Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1893)
- Date
- 1893-04-14
- Page
- Seite 179 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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179 ist ihm Ketzers seines orgerücktem entschädigt ihren; auch?, denen es aren Heimen Sünden lt, weil er vereinst dem e Welt, die :s ihm ge- Tages sich hluß folgt.);r Höhe am hi cd — der s Kind da haben und etzt ruft’-rans cimmi. er? In di- :b wo i ui den Kühen dem ganzen das kömn dazu genie! vas davon i Binele in einmal i» >alt. Vater u». i legt ifjrdas kann ist nirgend. Ihr!" ist ans bein ügt Gabrn als kannst, hi »rin un ganz gewin emacht un1 er. „Tan darauf, sie »Ja," sagt Gabril wieder, „da ist der alte Nanz." „Ach, Vaterle, der ist ja ein Greis, ein eisgran's Männle, hat ja auch ein Weib!" ruft das Mädchen. „O, Dirn, Du!" wehrt Gabril, „er hat einen Sohn, de» Christoph, ist auch ein Einziger — und da kämen zwei Gütle zu einander!" Und er schnalzt vor Vergnügen mit den Fingern.- „Juhe, da sollten die von drüben, die Adligen, einmal Herkommen, nimmer seh'n lassen könnten sie sich mit ihrem Bisle, o je, sell ist gewiß." Dörtle streicht die kleinen Haare aus der Stirn, die mit ihrem Gekräusel ledem Kammstrich widerstehen, und meint: „I möcht in zehn Jahren noch nicht ans Freien denken, Vaterle, und wenn ein Prinz daher kommen thät." „Ein Prinz, Du wunderliche Dirn Du, der wird nun schon nit kommen," lacht Gabril. „Kann Eins nit wissen," ruft Dörtle und kichert, „ob i Dir nit einen bringen thu." „Will's abwarten", meint Gabril und snchi seinen Tabaksbeutel. Das blonde Mädchen wirft die Zöpfe herum, stört Mäusle wieder aus dem Schlaf und sagt: „Dann aber mußt eine Hochzeit ausrichten, wie's Strohgäu noch keine gesehen hat — und da soll selbst das Binele tanzen, was?" Und damit ist sie hinüber zu der alten Magd und rüttelt sie und fragt: „Gelt, tanzt auch auf meiner Hochzeit?" „Du lieber Herrgott", sagt die erschreckt und zieht die blassen Augenbrauen in die Höh', „bist Du ungestüm!" „Tanzen sollst, Binele, daß es ein' Lust ist -- gelt, meine Hochzeit lhät Di doch auch freuen!" schwatzt Dörtle, aber die dürre Magd;eigt ein unbewegliches Gesicht und antwortet: „Es soll Eins sich in der Welt nit zu arg freuen, steht in der Bibel." Dörtle tritt von ihr zurück und schmollt: „Mit Dir ist »immer twas anzufangen, bist allemal wüst unfreundlich." Daun schaut sie neben dem Vater durch die Fensterscheiben und sieht drüben im ondenüäusle Licht. „Da ist der Sabbath vorüber und das Lädle geöffnet! Wie wunderlich, Vaterle, daß die aufhören mit der Feier, just wenn wir mfangen an den Sonntag zu deuten," schwatzt sie. „Sind eben Juden drum," sagt Gabril halb belehrend, halb ierächtlich. „Weißt. Mütterle, ich brauch ein' Faden, den soll i rasch noch icrüberlangen, morgen kann i's nimmer," spricht das Mädel und teht schon wieder bei der Bäuerin. „Nun, so geh. Ein rechte Samstagsruh hast doch nimmer!" it die Antwort. Dem Gabriel klingt das schon wie Tadel. „Weib," sagt er, „morgen muß ja drüben auch geschlossen sein — s Mädel hat Recht, wenns den Faden braucht." Und unter dieser Verteidigung ist das Dörtle schon hinausgeschlüpft über die dunkle Straße, ein kleinen Kramladen zu. II. Freitag Abends sind gar früh die schäbigen Holztäden vor die »einen bleigefaßten Fensterscheiben geschoben, hinter denen man einige er lockenden Kleinigkeiten hervorschauen sieht, die auf den begehrachen Sinn der Dorfkinder wirken sollen, Küglein und Kreisel, bunte -chieferstifte und Schreibhefte mit Darstellungen aus dem Leben Äthers, Kreide und vornehmere Bleistifte und Federn, nud endlich n einem Deckelglase die zuckernen Herrlichkeiten, welche mit dem be- Achneten Worte „Gutsle" belehnt sind. Freitags steigen Frau Sarah Anben und ihre Tochter Lea mit einer verdeckten Schüssel die Holzwege hinauf, thun oben ihre