Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1893)
- Date
- 1893-04-14
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 schule war von 382 Knaben und 210 Mädchen besucht. Dem Programm geht eine werthvolle Abhandlung des Oberlehrers Gustav Wertheim: „Tie Arithmetik des Elia Misrachi" voran. — Auch die Talmud-Thora- Realschule zu Hamburg erfreut sich einer wachsenden Frequenz. Ter Bericht über das Schuljahr 1892 -1893 enthält eine gelehrte Abhandlung von Dr. S B. Nathan: „Die Tonzeichen in der Bibel." — Die Samson-Schule zu Wolfenbüttel hatte 118 Schüler, darunter 97 Hausschüler, von welchen 21 Freizöglinge waren. Das Kuratorium hat den Beschluß gefaßt, auf einern außerhalb der Stadt, in freier und gesunder Lage befindlichem Platze einen Neubau der altberühmten Schule, die unter der vortrefflichen Leitung des Direktors Tachau steht, aufzuführen. — Tie Jakobsohn-Schule zu Sesen hatte 237 Schüler, von denen 152 dem Alumnat angehören; der Religion sind 125 jüdische und 112 christliche Schüler. Die Anstalt, die unter der Leitung des bewährten Pädagogen Dr. Philippson steht, hat ihren Lehrplan durch die Pflege des Jugendspiels und des Synagogen-Gesangs wirksam erweitert. — Die israelitische Religionsschule in Frankfurt a. M. hat im verflossenen Jahre ein neues Schulgebäude errichten können. In dein verflossenen Schuljahr nahmen an dem Unterricht 335 Zöglinge Theil. In der Vorbereitungsschule für den rabbinischen Beruf wurden 10 Zöglinge unterrichtet. Leiter der Anstalt ist Herr Rabbiner Dr. Horovitz — Der Jahresbericht der Religions- Unterrichts-Anstalt der Synagogen-Gemeinde zu Breslau, erstattet von dem Dirigenten der Schule Dr. Samuelsohn, enthält zunächst eine wirkungsvolle Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal über die Ziele des Religionsunterrichts. In den neuen Klassen der Anstalt wurden 295 Schüler und Schülerinnen unterrichtet. — Das Programm der israelitischen Religionsschule zu Bonn, welche der Rabbiner Dr. F. Cohn leitet, enthält einen kurzen Beitrag zu der Geschichte der Schule, die von 160 Schülern und Schülerinnen besucht wurde. — Berlin, 11. April. Oberhalb des Eingangs zum Hause am Pariser Platz 6a ist jetzt eine schlichte gußeiserne Gedenktafel zur Erinnerung an Giacomo Meyer beer (gestorben 1864) befestigt worden. Die Inschrift lautet: „Giacomo Meyerbeer, geboren am 5. September 1791 zu Berlin, wohnte in diesem Hanse von 1848 bis 1863. Seinem Gedächtniß die Stadtgemeinde Berlin. 1893." * Berlin, II. April. In der am Grünen Weg belegenen Synagoge der Gemeinde Bne Brith ist in der Nacht vom Freitag auf Sonnabend ein Einbruch verübt worden. Die Diebe haben sich durch Aushebung eines Fensters Zutritt zum Tempel verschafft uud Silbergegenstände im Werthe von 900 Mark gestohlen. Unter den entwendeten Sachen befinden sich eine mit einem Adler verzierte Krone, an der oben und innen Klingeln angebracht sind, ein Schild mit verstellbarem Festtagskalender, eine silberne Hand, ein Becher und eine Büchse. Auch die Sammelbüchse ist erbrochen worden, doch haben die Diebe in ihr nichts gefunden, da der Vorstand der Gemeinde der Büchse mit Abend vor dein Einbruch die hinterlegten Opserspenden entnommen hatte. Von den Dieben ist vorläufig keine Spur gefunden worden. Vor einigen Jahren ist die Synagoge bereits geplündert worden, ohne daß es gelungen wäre, der Diebe habhaft zu werden. r. Wollstein (Prov. Posen), 9. April. Ein Bild des hier herrschenden konfessionellen Friedens bot die Feier am 4. und 5. d. Mts. zu Ehren des aus seinem 'Amte als Landrath des hiesigen Kreises scheidenden Wirklichen Geheimen Rathcs und bekannten Parlamentariers Freiherrn von Unruhe-Bomst. Wir beschränken uns hier auf die Mittheilung derjenigen Momente dieser erhebenden Feier, welche die Leser der „Allg. Zeitung des Judenthums" interessiren. Am 4. April Abends wurde dem allgemein beliebten Landrath von sämmtlichen Vereinen und Innungen der Stadt ein imposanter Fackelzug gebracht. Nachdem einige Gesangvereine ein Lied gesungen hatten, wandte sich der stellvertretende Bürgermeister unserer Stadt, unser Glaubensgenosse, Dampfziegelei-Besitzer S. Krause von hier, in einer warm empfundenen Ansprache an den Gefeierten, welcher mit seiner Familie und einigen hochstehenden Staatsbeamten, darunter der ehemalige Oberpräsident der Provinz Posen und nachmalige Kultusminister Graf Zedlitz-Trützschler, vom Balkon seines Hauses die Ovationen entgegennahm. Zweitausend Zuhörer lauschten dieser mit warmer Begeisterung vorgetragenen Ansprache, welche die Gefühle der Bürgerschaft der Stadt und der Insassen des Kreises beim Scheiden des Gefeierten schilderte. Der Redner