz überwiegende Mehrzahl der Juden in den Städten wohnt. Der Städter hat eine andere Kriminalstatistik als der Landbewohner, und es wird Ihre Leser sicher nicht wundern, daß die Juden an Forstdiebstählcn und dergleichen nur auf dem Lande möglichen Vergehen sehr schwach betheiligt sind. Auf der anderen Seite haben sie natürlich einen stärkeren Antheil an solchen Vergehen, die nur in der Stadt verübt zu werden pflegen. Zu diesen gehört ganz besonders die Kuppelei; wie großstädtisch gerade dieses Verbrechen ist, mögen Sie daraus ersehen, daß auf Berlin, das etwa Vao der ganzen Bevölkerung Deutschlands umfaßt, jährlich aller Vernrtheilunge» wegen Kuppelei entfallen. Da die Juden in Berlin reck)t zahlreich vertreten sind, nehmen sie an diesem Vergehen natürlich einen verhültnißmäßig größeren Antheil. Ans diesen Antheil will ich aber deshalb zahlenmäßig eingehen, weil er ein geradezu klassisches Beispiel bietet, tvie vorsichtig man mit Zahlen sein muß. Es wurden also in dem Jahre 1887 tvegen dieses Deliktes bestraft Christen Juden in Berlin. 1408 48 INI übrigen Deutschland . . 4054 85 Summa 5522 78 In Berlin besteht Voo der Bevölkerung aus Juden, im übrigen Deutschland (d. h. Deutschland abzüglich Berlins Einwohnerschaft) machen sie 'üi der Bevölkerung ans. Mithin durften Inden bestraft sein: in Berlin. 1468 20 73 (statt 43) im übrigen Deutschland . 4054 90 45 ( „ 35) In beiden Landestheilen ist der Antheil der Juden also unter dem Durchschnitt. Rechnen wir aber die Zahlen für ganz Deutschtand, so haben Sie 78 bestrafte Juden statt 69 (.5522 20 69); also in ganz Deutsck)land sind sie etwas über den Durchsck)nitt wegen dieses Vergehens bestraft. Sie haben hier also das rechnerische Kuriosum, aus der Addition von zwei Minus ein Plus zu erhalten. Daß hier etwas hapert, ist klar, und trotzdem sind alle Zahlen korrekt. Der Rechenfehler liegt hier aber darin, daß Brüche durch getrennte Addition ihrer Zähler und Nenner addirt sind. Abgerundet betrug in Tausenden die Zahl der Christen die Zahl der Juden in Berlin. 1500 75 im übrigen Deutschland . 45000 500 in ganz Deutschland . .- 46500 575 dann würde, da auf Berlin ca. ' 4 aller Fülle des in Frage stehenden Delikts fallen, die Zahl der von Juden begangenen Delikte bei gleicher Kriminalität beider Religionsgemeinschaften folgende Theilc der Gesammtziffer ausmachen dürfen in Berlin.iSo X 4 SO im übrigen Deutschland.X | cr\ s öOÜ 4- 75 . 1 -f- 3 1 m 9mis S,»l»tab. 450ÖÖ4-150Ö X .= 8» In ganz Deutschland also V*»), wenn man ganz Deutschland als ein Gebiet behandelt, dagegen Vao + Vlso V.i8, wenn man die Resultate getrennt ermittelt und addirt. Hier liegt die Fehlerquelle klar zu Tage; cs ist einfad) unsinnig, den Berliner Juden, der **> Ehrist ist, und den Nick)tberliner, der V<>o Ehrist bedeutet, als äquivalent