Feiertagskleider an, zünden die Sabbatha»ipe an und essen unter derselben ihr Festtagsgericht. Und am -amstag selber bleiben all die schönen und nützlichen Dinge im Erdgeschoß verschlossen und Frau Sarah bedeckt ihr schneeweißes Haupt mit einer ebenso weißen Mullhaube, die ihr gar feierlich steht, und liest in ihrem hebräischen Gebetbuche, und ab und an läßt sie dasselbe sinken und betet aus ihrem Herzen heraus für ihren Sohn Baruch, der in der Fremde ist, und für ihre Tochter Lea, die so still neben ihr ausivächst. Was sie für den Sohn wünscht, ist Besitz und Ansehn in der Welt und für ihre Lea einen guten Mann, der sie ein häuslich beglückendes Leben führen lassen kann. Wie der sich gerade da in dem Dorfe finden soll, weiß sie nicht — aber das ist auch Gottes Sache, der sie im fernen Böhmen den deutschen Mann hat finden lassen, der noch dazu ein kluger Lehrer gewesen ist und dem sie ein braves Weib war in einer Ditzingen benachbarten kleinen Stadt. Freilich, er ist früh gestorben und sie hat nicht eben reichlich genug gehabt, nun in stiller Wittwentrauer daznsitzen, so hat sie das Häuschen und das Lüdlein in Ditzingen erworben, worin ein ehemaliger Schuster nicht gerade zu seinem Vortheil gehaust hat, und iveil sie fleißig und tüchtig ist, bringt sies voran und hat den Söhn in der Nachbarschaft die bessere Schule besuchen lassen und freut sich nun, daß er draußen in der Welt, womit vorlüusig Stuttgart gemeint ist, sein gutes Fortkommen hat. Samstag Abend ist aber die Sabbathfeier vorüber, da werden rasch noch einmal die bunten Dinge zur Schau gestellt und Frau Sarah weicht nicht aus ihrem Lädlein, denn da fällt mancher Dorffrau noch schirell ein, was sie für den Sonntag beuöthigt, und sie macht „ein Sprüngle hinüber zu Sarahs". In diese Abendstunden drangt sich oft der ganze Wochengewiini zusammen. Die FesttagSkleider sind abgelegt und Mutter nud Tochter hantiren in dem kleinen Raume, in dem eine hochbeinige Bank den Ladentisch vorstellt und wo ein Geruch von altem Eisen und Petroleum, von Häring und hänfenen Stricken herrscht, aus dem sich Jeder den wühlen kann, der ihm am meisten behagt ober ihm am iveuigsten unangenehm ist. Die Dörfler sind zudem nicht empfindsam und die Kinder behaupten einstinnniglich: „Im Lädle im Judenhäusle da riecht's arg gut." Eiire kleine Hängelampe an der geschwärzten Decke wirft ihr Licht über die Köpfe der beiden Frauen und läßt die Gegenstände um sie her i» einem Halblicht, aus dem neue eiserne Ketten, Sicheln und Sensen hervorblitzen. Schneeweiß ist Sarah's Kopf, aber ihre Gesichtsfarbe ist frisch und lebhafte schwarze Augen funkeln unter noch völlig dunkeln Brauen. Lea ist blond und blauäugig, der Mutter nicht ähnlich, stiller und langsamer. Eben hat Lea einem Bauer Zugpflaster, das für Alles gut ist. gereicht und Sarah der Babett Höschele, einer Frau, die gleich nach der Schwaderin als die reichste kommt, ein feuerrothes Haarband für ihr Kind verkauft, das sich, weil's „wollen" ist, dreimal so lang halten wird wie ein seidenes, da geht die Thür ganz leise wieder auf lind ei» schlanker junger Mann in städtischer Kleidung tritt langsam ein. Sarah macht eine Art Verbengnng hinter ihrem Tisch und Lea fühlt es heiß in ihre Wange» steigen vor Verlegenheit, daß ein so vornehm dreinschanender Mensch in den niederen Laden tritt. Der Fremde lüftet ein wenig den Hut und fragt halblaut, ob er gute, haltbare Handschuhe bekommen kann. „O Du mein, mein!" stammelt Sarah und neigt traurig den weißen Kopf. „Handschuh! Ich bitt um Verzeihung, aber so vornehm können wir hier nicht thnn, mit Handschuhen. Käineu Stockflecke hinein, in dem Lädle hier drunten. Und der gnädige Herr Gnaden," — solch schivungvolle Redensarten hat sie aus ihrem Heimathland mitgebracht, — „müssen schon verzeihen der alten Sarah. Aber nur allefpaar Jahr braucht der Lehrer Zwirnhandschuh