betonte unter Anderem! auch das Verdienst des Scheidenden uni die Erhaltung des religiösen! Friedens im Kreise und stattete demselben dafür seinen tiefempfundenen Dank ab. Sichtlich gerührt erwiederte Herr von Unruhe-Bomst und erkannte dankbar die Verdienste des Redners an, der — obwohl vielbeschäftigter Kaufmann — ohne jede Entschädigung ein Jahr lang in mustergiltiger Weise das Gemeinwesen der Stadt leitet und bei allen! Bekenntniffen uneingeschränktes Lob erntet. Tags darauf dankte Herr v. U. dem Redner noch einmal und diesem Danke schlossen sich beim! Festmahle zu Ehren des Scheidenden die obengenannten hohen Staats- 1 beamten, insbesondere Graf Zedlitz-Trützschler, in warmen Worten an Die schönste Erinnerung für den Festredner Herrn Krause und für uns, seine Glaubensgenossen, empfing derselbe aber in Gestalt eines vortrefflichen, mit schönem Rahmen versehenen Bildes, das ihm Herr v. Unruhe- Bomst mit einem außerordentlich schmeichelhaften Schreiben zusandte. — Samter, 10. April. Am Sonntag den 2 er. fand hier! unter reger Betheiligung hiesiger Gemeindemitglieder die öffentliche! Prüfung in der jüdischen Religionsschule statt. Laut dem aus-! liegenden Berichte zählt dieselbe z. Z. 3 Atlassen mit ca. 100 Zöglingen,! welche fast die gesammte schulpflichtige Jugend der Gemeinde repräsen- | tiren, und wird vorn Gemeinde-Rabbiner Dr. L. Wreschner dirigirt! Demselben stehen die beiden Eleruentar-Lehrer sowie ein Kuratorium! von 7 Vätern als Verwalter zur Seite. Die 3 ständige Prüfung, welche : mit der Vertheilung von Prämien und einer Schlußansprache des Dirij genten endete, ergab durchweg günstige Resultate, besonders in den ver-! schiedenen Zweigen des Hebräischen, der Religionslehre und jüdischen Ge j schichte. — Von der weiteren Verfolgung der bekannten antisemitischer,! Affaire, welche am 18. Dezember vorigen Jahres fich Hierselbst zutrug. > rvurde infolge wiederholter Deprekation, welche der Exzedent den, Rabbiner, dem Gerrreindevorsteher sowie derr unmittelbar angegriffenen Personen schriftlich wie rrründlich entgegenbrachte, definitiv Ab stand genommen E. Breslau, 10. April. Zu dem Artikel in Nr. 11 der „Allgeru. Zeitung des Judenthurns", den Fall Frankenstein betreffend, ist aue authenlischer Quelle nachzutragen, daß das betreffende Mitglied, welches den Beamter! beleidigt hatte, zu 60 Mark Geldstrafe verurtheilt worden ist. Die Publikation des llrtheils erfolgte im Kreisblatt von Franken stein. Gegenwärtig schwebt noch ein Beleidigungsverfahren gegen bei Herrn, welcher jenen Akt des thätlichen Angriffs ausübte. Der Ausgang des Prozesses wird seiner Zeit berichtet werden. Ein Beweis dafür, daß die Sympathie der Außenwelt auf Seiten des Beamten ist, liegt darin daß die Gemeinde bis heute noch keinen Ersatz gefunden hat. 53 Hildesheim, 10. April. Gestatten Sie mir, Jhnerr davor Kenntniß zu geben, daß anläßlich der am 3. d. M. stattgehabten Ge ineinde-Bersammlung der Vorsitzende, HerrAugust Dux, fich über der laufenden Jahresbericht verbreitete u. A., auch der antisemitischen Verve gung entsprechende Worte widmete. Hierbei wurde und konnte erfreu licher Weise betont worden, daß es noch irnrner charaktervolle Männe, giebt, welche im gegebenen Momente offen und ehrlich Stellung zu nehmen wissen. Ein. solcher Mann ist der Herr Oberbürgermeister Struck mann, unser Mitbürger, Mitglied des Herrenhauses. So handelte sich, wie bekannt, in einer Sitzung des Herrenhauses vom 22. v. M. un Einbringung resp. Prüfung durch eine Kommission des Talmuds, sorvi der jüdischen Geheimlehre. (?) Das manrrhafte Auftreten dieses edler Mitbürgers rvurde von allen Anwesenden in dankbarer Weise anerkarnu die auch dadurch noch vermehrt wurde, daß sich die Gemeinde ruitglieder zu Ehren dieser hurnanen Gesinnung von ihren Plätzen er hoben. Der Gesammtvorstand fand es für angezeigt, diese dankbar Ehrenbezeugung zur Kenntniß des Herrn Oberbürgermeisters St. durck eine kurze Adresse zu bringen, und hat der Herr in diesen Tagen an de, Vorstand ein Antwortschreiben gerichtet, welches „dem verbindlichster Dank für die ehrende Zuschrift" Ausdruck verleiht. * Köln, 10. April. Ueber die Beförderung von Juden irr der Armee schreibt die hiesige „Köln. Volkszeitung": Es ist vielfao aufgefallen, daß bei den preußischen Truppen und den unter preußischer Oberhoheit stehenden Kontingenten am 1. April d. I. von den au 1. Oktober 1892 eingetretenen Einjährig-Freiwilligen auch solche jüdische. Religion zu überzähligen Gefreiten befördert worden sind. Bislang ge schah die Beförderung von Juden erst nach neun, höchstens nach sieben Monaten, und es wurde so den Betreffenden die Vorbereitung zürn