Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1893)
- Date
- 1893-04-14
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
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173 mg: Kriegs esston. stlichen ini ' Zur Unter n. französische! .Interflütpni -i 200,000 M var je zur L80 Mk. an verschiedene die hiesi e g. »ensgenosse'-.. Armen d r sses Unte rt Mädch^ ü und Unte 4. 3000 m. Waisenhau; für jmie er Neligio-!< Rabbine r abbin at orstand de igion 900.1- Reichenheim-Böckhsches Stipendium 1860. Stifter: Leonor Reichenheim. Dasselbe wird einem christlichen und j jüdischen Studirenden zu gleichen Theilen gewährt. Jakob Salingsche Stiftung 1864. Stifter: Jakob Saling. Stipendium für Studirende der technischen Hochschule ohne Unterschied der Konfession. Simon Bohmsche Stiftung. Fonds: 75,000 Mk. Ein Drittel der Zinsen wird an Personen mosaischer Konfession und zwei Drittel an Personen anderer Konfession vertheilt. Wullffsche Stiftung 1800. Stifter Liepmann Meyer Wullff. Fonds: 72,500 M. Zur Aufmlfe jüdischer Familienväter. Selbst ein kurzer Ueberblick über die Reihe dieser dem amtlichen Verzeichniß entnommenen Stiftungen spricht in erfreulicher Weise zu j Ärmsten des Wohlthütigkeitssinns unserer Glaubensgenossen, deren : Stiftungen 20 Prozent der wohlthatigen öffentlichen Stiftungen überhaupt ausmachen. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß diese Legate | mit Ausnahme zweier alle erst in diesem Jahrhundert in die Oeffentlichkeit traten, da vor dieser Zeit, vor der Emanzipation, die ■ Wohlthätigkeit eine rein interne und zum großen Theil religiöse! Angelegenheit der jüdischen Gemeinde war. Heute kommt die Ausj mldulig, welche der Wohltätigkeitssiun innerhalb unserer Glaubenslemeinschaft erhielt, der Allgemeinheit zu Gute.! Dem Wohlthütigkeitssinn unser Glaubensgenossen wird in obigem! Aerzeichmß ein Zeugniß ausgestellt, das zu belehrenden Vergleichen , liffordert. Gerade die alteren Stiftungen alls dem erstell Viertel! meses Jahrhunderts lnachen dieses Zellgniß doppelt werthvoll, da! ieselben voll Stiftern herrühren, welche mit dem heute so stark an-! .feindeten „Großkapital", dem man llicht einmal das „Geben" mlnt, nichts zu thun hatten; es sind in saurer, harter Arbeit erworbene Spargroschen, die hier der öffentlichen Mildthütigkeit überj üben wurden. Wenn nach heutiger Rechnung das Stiftlingskapital! ür die erstrebten Zwecke nicht bedeutend genug erscheint, so muß I illiger Weise berücksichtigt werden, daß damals das Geld einen I öheren Werth hatte und die Zillsen sich zu höherell Betragen j nsammeln konnten. — Noch einige Worte über die in den Stiftungen! u Tage tretenden Intentionen.! Ein hervorragerlder christlicher Arzt sah einmal bei mir die ' Zeitling des Judenthums" und machte die Bemerkung, daß ihm all ent Jnseratentheil der jüdischen Wochenschriften die vielen „Heiraths-! .nzeigen" mißfielen. Ich erzählte ihm darauf, daß ein jüdischer; ehrer meiner Bekanntschaft mir einmal ein Gestündniß in dieser! Beziehung gemacht hat. Der Mann war Mathematiker, lmd so ieiöete er seine Bemerkungen in die Form eines Rechenexempels. Drei jüdische Mädchen, welche in Frage kommen könnten, sind in ieser kleinen Stadt; da nun ein junger Lehrer wie ich, in bescheidenen Verhältnissen, keine Mittel hat, unl Erholungsreisen zu machen, auf men sich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden läßt, ich uch schüchterner Natur bin, ferner auch zwei von den drei Grazien i unserem Städtchen keinesfalls einen Lehrer zum Manne haben -ollen, so ist das Exempel mit der unbekannten Frau in spe für mich sehr einfach, — ich werde wohl oder übel den Kreis meiner Nnnenbekanntschaft durch ein Inserat oder einen glücklichen „Anfall" > r erweitern suchen müssen." Dem Arzt schien es nunmehr einleuchtend, oß die Cirkel Amors vielen unter unseren Glaubensgenossen