Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1893)
- Date
- 1893-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Gerlin, 7. April 1893. fiele, das >n genäht, len! Und Niemand, che Reden rts. folgt.) -aubenberg m meinen durch die en Tagesche Volksan meine bekannten ten, ist bei ine Schuld lungseuteu Nachrichten, ersönlicher! so wichste irr der sieu ganz genügen, chm. iskussiousi Meinung Zamb us. ZI. März. iedauerus in Berlin n Geheim x erklären hum feine tliche f8* ichnet itub r Geheim s nur mii immelreicl) n für bac Es bitrftr innrehr in re „Real :, Landes s der wir „Gesetz" " n. a. m. Dr. S. T. im Mürz. lgende Be Dr. David rgebildeten s gemein i aber wird der Rosck gl; nur in in, Lehrer. in. 57. Jahrgang. Nr. 14. W erläge zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 4. April. Bei der Wichtigkeit der Beschlüsse bezüglich der Sterrervorlagen halten wir es für nothwendig, noch einmal auf die letzte Sitzung der Repräsentantenversammlrrng zurückzukommen, zumal in unseren ersten Bericht sich einige Jrrthümer eingeschlichen hatten. In Folge der durch die Selbsteinschätzung veränderten Form der staatlichen Besteuerung hatte sich auch bei der Gemeinde die Nothwendigkeit einer Neuorganisation des Steuerwesens geltend gemacht. Bisher war bekanntlich jedes Einkommen steuerpflichtig; der geringste Steuersatz bej trug 6 M., doch herrschte mit Bezug auf die Einziehung dieser Stufe; eine milde Praxis in der Verwaltung. Es hatten sich aber jetzt innerhalb des Repräsentantenkollegiums Anschauungen geltend gemacht, welche ihren Ausdruck in dem Antrag des Herrn Leichtentritt fanden: „Denjenigen Gemeindemitgliedern, deren Einkommen bis 1800 M. betrügt, die Steuer gänzlich zu erlassen, ohne daß sie das aktive und passive Wahl-! recht verlieren sollten." Gegen diesen Antrag wurden juristische Bedenken! geltend gemacht, da nach § 41 des Gesetzes von 1847 die Ausübung des! Wahlrechtes an die Zahlung eines Beitrages gebunden ist. Der Antrag; Simon suchte nun eine Vermittelung herbeizuführen, indem er den nie-! drigsten Steuersatz für die Einkommen bis 1500 M. auf 4 M. ermäßigt! missen wollte, fand jedoch keine Majorität. Angenommen wurde schließ- , ich nach langer Debatte die Vorlage des Vorstandes mit den vom Finanz-! ausschuß vorgeschlagenen Aenderungen, nach welcher nunmehr diejenigen,! oeren Einkommen nicht über 1200 M. beträgt, steuerfrei bleiben, dann edoch des Wahlrechtes verlustig gehen, alsdann diejenigen, deren Einommen bis 1800 M. beträgt, 6 M. jährlich zu zahlen haben und nach! inigen Zwischenstufen die Einkommen von 3600 M. ab voll und gleichmäßig in Ansatz gebracht werden. Als Grundlage soll überall das dem Staate zu versteuernde Einkommen dienen. In einer Resolution wurde chließlich dem Vorstande anheim gegeben, Mitglieder, welche nebenher 1 außerhalb Berlins Einkommen haben und daraufhin an auswärtige Geneinden Steuern zahlen, hier entsprechend zu ermäßigen. — Im Uebrigen emerken wir noch nachträglich zu jener Sitzung der Repräsentanten-; Versammlung, daß nicht Herr Maurermeister Fränkel in den Vorstand ver neuen Synagoge gewählt wurde, sondern vielmehr Herr H. Landsberger in diesem Amte verblieben ist. Berlin, 4. April. Mit Bezug auf die Angelegenheit der üdischen Krankenpflegerinnen sind uns verschiedene Anregungen ins dem Leserkreise zugegangen Als besonders wichtig erscheint uns •ie Thalsache, daß das hiesige „Viktoriahaus für Krankenpflege" unter em Protektorat der Kaiserin Friedrich nach seinem letzten Bericht in der : läge ist, Privatkrankenpflege im größeren Maßstabe zu übernehmen. Als erster Zweck des Vereins wird angegeben: „Eröffnung eines ehrenvollen, segensreichen Berufes für gebildete Mädchen ohne konfessionelle Beschränkung". Nun ist bisher allerdings prinzipiell kein Beschluß iber die Zulassung jüdischer Krankenpflegerinnen gefaßt worden, weil noch keine Veranlassung dazu Vorgelegen. Wir möchten aber int Inter- ’ ffe der Sache praktisch darüber eine Entscheidung herbeiführen und bitten darum jüdische Mädchen oder Frauen, die sich der Krankenpflege widmen vollen, um nähere Angaben, damit wir dieselben zur Aufnahme in das Mtoriahaus anmelden können. Berlin, 5. April. Durch verschiedene politische Blätter ging in 1 diesen Tagen die ziemlich gleichlautende Mittheilung, daß die „Allgemeine Leitung des Judenthums" einen Artikel für die Annahme der Militärnorlage aus Gründen, die mit dem Interesse des Judenthums msammenhängen, gebracht