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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-04-14 · Heft 15 (14.4.1893) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 15 (14.4.1893)
Date
1893-04-14
Page
Seite 177 (sequence 9)
Language
German
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177 Zudenschaft, die ihm so vielfach zu Dank verpflichtet ist, darauf Zu cnfen, das; am 17. Oktober 1893 der hundertste Geburtstag Mannheimers sein wird. An dem Borstande der Wiener israelitischen Kultusgemeinde wird s sein, das (Geeignete zur Begehung einer Feier an diesem Tage Zu veranlassen: ich wurde es als eine Taktlosigkeit ansehen, Vorschläge in üeser Richtung zu machen. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde wird wohl am besten wissen, was in diesem Falle seines Amtes ist. Wien, im Monat der Eröffnung des Tempels in der Seitenlättengasse, Nissan 5653 (März 1893). U Nie Inden und die Herrschaft der Griechen. Von Ernst Renan. (Fortsetzung.) Die Syrier hatten offenbar nicht viel Vertrauen in die Lebenschigkeit der neuen Ansiedlung, die durch sie nach Jerusalem gebracht wrden; denn sie ließen die Mauern der Stadt schleifen, die sie ls eine dauernde Stütze der jüdischen Sache betrachteten, und da- ' ir errichteten sie auf dem Hügel gegenüber Sion eine besondere itabefle, die sie Akra nannten und die ihrer Besatzung Unterkunft, a' hellenischen Bevölkerung und den Renegaten aber für alle Fälle uflucht bieten konnte. Es zeigte sich, daß diese Vorsicht keine über- ' nssige war. In dem langen Kampfe, der bald folgen sollte, blieb kra immer in den Händen der Syrier, und erst nach 26 Jahren, it Jahre 141, sollte es durch die Juden erobert werden. Der jüdische Kultus war unterbrochen; das ewige Opfer, das 1 iimid, hörte auf. Der Tempel ward den neuen Bedürfnissen ge-! aß umgestaltet. Der Schutzgott der syrischen Propaganda war der ympische Jupiter. An Stelle Jahve's trat der Obergott der H eiden. Die innere @uirid)tmic; des Tempels war bereits zwei , ihre früher geplündert worden; man hatte damals den Altar der -ohlgerüche, den siebenzweigigen Leuchter, den Tisch der Opferbrode ' rtgeschleppt. Welche Veränderungen die Heiden im Allerheiligsten : -rchgeführt hatten, war unbekannt; die Pforten desselben waren ' ^schlossen; nach hellenischem Brauche war übrigens einzig und lein der große Altar vor den: Tempel von Bedeutung. Da ere \nete sich denn eine sehr ernste Thatsache. Eine Jupiter - Statue irde auf einen hinter dein Altar errichteten Sockel gestellt, so zwar, h -ß die Opfer ihr dargebracht werden mußten. Dieses Bildnis; ü ßte den Juden unsäglichen Abschell ein. Sie erinnerten sich des ratunls der Errichtung dieser Statlie; es war der 15. Kislew des ( ihres 145 der Seleneiden, mithin int Dezember 168 vor Christus. ' ar Bezeichnung des Standbildes bebtenten sie sich der schärsstell hhorte; sie nannten es „den bösen Koth", oder „dell Gräuel der > rwüstung". Der Gipfelpunkt des Entsetzens für Israel war in £vc That erreicht. Jahve war verdrüllgt durch einen Götzen, der * der Schwelle seines Tenlpels den Rauch der ihm dargebrachten Oster enlpsing. 6ine ähnliche Schälidung war nod) nie erhört k vben. Nabukodonozor hatte das Heiligthum zerstört; diesesmal r.' er war ein fremder Gott in Jahve's Tempel eingezogell, um bestell l-ueil hinwegzunehlnen. Aehnliche Altäre waren dem olympischen Jupiter and) in den o üschen Städtell unr Jerusalem errichtet: Jahve wllrde selbst bis in ' u Heiligthum von Garizim verfolgt. Tort herrschte der Dienst Zeus Xenios. Zweifellos bot die samaritanische Bevölkenlllg g'-eiligeren Widerstand auf als die jüdische; man spricht nicht von naritanischen Märtyrern in dieser Epoche. In derselben Zeit, da der griechische Kllltus