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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-04-21 · Heft 16 (21.4.1893) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 16 (21.4.1893)
Date
1893-04-21
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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183 18. April, esten und hem Alter Paris gewird sie , im nord- £r studirte r Morales. endlich Zm selben Im Jahre ^rthätigkeii tglied der folger von orlesungen iarthelemp der alten tatnrnnd er Schrift^ in Paris iffenschaft geblieben lilosopliir ses Werke^ it galt bi; taugen Nystik sein )stadt uub rsetzte und r Kabbalc ten wollte en ja dazr schichte hm > Verdiells cks Grund eptnaginto öeisheit zr roastrischei vor Allen Religion^ i jüdischer ni Auflag üissenschaf Z-rage naä setzung dee ffophie ge 18IN6 .jugi l'Europe. ailo8opki ^orall8tclictionaii 75, welche? rausgab. erwähnen, über die Geschichte der Juden und über die jüdisch - arabische Religionsphilosophie niedergelegt hat. nämlich „Etnde orientale“, Paris 1861, und „Philosophie et Religion“, Paris 1869. Adolphe Franck war ein angesehener Mann in Frankreich. Sein Wort galt viel und er erhob dasselbe jederzeit mit voller Kraft, so oft es galt, die Idee des Gottesglaubens gegen Atheismus und Materialismus, den Gedanken der Humanität gegen Nationalitätsdünkel und Antisemitismus würdig zu vertreten. Er selbst war Präsident der Friedens-Gesellschaft und redigirte noch in hohem Alter das Organ derselben „Ln pnix sociale.“ Und was für uns das Wichtigste ist: Adolphe Franck war ein überzeugungstreuer Jude, der an allen Sorgen und Interessen unsrer Glaubensgemeinschaft regen Antheil nahm, der, so oft das Judenthum angegriffen wurde, mit Entschiedenheit für dasselbe eingetreten ist. Jahre lang bekleidete er das Amt eines Vice-Präsidenten des französischen Eentral-Konsistoriums; seit 1848 trat er wiederholt gegen die überhandnehmende antisemitische Bewegung auf. Das Wesen dieses ausgezeichneten Mannes, seinen Geist und sein Lebenswerk hat ein würdiger Altersgenosse, Jules Simon, in einem Nachruf auf beu Verblichenen sehr treffend in folgenden Sätzen ausgedrückt: Er predigte stets hohe Moralität und die Pflicht des Glaubens an die Unsterblichkeit der Seele. Er lehrte das (besetz der Humanität, des Vaterlands und Gottes. Wenn ich zll sprechen hätte an diesem Grabe, so würde ich blos diese zwei Worte sagen: Mancher Andere hat mehr (Geräusch gemacht, aber kein Anderer hat mehr Gutes gethan im Leben! U Nie Gemeindesteuer. Berlin, 16. April. Eine der schwierigsten und wichtigsten Fragen des Staatswie auch des Gemeindelebens ist die der gerechten Vertheilung der Steuerlasten. Wir haben darum der Sitzung der Repräsentanten, in welcher der neue Steuermodus der hiesigen Gemeinde beratheil wurde, eine besondere Aufmerksamkeit gewidniet. Und aus demselben Gnmde veröffentlichen wir auch heute die Zuschrift eines angesehenen Kemeindemitglieds über diese Angelegenheit, obwohl wir weder mit den Ausführungen noch mit den Schlüssen dieser Zuschrift einverstanden sind. Aber durch die Debatte klären sich die Ansichten, und auch die Steuerfrage hat ja eine weit über den lokalen Gesichtspunkt hinausgehende Bedeutung für alle deutschen Gemeinden. Die Zuschrift lautet: In der Sitzung vom 2. März haben die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde beschlossen, Mitglieder der Gemeinde, welche ein Einkommen unter 1200 Mark haben, zu den Gemeindesteuern nicht heranzuziehen, ihnen hierfür aber das Wahlrecht zu nehmen. Wenigstens meldete dies der Gemeindebote der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums". Es ist die leidige Folge des Antisemitismus, unsere Aufmerksamkeit von unfern eigenen Angelegenheiten abzupehen; hier liegt aber ein Beschluß vor, daß lvir — trotz Ahlwardt — Zeit finden rnüssen, ihn uns näher anzusehen. Ob die Repräsentanten zu diesenl Beschluß juristisch berechtigt waren, lasse ich dahingestellt; die moralische Berechtigung bestreite ich. Der Beschluß widerspricht zunächst den Zeitideen. Im Augenblick, wo der Staat nicht gezahlte Steuern als gezahlte