enger bezogen sind als sonstwo, ich berichtete ihm daher beiläufig, da mes der obengenannten Mädchen zu arm war, um sich selbst eine Aussteuer beschaffen zu können, noch von einer bei uns bestehenden Stiftung „Hachnaßat Kallah". Der edle Zweck dieses Vereins leuchtete Out derart ein, daß er sofort einen Beitrag zeichnete. Belehrung an richtiger Stelle wirkt oft Wunder. Die Antisemiten aus Prinzip sind freilich nicht zu belehren, sie wollen selbst der jüdischen Barmherzigkeit etwas am Zeuge flicken und so haben sie denn in unfern Tagen das Schlagwort ausgesprengt: „Die Israeliten geben nur dann, wenn es an die „große Glocke" kommt". Bert hold Auerbach hat einmal in seinem volksthümlichen Werk „Zur guten Stunde" diesen Herrschaften, die zumeist „aus Prinzip gar nicht geben", gründlich heimgeleuchtet, indem er ausführt, daß bei öffentlichen Sammlungen für Zwecke der allgemeinen Humanität, so berechtigt und edel anonyme Spenden in einzelnen Fällen sein mögen, Derjenige doppelt giebt, der mit Nennung seines Namens giebt, denn er regt auch Andere zum Geben an. Die „große Glocke" ist also oft nothwendig. Der Triebfedern menschlichen Thuns giebt es gar viele. Möge man immerhin auch selbst unsere Wohlthätigkeit für Tendenzzwecke unter die Lupe der Kritik nehmen. Das Wort „sie sollen lassen stahn": „Bne Jisrod raclimanim." M. F. d Bie Noeption der jüdischen Konfession in Ungarn. Von E. B l u m grün d. Budapest, im April. Der frische Odem des nationalen Lebens in Ungarn, seit dessen Anbruche ein Vierteljnhrhuudert verstrichen ist, verscheuchte den harten Winter, dem heftige Stürme, tobende Gewitter, deren verheerende Gewalt das ungarische Volksthnm schier entwurzeln zu wollen schien, vorangegangen waren. Es wurden Bedingungen geschaffen, an welche das künftige Gedeihen der ungarischen Nation getnüpft war, es wurden so manche Gebilde einer längst hingewelkten Vergangenheit, welche noch den Institutionen anhafteten, vernichtet. Ein gewisses allgemeines Sehnen, aus der engen Umfriedung des rein konfessionellen Lebens hinanszngelangen, bemächtigte sich damals des ungarischen Israel. Die Gesetzgebung war auch endlich durch die Entwicklung der allgemeinen Verhältnisse gezwungen, die Härten, welche sich ans den Unterschieden zwischen ungarischen Bürgern und der großen Zahl aller Derer ergaben, welche nicht als ungarische Bürger leben konnten, durch eine ausgiebige Verleihung dieses Rechtes wenigstens einigermaßen auszngleichen. Der Gcsetzartikel (1807.17. G.), der die israelitischen Einwohner Ungarns zur Ausübung aller bürgerlichen und politischen Rechte für gleichberechtigt erklärte, ermöglichte nun den Inden, ihre Schaffenskraft im Interesse der Gesamm heit zu bethätigen, an der Errichtung jener Bürgschaften Theil zu nehmen, welche Ungarn eine gesicherte Zukunft verheißen, die treuesten Apostel der ungarischen Staatsidee zu werden und jene Bedingungen zu schaffen, welche das Wohl Ungarns, die ungeschmälerte Freiheit sichern. — Es wurde zwar durch die Jnartiknlirung dieses Emanzipationsgesetzes so Manches erreicht, was früher als verwegene Hoffnung galt, und so Manches wurde verwirklicht, lvonach man vergebens zu ringen schien. Es ist aber nach einem Vierteljahrhundert noch immer nicht die Zeit gekommen, befriedigt auf den Weg znrückznblickeu, der hinter uns liegt, da das Endziel, dem lvir zuzustreben haben, noch nicht erreicht ist. Denn das Prinzip der Gleichberechtigung wurde nicht vollkommen zur Anerkennung gebracht, sondern es wurde vielmehr stark eingeengt. Man setzte ihm gewisse Schranken, man zwängte es in schwere Fesseln ein, bevor es in das Bewußtsein des Volkes überging, bevor es' sich in seiner Reinheit verwirklichen konnte. Durchden Gesetzartikel (1808, 53.) über die rezipirten christlichen KonfesMnen büßte die Gleichberechtigung von ihrer idealen Vollendung