habe. Diese Nachricht ist absolut; jalsch, wie unsere Leser wohl wissen. Wir haben über die Militärvorlage überhaupt keinen Artikel gebracht und überdies jederzeit z vor einer Vermischung politischer mit religiösen Fragen eindringlich! gewarnt.! * Berlin, 5. April. Mit Bezug auf den Prozentsatz der jüdischen Schüler zu den übrigen an den hiesigen Schulen bemerken wir: Das Friedrichs-Werdersche Gymnasium zählte am 1. Februar d. I. 524 Schüler, es waren 275 evang., 32 kath., 7 dissid. und 210 jüdische. — Der Besuch des Luisenstädtischen Gymnasiums bezifferte sich auf 672 Schiller, 425 evang., 17 kath., 3 dissid. und 133 jüdische. — Das Künigstädtische Gymnasium hatte 614 Schüler, 379 evang., 17 kath., 3 dissid. und 215 jüdische.— Am Schluß seines elften Schuljahres zählte das Lessing- Gymnasturn 599 Schüler, davon waren 536 evang., 32 kath, 4 dissid. und 27 jüdische. — Das Luisenstädtiscke Realgymnasium hatte 705 Schüler, 521 evang., 7 kath., 4 dissid. und 171 jüdische — Das Königstädtische Realgymnasium hatte 738 Schüler, 553 evang., 8 kath., 1 dissid. und 176 jüdische. — Das Andreas-Realgymnasium zählte 783 Schüler. Davon waren 572 evang., 18 kath, 1 dissid., 92 jüdische. — Aus dem Umstande, daß zu Michaelis 1890 unter acht Abiturienten des Königstädtischen Gymnasiums sieben und von acht Abiturienten des Friedrich-Werderschen Gymnasiums alle jüdischen Glaubens waren, ist der Schluß gezogen worden, daß die jüdischen Schüler einen erheblich größeren Antheil zu den Gymnasial-Abiturienten stellten als die übrigen. Wenn sich die Frage aus dem vorhandenen Material auch nicht direkt entscheiden läßt, so müßte doch unter sonst gleichen Verhältnissen der Antheil, den die Juden unter den Abiturienten haben, ihrem Antheil unter den Schülern überhaupt entsprechen. In den zehn Jahren Michaelis 1881 bis Ostern 1891 entließen sämmtliche Berliner Gymnasien 3032 Abiturienten, darunter 675 Juden oder 22,26 v. H.; im Durchschnitt der 10 Jahre Ende 1881 bis Ende 1890 waren 21,35 v. H. aller Gymnasiasten jüdischer Religion; es ist allerdings der Antheil der Juden unter den Gymnasial-Abiturienten ein wenig höher, dagegen bei den Realgymnasien (13,14 v. H. Schüler, 5,24 v. H. Abiturienten) und Ober-Realschulen (7,39 v. H. Schiller, 3,66 v. H. Abiturienten) erheblich niedriger als ihr Antheil unter sämmtlichen Schülern. # Schnlitz, 30. März. In dieser Woche beging die hiesige israelitische Gemeinde unter reger Theilnahme seitens der städtischen Bevölkerung sowie der Nachbargemeinde Bromberg die Einweihung ihres neu erbauten Gotteshauses. Nachdem die reich geschmückten Thorarollen vor das Portal der Synagoge gebracht worden waren, überreichte der Erbauer des Hauses, Herr Rudolf Berndt aus Bromberg, den Schlüssel desselben mit einer kurzen Ansprache dem Gemeindevorsteher Herrn Moritz Friedländer, der ihn mit dem Hinweis auf den allen Konfessionen gemeinsamen Glauben an einen Gott dem Vertreter der königlichen Regierung, Herrn Landrath von Unruh aus Bromberg, übergab Unter kurzen, kernigen Worten öffnete derselbe die Pforten der Synagoge, und unter dem volltönenden Gesänge des Bromberger israelitischen Gesangvereins erfolgte der Einzug in das Gotteshaus. Sodann hielt Herr Rabbiner Dr. Walter aus Bromberg die Weihepredigt und schloß mit einem Gebete für Kaiser und Reich. Abermaliger Gesang endete die synagogale Feier. Das an dieselbe sich anschließende Festmahl brachte eine Reihe von Toasten, unter denen derbes Herrn Landrath von Unruh hervorgehoben zu werden verdient. Er sei erfreut über die bei der synagogalen Feier zum Ausdruck gekommenen Gesinnungen und wünsche und hoffe, daß der Antisemitismus hier nie einen Boden finden würde. Während des Festmahls fielen auch zahlreiche Spenden für das neue Gotteshaus. Herr Moritz Ephraim aus Bromberg eröffnete die Reihe derselben. Das neue Gotteshaus (feine reich geschmückten Decken und Vorhänge entstammen dem Atelier des Frl. Jenny Bleichrode aus Berlin) ist ein ehrendes Zeugniß für den Opfersinn der nur 14 Familien zählenden Gemeinde. 0a. Aus Schlesien, 31. März. Am 20. d. M. starb in Schweidnitz Mittags 1 Uhr nach kurzem Krankenlager im Alter von nur 66 Jahren Herr Sigismund Cohn, welcher lange Zeit Mitglied des Vorstandes der dortigen Synagogengemeinde gewesen war. Derselbe bewies, was besonders hervorgehoben sei, stets reges Interesse namentlich für den dortigen israelitischen Frauenverein, wie er überhaupt ein Ehrenmann und Wohl-