in ganz Judäa eingeführt wurde, war der jüdische Kultus daselbst die Beute einer grausamen Verfolgung. Die Beschneidung, die Heiliguilg des Sabbaths nnb andere jüdische Religionsbräuche waren bei Todesstrafe verbotell. Ter Bibel, als der Ursache alles Nebels, war der Krieg erklärt; alle Eremplare der Thora, die man nur irgend auftreiben konnte, wurden vernichtet. Allmonatlich fanden Inspektionen statt, um die Gesetzbücher zu konfisziren nnb um nachzusehen, ob sich llicht ein neuer Fall von Beschneidung zugetragen. Zur Zeit der Bacchanalien mußte alle Welt nothgedrnilgen den Festlichkeiten anwohnen, das Haupt von Ephell bekränzt. Das biblische Verbot des Genusses von Schweinefleisch gab Anlaß zu tausend Nörgeleien. Die Tempelhöse wurden Schauplätze von Orgien; die Heiden kamen dahin, um mit ihren Buhlen zu schwelgen. Man erzählte sich von diesen Ausschreitungen haarsträubende, gewiß auch übertriebene Tinge. Zwei Frauen wurden vor Gericht geschleppt unter der Anklage, ihre Kinder beschnitten zu haben. Man hing ihnen die Kinder an die Brüste nnb warf sie so die Mauern hinab. Leute, die sich in eine Höhle zurückgezogen hatten, uni den Sabbath zu feiern, ließen sich dort durch den Rauch eines von außen gelegten Feuers ersticken, ohne daß sie es wagten, sich zur Wehre zu setzen. Zahlreiche Märtyrer-Legenden bildeten sich. Der greise Eleazar, der eine harmlose Ausflucht ablehnt, die ihm das Leben retten konnte; die Mutter, die der Folterung ihrer sieben Söhne anwohnt und ihnen Muth zuspricht, sie sind die ersten Typen dieser Legenden, mit welchen später das Christenthum Staat machte. Die „Thaten der Märtyrer", wie alle Zweige der christlichen Litteratur wurzeln eben in Israel. Die furchtbare Erschütterung, welche diese tragischen Verhältnisse int Gewissen des armen Israel Hervorrufen mußten, rang nach Ausdruck in gluthvollen Gebeten und Elegien. Tie Form der Elegie und des Gebets aber war bei den Juden der Psalm. Ztveifellos entstanden in dieser Zeit solche Psalmen. Aber finden sich dieselben auch im gegenwärtigen Buche der Psalmen? Das ist eine viel umstrittene Frage. Die Seele Israels nun wohl unverändert geblieben, aber verändert hatte sich die Sprach?, nnb wir glauben, daß die Stücke aus dem Zeitalter des Antiochus unschwer zu unterscheiden wären von den klassischen Psalmen älterer Epochen. Das Jahrhundert war kein litterarisches; die Sprache war verflacht und schwunglos geworden. Die wichtigsten Veränderungen hatten sich eben in der Empsindungswelt und in den religiösen Anschauungen vollzogen. Die alten Gesichtspunkte ließen sich nicht weiter behaupten. Der begrenzte Horizont, den Israel bis dahin stets vor Augen gehabt. mußte um jeden Preis ausgedehnt werden. Israel hatte bis zu dieser Zeit nichts weiter gethan, als, umschlossen von einer Mauer, Träume der Unendlichkeit gesponiieu. Diese Mauer tvird nun fallen. Israel wird der Welt die Unsterblichkeit verkünden, die es bisher nicht gekannt nnb die es auch dogmatisch nicht anerkannt hat. III. Die Idee, daß die Tugend belohnt werden muß, ist die logischeste jener Ideen, aus welchen der menschliche Geist sich zusammensetzt. Tie Idee aber, daß die Tugend thatsächlich belohnt wird, bildet eine gewagte Behanptuiig, 511 welcher der Israelit durch sein schrankenloses Vertraiien in die göttliche Gerechtigkeit geleitet worden ist. Gott will die Tugend und er gebietet sie, folglich belohnt er sie anch. Gott ist ja allmächtig; und verließe er Denjenigen, der sich seinen! Willen uuterlvirft, so wäre das absurd, ein Trug, eine empörende Ungerechtigkeit. Wo findet aber solche Belohnung der Gerechten, solche Bestrafung der Bösen statt? Diese Frage wäre für den alten Semiten

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