Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-04-07 · Heft 14 (7.4.1893) · p. Seite 168

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 14 (7.4.1893)
Date
1893-04-07
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3228001--49682-3271259
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

168 „Sell ist mm arg neu!" antwortete Dörtle und ist schon wieder am andern Ende von der Stnbe und schlägt dabei dem Hannele leicht auf die Schulter. „Da weis; i Besseres! Morgen ist Tanz im Adler!" ' „Oho!" ruft Gabrit, „dahin willst wohl gar?" „Verrathen ihn i nix!" antwortet Dörtle und lacht. „Mann, Gabril," spricht die Bäuerin flüsternd, „wenn es sein; Herz drauf setzt, da wehr ihm nit. Was jung ist, das begehrt nach Lustbarkeit!"! „Oh, wehren!" antwortet Gabril und kratzt sich hinter den ' Ohren und feint Miene scheint zu sagen: „Das hüls' blutwenig", laut kommt es daun nach: „'s ist wegen der Gesundheit." „Ach, Du, schau auch!" ruft die Schwaderin, „i Hab nimmer tanzt und bin kraut — und i kenn Leut, die haben sich arg verianzt und Hai ihnen nix gethan!" „'s ist Alles in der Welt unterschiedlich!" meint Gabril Schwaderer — er Hai einen ganzen Vorrath von klugen Sprüchen, die er fast in regelmäßiger Reihenfolge anbringt. i Daun zündet Biuele langsam und beinahe feierlich eine Peiroleumlampe an, das ist eine Neuerung, welcher der Bauer gleich gut gewesen ist, wie der Eisenbahn auch — und Hannele breitet das Tischtuch aus, und bald steht eine riesige offene Suppenschüssel in der Mitte, die zwei Knechte kommen und mit Schweigen wird die Abendmahlzeit eingenommen. Das Dörtle hält das immer schwer aus und freut sich allemal, tveun die Löffel niedergelegt sind. Daun gehen die Knechte hinaus, sicher zum Schoppen, und die Mägde sitzen unweit der Fra» mit einer Arbeit nieder—an de» Sonntagsgewnndern giebt's auch zuweilen zu richten. Gabril zündet seine kurze Pfeife an und ivandert mit gewuchtigen Schritten auf und nieder. Dörtle kramt au einer Schublade. „Tu auch!" sagt der Bauer und bleibt nach einer Weile bei seiner Frau stehen, „der Herr Helfer ist heut drüben am Weinberg zu mir getreten." „Freilich," nickt Rösle, „mit Dir kann so Einer gut schwätzen." Sie ist immer stolz auf ihren Gabril. „Vom Kind hat er begonnen," fährt der fort, „'s könnt Einer feine helle Freud' au ihr haben, so ivohlgestaltet mtb gesund sei's. Freilich, noch ein Bisle nnvergohreii." „Unvergohren!" wiederholt die Schwaderin, „was jung ist, das ist nit besonnen." „Woher sollt's kommen?" „Ei wohl, ivohl! sell ist gewiß!" bestätigte Gabril. „Ein junger > Most will gähren! Und der Helfer meint, wir.kömiteu's, wir hätten's dazu und schaden könnt so was nimmer und gut thun fürs gairze! Leben! Freilich die Trennung, die würd uns authun." Und da! mutz ihm tvohl Rauch in die Kehle gekommen sein, denn er hustete j plötzlich ganz gewaltig.; „Id, was denn?" ruft Rösle und läßt die Katze vergeblich den , schönsten Buckel neben sich machen, „wenn Einer sich dadrin finden j könnte. Du magst's verstehn, aber Unsereins muß erst eine Klarheit j drin haben." „Bist die Schwaderer Bäuerin und für dumm kann Dich nimmer Eins kaufen," sagt Gabril. „Mit dem Aemtle konnnt's Verständle. Das Dörtle sollt' 'nein in die Stadt, meint der Herr Helfer und da Allerlei lernen, wie Eins Kleider macht und fein näht und klug spricht — kurz, was weiß i!" Da richtete sich Rösle in ihrem Stuhl auf und stößi Mäusle ungeduldig mit der Fußspitze zurück und spricht: „I bin die Schwaderin und Hab' mein Ansehn im Dorf! Da kann nit Eins vor nii hiutreten und au mein' Ehr und Ansehn rühren — aber all da hab's i doch nimmer gekonnt. Da ist der Geigcrles Schneider, der kennt sein Sach', und Unrecht wärs, den Leuten ihr Brod zu nehlnen, und da ist das Hopfen-Mariele, das näht, wie's keins nachmachen kann, schier blind hat's sich schon genäht, so eine Kunstfertigkeit hat's drin, dem ist nit über zu kommen! Und was das Klugschwätzen anlangt — schau, Gabril, da ist Niemand, der Dir's nachthut. Nit der Lehrer und nii der Küster! Solche Reden kann Keiner führen, als Du sie weißt, Gabril!" (Forts, folgt.)? Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! Die Form, in der in der letzten Nr. Herr Bernhard Traubenberg mein Deinenti seines Artikels beantwortet, zwingt sehr gegen meinen Willen mich einer nochmaligen Antwort in zwei Dingen. 1. Sachlich ist zu bemerken, daß, als die falsche Nachricht durch die Zeitungell ging, mir auffiel, daß die in Palästina bestorientirten Tageszeitllngell. Norddeutsche Allgemeine, Neue Preußische und Kölnische Volks- Zeitung, die Nachricht nicht brachten. Ich schrieb deshalb an rneine Freunde in Jerusalem llnd die Antwort veranlaßte mich zu dem bekannten Denienti Daß inzwischen aber 3 Wochen Zeit vergehen mußten, ist bei der bekannten Postverbindung selbstverständlich. 2. Persönlich habe ich zu bemerken, daß es gewiß nicht meine Schuld ist, wenn Herr Traubenberg schon öfter auf Grund von Zeitungsenten Artikel geschrieben hat, die dann zusammenfielen, weil eben jene Nachrichten, auf die sie aufgebaut waren, sich als falsch erwiesen. Ein persönlicher Angriff gegen Herrn Tr. liegt mir fern. Die ganze Frage der Kolonisation Palästinas ist aber eine so wichtige und für unsere Brüder so ernste, daß nur Derjenige sie in der Oeffentlichkeit behandeln sollte, der wirklich mit den Verhältnissen ganz genau vertraut ist. Zeitungsnachrichten sollten nicht genügen, um daraufhin znrathende oder warnende Artikel zu veröffentlichen. Schließlich lade ich Herrn Traubenberg nochmals zum Diskussionsabend des „Esra" in der nächsten Woche ein, dort kann er seine Meinung persönlich vertreten. Ihr sehr ergebener W. Bambus. ¥ Leipzig, 31. März. Geehrter Herr Redakteur! Dem denkenden Theil der Leser Ihrer Zeitung dürfte die bedauerns werthe Thatsache nicht entgangen sein, daß das Herrenhaus in Berlin die Petition aus Strehlen, betreffend die Revision der jüdischen Geheim gesetze, dem Ministerium zur Beachtung empfohlen hat. Wir erklären hiermit in Bezug darauf mit Flachdruck, daß das Judenthum keine Geheimgesetze hat rmd kennt; alle seine Gesetze sind öffentliche Be^ stimmungen, für alle Welt in den jüdischen Gesetzescodiees verzeichnet und gedruckt. Zu seinen Wiffensfächerrr gehört wohl auch das einer Geheim lehre, bekannt unter dem Namerr „Kabbala", aber diese hat es nur uni Philosophemen über Gott, Welt, Menschen, Offenbarung, Himmelreick u. n. m. zu thun. Die Aufstellung von Gesetzen und Normen für dac praktische Leben des Juden liegt außerhalb ihrer Sphäre. Es dürste hier zur Orientirung darüber am Orte sein, auf die nunmehr ii. dritter Auflage bei R. F. Koehler in Leipzig erschienene „Real Eiwyclopädie für Bibel und Talmud" von Dr. I. Hamburger, Landes rabbiner in Strelitz (Mecklenburg), aufmerksam zu machen, aus der wir hierzu die Artikel: „Geheimlehre", „Kabbala", „Mystik", „Gesetz" „Lehre und Gesetz", „Tradition", „Rabbinismus", „Talmud" u. a. m. besonders hervorheben und bezeichnen. Dr. S. T. $ Luckenwalde, im Mürz. Geehrter Herr Redakteur! Gestalten Sie mir zur Richtigstellung der Notiz „Jichus" folgende Bemerkungen: In Nr. 8 lesen wir unter „Miscellen",daß der selige Dr. David Cassel den mittleren Tag der Jemö Hagbalah mit dem eingebildeten „Jichus" verglichen. Der große Gelehrte kann dies niemals gemeini haben, denn alle drei Tage sind von gleich großer Bedeutung; wohl aber wird er unter dem „Jichus" den 2. Sivan verstanden haben, welchen: der Rosck Hachodesch voraugeht und der erste Tag der Jemö Hagbalah folgt; nur in diesem Falle lehnt er sich an etwas Wichtigeres an. G. Chaim, Lehrer. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.