fingiren will, um den ärmeren Klaffen ihr Wahlrecht nicht zll entziehen, sollte die jüdische Gemeinde nicht ulngekehrt handeln. Der Beschlllß ist aber auch unjüdisch. Unter den Gebräuchen unserer Vorväter ist die sinnige Vorschrift hervorzuheben, daß Arm und Reich bei der Zählung des Volkes die kleinste Münze als Steuer zu entrichten hatte. So sollte Jeder sich als Glied des Ganzen fühlen. Uttb wenn wir voll dem einzelnen Gebrauch absehen, ist das Grundwesen des Judenthums so durchweg demokratisch, so sehr, namentlich auch plutokratischeil Ideell feindlich, daß es dllrch den Beschluß der Repräseutallten ignorirt und geschädigt wird. Die unmittelbare Wirkung des Beschlusses besteht darin, unfern ärnleren Glaubensgenossen ihr Wahlrecht zu entziehen. Gerade deren Interesse aber können wir am wenigsten entbehren. „Gewissens' bedenken gegen die Zumuthung, Steuern zu zahlen, sind bisher meift nur bei Personen hervorgetreten, die Millionäre waren oder es werden rooÜieit; nur aus diesen Kreiserl haben wir Ueberlällfer verloren. Die arme Bevölkerung aber stand treu zur Fahne, sie hat nicht nur ihre Steuern bezahlt, fonbern häufig noch die Mittel für den Religionsunterricht und Gottesdienst aufgebracht, für welche nicht überall nach Bedarf gesorgt war. Die jüdischen Gemeillden sind in ihrer Mehrzahl so klein, daß sie auf den guten Willen ihrer kapitalkräftigeren Mitglieder angewiesen sind. Hierdurch sind die reicheren Gemeindernitglieder häufig zu einer ausschlaggebenden Stellung gelangt. So lange Arm und Reich gegenüber den Anfeilldungen von Außeli treu zusammenhielt, inochte das hingehen. Die Zeiten haben sich aber geändert, wir habell schlechte Erfahrungell gemacht. In den Kreisen der Aermeren ist eine gewisse Erbitterung eingetreten. Der Neid, den der reiche Jllde erregte, findet seinen Niederschlag als Ailtisemitismus. Ali diesem hat aber — und das ist eine der vielen Dummheiten des Antisemitismus — gerade der arme Jude besonders schwer zu tragen. Aus diesen Gefühlen ist die Oppositioll gegell die Gemeindebehörden hervorgegangell. Sie hat sich ilicht nur in lmserer Gemeinde, sondern mehr oder weniger in allen größeren Gemeinden fast zu derselben Zeit gezeigt, ein Beweis, daß es sich durchaus nicht um persönliche, sondern uin sachliche Fragell handelte. Nicht der sollte mehr gewählt werden, der ein angesehener Mann war, sondern der sich als treuer Jude ertinefen hatte. Ich bestreite nicht, daß unter beit alten Neuerern eine ganze Menge guter Juden war, wie unter den neuen ALtell gewiß auch mancher Ehrgeizige. Keine Bewegung ist eben abstrakt logisch. Aber unter beit Wählern der neuen Alten war sicherlich das Gefühl vorherrschend: „Nicht angesehene Judell, sondern treue Juden". Unb unter den Gegnern: „Nicht unbekannte Größen", sondern Leute die auch sonst im Staat und der bürgerlichen Gesellschaft angesehen sind. Darum handelte es sich; nicht um den Kampf von „Orthodox" und „Liberal", sondern von Berlin Ost ulld Nord gegell Berlin West. Unter diesen Umständen kann der erwähnte Gemeindebeschluß nur als ein verhänguißvoller bezeichnet werden. Ich will nicht sagen, daß die Mehrheit, die den Beschluß gefaßt hat, eine gegell die Armen gerichtete Tendeilz verfolgt; ich glaube vielmehr, daß diese Mehrheit in ihrer Mehrheit solche Absichten nicht gehabt hat. Aber der Schein wird doch erregt, als sei derartiges geplant. Und selbst dieser Schein sollte vermiedell werden. d Soweit die Zuschrift. Wir haben zur Erwiederung derselben vor Allem zu bemerken, daß sie von einem großen Mißverständniß ausgeht. Es handelt sich keineswegs darunl, den Armen das Wahlrecht zu nehmen, fonbern vielmehr die Armen zu entlasten. Wer seine 6 Mark bezahlt, der kann das Wahlrecht ausüben. Auch sind nicht einmal eo ipso alle Mmderbegüterten steuerfrei, fonbei'u nur Diejenigen, die beu Antrag hierauf stellen! Das ist ein großer, wohl zu beachtender Unterschied. Wenn der Herr Einsender bei all' diesen aber Umfrage halten wollte, was ihnen lieber sei: das Wahlrecht oder die Steuer-Entlastung, so wird er — wie wir glauben —

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